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12.08.08Leser-Kommentar

Interview mit Dr. Georg Licht, ZEW

"Die Business-Angels-Szene in Deutschland ist noch deutlich unterentwickelt"

Zur Person: Dr. Georg Licht ist Leiter des Forschungsbereichs "Industrieökonomik und Internationale Unternehmensführung" am Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung GmbH (ZEW) in Mannheim. Nach einem Studium der Volkswirtschaftslehre an den Universitäten von Tübingen und Heidelberg promovierte er 1990 an der Universität in Augsburg. 1992 wechselte er dann an das neu gegründete ZEW, um den Forschungsbereich Industrieökonomik und Internationale Unternehmensführung aufzubauen.

Dr. Georg Licht ist Leiter des Forschungsbereichs "Industrieökonomik und Internationale Unternehmensführung" am Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung GmbH (ZEW) in MannheimDr. Georg Licht ist Leiter des Forschungsbereichs "Industrieökonomik und Internationale Unternehmensführung" am Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung GmbH (ZEW) in Mannheim

förderland: Herr Dr. Licht, mit welchen Themenbereichen beschäftigen Sie sich bei Ihrer Forschungstätigkeit?

Dr. Georg Licht: Primär beschäftigten wir uns mit Fragen des technologischen Wettbewerbs zwischen den Unternehmen und der Rolle des Staats im Bereich Forschung, Entwicklung und Innovationen. Einen weiteren Schwerpunkt stellt die Gründungsforschung dar, wo wir uns speziell mit den Erfolgsfaktoren für neue Unternehmen im Hochtechnologiebereich und den für die Entwicklung von jungen Unternehmen förderlichen Rahmenbedingungen befassen. So sind wir verantwortlich für die deutsche Innovationserhebung ("Mannheimer Innovationspanel"), die im Auftrag des Bundesministeriums für Forschung und Technologie durchgeführt wird. In den letzten Jahren entstand auch das ZEW-Gründungspanel, das wohl die umfassendste Datenbank zu Unternehmensgründungen in Deutschland ist.

Charakteristisch für unsere Arbeit ist der Brückenschlag von akademischer Forschung und Politikberatung. 75 Prozent unserer Projektmittel werden regelmäßig durch Forschungsaufträge für die EU-Kommission, die Bundesregierung und Unternehmen finanziert. 

förderland: Sie haben sich eingehend mit dem Thema "High-Tech-Gründungen und Business Angels" beschäftigt. Wie wichtig ist das Kapital von Business Angels für die Finanzierung von jungen Hightech-Unternehmen?

Licht: Die Finanzierung durch Business Angels ist in Deutschland nicht sehr verbreitet. Lediglich jedes zwanzigste Unternehmen, das in den Hochtechnologie-Wirtschaftszweigen entsteht, erhält bei Gründung oder kurze Zeit später Finanzmittel von Business Angels.

Andererseits stellen Business Angel in den ersten Jahren die wichtigste Quelle für externes Eigenkapital dar – deutlich wichtiger als eine Finanzierung durch Venture Capital (VC). Es sind aber nicht nur die finanziellen Ressourcen, die von den jungen Hightech-Unternehmen geschätzt werden. Die Mehrzahl der Unternehmen, an denen ein Business Angel beteiligt ist, bewerten auch andere Formen der Unterstützung durch ihren oder ihre Business Angel als sehr hilfreich. Dies reicht von der Nutzung der Geschäftskontakte über Hilfe bei der Strategiefindung und -umsetzung bis hin zum technischen und Management-Know-how, das die Business Angels "ihren" Unternehmen zur Verfügung stellen.

förderland: Welche neuen Erkenntnisse konnten Sie bei Ihrer Forschungsarbeit zum Thema Business Angels gewinnen?

Licht: Die Business-Angels-Szene in Deutschland ist noch unterentwickelt. So gibt es deutlich weniger Business Angels als bislang vermutet. Wir schätzen, dass zirka 3.000-5.000 Business Angels in Deutschland aktiv sind. Gleichzeitig arbeiten die Business Angels noch deutlich weniger professionell, als das in anderen Ländern der Fall ist. Dies machen wir daran fest, dass die Auswahl der Unternehmen durch die Business Angels noch sehr von Zufälligkeiten abhängig ist und auch daran, dass von Business Angels finanzierte Unternehmen keine bessere Performance aufweisen als Unternehmen, die nicht von Business Angels gefördert wurden. Der Due-Diligence-Prozess von Venture Capital ist da deutlich weiter entwickelt. Entsprechend zeigen sich signifikante Performance-Unterschiede zwischen VC- und nicht-VC-finanzierten Unternehmen.

förderland: Wie findet man als Gründer eigentlich einen Business Angel?

