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26.07.10

Arbeitsrecht

Wissenswertes zum Thema Arbeitszeugnis

Mitarbeiter, die Ihren Betrieb verlassen, wollen meist ein Arbeitszeugnis. Was Sie dazu wissen müssen und wie Sie sich die Arbeit vereinfachen können, erfahren Sie hier.

Bei Arbeitszeugnissen sind bestimmte Punkte zu beachten

Arbeitszeugnisse haben eine doppelte Funktion: Sie sollen dem beruflichen Fortkommen des Mitarbeiters dienen und Ihnen als Arbeitgeber die Mitarbeiterauswahl erleichtern. Denn durch ein Zeugnis können Sie sich als Arbeitgeber ein Bild über den Bewerber machen und seine Eignung prüfen.

Vorsicht:

Bedenken Sie, dass so manch ein Arbeitszeugnis nicht unbedingt der Wahrheit entspricht. Eine große Zahl von Zeugnissen wird selbst geschrieben oder gefälscht. Daher sollten Sie Ihre Mitarbeiterauswahl und Einstellungsentscheidung nicht allein von einem Zeugnis abhängig machen.

Jeder Mitarbeiter hat einen Anspruch

Laut § 109 Abs. 1 Gewerbeordnung kann jeder Mitarbeiter bei Beendigung seines Arbeitsverhältnisses ein schriftliches Arbeitszeugnis verlangen. Sowohl die Art als auch der Umfang des Arbeitsverhältnisses sind dabei unbeachtlich. Das bedeutet, dass alle Mitarbeiter, unabhängig davon, ob sie

  • voll- oder teilzeitbeschäftigt,
  • befristet oder unbefristet,
  • haupt- oder nebenberuflich,
  • in leitenden Positionen oder
  • als Aushilfen

beschäftigt sind, einen Anspruch auf ein Arbeitszeugnis haben.

Das Zeugnis gibt’s meist am Ende

Sie müssen Ihrem Mitarbeiter das Zeugnis an dem Tag ausstellen, an dem das Arbeitsverhältnis endet. Insofern spricht man auch von einem Endzeugnis. Haben Sie ihm etwa fristgerecht gekündigt, müssen Sie ihm unmittelbar nach Ablauf der Kündigungsfrist ein Zeugnis ausstellen.

Dann müssen Sie ein Zwischenzeugnis ausstellen

Unter bestimmten Voraussetzungen können Mitarbeiter auch ein Zwischenzeugnis verlangen. Das setzt aber ein berechtigtes Interesse auf Mitarbeiterseite voraus. Anerkannt ist dies z. B. bei

  • einem Vorgesetztenwechsel,
  • längeren Arbeitsunterbrechungen (z.B. Elternzeit, Wehr-/Zivildienst, usw.),
  • einem geplanten eigenen Stellenwechsel,
  • dem Übergang des Betriebs auf einen neuen Inhaber oder
  • der erforderlichen Vorlage bei Behörden, Banken oder Weiterbildungseinrichtungen.

Vorsicht!

Ein Zwischenzeugnis ist in Bezug auf ein späteres Endzeugnis verbindlich. Das bedeutet, dass Sie im Endzeugnis für den im Zwischenzeugnis bescheinigten Zeitraum an dessen Beurteilungen gebunden sind. Weicht das Endzeugnis inhaltlich vom Zwischenzeugnis ab, müssen Sie dies durch zwischenzeitlich eingetretene Umstände rechtfertigen.

Ein einfaches Zeugnis müssen Sie immer ausstellen

Hinsichtlich des Inhalts unterscheidet man einfache und qualifizierte Zeugnisse. Ein einfaches Zeugnis beinhaltet nur Angaben zur Art und Dauer des Beschäftigungsverhältnisses. Insofern handelt es sich um eine Art  Arbeitsbescheinigung. Bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses steht jedem Mitarbeiter ein einfaches Zeugnis zu.

Qualifiziertes Zeugnis nur auf Verlangen

Ein qualifiziertes Zeugnis enthält zusätzliche Angaben zu Leistung und Verhalten. Die Leistungsbeurteilung muss sich an der Tätigkeitsbeschreibung, also an der Arbeitsaufgabe und ihren Anforderungen orientieren. Die Leistung wird unter anderem gekennzeichnet durch

  • das körperliche und geistige Leistungsvermögen,
  • Fachkenntnisse,
  • Arbeitsqualität und Güte,
  • Arbeitsweise und Verantwortungsbereitschaft,
  • Motivation und Eigeninitiative.

Kennzeichnend für das zu beurteilende Verhalten ist das Sozialverhalten gegenüber Vorgesetzten, Kollegen und Dritten (z. B. Kunden und Lieferanten).

Praxistipp

Anders als ein einfaches Arbeitszeugnis müssen Sie ein qualifiziertes Arbeitszeugnis nur auf Verlangen Ihres Mitarbeiters ausstellen. Damit Sie sich nicht unnötig Arbeit machen, sollten Sie ihm zunächst ein einfaches Zeugnis aushändigen und abwarten, ob er zusätzlich noch ein qualifiziertes Zeugnis verlangt.

