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31.07.07 08:12
Interview mit Peter Haider, i-sense software GmbH

"Die Frage ist eher: Wie schaffe ich es, das Produkt erfolgreich zu machen"

förderland im Gespräch mit Peter Haider, Mitgründer der i-sense software GmbH, über vier Neuerungen, Venture Capital als Wachstumsbeschleuniger, die Suche nach talentierten Köpfen und eine web-basierte Enterprise Groupware Plattform.
Peter Haider, Mitgründer der i-sense software GmbH.

Peter Haider, Mitgründer der i-sense software GmbH. Bild: i-sense software GmbH

förderland: Herr Haider, würden Sie sich und die i-sense software GmbH bitte kurz vorstellen?

Peter Haider:
i-sense ist eine web-basierte Enterprise Groupware Plattform. Ziel unserer Software ist es, Unternehmen und Projektteams die bereichsübergreifende Zusammenarbeit zu erleichtern und ihnen damit zu helfen, Zeit zu sparen und bessere Ergebnisse zu generieren.

Die meisten Groupware Anwendungen beschränken sich heute sehr stark auf E-Mail, Kalenderfunktionen und Aufgabenverwaltung. i-sense geht einen Schritt weiter, da unsere Plattform nach dem "Lego-Prinzip" beliebig angepasst und erweitert werden kann. Zum Beispiel bieten wir auch Anwendungspakete für CRM und ERP an, welche direkt in die Groupware integriert sind.

i-sense wurde vor zwei Jahren von meinem Freund Benjamin Coutu und mir gegründet. Seitdem haben wir die Entwicklung konsequent vorangetrieben. Seit Juni sind wir mit der Markteinführung unserer zweiten Release beschäftigt, die auf unserer Homepage heruntergeladen werden kann.

Ich selbst arbeite bei uns als Geschäftsführer und bin damit für relativ vielseitige Bereiche zuständig. Zu Beginn der Entwicklung war meine Rolle eher technischer Natur. Da fiel alles, was mit Web-Design, Layout und Linux zu tun hatte, in mein Ressort. Heute sind meine Aufgaben überwiegend betriebswirtschaftlich geprägt, da Themen wie Finanzen und Marketing nun eine entscheidende Rolle spielen.

förderland: Wie und wo ist Ihre Geschäftsidee eigentlich entstanden?

Haider:
Benjamin und ich haben schon vor dem Studium als Entwickler und IT-Berater gearbeitet. Im Laufe der Jahre kamen wir mit immer mehr Anwendungssystemen in Kontakt und haben uns immer wieder darüber geärgert, wie schlecht diese zusammenarbeiten. Jeder von uns erlebt das im täglichen Geschäftsleben. Haben Sie schon mal summiert, wie viel Zeit sie täglich damit verschwenden, irgendwelche Daten manuell einzugeben, abzugleichen und zu korrigieren? Oder wie oft mussten Sie schon sagen "Oh, die E-Mail hab ich grad auf meinem Laptop und der ist grad zu Hause", etc.?
Solche Dinge hatten wir täglich. Uns war damals also klar: wir brauchen eine Plattform, die wir überall und mit jedem Gerät benutzen können, in der wir alle Anwendungen und Informationen verfügbar hatten, die wir täglich brauchen - also E-Mails, Termine, Kundendaten, Geschäftsfälle, Lagerbestände - einfach alles.

Die damals verfügbaren Systeme haben nach einiger Prüfung in keiner Weise unseren Anforderungen entsprochen. Entweder war die Lösung nicht web-basierend, konnte nicht erweitert oder angepasst werden, hatte keine Schnittstellen zum Abgleich mit anderen Anwendungen oder war schlichtweg miserabel zu benutzen. Daher haben wir beschlossen, eine eigene Groupware Lösung auf die Beine zu Stellen. Da wir damals außerdem einen Kunden hatten, der sich für eine derartige Lösung interessierte, war unsere Entwicklung fürs erste quasi schon finanziert.

förderland: Was sind Ihrer Erfahrung nach die größten Hürden auf dem Weg von der Geschäftsidee zum marktreifen Produkt?

Haider:
Die Hürden zum marktreifen Produkt sind eigentlich relativ überschaubar. Hier braucht man einfach Interesse, Passion und - vor allen Dingen - Durchhaltevermögen. Die Frage ist eher: Wie schaffe ich es, das Produkt erfolgreich zu machen? Diese Frage kann ich sicherlich in ein bis zwei Jahren beantworten, wenn i-sense erfolgreich ist. Momentan stehen wir ja am Anfang der Markteinführung.

förderland: Eine gute Idee allein macht noch kein erfolgreiches Unternehmen. Woher nahmen Sie das Startkapital? In welchen Dimensionen bewegen wir uns denn? Suchen Sie aktuell noch Kapitalgeber?

Haider:
Während der Entwicklung war die Finanzierungsfrage sehr einfach zu lösen. Unser Ansatz war sehr, sehr boot-strapped. Bei der Gründung der oHG haben wir ja nicht viel gebraucht und konnten unsere Ausgaben alle aus eigener Tasche finanzieren - außerdem hatten wir ja alles, was wir zum Entwickeln benötigten! Später hatten wir dann durch Dienstleistung in Verbindung mit i-sense erste Einnahmen, mit denen wir uns über Wasser halten konnten. Außerdem waren Ben und ich ja Studenten, und da braucht man kein großes Gehalt oder Firmenwagen.

