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20.09.11Kommentieren

Interview mit Timo Heinemann, druckpreis.de

"..., das sind Start-Ups, die ich bewundere."

Preisvergleichs-Dienste im Web unterliegen einer ganz eigenen Marktdynamik, hier steht harte Akquisearbeit vor dem Erreichen einer kritischen Masse und zur Verselbständigung des Geschäftsmodells. Wie zwei zwei Kieler Gründer sich dennoch in dieses Haifischbecken wagten und dabei sogar noch versuchen, sich mit Qualität abzuheben, erfahren Sie heute von Mitgründer Timo Heinemann selbst.

druckpreis.dedruckpreis.de

Guten Tag, Herr Heinemann! Ihr Geschäft ist der Preisvergleich und Sie haben sich mit Ihrem Start-up ein ziemlich umkämpftes Segment ausgesucht: Druckereien. Was wollen Sie anders  oder besser machen als die Konkurrenz?

Timo Heinemann: Hallo, Herr Herrmann! Preisvergleiche insgesamt kämpfen untereinander um die Aufmerksamkeit der Audience und gleichzeitig gegen einen immer bedeutenderen Gegner, Google. Auch Druckereien und so genannte Broker, die als Reseller auftreten, kämpfen hart um die Gunst der Printbuyer im Internet, was nicht zuletzt an stark anziehenden AdWords-Klickpreisen für Begriffe wie "Flyer" oder "Plakate drucken" zu erkennen ist, sondern insbesondere auch an der plötzlichen Präsenz von Druckereien in Massenmedien, wie Fernsehen oder Bandenwerbung bei Fußball-Länderspielen.

Einen starken Wettbewerb von Preisvergleichen im Segment Druckereien sehen wir nicht, da uns bis dato kein Anbieter bekannt ist, der in Echtzeit Druckpreise vergleicht und übersichtlich darstellt. Es gibt diverse Ausschreibungsportale, bei denen man meist mehrere Tage auf Angebote warten muss, die dazu auch inhaltlich stark divergieren können. Bei uns hat der User sofort einen Überblick. Darüber hinaus lohnt sich gerade bei einfachen Drucksachen eine Angebotserstellung für eine kleine Druckerei kaum, da sie preislich mit den hoch standardisierten Onlinedruckereien in der Regel nicht mithalten können.

Die zentrale Rolle Ihres Geschäfts wird das Suchmaschinenmarketing und die Suchmaschinenoptimierung sein. Wie haben Sie bereits bei der Umsetzung Ihres Vergleichsportals darauf Rücksicht genommen?

Heinemann: Ich denke die SEO ist die wichtigste Pre-Launch-Marketingmaßnahme, mit der man nicht früh genug beginnen kann.

Neben den Klassikern Buzz-Page und Blog war für uns wichtig, dass der Content und die Struktur der Seite von Anfang an user- und maschinenfreundlich aufgebaut und strukturiert sind. Geholfen haben uns Prioritätslisten der Seitenelemente und der Keywords, die wir für lukrativ hielten, anhand derer wir stets Inhalt und Struktur überprüfen konnten.

Und jeder, der im SEM arbeitet, weiß, dass derjenige, der Wert auf SEO legt, später kosteneffizienter SEA betreiben kann.

Ihr Kostenvergleichs-Service hat den Vorteil, dass er sehr genau konfigurierbar ist - wie aufwändig war es für Sie die Oberflächen der Anbieter zu parsen und welche Technologie wenden Sie dabei an?

Heinemann: Die Herausforderung beim Parsen der jeweiligen Anbieter lag nicht nur in den gravierenden Unterschieden der Benutzeroberflächen der Anbieter oder der unterschiedlichen Terminologie der Konfigurationsmöglichkeiten, sondern auch das automatisierte Auffinden des konkreten Angebotes. Hierfür haben wir extra ein Tool entwickelt, welches es uns ermöglicht den Crawler mit relativ wenig Aufwand anzupassen, ohne dass die Vielfalt der Konfigurationsmöglichkeiten eingeschränkt würde.

Müssen Sie sich nun, wo der Dienst steht, eigentlich noch groß darum kümmern? Wo stecken Sie gerade die meiste Arbeit hinein?

Heinemann: Wir liegen eigentlich nur noch am Strand, Spaß. Im Gegenteil, die Arbeitszeiten haben sich seit dem Launch vor knapp 3 Wochen für jeden hier verlängert. Mein Mitgründer Oliver Diestel kümmert sich zusammen mit dem Entwicklerteam um die Optimierung und Verbesserung der Crawler, schließlich sind wir noch in der Beta-Phase und zum "Stehen" kommen wird das System hoffentlich nie. Ich selbst kümmere mich zusammen mit unseren Mitstreitern vorwiegend um das Marketing und den Ausbau der Reichweite, an Nutzern und Druckereien.