ÜBERSICHT: INHALT UND AUFBAU EINES QUALIFIZIERTEN ZEUGNISSES

1. Eingangsformalia
des ArbeitgebersFirmenbogen: Name, Anschrift
Überschrift: „Zeugnis“
des MitarbeitersEingangsformel: Angaben zur Person
(Name, Geburtsdatum, Eintrittsdatum, usw.)
2. Tätigkeitsbeschreibung
Art der Beschäftigung innerhalb des Betriebs
Aufgabenschwerpunkte
Berufliche Entwicklung
Weiterbildungen
3. Leistungsbeurteilung
„Können“Arbeitserfolg, Fachkenntnisse, Arbeitsweise
„Wollen“Arbeitsbereitschaft, Motivation, Eigeninitiative
Gesamturteil
4. Verhaltensbeurteilung
Verhalten gegenüber Vorgesetzten
Verhalten gegenüber Kollegen
Verhalten gegenüber Kunden
5. Abschlussformalia
Angaben zur BeendigungAustrittsdatum, Austrittsgrund
AbschlussDankesformel, Zukunftswünsche
Ort, Datum, Unterschrift


Halten Sie sich an die Grundsätze

Bei der Formulierung von Zeugnissen müssen Sie 2 Grundsätze beachten:

  • Nach dem Wahrheitsgrundsatz muss der Inhalt des Zeugnisses der Wahrheit entsprechen. Nehmen Sie dieses Wahrheitsgebot ernst! Denn wenn Sie im Zeugnis wissentlich falsche Angaben machen, können Sie sich gegenüber einem neuen Arbeitgeber schadensersatzpflichtig machen.
  • Nach dem Wohlwollensgrundsatz muss ein Zeugnis wohlwollend formuliert sein. Denn das Zeugnis soll dem beruflichen Fortkommen des Mitarbeiters dienen.

Die spezielle Zeugnissprache

Um beiden Grundsätzen gerecht zu werden, hat sich eine „Zeugnissprache“ bewährt. So kann mittels vermeintlich positiven Phrasen eine negative Beurteilung ausgedrückt werden. So bedeutet z.B. die Formulierung „er verfügt über Fachwissen und hat ein gesundes Selbstvertrauen“, dass der Arbeitnehmer fehlendes Wissen mit großen Sprüchen überspielt. Auch die Reihenfolge der Angaben kann versteckte Aussagen enthalten. Beispielsweise weist die Formulierung „sein Verhalten zu Mitarbeitern und Vorgesetzten war stets einwandfrei“ darauf hin, dass das Verhalten gegenüber Vorgesetzten problematisch war, ganz zu schweigen vom Verhalten gegenüber Kunden.

WICHTIGE FORMULIERUNGSBEISPIELE FÜR DIE GESAMTBEURTEILUNG

Formulierung
Bewertung
Er hat die ihm übertragenen Aufgaben
stets zu unserer vollsten Zufriedenheit erledigt.
sehr gute Leistung
Er hat die ihm übertragenen Aufgaben
stets zu unserer vollen Zufriedenheit erledigt.
gute Leistung
Er hat die ihm übertragenen Aufgaben
zu unserer vollen Zufriedenheit erledigt.
befriedigende Leistung
Er hat die ihm übertragenen Aufgaben
zu unserer Zufriedenheit erledigt.
ausreichende Leistung
Er hat die ihm übertragenen Aufgaben im Großen
und Ganzen zu unserer Zufriedenheit erledigt.
mangelhafte Leistung
Er hat sich bemüht, die ihm übertragenen
Aufgaben zu unserer Zufriedenheit zu erledigen.
ungenügende Leistung


Weglassen wichtiger Angaben

Negative Beurteilungen können Sie auch dadurch zum Ausdruck bringen, dass Sie wesentliche bzw. erwartete Angaben im Zeugnis weglassen. Insbesondere das Fehlen von bestimmten berufstypischen Merkmalen, deren Erwähnung man im Zeugnis üblicherweise erwarten würde, deutet darauf hin, dass der Beurteilte für diesen Beruf kaum qualifiziert ist.

Wenn Sie kein Zeugnis aushändigen

Stellen Sie dem Mitarbeiter gar kein Zeugnis oder nur ein einfaches Arbeitszeugnis aus, obwohl er ein qualifiziertes Zeugnis verlangt hat, kann der Mitarbeiter beim Arbeitsgericht auf Erteilung des Zeugnisses klagen. Dabei muss er nur

  • den früheren Bestand des Arbeitsverhältnisses,
  • dessen Beendigung und
  • gegebenenfalls das Verlangen nach einem qualifizierten Zeugnis darlegen und beweisen.

Wenn der Inhalt streitig ist

Beanstandet der Mitarbeiter den Inhalt des Zeugnisses, kann er eine Klage auf Zeugnisberichtigung erheben. Da es Ihre Sache als Arbeitgeber ist, das Zeugnis zu formulieren, hat der Mitarbeiter aber in der Regel keinen Anspruch auf Neuformulierung. Vielmehr muss der Mitarbeiter im Klageantrag genau angeben,welche Änderungen oder Ergänzungen er will und diese gegebenenfalls beweisen.

Ingo Mrowka, LL.M.
Der Arbeitsrechtsexperte: RA & Dipl.-Arb.wiss. Ingo Mrowka, LL.M. ist als Arbeitsrechtsanwalt und Seminarreferent bundesweit tätig.

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