<< Themensammlung Gründung

Aktuelle News für Gründer Selbstständige und Unternehmer

02.07.07Kommentieren

Interview mit Lisa O`Connor, freiraum Agentur

"Dass viele Gründer viel zu schnell wieder aufgeben"

förderland im Gespräch mit Lisa O`Connor, Gründerin der freiraum Agentur, über erfolgreiche Kundenakquise, den weitgehenden Verzicht auf klassisches Marketing, klare Zielsetzungen, Kundenveranstaltungen und die Idee, Kunst einfach zu mieten.

freiraum berät Firmen bei der Einrichtung mit Kunst- und Designobjekten. Bild: freiraum Agentur

förderland: Frau O’Connor, würden Sie sich und Ihr Unternehmen bitte kurz vorstellen?

Lisa O`Connor: Ja, gerne. Mein Name ist Lisa O’Connor, ich bin 29 Jahre jung und führe seit April 2004 die freiraum Agentur in Heidelberg. Ursprünglich wurde ich im Einzelhandel ausgebildet und habe später in die IT-Branche gewechselt. In rund zehn Jahren in verschiedenen Positionen in Vertrieb und Marketing konnte ich wertvolle Erfahrungen für die Gründung der freiraum Agentur sammeln.

freiraum berät Firmen bei der Einrichtung mit Kunst- und Designobjekten. Wir bieten neben dauerhaften Ausstellungen in Geschäftsräumen auch temporäre Installationen und Kunstevents für Firmen an. 

förderland: "Kunst einfach mieten" - wie ist Ihre Geschäftsidee entstanden?

O`Connor: Die Geschäftsidee zu freiraum habe ich im Winter 2003/2004 bei einem mehrmonatigen Auslandsaufenthalt in Kanada entwickelt, als ich mich reif für eine Neuorientierung fühlte. Mein Grundgedanke befasste sich mit der Bildung einer Schnittstelle zwischen Kunstschaffenden und der freien Wirtschaft. Da ich bereits vor der Gründung meiner Agentur parallel zu meiner Arbeit selbst kunstschaffend tätig war, hatte ich erste Erfahrungen mit Ausstellungen und in Bezug auf die Zusammenarbeit mit anderen Künstlern und Unternehmen gesammelt.

Im Rahmen meiner damaligen Tätigkeit - als Key Account Managerin - habe ich viele Firmen in ganz Deutschland betreut und viele Eingangsbereiche, Flure und Büroräume kennen gelernt. Schon damals empfand ich es als störend, wenn die Räume nicht zur sonstigen Außendarstellung des Unternehmens passten. Für mich sind kahle Wände, vergilbte Kunstdrucke und lieblos platzierte Wandkalender ebenso störend wie ein unfreundlicher Empfang.

Darüber hinaus finde ich wichtig, dass Kunst nicht nur Werte an Besucher, potentielle Kunden und Geschäftspartner vermittelt, sondern dass sie auch ein wichtiges Identifikationsmerkmal für die Mitarbeiter darstellen kann. Mitarbeiter müssen an die Werte, die ein Unternehmen nach außen kommuniziert glauben können. Stilvoll gestaltete Räume und ein angemessenes Ambiente spielen dabei aus meiner Sicht eine oft unterschätzte Rolle.

Aus diesen Erfahrungen heraus wollte ich ein Konzept entwickeln, das die beiden Bereiche sinnvoll miteinander verbindet - daraus ist freiraum entstanden. Einerseits bieten wir Künstlern Vertriebs- und Marketingunterstützung und andererseits bieten wir Unternehmen Full Service in Sachen Kunst und Ambiente. Durch die Möglichkeit, Kunst zu mieten und regelmäßig austauschen zu lassen, wurde das Angebot noch attraktiver.

förderland: Ihre Gründung liegt inzwischen mehr als drei Jahre zurück. Würden Sie rückblickend alles wieder genauso machen? Haben Sie den Schritt in die Selbstständigkeit jemals bereut?

O`Connor: Im Großen und Ganzen würde ich es wieder genauso angehen. Mit der Erfahrung der letzten drei Jahre wäre ich heute in manchen Entscheidungen sicherlich weniger zögerlich und somit direkter. Ob einen das allerdings immer schneller ans Ziel bringt, bleibt fraglich.

Ich habe beim Aufbau der Strukturen immer viel Wert auf klare Kommunikation und professionelle Abwicklung gelegt. Oft verbringt man viel Zeit mit Aktivitäten, die einem im Nachhinein scheinbar nichts gebracht haben. Ich glaube, dass man diese Erfahrungen dennoch braucht, um später sehr genau zu wissen, wer man ist und was man will. Den Schritt in die Selbstständigkeit habe ich nie bereut. Ich habe direkten Einfluss auf die Ergebnisse meiner Arbeit und kann das Umfeld in dem ich arbeite wesentlich mit bestimmen. Das sind für mich gute Rahmenbedingungen für Wachstum und Zufriedenheit, was umgekehrt auch wieder zu guten Ergebnissen führt.

förderland: Wie wichtig ist es Ihrer Erfahrung nach, für eine Firmengründung bereits über unternehmerisches Know-how zu verfügen?

O`Connor: Ich habe viel aus meinen Erfahrungen geschöpft, die ich vor freiraum gesammelt habe. In meiner Laufbahn war ich bei Unternehmen verschiedener Größen angestellt und habe in den letzten Jahren weltweit tätige Unternehmen beraten und betreut. In dieser Funktion habe ich vorwiegend mit Geschäftsführern und Vorständen kommuniziert und Einblicke in unternehmerisches Denken und Handeln erhalten, die mir heute sehr nützlich sind. Ob das Präsentieren auf Messen, organisieren von Veranstaltungen, halten von Schulungen oder das Aufbauen von Wiederverkäufern.