Wenn Sie einmal die Erfahrungen im Online-Preisvergleich gemacht haben - technisch, organisatorisch und marketingmäßig - kommen Sie da in Versuchung, sich auch anderen Produktsparten zu widmen - ein neues Projekt auf die Beine zu stellen?

Heinemann: Oliver und ich haben schon an diversen Projekten mitgewirkt und konnten und können uns immer vorstellen an neuen spannenden Projekten mitzuarbeiten, -zudenken, mit voranzutreiben. Im Moment liegt der Fokus jedoch klar im Printmarkt, dem sich seit den letzten größeren Produktionsprozess-Innovationen, durch u.a. Robert Keane (Gründer von Vistaprint) nicht viel getan hat. Ein spannendes Innovationsfeld, das sich weitestgehend in unserem Umfeld befindet ist ePrinting, auf dem sich in den kommenden Monaten und Jahren auch aufgrund der zunehmenden Verbreitung mobiler Devices sicherlich einiges bewegen wird.

Welche Dinge haben Sie eigentlich unterwegs gelernt? Auf welche Erfahrung hätten Sie gerne verzichtet?

Heinemann: Anhand unseres Projektes druckpreis.de haben wir gelernt, dass man viele Dinge schlicht anfangen muss. Sich Gedanken über den Markt, die marktinternen Abhängigkeiten und seine Zielgruppe zu machen ist sicherlich wichtig und richtig, man sollte aber möglichst früh zu dem Punkt kommen: Jetzt geht’s los! Und sich immer wieder kleine Ziele  setzen, die einen klaren Produktfokus haben. Betrachtet man unsere kurze Historie von der Idee bis heute, zeigt sich, dass der größte Erkenntnisgewinn in der praktischen Umsetzung der Idee lag. Auf Erfahrungen, die wir auf unserem Weg gemacht haben, verzichten zu wollen hieße, wir wollten auf Wissen verzichten. Es gab sicherlich die eine oder andere Überraschung, aber nichts Traumatisierendes.

Woher haben Sie und Ihre Kollegen eigentlich Ihre Erfahrungen? Was haben Sie gelernt und was können Sie davon gebrauchen?

Heinemann:Olli arbeitet neben seinem Informatikstudium seit mehreren Jahren an verschiedenen Projekten wie iPhone-Apps und -Spielen oder Webapplikationen.

Ich selbst habe im letzten Jahr mein BWL-Studium abgeschlossen und bereits nach dem Grundstudium eine Onlinemarketingagentur gegründet, aus der sich ein großer Teil unserer Mitstreiter rekrutiert.

Zusammengekommen sind wir erstmals im Rahmen unserer Tätigkeit für die Campus Business Box, die sich in Kiel um das Zusammenspiel von Studenten und Unternehmen kümmert.

Sicherlich wollen Sie ja auch etwas bei der ganzen Sache verdienen? Wieviel Provision bzw. Gebühr verlangen Sie von den Druckereien, die Sie gelistet haben?

Heinemann: In der Tat erreichen uns auch Rechnungen, die bezahlt werden wollen. Wir verlangen keinerlei fixe Gebühren, wir arbeiten mit Provisionsmodellen, was für alle Beteiligten das effizienteste und vor allem transparenteste Modell ist. Demnächst kommt noch ein Premiummodell hinzu, was für teilnehmende Druckereien ein paar Vorteile bietet, über die wir an dieser Stelle noch nicht sprechen können.

Zum Abschluss bitte: Welches Start-up bewundern Sie und warum?

Heinemann: Die Themen Crowdsourcing und effiziente Ressourcenallokation finde ich, wie viele andere, sehr spannend. Bewunderung kommt auf, wenn sich Unternehmen, die an einem spannenden Thema arbeiten auch noch gegen Widerstände durchsetzen. Smava, die sich im Schumpeterschen Sinne als kreative Zerstörer gegen alle Bedenkenträger und Anhänger des Bankenmonopols auf Finanzintermediation durchgesetzt haben. DeinBus, die antiquierte und volkswirtschaftlich vollkommen unsinnige Monopole aufbrechen und dabei nicht die Konfrontation mit einem Goliath scheuen, das sind Start-Ups, die ich bewundere.

Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg!

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