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17.08.09Leser-Kommentar

Interview mit Stefan Probst, Startup Weekend Nürnberg

"Das Startup Weekend ist sicher ein idealer Sandkasten, um Ideen und Konzepte auszuprobieren"

Unternehmensgründung in 48 Stunden. Was in Hamburg funktioniert, sollte sich auch in Nürnberg auf die Beine stellen lassen, dachte sich Stefan Probst – und so findet jetzt vom 18. bis zum 20. September das erste Startup Weekend in Nürnberg statt. Im Interview mit förderland erklärt Initiator Stefan Probst, was in an diesem Konzept begeistert und was er sich von der Veranstaltung erwartet.

Stefan Probst, Startup Weekend NürnbergStefan Probst, Startup Weekend Nürnberg

förderland: Herr Probst, Sie sind der Initiator des Startup Weekends in Nürnberg. Für die Leser, die das Konzept noch nicht kennen – was passiert auf einem Startup Weekend? Was erwartet die Teilnehmer?

Stefan Probst: Das Ziel ist eine komplette Unternehmensgründung innerhalb eines Wochenendes, von der Geschäftsidee über den Businessplan bis zur Eintragung als Anteilseigner einer dafür zuvor bereitgehaltenen Unternehmergesellschaft. Die Gründung geschieht dabei in mehreren Phasen:

Am Freitag Abend kommen alle Teilnehmer zum "Socialising" zusammen, also um sich gegenseitig kennenzulernen, um erste Mitstreiter für ihre Ideen zu finden und um die Stärken und Interessen der anderen Teilnehmer zu entdecken.

Ab Samstag Morgen stellen wir die Geschäftsideen in Form von 2-3 minütigen "Elevator Pitches" in zwei Runden vor. So bleibt ausreichend Gelegenheit, um sich mit den verschiedenen Ideen vertraut zu machen, sich dazu auszutauschen oder zu recherchieren. In der zweiten Runde werden die Ideen dann nochmals bewusst von anderen Personen präsentiert und alle stimmen darüber ab.

Ab 13 Uhr fällt am Samstag der Startschuss für die Gruppen, um ihre Businesspläne auszuarbeiten und erste Prototypen für eine Webpräsenz zu implementieren, verschiedene Geschäftsmodelle zu testen, Marktanalysen vorzunehmen und Produktstrategien zu entwerfen. Dabei werden sich die Gruppen grundsätzlich selbst organisieren. Auf Wunsch können sie auf die Unterstützung oder den Rat von Experten zurückgreifen.

Sonntag Abend werden die fertigen Geschäftskonzepte dann präsentiert und die Teilnehmer haben die Möglichkeit sich als Anteilseigner der neuen Gesellschaft eintragen zu lassen. Sie können die Erfahrungen aus dem Wochenende auch ohne eine Firmenbeteiligung mitnehmen. In jedem Fall wird das Wochenende von enorm vielfältigen Eindrücken geprägt sein, dem sehr intensiven Austausch mit anderen sowie der Möglichkeit sich im Umfeld einer Unternehmensgründung sehr breit zu vernetzen.

In Hamburg gab es bereits eine ähnliche Veranstaltungen. Waren Sie vor Ort? Was gibt es rückblickend zu berichten? Was können Sie an Erfahrungen in Ihre eigene Veranstaltung mit einfließen lassen? Was werden Sie vielleicht anders machen?

Stefan Probst: Ich hatte leider erst kurz nach dem zweiten Startup Weekend in Hamburg von dem Konzept erfahren, war dann aber sofort von der Idee begeistert und habe angefangen mit einigen Leuten zu sprechen, ob ein Startup Weekend auch in Nürnberg funktionieren könnte. Die Web- und IT-Szene in Mittelfranken ist sicher nicht mit Hamburg oder Berlin vergleichbar, aber es haben sich dennoch erstaunlich schnell Mitstreiter gefunden.

