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26.08.08Kommentieren

Interview mit Stefan Kutter, consurge Innovationsmanagement

"Der ideale Innovationsmanager wäre eine Art 'eierlegende Wollmilchsau'"

Zur Person: Stefan Kutter gründete 2005 Consurge Innovationsmanagement als Hochschul-Spin-off mit dem Ziel, das Innovationsmanagement in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) sowie in Branchennetzwerken zu fördern. Seitdem entwickelt er hauptsächlich Methoden, die eine effektive Beratung in der komplexen Disziplin des Innovationsmanagements ermöglichen. Mit InnoBest® hat consurge nun eine Online-Plattform geschaffen, mit der Managementberater, Wirtschaftsförderer und Financiers die Innovationsfähigkeit von Unternehmen messen und optimieren können. Die InnoBest®-Methode vereint dabei Erkenntnisse aus Wissenschaft und Unternehmenspraxis mit einem weltweiten Expertennetzwerk aus Beratern und Lösungsanbietern in einer neuen Software.

Stefan Kutter gründete 2005 Consurge Innovationsmanagement als Hochschul-Spin-offStefan Kutter gründete 2005 Consurge Innovationsmanagement als Hochschul-Spin-off.

förderland: Herr Kutter, was macht Ihrer Ansicht nach ein innovatives Unternehmen aus?

Stefan Kutter: Für uns sind Unternehmen innovativ, wenn es ihnen gelingt, permanent mit neuen Lösungen aufzuwarten und sich damit erfolgreich von Wettbewerbern abzuheben - ganz gleich, ob es sich vorwiegend um Produkt-, Prozess-, Service- oder Geschäftsmodell-Innovationen handelt.

förderland: Welche Faktoren haben denn Einfluss auf den Erfolg einer Innovation?

Kutter: Es gibt ein umfangreiches Set an Erfolgsfaktoren für die Innovationsfähigkeit. In erster Linie gehören dazu klare Innovationsstrategien und -prozesse, die Qualifikation der Mitarbeiter und eine innovationsfördernde Unternehmenskultur. Auch Kooperationen, ausreichender Finanzspielraum und die Marktimplementierung von Neuerungen durch Leaduser wirken sich nachweislich positiv auf die meisten Innovationsprojekte aus.

Wir haben in unserer Arbeit über 30 solcher Erfolgsfaktoren herausgestellt, die allesamt wichtig sind. Ihr optimales Zusammenspiel muss in der Praxis jedoch für jedes Unternehmen individuell gewichtet werden.

förderland: Sie zitieren auf Ihren Internetseiten eine Studie, wonach über 90 Prozent der Innovationsprojekte in Unternehmen scheitern. Wo liegen Ihrer Meinung nach die Ursachen für dieses Scheitern?

Kutter: Innovationsvorhaben sind immer mit Unsicherheiten verbunden. Neben technischen und wirtschaftlichen Hürden entstehen psychologische Barrieren gegen die Veränderung, deren Effekte schwer absehbar sind. Damit lassen sich die hohen Scheiterraten erklären, aber nicht rechtfertigen. Ein funktionierendes Innovationsmanagement macht die Unsicherheiten beherrschbar. Dennoch räumen ihm viele Unternehmen einen zu geringen Stellenwert ein.

Sie haben beispielsweise nur selten geeignete Routinen fürs Ideenmanagement etabliert und vernachlässigen das Zeit- und Konfliktmanagement in Innovationsprojekten. Unter anderem dadurch gehen Inspiration und Commitment der Mitarbeiter verloren, ohne die Innovationsprojekte jedoch kaum Aussicht auf Erfolg haben.

Oft bleiben diese Defizite unbemerkt, denn die meisten Unternehmen sind sich ihrer tatsächlichen Innovationsfähigkeit nicht bewusst.

förderland: Wie lässt sich die Innovationsfähigkeit eines Unternehmens prüfen und wie kann man Innovationen im eigenen Unternehmen fördern?

Kutter: Erste wertvolle Anhaltspunkte über die eigene Innovationsfähigkeit liefern verschiedene Selbstaudits wie der kostenfreie Online-Innovations-Check der Top 100-Initiative, der von Unternehmensleitern in wenigen Minuten anonym durchgeführt werden kann.

Für fundierte Aussagen ist es allerdings notwendig, die Führungsperspektive gemeinsam mit den Sichtweisen der Mitarbeiter, Kunden und Partner von einem neutralen Standpunkt aus zu erfassen.

