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21.06.07

Interview mit Dr. Doris Schmidt, experimente-workshop.de

"Das lernt man nicht im naturwissenschaftlichen Studium"

förderland im Gespräch mit Dr. Doris Schmidt, Gründerin von experimente-workshop.de, über die Vorteile eines Existenzgründungsseminars, den finanziellen Aufwand für den Start, familiären Rückhalt und "Naturwissenschaft zum Anfassen".

"Naturwissenschaft zum Anfassen" - Dr. Doris SchmidtDr. Doris Schmidt will in Ihren Experimentierkursen Spaß an Naturwissenschaften vermittlen.
Bild: Doris Schmidt

förderland: Frau Dr. Schmidt, würden Sie sich und Ihr Projekt "experimente-workshop.de" bitte kurz vorstellen?

Doris Schmidt: Ich bin promovierte Biologin und habe lange Zeit in der Grundlagenforschung mit dem Schwerpunkt Toxikologie gearbeitet. Seit sechs Jahren führe ich Experimentierkurse für Kinder durch, in denen ich ihnen auf spielerische Weise physikalische, chemische und biologische Phänomene aus ihrer Alltagsumgebung näher bringe und ihnen so den Spaß an Naturwissenschaften vermittle.

Im November 2006 habe ich mein Unternehmen "Naturwissenschaften zum Anfassen" gegründet. Ich biete:

  • Fortbildungsveranstaltungen für ErzieherInnen, Grundschullehrer und HortbetreuerInnen - Schwerpunktthemen der Workshops sind die Vermittlung von Grundlagen des Experimentierens mit Kindern sowie aufeinander aufbauende Experimentiereinheiten aus verschiedensten naturwissenschaftlichen Bereichen
  • Experimentierkurse für Kinder - Kindertagesstätten, Grundschul-AGs, Experimentier-AGs fünfte und sechste Klasse
  • Experimentiershows für Kindergärten und Grundschulen

förderland: Wie ist Ihre Geschäftsidee entstanden?

Schmidt: Ich habe selbst zwei Kinder, die neugierig und voller Forscherdrang alles um sich herum erkundet haben. Mit ihnen habe ich viel experimentiert, was mir aufgrund meiner Ausbildung leicht fiel und habe dann diese Erfahrungen zunächst an Kita und Grundschule meiner Kinder weitergegeben.

In der Folge der Pisa-Studie hat die naturwissenschaftliche Bildung im Rahmen der frühkindlichen Bildung einen neuen Stellenwert erhalten. Ich habe dann feststellen müssen, dass das Kita-Personal meist überfordert ist mit den neuen Anforderungen an den Bildungsauftrag in der Kita. Auch in den Grundschulen nehmen Naturwissenschaften nur einen minimalen Raum ein. Die Fortbildung des Lehrpersonals von Kita und Grundschulen ist für die neuen Anforderungen eine Notwendigkeit und hier setzt mein Unternehmen an.

förderland: Gründerinnen sind immer noch die Ausnahme. Warum haben Sie sich für die Selbstständigkeit entschieden?

Schmidt: Ich war während meiner Forschungstätigkeit bereits länger mit Projektleitungen betraut und auch als Arbeitsgruppenleiterin tätig. Mir liegt das selbstständige Arbeiten und ich setze gerne eigene Ideen um. Mit meinen Fortbildungen kann ich eine Marktlücke füllen und dabei gleichzeitig meinen naturwissenschaflichen Neigungen nachgehen. Außerdem macht es mir Spaß neue Projekte zu konzipieren.

förderland: Die Jury des diesjährigen StartUp-Impuls-Wettbewerbs war von Ihrem Konzept so begeistert, dass sie Ihnen einen Sonderpreis verliehen hat. Ist von den 4.000 Euro Preisgeld noch etwas übrig?

Schmidt: Ja, klar. Ich habe einen Teil des Geldes für die Aufstockung meiner Büroausstattung und für Werbung verwendet. Das übrige Geld wird wahrscheinlich in die Anschaffung neuer Materialien für neue Experimente investiert. Ich habe da schon ein paar innovative Projekte avisiert.

förderland: Von der ersten Idee bis zur tatsächlichen Gründung - welche Hindernisse mussten Sie aus dem Weg räumen?

Schmidt: Zunächst musste ich mich erst einmal selbst davon überzeugen, dass meine Idee so gut ist, dass sie bei potentiellen Kunden Anklang findet. Das zweite war, das notwendige Know-how für die Führung eines eigenen Unternehmens zu erwerben.

förderland: Eine gute Idee allein macht noch kein erfolgreiches Unternehmen. Hatten Sie Unterstützung bei der Startfinanzierung Ihres Projektes? In welchen Dimensionen bewegen wir uns denn?

Schmidt: Der finanzielle Aufwand für den Start der Fortbildungen war relativ gering. Da ich hauptsächlich geistiges Kapital vermarkte, liegt hier nicht das Problem. Ich  musste in Büro und Werbung sowie einige Materialien investieren - alles zusammen unter 5.000 Euro. 

förderland: Was waren Ihre Beweggründe, an einem vierwöchigen Existenzgründerseminar teilzunehmen und würden Sie es auch anderen jungen Unternehmen ans Herz legen? Was hat Ihnen die Teilnahme konkret gebracht?

Schmidt: Die Idee zur Selbstständigkeit hatte ich schon länger, allein das Know-how fehlte mir noch. Das lernt man nicht im naturwissenschaftlichen Studium. Da war das Existenzgründungsseminar im TCH in Hannover genau die richtige Adresse für mich. Ich würde jedem, der sich selbstständig machen möchte, empfehlen, an so einem Seminar teilzunehmen. Das eigene Projekt wird konkretisiert. Man führt eine Markterkundung durch, die schon sehr gut zeigt, ob das Angebot überhaupt gefragt ist. Und nicht zuletzt wird auch die finanzielle Seite unter die Lupe genommen. Für mich war es rundum zufrieden stellend und ich wusste nun, worauf ich mich einlasse.

förderland: Sie sind promovierte Biologin, zweifache Mutter und leiten ein eigenes Unternehmen. Wie bekommen Sie das alles unter einen Hut?

Schmidt: Das geht natürlich nur mit der Unterstützung der ganzen Familie. Mein Mann hat einen Teil des Familienmanagements übernommen und auch von der weiteren Familie erhalte ich großartige Unterstützung. Von Vorteil ist natürlich, dass ich meine Bürotätigkeit von zu Hause aus erledigen und auch meine Veranstaltungen dem Terminkalender anpassen kann.

förderland: Frau Dr. Schmidt, vielen Dank für das Gespräch.

© 2007 förderland

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