Unser Organisatorenteam umfasst mittlerweile gut 25 Leute, einige davon haben bereits an einem oder mehreren Startup Weekends teilgenommen. Über die Foren und Umfragen haben wir umfangreiches Feedback von anderen Teilnehmern erhalten. Daraus sind zwei wesentliche Weiterentwicklungen entstanden. Für den Fall dass mehrere starke Konzepte umgesetzt werden bieten wir die Möglichkeit am Sonntag Abend nicht nur ein neues, sondern mehrere Unternehmen ausgründen zu können. Die zweite Anregung liegt darin, die Zeit nach dem Startup Weekend so zu gestalten, dass sie den individuellen Möglichkeiten der Anteilseigner besser gerecht wird.

Wie haben Sie sich mit dem Start-up-Virus infiziert? Haben Sie bereits selbst ein Unternehmen gegründet? Und was bewegt Sie dazu anderen Gründern beim Start unter die Arme zu greifen?

Stefan Probst: Meine erste Gründung liegt fast 20 Jahre zurück. Seitdem haben sich im Hinblick auf die Business-Strategie und die Technologien einige Dinge grundlegend verändert. Die Grundausstattung, die ein Unternehmer an persönlichen Eigenschaften mitbringen sollte ist weitgehend unverändert, jedoch kann man heute wesentlich "smarter" gründen als früher. Die Faszination an diesen neuen Möglichkeiten ist mein wesentlicher Antrieb, ich finde es immer noch enorm spannend frische Ideen auf den Weg zu bringen und umzusetzen.

Viele Geschäftsprozesse lassen sich heute kostengünstig an externe Dienstleister auslagern anstatt sie mühsam selbst aufbauen zu müssen. Die aktuellen Webtechnologien erlauben eine sehr frühzeitige Einbindung der Interessenten und Kunden in die Produktentwicklung und -strategie, so dass mithilfe von Kollaboration wesentliche Teile der Wertschöpfung in die Community verlagert werden können. Die Chance die sich daraus ergibt ist ein natürliches Wachstum ("bootstrapping") unabhängig von Investoren oder Kapitalgebern. Insgesamt sind die Einstiegshürden enorm gefallen – eine durchdachte Idee, ein Notebook und ein Internetzugang reichen oft schon aus, um erfolgreich ein neues Business zu starten. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht haben sich die Transaktionskosten für Unternehmen durch die heute als Open Source verfügbaren Technologien dramatisch verringert. Dies ermöglicht ganz neue Strukturen und Konzepte.

Warum sollte ich als ambitionierter Gründer unbedingt nach Nürnberg kommen?

Stefan Probst: Das Startup Weekend ist sicher ein idealer Sandkasten, um Ideen und Konzepte auszuprobieren, um das eigene Netzwerk zu erweitern und um Mitstreiter zu finden, die die eigenen Stärken gut ergänzen. Man kann für ein Wochenende voll und ganz in das Thema Unternehmensgründung eintauchen und jede Menge Erfahrungen daraus mitnehmen. Sonntag Abend kann dann jeder für sich entscheiden, ob er sich an dem gegründeten Unternehmen beteiligen will oder einfach nur die vielfältigen Erfahrungen als wesentlichen Wert aus dem Wochenende mitnimmt. Neben dem Austausch mit anderen Gründern werden auch Experten und Business Angels vor Ort sein, die als Mentoren unterstützend im Hintergrund bereit stehen.

Was denken Sie, welche Geschäftskonzepte im Vordergrund stehen werden? In welche Richtung wird es gehen? Was finden Sie im Moment spannend? Internet? Mobile? Gaming vielleicht?

