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07.04.11

Gründerstory

Conceptboard - Digitale Flipcharts im Browser

Etwa drei Jahre haben die Jungs von conceptboard bereits an ihrer Software und ihrem Geschäftsmodell geschraubt. Daniel Bohn, einer der Gründer des Online-Flipcharts erzählt uns heute die Geschichte hinter dem Start-up, nicht ohne auch von den Herausforderungen und Komplikationen rund um conceptboard zu berichten. Viel Vergnügen!

Daniel Bohn, conceptboardDaniel Bohn, conceptboard

  "Scribbeln" , das hieß vor einiger Zeit noch Zeichnen oder eine Skizze machen und mir hat das schon damals Spaß gemacht: Mit ein paar Strichen mal eben Zusammenhänge visualisieren, die zu komplex sind, um sie allein durch Sprache zu vermitteln. Stattdessen ein Stück Papier, ein Stift, dann eine Skizze und ganz schnell erzeugt man ein gemeinsames Verständnis. Manchmal um andere zu überzeugen, manchmal um für sich selbst Klarheit zu schaffen. Die Skizze reduziert die Punkte auf das Wesentliche, ordnet Inhalte und gibt dem Ganzen sogar eine persönliche Note.

Schon in der Schulzeit fand ich toll, was man mit solchen visuellen Mitteln erreichen kann - und das ging nicht nur mir so: Unser gesamtes Team bei Conceptboard.com und auch unsere Nutzer und Interessenten sind überzeugt, dass das gemeinsame grafische Arbeiten stärker in den Vordergrund gehört. Bisher schreibt man in E-Mails nur Texte ohne Grafik, man tauscht mühsam Dokumente aus, um anderen eine Skizze zu zeigen oder man versucht durch Worte im Chat visuelle Dinge zu umschreiben - kurz gesagt: Teamwork im Web wird sperrig und unflexibel, wenn visuelle Inhalte im Spiel sind.

Ein Konzept entsteht

Das habe ich mit Christian, meinem Co-Gründer, während unserer Anstellung als Software-Entwickler gemerkt: "Wäre es nicht toll, wenn man als Ergänzung zu einer E-Mail oder einem Telefonat eine gemeinsame Kritzelfläche hätte?", haben wir uns gefragt. "Eine große Fläche, auf die man Dokumente legen kann, auf der man Skizzen zeichnet, 'brainstormt' oder Dinge kommentiert?" Klar war: Man müsste diese Fläche von überall erreichen und aus der E-Mail oder dem Chat darauf verweisen können. Es müsste ganz einfach sein, damit zu arbeiten und die eigenen Flächen zu verwalten. Aber es wäre auch schön, wenn man gleich Screenshots einfügen kann ... oder Aufgaben direkt aus den Kommentaren erstellt.

Fertig entwickelt - und jetzt?

Da kam einiges an Anforderungen zusammen - und weil wir die Idee so gut fanden, kündigten wir und vergruben uns im Keller: Wir wussten, dass es so etwas wie eine Markt- oder Zielgruppen-Analyse gab, aber beschäftigt haben wir uns mit der Technologie. Nach etwa einem guten Jahr hatten wir zwar einen tollen Prototyp, aber keinen einzigen Kunden - und stattdessen ein ordentliches Liquiditätsproblem.

Das war dann der Zeitpunkt, als wir anfingen, wirtschaftlich zu denken. Kernfrage: Wer hat durch dieses Tool einen so großen Mehrwert, dass er wirklich dafür zahlt? Es genügt nicht, dass eine Zielgruppe ein Interesse hat. Sie muss auch bereit sein, Geld für die Lösung auszugeben. Und noch etwas lernt man dann: Wenn ich in Deutschland eine Fremd-Finanzierung erhalten möchte, dann brauche ich ein Geschäftsmodell, dass sehr schnell profitabel wird. Ein Modell, das nur der Generierung von Nutzermassen dient, funktioniert hier eher nicht. Und auch die Aussage, dass das Tool "eigentlich jeder gebrauchen kann", hilft nicht weiter.

Entwickler vs. Marketing

Also: Zielgruppe definieren. Was allerdings für einen Entwickler, der gerade an "Latenzen von Browser-übergreifenden Echtzeit-Operationen" forscht, ziemlich weit entfernt liegt. Der Wechsel zwischen Technik und Marketing ist eher anspruchsvoll: Auf der einen Seite beschäftigt man sich mit kleinsten logischen Einheiten des Systems, und auf der anderen Seite analysiert man aus der Vogelperspektive den Nutzen für potentielle Endkunden. Eine spannende Aufgabe, nicht nur wenn man das als Entwickler zum allerersten Mal tut.

So hat es in unserem Fall auch ein Zeit lang gedauert, bis wir ins Marketing "hineingewachsen" sind, aber mittlerweile klappt auch das: Statt im Keller zu sitzen, arbeiten wir aktiv mit dem Markt und etablieren Conceptboard als ansehnliche Plattform für den grafischen Austausch zwischen Menschen. Unsere Zielgruppen bestehen aus Web-Agenturen, Designern, Software-Entwicklern oder auch Architekten. Und ständig ergeben sich neue Nutzer-Gruppen, Anwendungsfälle und Feature-Wünsche. Das macht schon richtig Spaß :)

Fazit: Selbst gründen ist schon eine wahnsinnige Erfahrung, die wir nicht missen möchten. Wir lernen jeden Tag Neues, aber an manchen Stellen darf man auch mal unbelehrbar bleiben: Teamwork mit Conceptboard, also im Browser gemeinsam Dokumente überarbeiten, live Feedback geben, Konzepte skizzieren, Ideen entwickeln und online Aufgaben und Projekte verwalten - das sind doch eigentlich Funktionen, die jeder gebrauchen kann.

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