Im Mai 2007 waren wir mit der Entwicklung von Release zwei fast fertig. Release zwei ist die erste i-sense Version, die wir öffentlich zugänglich machen wollten. Release 1 war bisher nur bei einigen Kunden und Projekten im Einsatz. Mittlerweile sind wir an dem Punkt angelangt, dass wir ein ausgereiftes Geschäftskonzept und Produkt haben. Wir bewegen und momentan in einem der spannendsten Märkte - die Möglichkeiten zur Weiterentwicklung unseres Konzeptes sind enorm. Daher müssen wir personell noch weiter wachsen. Hierfür sind wir momentan noch auf der Suche nach Kapitalgebern.

förderland: In Ihrer Unternehmenspräsentation schreiben Sie, i-sense möchte einen "signifikanten Beitrag für Wachstum und Innovation leisten". Wie soll das funktionieren?

Haider:
Nun, dies kann ich an zwei Thesen sehr einfach erklären. Erstens, wir leben heute in einem Informationszeitalter. Information - in all ihren Formen - ist der Antrieb unserer Gesellschaft. Der richtige Umgang mit Information ist also der Schlüssel zu Erfolg und Wachstum. Zweitens, die Menge, Varianz und Korrelation von Information nimmt stetig zu. Ohne Werkzeuge zum Verwalten von Informationen könnte unsere heutige Gesellschaft nicht existieren. Ich sehe Software daher als Katalysator, der Information wie eine Linse bündelt und für die Menschen nutzbar macht. Dadurch sind wir auch zu unserem Namen gekommen: "i-sense" (sense: engl. "Sinn", "Wahrnehmung") soll eine neue Art darstellen, wie wir über Groupware unsere Informationen und unsere tägliche Zusammenarbeit neu wahrnehmen. 

förderland: i-sense wurde 2005 gegründet. Wie viel Personen waren an der Gründung beteiligt? Wer ist für was verantwortlich?

Haider:
Wie bereits gesagt, waren wir am Anfang zu zweit. Bens Schwerpunkt war Architektur und Entwicklung, meiner Konzeption und Design. Dieses Jahr konnten wir zwar noch zwei weitere Leute gewinnen, aber wir sind immer noch dabei, die Verantwortungen auf mehrere Schultern zu verteilen. Gerade für die Bereiche Operations und Marketing suchen wir momentan noch nach engagierten Leuten. Auf unserer Homepage sind alle aktuellen Stellenausschreibungen online verfügbar.

förderland: Wie viel Kunden haben Sie bereits und durch welche Funktionen soll die Groupware in Zukunft erweitert werden?

Haider:
Wenn ich die aktuellen Testinstallationen weglasse, kommen wir unterm Strich auf zehn aktive Installationen. Das hört sich jetzt unspektakulär an, ist aber eine Menge, wenn man bedenkt, dass wir erst vor zwei Monaten mit der neuen Release rausgekommen sind.

Für die Zukunft haben wir uns viel vorgenommen, unsere Pipeline ist voll. Die Geschwindigkeit unserer Weiterentwicklung ist im Endeffekt davon abhängig, ob wir weitere gute IT-Spezialisten finden, die mit uns i-sense vorantreiben.

Ich kann natürlich nicht alles verraten, aber vier Neuerungen kann ich schon mal ankündigen. Nächsten Monat bringen wir auf mozilla.org eine i-sense Toolbar für Firefox raus, um noch leichteren Zugriff für i-sense zu gewährleisten. Außerdem werden wir im August eine Erweiterung für eine vollwertige MS Exchange und IMAP Anbindung veröffentlichen. Damit kann i-sense noch leichter in die bestehende Infrastruktur integriert werden. Anfang September veröffentlichen wir eine auf Eclipse basierende Entwicklungsumgebung, mit der Entwickler sehr leicht eigene Module für i-sense entwickeln können. Außerdem sind wir momentan dabei, spezielle Erweiterungen für Windows und Microsoft Office zu entwickeln um das Zusammenspiel zwischen den Anwendungen zu verbessern. Diese werden ab Oktober auf unserer Homepage verfügbar sein.

förderland: Was sind Ihre nächsten Schritte und was wollen Sie dieses Jahr noch erreichen?

Haider:
Der erste Schritt wäre sicherlich die Finanzierung, das würde unser Wachstum weiter beschleunigen. Wir würden auch ohne zusätzliches VC weiterkommen, aber so geht das einfach schneller.

Die zweite Sache sind gute Mitarbeiter. Wir bieten ein hervorragendes Klima und suchen in allen Bereichen nach talentierten Köpfen, die eigene Ideen einbringen wollen.

Darüber hinaus sind wir aktuell dabei ein Partnerprogramm aufzubauen. Langfristig wollen wir uns voll auf die Entwicklung konzentrieren und den Dienstleistungsbereich unseren Partnern überlassen. Hierzu werden wir im Oktober in München in einem größeren Rahmen kostenlose Trainings und Zertifizierungen anbieten. Die Termine und Anmeldemöglichkeiten werden in August auf unserer Homepage veröffentlicht.

förderland: Vielen Dank für das Gespräch.

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