Stefan Probst: Es gibt zuerst einmal keine Einschränkungen für die Geschäftsideen. Es wird wohl keine Überraschung sein, falls die Themen in Richtung Web und IT gehen, zumindest als Plattform und grundlegende Infrastruktur. Besonders spannende Bereiche finde ich derzeit Augmented Reality, mobiles Internet, Mashups oder das Verschmelzen von Computerspielen mit realen Umgebungen. Auf den ersten Blick weniger spannend mag das erneute Durchdenken von bereits erprobten Geschäftsmodellen sein. Wie bereits angesprochen ist durch die extrem gefallenen Transaktionskosten ein völlig neuer Spielraum gerade für kleine, flexible Unternehmen entstanden, in dem sich plötzlich Dinge realisieren lassen, die früher so nicht denkbar waren.

Blicken Sie doch mal zurück – welche Start-ups der letzten Jahre haben Sie persönlich am meisten begeistert?

Stefan Probst: Craigslist.org als sehr untypische Gründung, die ganz ohne Risikokapital und ohne einen Businessplan mit minimalen Mitteln einen erstaunlichen Mehrwert für eine weltweite Community geschaffen hat. Last.fm die ebenfalls als global player das Radio/Musikhören revolutioniert haben. Armedangels.de weil sie es geschafft haben ihre Interessenten und Kunden sehr früh aktiv einzubinden und über diese Community sowohl eine enorme Reichweite geschaffen als auch einen eindrucksvollen Kultstatus aufgebaut haben, wie es mit klassischen Mitteln nicht möglich gewesen wäre.

Nachdem das Unternehmen beim Startup Weekend gegründet worden ist, wird es eine große Herausforderung/Aufgabe für die Beteiligten sein, die Anfangseuphorie rüberzuretten in den "normalen" Gründungsalltag. Was denken Sie, muss passieren, damit das "Nürnberger Start-up" zum Erfolg wird? Werden die Organisatoren der Veranstaltung das neugegründetet Unternehmen auch nach dem Wochenende begleiten und unterstützen?

Stefan Probst: Wir wollen diesmal anregen, die Zeit nach der Gründung anders zu gestalten. Dabei könnten diejenigen die sich aktiv für das neue Unternehmen engagieren weitere Anteile "hinzuverdienen", während die Anteile von denjenigen, die sich aus welchen Gründen auch immer nicht aktiv einbringen können, nach einer bestimmten Zeit "verfallen". Dies könnte zu einer Art "squeeze out" führen, so dass am Ende das Unternehmen in der Hand der aktiven Anteilseigner liegt und somit eine bessere Voraussetzung für die Handlungsfähigkeit hat.

Vielleicht brechen Sie abschließende noch eine Lanze für das Unternehmertum. Was sind die Vor- bzw. Nachteile des Gründerlebens? Sie selbst haben ja sowohl bereits ein eigenes Unternehmen auf die Beine gestellt, als auch angestellt gearbeitet?

Stefan Probst: Es ist eine interessante Frage, warum die Gründerkultur in Deutschland im internationalen Vergleich eher gering ausgeprägt ist. Das hängt sicher mit unseren Werten wie einem hohen Bedürfnis nach Sicherheit und Stabilität zusammen. Aus diesem Grund mögen viele derzeit nicht die Chance in der Krise erkennen. Wer jetzt mit frischen Ideen startet oder einfach nur antizyklisch handelt, hat die Chance grundlegende Veränderungen mitzugestalten und zur richtigen Zeit dabei zu sein, wenn sich die Stimmung wieder zum positiven dreht. Unternehmer zu sein ist andererseits sicherlich nicht für jeden das Richtige, gerade die ständige Unsicherheit wie der nächste Monat und das nächste Geschäftsjahr aussehen wird sowie die Verantwortung, die man für seine Mitarbeiter trägt können sehr belastend sein. Dann ist es wichtig, dass man von seiner Natur her positiv nach vorne denkt und davon überzeugt ist, dass man erfolgreich sein wird.

Kommentare

  • Stefan Wendhausen

    17.08.09 (10:54:02)

    Hallo F?rderland,
    super Beitrag zum Startup Weekend N?rnberg.

    Jetzt k?nnen unsere Anmeldezahlen ja nur noch steigen :-)

    Gru? aus N?rnberg, Stefan

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