Genau dafür haben wir das InnoBest® Innovationsaudit entwickelt: In der Auditierung ermittelt ein spezialisierter Innovationsmanagement-Berater softwaregestützt die aktuelle Aufstellung des Unternehmens einschließlich seines Innovationsdrucks und entwickelt individuelle Lösungswege zur effizienten Ausschöpfung der ermittelten Potenziale. Die Befragungen von Mitarbeitern und Kunden zu den entscheidenden Erfolgsfaktoren können hierbei wie auch das Benchmarking und die Dokumentation erstmals effizient über die Online-Plattform abgewickelt werden.

Der Unternehmensleiter erfährt mit minimalem Aufwand, wie das Unternehmen gemessen an der anerkannten Best Practice sowie gegenüber relevanten Vergleichsgruppen steht und mit welchen Hebeln er die Innovationsfähigkeit so weit steigern kann, wie es notwendig ist, um den Innovationsdruck auf das Unternehmen erfolgreich auszugleichen.

förderland: Welche Maßnahmen muss ein Unternehmen ergreifen, um ein erfolgreiches Innovationsmanagement zu implementieren?

Kutter: Bei der Einführung eines Innovationsmanagements folgt auf die Positionsbestimmung die Entwicklung einer Innovationsstrategie, die zur Unternehmensstrategie passt. Danach sollten geeignete Akteure zur Umsetzung gefunden und der klare Innovationsprozess etabliert werden. Ein praktikabler Weg dafür ist beispielsweise, die bisherigen Entwicklungsprozesse deutlich durch Meilensteine zu strukturieren, deren Freigabekriterien aus der Innovationsstrategie abgeleitet sind und diesen Prozess dann nach und nach mit Maßnahmen zur Stärkung der kritischen Erfolgsfaktoren zu untermauern.

förderland: Ist die Implementierung mit hohen Zusatzkosten für ein Unternehmen verbunden? Wie lange dauert es im Allgemeinen, bis ein funktionierendes Innovationsmanagement installiert ist?

Kutter: Erste wirksame Maßnahmen können sehr schnell und ohne nennenswerten Zusatzinvest realisiert werden. Danach folgt ein kontinuierlicher Prozess, der nie wirklich abgeschlossen ist.

Die Kunst besteht darin, die notwendigen Maßnahmen so synergetisch in die Unternehmensprozesse einzubinden, dass sie sofort positive Impulse setzen und stetig zum Unternehmenserfolg beitragen. Wie gut dies gelingt, sieht man in letzter Konsequenz natürlich erst an der Entwicklung der Rendite aller gestarteten Innovationsprojekte. Der Erfolg hängt wie so oft von den Fähigkeiten der beteiligten Akteure ab.

förderland: Welche Eigenschaften sollte der Innovationsmanager in einem Unternehmen mitbringen?

Kutter: Der ideale Innovationsmanager wäre eine Art "eierlegende Wollmilchsau", die sowohl in allen wirtschaftlichen, technischen und zwischenmenschlichen Belangen topfit ist, als auch über reichlich Innovationserfahrung verfügt. Dieses Ideal des Innovation-Champions ist allerdings unrealistisch und oft auch gar nicht notwendig. Erfolg versprechender ist eine ausgewogene Aufgabenteilung: Der Innovationsmanager sollte die Grundzüge des Innovationsmanagements verstanden haben und sich im Kerngeschäft des Unternehmens auskennen. Damit kann er effektiv als Vermittler an den Schnittstellen zwischen Geschäftsführung, Projektverantwortlichen, Kooperationspartnern und Leadkunden arbeiten. Gute Menschenkenntnis und Kommunikationsfähigkeit sind für ihn ein absolutes Muss.

förderland: Welche Tipps können Sie Gründern für den Aufbau einer innovativen Unternehmensstruktur mit auf den Weg geben?

Kutter: Gründungen sind auch immer Innovationsvorhaben. Das frühzeitige Einbinden von Lead- bzw. Referenzkunden und Kooperationspartnern sowie das Herausarbeiten der eigenen Kernkompetenzen sind hier besonders erfolgskritisch. Das Unternehmen sollte so aufgebaut werden, dass auch im Wachstum ein reibungsloser Informationsfluss und eine effiziente Zusammenarbeit aller Beteiligten – intern und extern – gewährleistet bleibt, mit klaren Zuständigkeiten, aber einer flachen Hierarchie.

Natürlich sollten auch Gründer die eigene Innovationsfähigkeit schon von Anfang an im Auge behalten und kontinuierlich ausbauen.

förderland: Vielen Dank für das Gespräch.

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