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12.07.10Kommentieren

Kolumne von Olaf Jacobi

Die deutsche und US-amerikanische Venture Capital-Szene im Vergleich

Ein Gründer hat verschiedene Möglichkeiten, um an Kapital für seine Unternehmensidee zu gelangen. Dazu zählt - neben Gründerfonds und Business Angels - auch Venture Capital. Aber wie sieht der Venture Capital-Markt in Deutschland aus? Dieser Frage geht Olaf Jacobi, Partner beim Münchner Venture Capital-Investor Target Partners, in seiner förderland-Kolumnenreihe auf den Grund.

Olaf Jacobi ist Partner bei Target Partners in München und investierte in der Vergangenheit als Business Angel in junge Unternehmen im IT- und Internet-Bereich.Olaf Jacobi ist Partner bei Target Partners in München und investierte in der Vergangenheit als Business Angel in junge Unternehmen im IT- und Internet-Bereich.

Nur wenige Venture Capital-Investoren in Deutschland überlebten das Platzen der New Economy-Blase. Das zeigte in der vorhergehenden Kolumne der Blick zehn Jahre zurück. Ein ähnliches Bild zeichneten auch die Kolumnen über die Entwicklung, die Zahlen und Fakten sowie das Who-is-who des deutschen Venture Capital-Marktes: Die Szene befindet sich hierzulande noch im Aufbau – vor allem im Vergleich zum US-amerikanischen Markt. Wo liegen die Unterschiede?

Älter und erfahrener

Die deutsche Venture Capital-Szene entstand Mitte der 1980er Jahre. In den USA hingegen existiert dieser Markt bereits seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Die Folge: Die US-amerikanische Venture Capital-Szene ist erfahrener und ausgereifter. 2009 zählte die National Venture Capital Association (NVCA) in ihrem jährlich erscheinenden Buch 794 Venture Capital-Gesellschaften in den USA. In Deutschland sind es nur etwa zwischen 110 und 120, wie bereits in der Kolumne über die Zahlen und Fakten erwähnt.

Kapitalstark

Derzeit verändert sich die US-amerikanische Venture Capital-Szene – es findet eine Marktbereinigung statt. Der Grund: In den vergangenen Jahren war Venture Capital im Überfluss vorhanden. Es gab zu viele und zum Teil zu große Funds. 2002 beispielsweise existierten laut NVCA 1.852 Funds – vergangenes Jahr waren es nur noch 1.188. Das Fundraising in den USA ging 2009 um 57 Prozent zurück im Vergleich zum Jahr 2007, wo es einen Spitzenwert von 36,1 Milliarden US Dollar erreichte. Dennoch sammelten die US-amerikanischen Funds 2009 wieder 15,4 Milliarden Dollar an neuen Mitteln – in Deutschland waren es nur 261 Millionen Euro.

Kleinere Funds

Zudem scheinen die Funds in den USA kleiner zu werden. Statt 500 bis 1.000 Millionen sind es nur noch etwa 200 bis 400 Millionen US Dollar pro Fund. Das ist mehr als in Deutschland: Hierzulande existieren nur wenige Venture Capitalisten, die einen Fund mit über 100 Millionen Euro besitzen, wie die Kolumne über das Who-is-who der deutschen Venture Capital-Szene zeigte.

Ökosystem

Das Ökosystem "Venture Capital" besteht aus Serial Entrepreneurs, erfahrenen Start-up-Managern, Business Angels, Venture Capitalisten und Exit Kanälen. In den USA ist dieses System dichter und eingespielter als in Deutschland – vor allem auch, weil die US-amerikanische Venture Capital-Szene älter ist. Geografisch gesehen existiert ein ausgeprägtes Venture Capital-Ökosystem hauptsächlich in zwei Ballungsräumen: in der San Francisco Bay Area mit dem Silicon Valley und in Boston. Dort finden sich sowohl viele Start-ups als auch viele Venture Capitalisten.

Fazit

Im Vergleich zeigt sich, dass die US-amerikanische Venture Capital-Szene der deutschen einen weiten Schritt voraus ist. Gemessen am Brutto-Sozialprodukt wird dort etwa zehnmal mehr Venture Capital investiert als in Deutschland. Ich bin mir aber sicher, dass Deutschland in den nächsten Dekaden aufholen wird.

Zur Person:
Olaf Jacobi ist Partner bei Target Partners in München und investierte in der Vergangenheit als Business Angel in junge Unternehmen im IT- und Internet-Bereich. 2005 gründete er Collax Inc. (Boston und München), die Linux-Serversysteme für den Mittelstand anbietet und leitete das Unternehmen bis Ende 2006 als CEO. Zuvor war Olaf Jacobi Investor und Vertriebsvorstand der Cobion AG (IT-Security Software), die 2004 erfolgreich an ISS Internet Security Systems Inc. (Atlanta) verkauft wurde.

Von 1999 bis 2002 gehörte er zum Vorstand der ACG AG (NEMAX 50). Von 1992 bis 1999 war Olaf Jacobi in verschiedenen Managementpositionen im IT-Sektor tätig, unter anderem als Senior VP Marketing und Mitglied der Geschäftsführung der Minolta GmbH.

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