<< Themensammlung Gründung

Aktuelle News für Gründer Selbstständige und Unternehmer

10.09.14Kommentieren

Interview mit Ingmar Wegner, Medipolis.de

„Der Kunde wird in fünf Jahren gar nicht mehr fragen, ob man auch online ist“

Medipolis.de startete im Jahr 2007 als Onlineapotheke der Saale-Apotheke in Jena mit dem Anspruch schnellen Versand mit der gewohnten Service- und Beratungsqualität einer Vor-Ort-Apotheke zu kombinieren. Im Interview mit foerderland spricht Ingmar Wegner, Kaufmännischer Leiter bei Medipolis.de, über die gegenwärtigen Herausforderungen und die Zukunft des Apothekenversandhandels.

Ingmar Wegner, Kaufmännischer Leiter bei Medipolis.de

förderland: Hallo Herr Wegner! 2014 ist ein Jubiläumsjahr: Seit nunmehr zehn Jahren ist der Arzneimittelversand in Deutschland offiziell erlaubt. Seit 2007 mischt auch Ihre Apotheke beim Online-Handel mit. Wie wichtig ist der E-Commerce-Sektor für Ihre Branche seither geworden?

Ingmar Wegner: Es handelt sich mittlerweile um einen etablierten Kanal, wenn auch gleich es noch Wachstumsmöglichkeiten gibt. Die Goldgräberzeit im Apothekenversandhandel ist aber definitiv längst vorbei. Mehrwertdienste und Managed-Care-Projekte für Chroniker sind sicherlich die Themen, die in Zukunft von strategischer Bedeutung sind.

War die Gesetzesänderung Auslöser für den Plan, Ihre Apotheke um einen Online-Shop zu ergänzen oder kam Ihnen diese Idee zu einem anderen Zeitpunkt?

Wegner: Ja, klar war die Gesetzesänderung die Initialzündung. Vorher hat man sich nur am Rande damit beschäftigt, weil es ja für deutsche Apotheken eben noch keine Möglichkeiten gab.

Worin besteht der Vorteil einer Online-Apotheke? Spätestens dann, wenn Medikamente rezeptpflichtig sind, geht es doch schneller, wenn ich in die Apotheke vor Ort gehe, oder nicht?

Wegner:
Bei akuten Beschwerden ist und bleibt die Vor-Ort-Apotheke der Anlaufpunkt für Patienten und das ist auch gut und richtig so. Hier muss schnell geholfen werden. Unsere Vorteile liegen ganz klar in der Belieferung von OTC-Medikation, also rezeptfreien Medikamenten oder freiverkäuflichen Artikeln, wie hochwertige Kosmetik sowie die Belieferung von planbarer rezeptpflichtiger Medikation bspw. zur Behandlung von chronischen Erkrankungen. Hier stehen die Convenience Aspekte, ausgesprochene Sortimentsbreite und natürlich auch die preisliche Attraktivität ganz klar im Fokus unserer Kunden.

Wie sind Sie bei der Eröffnung Ihres Online-Shops vorgegangen?

Wegner: Wir haben zusammen mit einer auf den Gesundheitsmarkt spezialisierten Agentur ein Konzept entwickelt. Dabei haben wir im ersten Schritt auf Klarheit und Navigation geachtet. Nach mehreren Jahren haben wir dann auf einer neuen technischen Plattform einen Relaunch gewagt und den jetzigen Shop aufgebaut. Er vermittelt mehr Emotionalität ohne den Fokus auf die Produkte zu verlieren.

Von der Idee bis zum Versand des ersten Medikamentes – wie lange hat es gedauert? Und wo langen die größten Herausforderungen?

Wegner: Wir haben 6 Monate gebraucht, wobei dabei natürlich noch keine ausgebaute Logistik stand. Das Datenmanagement bei fast 220.000 möglichen Artikeln ist eine der größten Herausforderungen des Anfangs gewesen. In jeder Wachstumsstufe hat man andere Herausforderungen, die einem immer wieder viel Geschick und Engagement abfordern. Diese kann man am Ende nur in einer guten Teamarbeit meistern. Jeder kann und muss in unserem Unternehmen sein Wissen und Können einbringen.

Wie sieht Ihr persönliches Resümee aus? Macht sich eine Multi-Channel-Strategie für Apotheken bezahlt
?

Wegner: Ich glaube wir kommen um einen Multi-Channel-Ansatz gar nicht herum. Der Kunde wird in fünf Jahren gar nicht mehr fragen, ob man auch online ist. Er erwartet es als selbstverständlich einen Online-Kanal vorzufinden. Es wird im Übrigen in ein paar Jahren auch unter Effizienzgesichtspunkten im deutschen Gesundheitswesen von Bedeutung sein, elektronische Rezepte schnell und kostenbewusst bedienen zu können. Hierzu haben wir unsere Hausaufgaben gemacht.

Vor Ort – in einer Apotheke – lassen sich viele Menschen gerne fachkundig bei der Auswahl Ihrer Medikamente helfen. Ist das im Netz ähnlich? Nehmen viele Kunden das Beratungsangebot Ihrer Website in Anspruch?

Wegner: Auch wir beraten unserer Kunden über unserer Hotline, die mit pharmazeutischem Fachpersonal besetzt ist. Jeder der intensive Beratung wünscht kann uns erreichen, ob mündlich, per E-Mail oder über den traditionellen Postweg. Immer da, wo wir Risiken sehen agieren wir proaktiv, indem wir auf diese Risiken hinweisen. Kunden finden auf unseren Seiten eine Vielzahl von Hinweisen, Produktbeschreibungen oder auch Packungsbeilagen. Er kann sich als schon vor dem Kauf sehr intensiv auch selbst informieren, wenn er dies wünscht. Wir haben es in unserer Gesellschaft immer mehr mit informierten und aufgeklärten Kunden zu tun. (Stichwort: Der mündige Patient). Das darf man nicht unterschätzen.

Vielen Dank für das Interview!

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Diesen Beitrag kommentieren:

Die Kommentare können nur zwischen 9 und 16 Uhr
freigeschaltet werden. Wir bitten um Verständnis.

Um Spam zu vermeiden, schreiben Sie bitte die Buchstaben aus diesem Bild in das nebenstehende Formularfeld:

Das könnte Sie auch interessieren

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer