<< Themensammlung Gründung

Aktuelle News für Gründer Selbstständige und Unternehmer

03.03.14Kommentieren

Interview mit Dr. Michael Brandkamp, High-Tech Gründerfonds

„Das Risiko des Scheiterns ist für junge Technologieunternehmen sehr hoch“

Dr. Michael Brandkamp ist Geschäftsführer des High-Tech Gründerfonds (HTGF) und einer der zahlreichen renommierten Speaker beim Startup Camp Berlin. Im Interview mit förderland gibt er praktische Tipps für kapitalsuchende Gründer, spricht über die Berliner Start-up Party und gewährt uns einen kurzen Ausblick auf seinen Vortrag beim Startup Camp.

Dr. Michael Brandkamp ist Geschäftsführer des High-Tech Gründerfonds und wird als Speaker beim Startup Camp Berlin am 20. und 21 März auf dem Podium stehen.

förderland: Hallo Herr Dr. Brandkamp, Sie sind Geschäftsführer des High-Tech Gründerfonds. Der investiert Venture Capital in technologieorientierte Unternehmensgründungen mit hohem Potenzial. Wie läuft so einen Finanzierungsrunde konkret ab? Können Sie uns das am Beispiel der FAZUA GmbH (einem Unternehmen, das Sie erst kürzlich mit Kapital ausgestattet haben) erläutern?

Dr. Michael Brandkamp: Zu Beginn bekommen wir vom Gründerteam oder einem Netzwerkpartner einen Businessplan oder eine kurze Information. FAZUA erhielt wertvolle Unterstützung von evobis und dem Strascheg Center for Entrepreneurship. Beim Businessplan Wettbewerb in München, den evobis ausrichtet, konnten wir das Team persönlich kennen lernen und waren von dem innovativen Antriebskonzept für e-bikes sofort fasziniert. Unser Investmentmanager, Benjamin Erhart gewann einen ersten Eindruck vom Gründerteam und hat es mit wichtigen Playern aus der Fahrradbranche verdrahtet.

So wurde das Gründungskonzept für uns rund und finanzierbar. Entscheidend sind stets die Menschen hinter der Technologie und dem Geschäftskonzept. Daher laden wir die Teams schon am Anfang des Prüfungsprozesses ein, um sie kennen zu lernen und das Konzept zu verstehen. Es entwickelt sich dann ein reger Austausch zwischen Gründern und dem HTGF. Die Due Diligence, also die sorgfältige Risikoprüfung samt Expertengutachten, festigt unsere Einschätzung Schritt für Schritt bis zur finalen Beteiligungsentscheidung in einem unserer Investment-Komitees. Dieser Prozess dauert in der Regel 3 Monate. Falls Rechte an der Technologie, also IP; erst noch in das Unternehmen eingebracht bzw. auf dieses übertragen werden müssen oder beispielsweise die Gesellschaftsstruktur noch geändert wird, kann es auch etwas länger dauern.

Da der Kapitalbedarf für das Antriebssystem der FAZUA GmbH 500.000 EUR überstieg, haben wir aus unserem Netzwerk neben Bayern Kapital einen erfahrenen Business Angel als Sideinvestor mit in die Finanzierungsrunde gebracht. Herr Erhart hat noch zwei branchenerfahrene Unternehmer als Beiräte für das Team gewinnen können. Wir geben also nicht nur Geld, sondern bieten den Gründern einen echten Mehrwert.

Welche Tipps können Sie ganz generell Gründern auf der Suche nach Risikokapital mit auf den Weg geben?

Brandkamp:
Ein gut strukturierter und überzeugender Businessplan, gerne mit einer Referenz, ist die beste Visitenkarte beim ersten Kontakt mit Investoren. Lokale Gründerzentren, Universitäten und die Veranstalter von Businessplanwettbewerben können vorab wertvolle Tipps geben und beim Erstellen des Businessplans unterstützen.

Aus unserer Sicht macht es für High-Tech-Gründer Sinn, sehr früh mit uns in Kontakt zu treten. Oft schon vor Gründung. Auf diese Weise wird das Alterskriterium nicht zum Thema, denn der HTGF investiert nur in Start-ups, die nicht länger als ein Jahr operativ tätig sind. Wenn ein Team allerdings noch sehr unsicher ist, was die Grundlagen des Geschäftskonzepts angeht, kommt es zu früh. Wir geben zwar gern Hinweise und leisten aktive Unterstützung, dennoch sollte das Team in der Diskussion mit dem HTGF bereits eine klare Vorstellung von den Risiken und Chancen, Stärken und Schwächen haben.

