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31.08.10Kommentieren

Interview mit Rainer Buffo und Ingo Martin

"Damals haben wir uns dann einmal in die Augen geschaut und einfach mal losgelegt"

Augründungen von Universitäten bleiben der breiten Masse meist unbekannt. Doch diesmal könnte das anders laufen. Rainer Buffo und Ingo Martin von der RWTH Aachen haben einen Heckspoiler für LKW´s entwickelt, der Kraftstoffkosten und Co2-Verbrauch mindern soll. Im Interview mit förderland sprechen die beiden über ihre Erfindung und wie sich das Team dazu gefunden hat.

Rainer Buffo und Ingo Martin (re.), AeroBlasterRainer Buffo und Ingo Martin (re.), AeroBlaster

förderland: Hallo Herr Buffo, Hallo Herr Martin, stellen Sie sich doch bitte kurz unseren Lesern vor …

Rainer Buffo: Hallo! Mein Name ist Rainer Buffo, Luft- und Raumfahrttechniker mit einer Vorliebe für Wind- und Wasserkanäle. Nach dem Studium an der RWTH Aachen promoviere ich momentan am Institut für Luft- und Raumfahrt. Die Erkenntnisse dort können direkt in unser Projekt AeroBlaster einfließen.

Ingo Martin: Servus! Ich bin Ingo Martin, ebenfalls Aerodynamiker der RWTH Aachen. Allerdings begeistern mich vor allem Simulationen am Computer. Mein Studium wird Mitte des Jahres fertig sein. Dann werde ich eine Promotion im Bereich Aerodynamik beginnen.

Wobei handelt es sich bei Ihrem momentanen Projekt "AeroBlaster"?

Martin: Der AeroBlaster ist ein faltbarer Spoiler am Heck von Lkw. Er reduziert den Luftwiderstand um 8 Prozent, was circa 4 Prozent Einsparungen bei CO2 und Kraftstoffkosten bedeutet. Er ist so gebaut, dass er beim Be- und Entladen vom Lkw nicht stört.

Buffo: In unseren Augen zeigt der AeroBlaster beispielhaft, wie wir uns mit Forschung und Innovationen zu einem besseren, "grüneren" Transportwesen bewegen können. Außerdem kombiniert er ökologische Verbesserungen mit betriebswirtschaftlichem Erfolg.

Wie kommt man auf die Idee, einen Heck-Spoiler für Lkw zu entwickeln?

Buffo: Eine Kastenform ist so ziemlich das Schlimmste, was man der Strömung antun kann. Es hat uns herausgefordert, hier mit kleinen Verbesserungen möglichst viel herauszuholen. Die Idee an sich ist ja nicht neu. Allerdings waren die Lösungen aus der Vergangenheit noch nicht praxistauglich, zudem waren die Kraftstoffkosten noch kein so großes Thema.

Martin: Ein Ansatz war zum Beispiel, das Heck des Lkw einzuschnüren. Hierdurch geht aber Laderaum verloren, was natürlich keine Spedition akzeptiert. Inzwischen sind die Optimierungspotentiale an anderen Stellen des Lkw schon weit ausgeschöpft. "Quick Wins" am Motor gibt es zum Beispiel nicht mehr. Bei den steigenden Spritpreisen und dem wachsenden Umweltbewusstsein drängt sich dieser Ansatz wieder auf.

Im August 2010 wurde ja der erste Prototyp getestet. Das heißt, die technische Entwicklung Ihres Produktes ist auf einem guten Weg. Aber wie steht es mit der Entwicklung des Unternehmens drumherum? Gibt es schon Pläne, wie Sie Ihr Produkt vermarkten wollen? Wie steht es bei Ihnen (Sie sind ja Ingenieure) um das nötige Fachwissen?

Buffo: Die technische Entwicklung bis zur Serienreife wird nochmals zwei bis drei Jahre brauchen. Wir haben noch einige Aufgaben vor uns, nicht zuletzt die aufwändige Zulassung. Dafür haben wir jetzt schon ein starkes Team mit zusätzlich einem Konstrukteur und einem BWLer.

Martin: Außerdem werden wir erfahrene Partner aus der Industrie einbinden. Davon erhoffen wir uns nicht nur Finanzstärke und Knowhow. Auch politische Rückendeckung wird für uns eine Rolle spielen. Sehr interessant sind für uns Überlegungen, die Lkw-Maut "grüner" zu gestalten und sie vor allem nach dem CO2-Verbrauch zu berechnen.

Ein gutes Team und gute Partner machen ja erst eine gute Gründung wirklich aus. Wie hat sich denn Ihr Team zusammengefunden? Welche Kompetenzen werden abgedeckt?

Buffo: Ingo und ich kennen uns aus dem Studium, schon fast vier Jahre. Kurz nachdem wir uns kennengelernt hatten, kam uns dann die Idee: "Hey, da müsste man mal was tun!". Damals haben wir uns dann einmal in die Augen geschaut und einfach mal losgelegt.

Martin: Rene Tuxhorn und Andreas Müller kamen in diesem Jahr dazu. Rene, Maschinenbauingenieur, ist ein guter Freund aus dem Studium. Er kümmert sich vor allem um den Prototyp, das heißt Entwurf, Konstruktion, Materialien etc. Andreas Müller lernten wir über das Gründerzentrum der RWTH kennen. Sein BWL-Perspektive ist wichtig, um unser Geschäftskonzept und die Finanzen auf die Beine zu stellen. Dadurch konnten wir zum Beispiel das EXIST-Gründerstipendium erhalten.

Wie ist es denn, als Unternehmer zu arbeiten? Sind Sie da an Ihrer Uni eine Ausnahme?

Martin: An der RWTH Aachen gibt es eine ganze Menge extrem spannender Projekte und Ausgründungen. Diese entstehen häufig aus den Forschungsarbeiten der Lehrstühle und Institute und bewegen sich in hochtechnologischen Nischen. Es ist eigentlich ungerecht, dass sie dadurch dem breiten Publikum kaum bekannt sind.

Buffo: Die Gründer-Community bildet sich erst so langsam in Aachen. Am Gründerzentrum der RWTH von Prof. Brettel hat sich in den letzten Jahren viel getan, und die spannenden Events haben schon vieles bewegt. Da wären die ATEC oder 3DS, I2P Europe und das Gründertraining, um ein paar zu nennen.

AeroBlaster ist ja eine Ausgründung der RWTH Aachen. Wie sieht es denn mit der Unterstützung von dort aus?

Buffo: Wie gesagt, die Universität hat das Thema inzwischen auf der Agenda. Neben dem Coaching vom Gründerzentrum erhält man sehr gute Hilfe in den für uns wichtigen Patentfragen. Im vergangenen Jahr wurden Patentscouts installiert, die auf die Entdeckung und Verwertung von Erfindungen spezialisiert sind.

Martin: Die größte Unterstützung erhalten wir aber von verschiedenen Instituten. Ohne die Unterstützung vom Institut für Kraftfahrwesen und ganz besonders vom Institut für Luft- und Raumfahrt hätten wir vieles noch nicht geschafft.

Was sind nun die nächsten Schritte Ihres Projektes?

Buffo: Letzte Woche [18.08., Anmerk. d. Redaktion] haben wir unseren Prototyp getestet. Mit den Ergebnissen sind wir sehr zufrieden. Auch unter realen Bedingungen erreichen wir Einsparungen beim Verbrauch von gut 1 Liter auf 100 km. Mit diesem hervorragenden Wert werden wir nun unsere Partner motivieren. An erster Stelle steht hier eine Kooperation mit einem erfahrenen Unternehmen aus der Branche. Ideal wäre ein Zulieferer der Lkw-Branche, oder auch ein Hersteller selber. Die Gespräche laufen bereits.

Martin: Hinzu kommt möglicherweise noch eine Finanzierung durch Business Angels oder VCs. Hier stehen wir noch am Anfang, weil dies auch vom Kooperationsmodell mit der Industrie abhängt. Für weitere Ideen und Kontakte sind wir offen! In 2011 gilt es, den Serien-Prototyp zu bauen, also Materialien testen, Mechanik definieren etc. Zulassung, Serienproduktion und Vertriebsstruktur und den Markteintritt planen wir für 2012. (lacht) Sie sehen, es gibt noch einiges zu tun, aber wir freuen uns drauf!

Vielen Dank für das Interview!

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