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09.04.13Kommentieren

Kolumne von Andreas Görlich

Das häusliche Arbeitszimmer – ein Dauerbrenner vor Gericht

Gerade für Existenzgründer und Jungunternehmer, die keine Geschäftsräume anmieten können oder wollen, wird‘s jetzt spannend wie bei Alfred Hitchcock: Es geht um das häusliche Arbeitszimmer. In der Praxis herrscht oft ein Halbwissen darüber, was genau darunter zu verstehen ist. Hier die Auflösung:

Andreas Görlich ist selbstständiger Steuerberater, Gründungsberater und DozentAndreas Görlich ist selbstständiger Steuerberater, Gründungsberater und Dozent

Gerade für Existenzgründer und Jungunternehmer, die keine Geschäftsräume anmieten können oder wollen, wird‘s jetzt spannend wie bei Alfred Hitchcock: Es geht um das häusliche Arbeitszimmer. In der Praxis herrscht oft ein Halbwissen darüber, was genau darunter zu verstehen ist. Hier die Auflösung: Ein häusliches Arbeitszimmer ist ein büromäßig genutzter Raum in der eigenen oder gemieteten Wohnung bzw. im entsprechenden Wohnhaus, in dem Sie gedankliche, schriftliche oder verwaltungstechnische Arbeiten erledigen. Aus dieser Abgrenzung folgt im Umkehrschluss: Ein Büro, das irgendwo außerhalb der Wohnung angemietet wird, ist nicht als häusliches Arbeitszimmer anzusehen. Dasselbe gilt für eine Werkstatt, ein Tonstudio, einen Lagerraum, eine ärztliche Praxis oder Ähnliches im eigenen Wohnhaus.


Das Arbeitszimmer ist Mittelpunkt Ihrer Arbeit:

Wenn Ihr Arbeitszimmer den alleinigen Mittelpunkt Ihrer gesamten beruflichen Tätigkeit darstellt, ist die Sache klar: Die Kosten für Ihr häusliches Arbeitszimmer können Sie in voller Höhe von der Steuer absetzen. Der Mittelpunkt bestimmt sich nicht vorrangig nach der verbrachten Arbeitszeit im Heimbüro (Quantität), sondern vielmehr kommt es auf die Qualität der im Arbeitszimmer erledigten Arbeiten an. Genauer: Die den jeweiligen Beruf prägenden Arbeiten bzw. Kernaufgaben müssen dort erledigt werden, also nicht nur Hilfstätigkeiten wie etwa Rechnungen schreiben oder Belege buchen.

Beispiel: Der Handwerker, der den ganzen Tag auf der Baustelle tätig ist und nur seine Buchführung im häuslichen Arbeitszimmer erledigt, hat seinen Arbeitsmittelpunkt außerhalb des Heimbüros.

Das Arbeitszimmer ist nicht Mittelpunkt Ihrer Arbeit:

Wenn Ihr Arbeitszimmer nicht den alleinigen Mittelpunkt Ihrer selbstständigen Tätigkeit bildet, ist der Steuerabzug zulässig, wenn kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Das ist beispielsweise der Fall, wenn Sie kein eigens angemietetes Büro und keinen Arbeitsplatz bei einem Auftraggeber oder Geschäftspartner haben. Die angefallenen Kosten sind in diesem Fall jedoch nur beschränkt abzugsfähig bis maximal 1.250 € pro Jahr.

Sonstige Anforderungen an Ihr häusliches Arbeitszimmer:

Wenn einer der beiden Fälle bei Ihnen zutrifft, bitte noch nicht freuen. Denn der Fiskus stellt weitere Ansprüche: Ihr Arbeitszimmer muss ein geschlossener Raum sein, eine Arbeitsecke im Wohn- oder Schlafzimmer genügt dem Finanzamt nicht für den Steuerabzug. Und private Gegenstände im Heimbüro wie beispielsweise Bett oder Fernseher sind tabu. Wird das Arbeitszimmer auch privat mitbenutzt, haben Sie schlechte Karten und der Fiskus setzt den Rotstift an. Das gilt derzeit noch – aber wer weiß, wie lange. Denn einige Finanzgerichte sehen das anders (zu anhängige Gerichtsverfahren und Mustereinspruch siehe unten).