Warum ist es aktuell spannend in der deutschen VC-Landschaft aktiv zu sein? Wie hat sich die deutsche Gründerszene in den letzten Jahren entwickelt?

Brandkamp: Es ist nicht nur aktuell spannend, sondern es ist und war immer spannend und aufregend in der deutschen VC-Landschaft. Aktuell besonders bemerkenswert ist der Kulturwandel in der deutschen Start-up Szene. Mittlerweile ist es trendy, Teil dieser Szene zu sein. Entrepreneurship und Unternehmertum werden hoch geschätzt. Exzellente Absolventen ziehen Start-ups den großen Konzernen vor. Zusätzlich prägen gestandene Unternehmer und Serial Entrepreneurs, die ihr Vermögen reinvestieren, die Gründerlandschaft.

Und wir sprechen hier nicht nur von IT- oder eCommerce-Start-ups. Wir sehen auch immer mehr Gründungen in anderen Bereichen - wie der klassische Maschinenbau, Sensortechnik, Robotik oder LifeScience-Themen. In jüngster Zeit ist außerdem die Verzahnung von IT mit anderen Branchen zu beobachten, also eHealth-, mHealth- oder Industrie 4.0-Themen. Insgesamt ist die Szene deutlich professioneller geworden.

In der Gründerszene wird aktuell Michael Krokers Artikel in der WiWo heiß diskutiert! Was sagen Sie zu seiner These „Bei Berlins Startups ist die Party vorbei“? Und halten Sie seine Argumente für stichhaltig?

Brandkamp: Die größte Party rund um Start-ups durfte ich in den Jahren 1999 und 2000 miterleben. Es hat Jahre gedauert, den Kater dieser Party auszukurieren. Die Situation heute bewerten wir anders. Wir sehen starke Start-ups mit wertvollen Alleinstellungsmerkmalen, die gute Chancen haben, ihr Konzept zum Erfolg zu führen und zu wachsen.

Fakt ist aber auch: das Risiko des Scheiterns ist für junge Technologieunternehmen sehr hoch. Das ist zwar keine neue Erkenntnis, aber für viele Inkubatoren und engagierte Unternehmer ein neues, ernüchterndes Erlebnis. Eine gewisse Beruhigung in der Berliner Start-up Szene und die Fokussierung auf harte Arbeit, die für den Aufbau eines jungen Unternehmens zwingend erforderlich ist, tun gut. Insofern hat Michael Kroker recht, wobei der Vergleich mit dem Silicon Valley aus meiner Sicht unfair ist. Insgesamt sind wir aber überzeugt, dass es einige der Start-ups schaffen können, wirklich groß zu werden.

Die Party sollten wir nicht heute, sondern erst feiern, wenn wir große, erfolgreiche Exits realisiert haben. Die Anzahl und Größe der Anschlussrunden von in- und ausländischen Investoren, zeigt, dass unsere Start-ups auf gutem Weg sind.

Warum sollte man – trotz vermeidlicher Partyflaute in Berlin – als Gründer bzw. Gründungsinteressierter am 20. und 21. März beim Startup Camp Berlin vorbeischauen?

Brandkamp: Das Startup Camp Berlin bringt IT-Gründer mit wichtigen potenziellen internationalen Geld- und Know-how-Trägern wie Business Angels und VC´s zusammen. Die Veranstaltung kombiniert Konferenz, Messe und Pitch Marathon und ist eine der größten Pitching Events in Europa. Eine ausgezeichnete Plattform, um sich zu vernetzen.

Sie selbst werden als Sprecher auf dem Podium stehen. Worum wird’s in Ihrem Vortrag gehen?

Brandkamp: Es wird um die aktuellen Veränderungen, Tendenzen und Trends in der Finanzierungslandschaft für junge Start-ups gehen, angereichert um ein paar Highlights aus dem Leben eines Seedinvestors. Ich freue mich drauf.

Vielen Dank für das Interview!

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Diesen Beitrag kommentieren:

Die Kommentare können nur zwischen 9 und 16 Uhr
freigeschaltet werden. Wir bitten um Verständnis.

Um Spam zu vermeiden, schreiben Sie bitte die Buchstaben aus diesem Bild in das nebenstehende Formularfeld:

Das könnte Sie auch interessieren

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer