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05.05.10

Kolumne von Olaf Jacobi

Das Who-is-who der deutschen Venture Capital-Szene

Für den Unternehmer steht fest: Er finanziert sein Start-up mit Venture Capital. Doch wer sind eigentlich die Investoren in Deutschland? Olaf Jacobi, Partner beim Münchner Venture Capital-Investor Target Partners, beschreibt in seiner neuen förderland-Kolumne, wie der deutsche Venture Capital-Markt aussieht.

Olaf Jacobi ist Partner bei Target Partners in München und investierte in der Vergangenheit als Business Angel in junge Unternehmen im IT- und Internet-Bereich.Olaf Jacobi ist Partner bei Target Partners in München und investierte in der Vergangenheit als Business Angel in junge Unternehmen im IT- und Internet-Bereich.

Das Ergebnis der ersten beiden Kolumnen: Der Venture Capital-Markt in Deutschland befindet sich noch im Aufbau. Das zeigt sich sowohl in der Marktentwicklung als auch an den Zahlen und Fakten. Das Kapital hierfür ist in Deutschland verhältnismäßig knapp. Nichtsdestotrotz gibt es sie, die deutschen Venture Capital-Investoren. Wer sind diese?

Lange Liste

Generell gliedern sich die Venture Capital-Investoren in folgende Gruppen: Unabhängige Venture Capital Investoren, VC-Abteilungen von Banken, Staatliche Venture Capital Investoren und Corporate Venture Capital Investoren.

Wer konkrete Namen sucht: Die Webseite des Bundesverbands Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) hilft. Dort gibt es das Verzeichnis aller beim Verband gemeldeten Investoren. Der Index scheint lang - allerdings: Er beinhaltet nicht nur Venture Capitalisten, sondern auch andere Investoren, die beispielsweise auf Buy-Outs spezialisiert sind. Außerdem hat nicht jeder einen Fonds, aus dem er investiert. Es kommen also nicht alle Gelisteten für die Finanzierung eines Start-ups in Frage.

Noch kürzer wird die Übersicht, wenn sie nur deutsche Venture Capital-Investoren aufzeigt, die einen Fonds mit einem Volumen von über 100 Millionen Euro ab 2006 aufgelegt haben. Diese Eigenschaften weisen nur wenige vor:

Unabhängige Venture Capital-Fonds (nach Volumen geordnet):


  Volumen Final Closing Fokus Region
Wellington 265 2007 Technology International
Life Science Partners 150 2006 Life Science International
Earlybird 127 2008 Technology Deutschland
Acton Capital Partners 125 2009 Technology International
Target Partners 113 2009 Technology Deutschland

Staatliche Venture Capital-Fonds:


  Volumen Final Closing Fokus Region
Hightech-Gründerfonds 262 2006 Technology Deutschland

Zu den in Deutschland ansässigen Venture Capitalisten gibt es noch einige Ableger von internationalen Beteiligungsgesellschaften. Diese steuern ihre Tätigkeiten in der Regel vom jeweiligen Mutterland aus und betreiben nur ein Ein- oder Zwei-Mann-Büro in Deutschland.Die Qual der WahlO.k., der Unternehmer weiß nun, wer potentiell in Frage kommt, aber wer ist bloß der richtige Investor? Anhand folgender Punkte kann er eine Vorauswahl treffen: Einige Venture Capitalisten haben einen regionalen Fokus, das heißt sie investieren ausschließlich in eine bestimmte Region. Das ist oft bei staatlichen Investoren oder regionalen Banken der Fall. Entscheidend ist auch die Investitionsphase: Unternehmensgründer brauchen einen Kapitalgeber, der sein Geld in Seed- und Early-Stage-Phasen steckt, nicht aber einen Late-Stage-Investor.Genau geprüftDie Zahl der potentiellen Investoren schrumpft mehr und mehr. Wen von den Übriggebliebenen kontaktieren? Die Antwort fällt leichter, wenn der Gründer diese hinsichtlich folgender Kriterien unter die Lupe nimmt: 

  • Volumen des Fonds: Ein Start-up braucht genügend Kapital. Es kommt also nur ein Investor in Frage, der dieses bieten kann.
  • Verfügbarkeit von Kapital für Investments: Wie viel Kapital im Fonds steht noch für neue Investments zur Verfügung?
  • Laufzeit des Fonds: Wie alt ist der Fonds und wie lange läuft er noch? Ist eine Finanzierung des Start-ups zum geplanten Zeitpunkt überhaupt noch möglich? In der Regel haben VC-Fonds eine Laufzeit von zehn bis zwölf Jahren.
  • Branchenspezifischer Fokus: In welche Unternehmen wandert das Kapital des Fonds? Ein Venture Capitalist investiert oft nur in Unternehmen einer bestimmten Branche. Fällt das eigene Start-up darunter?

Schneidet ein Investor in allen Punkten positiv ab und passt seine Finanzierungsstrategie zum Start-up, dann steht einer ersten Kontaktaufnahme nichts mehr im Weg.

Fazit

Der Venture Capital-Markt in Deutschland ist noch im Aufbau, die Zahl der Investoren überschaubar. Wenige Investoren bedeutet auch eine begrenzte Auswahl für die Unternehmensgründer. Trotzdem bin ich sicher: Auch in Deutschland finden Start-ups ohne Probleme einen passenden Venture Capital-Investor.

In der kommenden Kolumne blicke ich zehn Jahre zurück und beschreibe, was sich seitdem in der Venture Capital-Szene verändert hat.

Zur Person:

Olaf Jacobi ist Partner bei Target Partners in München und investierte in der Vergangenheit als Business Angel in junge Unternehmen im IT- und Internet-Bereich. 2005 gründete er Collax Inc. (Boston und München), die Linux-Serversysteme für den Mittelstand anbietet und leitete das Unternehmen bis Ende 2006 als CEO. Zuvor war Olaf Jacobi Investor und Vertriebsvorstand der Cobion AG (IT-Security Software), die 2004 erfolgreich an ISS Internet Security Systems Inc. (Atlanta) verkauft wurde.

Von 1999 bis 2002 gehörte er zum Vorstand der ACG AG (NEMAX 50). Von 1992 bis 1999 war Olaf Jacobi in verschiedenen Managementpositionen im IT-Sektor tätig, unter anderem als Senior VP Marketing und Mitglied der Geschäftsführung der Minolta GmbH.

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