Aber, noch einmal zur Erinnerung: Kleinlich ist der Fiskus nur beim häuslichen Arbeitszimmer. Dagegen sind die Kosten für die häusliche Betriebsstätte voll steuerlich absetzbar. Häusliche Betriebsstätten sind Werkstätten, Lager- und Ausstellungsräume oder Praxisräume von Rechtsanwälten, Ärzten usw., wenn die Räumlichkeiten für den intensiven und dauerhaften Publikumsverkehr eingerichtet sind. Dasselbe gilt, wenn in den häuslichen Räumen mindestens eine familienfremde Arbeitskraft beschäftigt wird.

Welche Kosten können Sie für Ihr Arbeitszimmer absetzen?

Sie gehören zu den Glücklichen, die Kosten für Ihr häusliches Arbeitszimmer sind abzugsfähig? Gratulation! Aber welche Kosten können Sie genau geltend machen? Anteilig absetzbar sind etwa Miete oder Abschreibung bei Eigentum, Schuldzinsen, Heizung, Strom, Grundbesitzabgaben, Reinigungskosten oder Kosten für die Gebäudeversicherung etc. Um den auf das Arbeitszimmer entfallenden Anteil zu ermitteln, ist die Fläche des Heimbüros ins Verhältnis zur Gesamtwohnfläche zu setzen. Hat Ihre Wohnung beispielsweise insgesamt 100 qm und das Arbeitszimmer 20 qm, beträgt der abzugsfähige Anteil 20 %. Dagegen sind Renovierungskosten, die nur für das Arbeitszimmer anfallen, oder Ausstattungsgegenstände des Arbeitszimmers in voller Höhe abzugsfähig.

Beachten Sie:

Betriebliche Arbeitsmittel, wie etwa ein Schreibtisch, Schreibtischstuhl oder Aktenschrank, fallen nicht unter die restriktiven Arbeitszimmerregelungen – sie sind unkompliziert von der Steuer absetzbar.

Empfehlung zum Schluss:

Das häusliche Arbeitszimmer ist ein „Dauerbrenner“ vor Gericht und auch aktuell stehen die kleinlichen Regelungen auf dem Prüfstand der höchsten Richter. Im Zweifel setzen Sie die Kosten für Ihr häusliches Arbeitszimmer immer an. Streicht das Finanzamt Ihnen die Kosten, dann legen Sie Einspruch ein und schließen Sie sich ohne großen Aufwand und kostenlos einem der vor dem Bundesfinanzhof anhängigen Musterverfahren an. Und so geht’s: Für den Fall, dass Ihr Arbeitszimmer sowohl betrieblich als auch privat genutzt wird, haben wir Ihnen einen Mustereinspruch formuliert. Ergänzen Sie den Einspruch mit Ihren persönlichen Daten und ab damit zum Finanzamt. Entscheiden die höchsten Richter in Ihrem Sinn, dürfen Sie sich über eine Steuererstattung freuen. Im Fall einer ungünstigen Entscheidung für Sie, brauchen Sie nichts weiter zu unternehmen.

Zum Autor:

Andreas Görlich ist selbständiger Steuerberater, Gründungsberater und Dozent mit einer ambitionierten Mission: die vermeintlich komplizierte und staubtrockene Steuerwelt auf eine erfrischende Art dem Laien verständlich zu vermitteln. Im Rahmen seiner Beratungs- und Dozententätigkeit hat er bereits mehr als 500 Existenzgründer auf dem Weg in die Selbständigkeit begleitet.

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