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17.07.12Kommentieren

Interview mit Thomas Till von Till & Faber

"Controller sind nur dann erfolgreich und effizient, wenn sie umfassend in Unternehmen eingebunden werden"

Der Controller – immer noch ein Mysterium in den meisten Unternehmen. Humorlos, spröde, ein Einzelgänger. Jemand, der gerne mit Zahlen jongliert und nur bei Kennzahlen und Excel-Tabellen in Begeisterungsstürme ausbricht, ansonsten aber emotionslos und distanziert in Pullunder und Karohemd an seinem Computer sitzt - so zumindest das gängige Klischee. Dabei könnte er eine Schlüsselrolle im Unternehmen spielen. Thomas Till spricht im Interview mit förderland über die Vorteile des Controllers für deutsche Unternehmen.

Thomas Till ist Finanzspezialist und seit knapp 25 Jahren im kaufmännischen Bereich von Unternehmen tätig; seit 2011 ist er Geschäftsführer bei Till & Faber. Zusammen mit Manfred Faber, der seit knapp 15 Jahren im Interim Management tätig ist, vermittelt er erfahrene Interim Manager für den Finanzbereich.Thomas Till ist Finanzspezialist und seit knapp 25 Jahren im kaufmännischen Bereich von Unternehmen tätig; seit 2011 ist er Geschäftsführer bei Till & Faber. Zusammen mit Manfred Faber, der seit knapp 15 Jahren im Interim Management tätig ist, vermittelt er erfahrene Interim Manager für den Finanzbereich.

förderland: Herr Till, Hand aufs Herz: Wie attraktiv ist der Beruf des Controllers?

Thomas Till: Um ehrlich zu sein, "sexy" sind Controller nun wirklich nicht – zumindest nicht das Berufsbild. Das Image ist immer noch das eines peniblen, detailverliebten Sparkommissars, der nur seine Zahlen im Kopf hat und sehr nüchtern und faktenorientiert seine Arbeit verrichtet.

Dabei ist es weit mehr als nur Zahlen in Spreadsheets einzutragen und Einsparungsmöglichkeiten im Unternehmen aufzudecken. Das Einsatzfeld eines Controllers ist breit gefächert und auch durchaus spannend. Jeder gut eingesetzte Controller ist immer ein Stück Visionär und maßgeblich an der Entwicklung des Unternehmens beteiligt. Für potenzielle Nachwuchskräfte auf jeden Fall ein Beruf mit Zukunft und guten Entwicklungsmöglichkeiten!

Inwiefern ist ein Controller ein Visionär? Welche Rolle kann er im Unternehmen einnehmen?

Till: "Controlling" bedeutet weit mehr als nur Kontrolle. Es bedeutet "steuern, lenken, beherrschen". Controller schaffen die Voraussetzungen dafür, dass das Management ein Unternehmen erfolgreich leiten kann. Sie analysieren und liefern wichtige Kennzahlen und Informationen, stellen Prozesse und Systeme zur Verfügung und sind strategische Berater für die Geschäftsleitung. Erst dadurch ist ein zielorientiertes Planen und erfolgreiches Steuern des Unternehmens möglich. Plakativ gesprochen, bildet ihre Arbeit die Basis für den wirtschaftlichen Erfolg.

Könnten Sie das bitte etwas genauer erklären?

Till: Erstens ist der Controller Spezialist darin, Zahlen und Details zu analysieren, also Schwachstellen und Optimierungsmöglichkeiten im Unternehmen aufzudecken. Dadurch können beispielsweise Abweichungen von den Zielen des Unternehmens rechtzeitig erkannt und gegengesteuert werden.

Zweitens ist er Partner und Berater für andere Abteilungen und kann diese kompetent unterstützen, beispielsweise bei der Beantwortung folgender Frage: Warum verliert das Unternehmen Marktanteile obwohl die Umsätze steigen.

Und drittens ist er Sparringspartner der Geschäftsleitung, der kritisch Pläne hinterfragt, Diskussionen anregt und auch unangenehme Wahrheiten auf den Tisch bringt. Im Idealfall werden dadurch neue Ideen oder Ansatzpunkte für Verbesserungen entwickelt – sofern man den Controller lässt und richtig einbindet.

Wie schaffen Unternehmen das? Den Controller vom "Betroffenen zum Beteiligten" zu machen?

Till: Das funktioniert am besten mit einfachen Maßnahmen. Unternehmer sollten ihn fordern. Also ihm wichtige Aufgaben übergeben, ihn ein Projekt von Anfang bis Ende planen lassen. Und das am besten bereichsübergreifend, also im Zusammenarbeit mit anderen Abteilungen. Ein neues Produkt soll eingeführt werden, das einen komplizierten Abrechnungsmodus erfordert? Dann wäre nun die Aufgabe des Controllers zusammen mit dem Rechnungswesen, der IT und dem Vertrieb zu klären, wie eine korrekte Rechnungsstellung ermöglicht werden kann.

Dadurch lernt der Controller auch aus einer anderen Perspektive zu denken und erhält einen Überblick über das gesamte Unternehmen – fachlich und zwischenmenschlich ein enormer Hinzugewinn. Denn es ist ebenso wichtig, dass der Controller Teil des Teams ist und nicht als "natürlicher Feind" wahrgenommen wird, der nur Einsparungen vornimmt.

Er sollte also so oft es geht in Meetings einbezogen werden; eine Möglichkeit wäre auch, dass das Unternehmen Betriebsveranstaltungen oder Ausflüge mit der gesamten Mannschaft organisiert. Und nicht zuletzt ist es wichtig, den Controller in wichtige Entscheidungen mit einzubeziehen und zu wertschätzen, seine fachliche Meinung kann entscheidend für den wirtschaftlichen Erfolg sein.

Ursprünglich kam das Konzept des Controllings aus den USA, wo es schon seit Anfang des letzten Jahrhunderts verbreitet war – lohnt sich ein Blick über den großen Teich immer noch? Haben die USA auch heute noch Vorbildcharakter in Sachen Controlling?

Till:
Durchaus. Die Gründe dafür liegen im unterschiedlichen Aufbau der Controllingabteilung: In den USA ist der Controller direkt dem CFO unterstellt und leitet die Abteilung "Accounting", die in Management und Financial Accounting untergliedert ist. In Deutschland hingegen ist der Controlling- und Finanzbereich hingegen ganz klar getrennt.

Der amerikanische Controller ist somit für das gesamte operative Zahlengeschäft zuständig, hat also eine höhere Macht- und Entscheidungsbefugnis, mehr Führungsverantwortung und ein Aufgabengebiet, das wesentlich umfangreicher und dadurch anspruchsvoller als das des deutschen Kollegen ist.

Ein Beispiel hierzu: Der amerikanische Controller bekommt die Aufgabe herauszufinden, welche Kundengruppen einen höheren "Gewinn" abwerfen und verstärkt umworben werden sollen. Hierzu benötigt er umfangreiches Datenmaterial, u.a. aus der Accountingabteilung. Da dem Controller in Amerika der Accountingbereich unterstellt ist, ist er auch hier fachlich versiert. Er weiß also genau, welche zusätzlichen Informationen in den Zahlen stecken und kann qualifizierte Analysen und somit ein besseres Ergebnis für die "Kundenstrategie" abliefern.

Der deutsche Controller hingegen würde diese Aufgabe nicht selber bearbeiten, sondern an die zuständige Abteilung, die Buchhaltung, weiterleiten. Den Controller umfassender und vielschichtiger einzusetzen, ihn also eher als kritischen Geschäftspartner und strategischen Berater zu sehen, das wird die anspruchsvolle Aufgabe der Unternehmer für die Zukunft werden.

Vielen Dank für das Interview!

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