Licht: Am wichtigsten sind hier Kontakte, die aus dem „privaten“ Umfeld resultieren oder über Geschäftspartner und Freunde vermittelt werden. Solche Kontakte münden auch sehr viel häufiger in eine Business-Angels-Beteiligung als Kontakte, die im Rahmen von Gründermessen, Business-Angels-Netzwerken oder Businessplan-Wettwerben entstehen.

förderland: Welche Eigenschaften zeichnen Ihrer Ansicht nach einen erfolgreichen Gründer aus?

Licht: Hier sollte man sich vor einfachen Verallgemeinerungen hüten. Schaut man sich erfolgreiche Gründungen an, so findet man sehr unterschiedliche Rollenmodelle. Eine Eigenschaft halte ich aber für sehr wichtig: frühzeitig zu erkennen, wann es Zeit ist, externe Unterstützung zu suchen - sei es in Form von Kapital, Know-how oder Geschäftskontakten.

förderland: Werden die Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten von Unternehmen Ihrer Ansicht nach in Deutschland genug gefördert?

Licht: Die Unterstützung der FuE-Tätigkeit der Unternehmen durch die öffentliche Hand befindet sich heute auf einem Tiefstand. Die überwiegende Zahl der EU-Länder hat in den letzten Jahren eine steuerliche Förderung der FuE-Tätigkeit von Unternehmen eingeführt. Dies wäre auch in Deutschland ein Erfolg versprechender Ansatz, um dem Ziel näher zu kommen, dass auch hier drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts in FuE investiert werden.

förderland: Welche Rolle spielt der Forschungsstandort Deutschland im internationalen Innovationsgeschehen?

Licht: Deutschland ist nach wie vor hervorragend aufgestellt in den meisten auf Ingenieur-Know-how aufbauenden Industrien, beispielsweise in den Beriechen Automobil- oder Maschinenbau. Hier ist Deutschland wohl der führende Forschungsstandort weltweit. Ausländische Unternehmen haben in den letzten zehn Jahren in diesen Bereichen FuE-Stützpunkte in Deutschland aufgebaut. Dies ist ein sehr positives Zeichen für den FuE-Standort Deutschland.

Andererseits hat Deutschland in anderen Bereichen auch an Attraktivität eingebüßt, so beispielsweise in der Biotechnologie oder der Pharmazeutik.

förderland: In welchen Branchen sehen Sie für Gründer das größte Potenzial?

Licht: Nahezu der gesamte Hightech-Bereich bietet jungen Unternehmen gute Chancen, langfristig tragfähige und wachstumsträchtige Unternehmen aufzubauen.

förderland: Wie schätzen Sie die momentanen Bedingungen für eine Unternehmensgründung in Deutschland ein?

Licht: Alles in allem haben sich die Bedingungen für Gründer im Hochtechnologie-Bereich in den letzten Jahren verbessert. Einige bürokratische Hemmnisse wurden abgebaut, die öffentliche Förderung für Gründungen wurde erweitert und die positive Wirtschaftsentwicklung kommt auch den Gründern zugute.

Jedoch haben die Entwicklungen der letzten Jahre auch eine negative Seite: Potenziellen Gründern bieten sich auch in etablierten Unternehmen bessere Karrierechancen. Dies macht den Schritt in die Selbstständigkeit unattraktiver. Gleichzeitig konkurrieren die jungen Unternehmen aus einer schwachen Position heraus mit etablierten Unternehmen um hochqualifizierte Fachkräfte. Nach wie vor unzureichend ist das Angebot an risikotragendem, externem Kapital. Hier ist die öffentliche Hand gefordert, in den nächsten Jahren die Rahmenbedingungen für Risikokapital und Business Angels deutlich zu verbessern.  

förderland: Vielen Dank für das Gespräch. 

Kommentare

  • Robert

    31.10.10 (09:20:15)

    Sehr spannender Artikel!

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