Alle Erfahrungen - und nicht zuletzt die daraus entstandenen Kontakte - haben für mich eine wichtige Grundlage auf dem Weg in die Selbstständigkeit gebildet. Auf dieser Basis habe ich meine ersten Kunden gewonnen und bestimmte Strukturen gewählt. Durch meine Vorgeschichte in der IT Branche habe ich beispielsweise von Anfang an sehr viel Wert auf eine moderne Technologien gelegt, was mir heute bei der Akquise und in der Zusammenarbeit mit Partnerfirmen zu Gute kommt.

förderland: Mit der Gründung allein ist es noch nicht getan, in einem zweiten Schritt sollten volle Auftragsbücher folgen. Wie haben Sie Ihre freiraum Agentur bekannt gemacht? Welche Marketing- und PR-Maßnahmen kamen zum Einsatz?

O`Connor: Zu Anfang konnte ich einige meiner bisherigen Kunden für freiraum gewinnen. In der Aufbauphase der ersten zwei Jahre lief sehr viel über Empfehlungen zufriedener Kunden. Da ich keinen herkömmlichen Galeriebetrieb führe, war die Webseite von Anfang an ein wichtiges Kommunikationsmedium für freiraum. Die Webseite wurde mit einem speziell für freiraum entwickelten Content Management System programmiert, welches uns das einfache Hinzufügen und Abändern von Inhalten ermöglicht. Seit Oktober 2004 versenden wir viermal jährlich einen Newsletter an unsere Kontakte.

Auf klassische Werbung habe ich bis auf wenige Ausnahmen verzichtet und meinen Fokus auf das Suchmaschinenmarketing im Internet und auf direkte Ansprache gelegt. Für die direkte Ansprache sind regelmäßige Veranstaltungen wichtig. Diese finden teilweise selbst initiiert und teilweise im Rahmen von Kundenveranstaltungen statt, die von freiraum organisiert werden und zu der unsere Kunden ihre Interessenten einladen.

förderland: Mittlerweile haben Sie schon die Büroräume diverser Kunden aufgepeppt und arbeiten mit Einrichtungshäusern und Architekten zusammen, um Ihre Leistungen auch überregional anzubieten. Welche Tipps können Sie anderen jungen Gründern mit auf den Weg geben, um erfolgreich "Networking" und Akquise zu betreiben?

O`Connor: Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass viele Gründer viel zu schnell wieder aufgeben. Wichtig sind aus meiner Sicht Nachhaltigkeit und klare Zielsetzungen. Wobei man bei den Zielen zwischen kurzfristigen und langfristigen Zielen unterscheiden sollte. Die kurzfristigen Ziele braucht man besonders in der Anfangsphase als Orientierung.

Die langfristigen Ziele lassen einen über den Tellerrand schauen und können wichtiger Motivator sein. Die Fähigkeit, Arbeitsbereiche zu strukturieren und zu priorisieren empfinde ich für meinen Bereich als sehr wichtig. Es wäre beispielsweise falsch, viele Bewerbungsgespräche mit neuen Künstlern zu führen und dabei die Ansprache potentieller Kunden zu vernachlässigen. Ein regelmäßiges Hinterfragen, wo man gerade steht und wo man eigentlich hin will, ist aus meiner Sicht absolut notwendig.

Sicherlich könnte ich zu dieser Frage noch einige Punkte nennen.  Was ich auf jeden Fall auch sehr wichtig finde, ist ein klarer Überblick über die Finanzlage der nächsten Monate, um Entscheidungen strategisch treffen und die Finanzen als Werkzeug einsetzen zu können. 

förderland: Inzwischen führen Sie ein gut gehendes kleines Unternehmen und haben sich am Markt positioniert. Bis es soweit war, hatten Sie sicher einige Hindernisse aus dem Weg zu räumen, oder?

O`Connor: Es war auf jeden Fall nicht immer einfach und man muss lernen mit Rückschlägen umzugehen, den Mut nicht zu verlieren, um dann möglichst klare Entscheidungen für das weitere Vorgehen treffen zu können. Genau hier helfen dann die langfristigen Ziele.

Wenn man sich mit einer Idee selbstständig macht, trifft man immer wieder auf Menschen, die einem offen und mit viel Bereitschaft und Freundlichkeit begegnen. Schon innerhalb weniger Tage kann sich aus einer vermeintlich schlechten Situation eine neue Chance ergeben. Als Selbstständiger ist man gewissermaßen ständig selbst. Somit trägt man nicht nur Verantwortung für sein unternehmerisches Handeln sondern auch sich selbst gegenüber.

Regelmäßige Entspannung, einigermaßen geregelte Arbeits- und Pausenzeiten sind für mich sehr wichtig geworden, um mit Freude ein hohes Pensum an Arbeit bewältigen zu können.

förderland: Vielen Dank für das Gespräch.

© 2007 förderland

Kommentare

Diesen Beitrag kommentieren:

Die Kommentare können nur zwischen 9 und 16 Uhr
freigeschaltet werden. Wir bitten um Verständnis.

Um Spam zu vermeiden, schreiben Sie bitte die Buchstaben aus diesem Bild in das nebenstehende Formularfeld:

Das könnte Sie auch interessieren

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer