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06.07.09Leser-Kommentare

Interview mit Martin Schlichte (Geschäftsführer Lecturio)

"Bereits heute, weniger als zwei Monate nach dem Launch, kooperieren wir mit über 15 Hochschulen bundesweit"

Lecturio hat sich zum Ziel gesetzt, 2010 die nutzerfreundlichste und umfangreichste Internetplattform für hochwertiges Wissen in Europa zu werden – und das junge Leipziger Unternehmen ist auf einem guten Weg. förderland sprach mit Geschäftsführer Martin Schlichte über erste Erfolge, zukünftige Ziele und darüber, wie diese erreicht werden sollen.

Tim Koschella und Martin Schlichte, die Geschäftsführer von LecturioTim Koschella und Martin Schlichte, die Geschäftsführer von Lecturio

förderland: Hallo Herr Schlichte, stellen Sie sich doch bitte kurz vor. Wer sind Sie und was machen Sie?

Martin Schlichte: Hallo! Ich bin Martin Schlichte, zusammen mit Tim Koschella bin ich Gründer und Geschäftsführer von Lecturio.de, der ersten fächer- und hochschulübergreifenden Plattform für e-Vorlesungen in Deutschland.

Was genau macht Lecturio?

Schlichte: Kurz gesagt, kann man auf www.lecturio.de e-Vorlesungen finden. Das sind für das Internet aufbereitete Mitschnitte von Vorlesungen und Vorträgen, aber auch extra für das Web vorbereitete Schulungen. Zum Beispiel findet man bei uns heute schon Finanzvorlesungen der TU-München, Entrepreneurship-Vorlesungen der Handelshochschule Leipzig oder Vorträge einer Frida Kahlo Veranstaltungsreihe. Wir sind für alle Formen der Bildung und Weiterbildung offen, werden z. B. in den nächsten Wochen noch dutzende weitere Hochschulen mit einbinden und bieten bald auch Rechts-Repetitorien und Weiterbildungsvideos an. Damit helfen wir mit Lecturio auch den Dozenten, Experten und Konferenzveranstaltern dabei, ihr Wissen zu verbreiten und unterstützen Lernbegeisterte aller Art, im Internet zu lernen oder Veranstaltungen zu wiederholen.

Besonders an Lecturio ist natürlich einmal der Inhalt, den man in dieser gebündelten Form noch nirgendwo erhält. Darüber hinaus bereiten wir den Inhalt aber auch noch besonders auf. Mit unserem selbstentwickelten Video-Player kann man gleichzeitig dem Dozenten beim Vortrag zusehen und die Folien am Rechner verfolgen, sogar die Notizen des Dozenten auf den Folien. Unterstützt wird das Ganze noch durch praktische Funktionen wie einem klickbaren Inhaltsverzeichnis, Lesezeichen und Kommentaren – ein perfektes erweitertes Skript sozusagen. Schauen Sie sich am Besten mal unsere Demo-e-Vorlesung an, da haben wir die ganze Idee noch einmal erklärt – und Sie sehen auch gleich, wie es funktioniert.

Außerdem gehen wir für Dozenten einen neuen Weg. Die e-Autoren, wie wir sie nennen, können über Lecturio.de ihre Inhalte und Vorlesungen vermarkten, da wir auch eine Zahlungsfunktion optional integrieren. Bisher sind aber die meisten e-Vorlesungen auf Lecturio.de für jedermann kostenfrei verfügbar.

Wie kam die Idee zustande? Diente vielleicht iTunesU als Inspirationsquelle?

Schlichte: Wir haben während unseres Studiums versucht, wichtige Stellen in der Vorlesung mit dem Handy zu filmen – das war vor allem bei den Tipps zu Klausuren interessant… leider waren die Mitschnitte immer völlig unbrauchbar, man hat kein Wort verstanden.

iTunesU war kein Vorbild für uns – eher hat uns das Vorgehen vieler amerikanischen Unis wie z. B. Stanford oder das MIT ermutigt und gezeigt, dass Interesse an e-Vorlesungen besteht. Allerdings fiel uns immer wieder auf, dass man als Außenstehender nicht viel mit 90-minütigen Videos der Vorlesungen anfangen kann – deshalb wollten wir das Wissen in Vorlesungen besser erschließbar machen, durch eine Suche innerhalb der e-Vorlesungen, Inhaltsverzeichnis, Schlagwörter/Tags, Lesezeichen, etc.

Gibt es weitere Angebote auf dem Markt? Was hat Lecturio der Konkurrenz voraus?

Schlichte: Ja, viele Hochschulen experimentieren auf dem Gebiet der Vorlesungsaufzeichnung und es gibt einige gute Ansätze. Ein wirklich hochschulübergreifendes Portal, welches alle Themengebiete auf einer Plattform bündelt, gibt es derzeit meines Wissens aber noch nicht. Es existieren Plattformen, die auf bereits vorhandene Inhalte verlinken, was allerdings die Möglichkeiten bezüglich der Funktionen einschränkt und zudem rechtlich nicht einwandfrei geklärt ist.

Bei vielen Hochschulen stellt sich nach zum Teil langwierigen Experimenten heraus, dass der Prozess von der Technik, über die Aufnahme bis hin zur Online-Bereitstellung sehr komplex und teuer ist, vor allem, wenn man ein breites Angebot abdecken möchte. Für diese Hochschulen ist unsere Angebot sehr attraktiv, da wir unsere Technik und unser Know-How gebündelt zur Verfügung stellen und den gesamten Prozess von der Aufnahme bis zum Online-Abruf der e-Vorlesung intensiv begleiten – das Ganze bei gleichbleibend hoher Qualität und einem unschlagbaren Preis, da wir auf qualitativ hochwertige Standardprodukte zurückgreifen. Unsere "Lecturio-Aufnahmesets" enthalten alles, was für die Produktion einer exzellenten e-Vorlesung benötigt wird und machen den Ablauf für Dozenten sehr einfach – der Vortrag wird gehalten wie immer.

Zusammen mit unserer Plattform, die ständig weiterentwickelt wird und auf dem neuesten Stand der Technik ist, ergibt sich ein ganzheitliches Angebot, welches optimal auf die Bedürfnisse von Hochschulen, Unternehmen, e-Autoren und Lecturio-User zugeschnitten ist und in dieser Art bei keinem anderen Anbieter zu finden ist.

"Lecturio wird 2010 die nutzerfreundlichste und umfangreichste Internetplattform für hochwertiges Wissen in Europa!", heißt es auf Ihrer Website. Wie wollen Sie dieses Ziel erreichen?

Schlichte: Bereits heute, weniger als zwei Monate nach dem Launch, kooperieren wir mit über 15 Hochschulen bundesweit und haben deutsche, englische und spanische e-Vorlesungen auf lecturio.de – das Feedback von Dozenten und Studenten ist sehr positiv, das motiviert und spricht sich herum. Ständig fragen Studenten an, ob wir nicht auch die Vorlesungen ihrer Profs aufnehmen können. Allerdings ist dies natürlich nicht unsere Entscheidung, sondern die der jeweiligen Dozenten – Studis, sprecht eure Profs auf Lecturio an!! Ist ein Dozent interessiert, können wir eine Woche später die ersten Aufnahmen machen.

Neben den Inhalten ist die Weiterentwicklung der Plattform unser Kernfokus. Wir kooperieren mit führenden universitären Einrichtungen, derzeit arbeiten wir z. B. an der automatischen Texterkennung auf den Folien, um die Inhalte noch besser für Anwender zu erschließen. Unsere größte Hilfe sind aber die User selbst. Wir haben schon jetzt eine sehr aktive Usergruppe, die uns intensiv Feedback gibt – und wir versuchen, gut zuzuhören.

Wie finanzieren Sie die Arbeit an Lecturio? Gibt es externe Geldgeber? Wie möchten Sie Geld verdienen?

Schlichte: Den Start im August 2008 haben uns Business Angels ermöglicht, im November haben wir dann Risikokapital vom Technologie Gründerfonds Sachsen und der Sparkassen-Beteiligungsgesellschaft bekommen, die uns nicht nur finanziell sehr unterstützen.

Unser Geschäftsmodell basiert auf drei Säulen: Zum einen machen wir seit September Umsätze mit professionellen Aufnahmen für Universitäten und Konferenzveranstalter, die anschließend für einen definierten Nutzerkreis oder weltweit auf www.lecturio.de zu sehen sind. Dann können Unternehmen e-Vorlesungen oder auch ganze e-Vorlesungsreihen an Hochschulen sponsern – sehr attraktiv für Hochschulen, die dadurch Kosten sparen und sehr interessant für Unternehmen, wenn man bedenkt, dass hochattraktive Zielgruppen sich zum Teil stundenlang e-Vorlesungen ansehen. Und drittens verdient Lecturio anteilig an den e-Vorlesungen oder e-Vorträgen, die von den Dozenten oder Anbietern auf der Plattform vermarktet werden sollen, man denke z. B. an Repetitorienanbieter und ähnliches. Interessierte User können diese entweder einmalig kaufen oder auf alle e-Vorlesungen mittels eines Abos zugreifen – dies wird z. B. für Studenten ca. 4,- €/Monat kosten, ist also sehr günstig.

Was tun Sie um Lecturio bekannt zu machen? Gibt es Zusammenarbeit mit Hochschulen? Wie treten Sie an Unternehmen heran (Stichwort: Weiterbildung)?

Schlichte: Wie oben schon erwähnt sind wir an privaten und öffentlichen Hochschulen deutschlandweit vertreten und natürlich haben unsere e-Autoren ein eigenes Interesse, ihre e-Vorlesungen auch zu verbreiten, das hilft. Mundpropaganda unter Studenten ist ein wichtiges Thema und wir können nur immer wieder alle Studenten dazu aufrufen, ihren Profs das Konzept von Lecturio vorzustellen. Wir bekommen inzwischen jeden Tag dutzende Mails von Studenten und die meisten sind begeistert, gerade was die verbesserte Klausurvorbereitung angeht. Seit kurzem sind wir auch bei Facebook und Twitter vertreten; der direkte Austausch mit den Usern macht sehr viel Spaß und bringt uns enorm weiter.

Daneben ist SEO ein sehr wichtiges Thema. Durch die vielen verfügbaren Metainfos der e-Vorlesungen und e-Vorträge verschiedenster Themengebiete glauben wir uns hier langfristig stark aufstellen zu können. Die meisten Kooperationen kommen derzeit aber noch durch Empfehlungen zustande – derzeit sind wir im Gespräch mit mehreren DAX-Unternehmen.

Was sind – ganz konkret – die nächsten Schritte? Worauf dürfen sich Nutzer freuen?

Schlichte: Zurzeit arbeiten wir daran, www.lecturio.de schneller und stabiler zu machen. In ein bis zwei Monaten kommen dann neue Features: Direktlinks zu bestimmten Stellen in e-Vorlesungen, Gruppen- und Kontaktfunktionen und "social learning"-Funktionen, die das Lernen erleichtern sollen, wie z. B. eine visuelle Anzeige der beliebtesten Stellen einer e-Vorlesung, Lernnotizen uvm.

Ein weiteres interessantes Gebiet ist unser Upload-Bereich, in dem die e-Autoren dann online ihre e-Vorlesungen schneiden und bearbeiten können – ganz einfach und ohne teure und komplizierte Spezialsoftware.

Neben neuen Funktionalitäten werden wir auch die Plattform als Whitelabel-Lösung anbieten, d. h. Hochschulen und Unternehmen können die Lecturio-Plattform unter ihrem eigenen Branding und unter ihrer eigenen Domain führen. Parallel dazu werden wir natürlich so viele e-Vorlesungen wie möglich auf lecturio.de bringen, um möglichst viele Themengebiete abzudecken und allen Lernbegeisterten Zugang zu hochwertigem Wissen zu ermöglichen – Lernen zu jeder Zeit an jedem Ort!

Vielen Dank für das Interview!

Kommentare

  • Michael@onchestra

    07.07.09 (10:22:54)

    Hallo Martin,

    ist es m?glich, dass Ihr mal kurz aufschl?sselt, wie ihr die Kosten f?r die Aufnahme einer Vorlesung refinanziert? Zeitaufwand ca. 6 Stunden inkl. Schneiden, Vertonen etc.? Fahrtkosten zur Uni ca. 20 Euro? Dazu ein 10-k?pfiges Team, 2 Gesch?ftsf?hrer.

    Sprich, wo ist Euer Break-Even? Was verdient Ihr an einem Video? Wie viele Abonnenten gibt es bislang?
    Meiner Meinung nach sind nicht die Anfragen der Studenten, die nat?rlich gerne umsonst ihre Vorlesung nochmal anschauen wollen, interessant. Sondern die Anfragen an Dozenten und Menschen, die f?r Eure Services bezahlen m?chten.

    Wenn m?glich in nachvollziehbaren Gr??en.

    Bin gespannt!

    Viele Gr??e
    Michael

  • Michael@onchestra

    07.07.09 (10:26:18)

    Was ich noch vergessen hatte: wie hoch sind die Kosten f?r das Streaming eines Videos? K?nnt Ihr die kostenlose Version des Videos durch die, f?r welche Entgelt entrichtet wird, decken?

    Wir zerbrechen uns seit Wochen den Kopf, wie wir unsere variablen Kosten sinnvoll berechnen und die Produkte dementsprechend bepreisen k?nnen. Wie seid Ihr dabei vorgegangen?

    Gr??e

  • Martin Schlichte

    08.07.09 (20:38:26)

    Hallo Michael,

    unser Ziel ist, dass die e-Autoren ihre e-Vorlesungen bei uns ?ber unseren online selbst bearbeiten und freischalten. Das geht ?ber Online-Editor sehr einfach und schnell und damit f?llt f?r uns auch kein Aufwand an.
    Den Aufnahmeservice bieten wir als Service an, da viele Dozenten sich nicht selbst darum k?mmern wollen, ist aber nicht unser Kerngesch?ft.

    Unser all-inclusive Service ?ber Aufnahme, Nachbearbeitung, Bereitstellung etc. kostet derzeit f?r eine ganze Semestervorlesung nit 12 Veranstaltungen 1900?, damit ist dann auch alles perfekt abgedeckt. Viele Tools und Services sind zusammengerechnet um ein Vielfaches teurer.

    Du liegst richtig, insgesamt ist entscheidend, wie viele Menschen bereit sind f?r hochwertiges Wissen zu zahlen. Da aber vergleichbare Angebote schon heute teuer verkauft werden (horrende Skriptpreise an manchen Unis, Weiterbildungskurse etc.) und auch Unternehmen ein Heidengeld f?r die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter ausgeben, sind wir guter Dinge.

    F?r Detailfragen, auch bzgl. Aufschl?sselung, kannst du mich gerne kontaktieren (vorname.nachname@firmenname.de) . Viel Erfolg weiterhin mit onchestra!

  • Gabriele Sch?fer

    14.07.09 (19:03:12)

    Hallo zusammen, ich w??te nicht, was mich motivieren sollte, mein Wissen als Dozent billig bis kostenfrei zu verschleudern, gerade im Rahmen der betrieblichen Weiterbildung. Abgesehen davon ist aus meiner Sicht Weiterbildung etwas mehr als nur eine Vorlesungsaufzeichnung, die je nach Fall didkatisch besser oder schlechter sein kann. F?r die Aufnahme EINER Semestervorlesung 1.900 Euro ausgeben? Hm.....

  • Martin Schlichte

    28.07.09 (11:42:22)

    Hallo Frau Sch?fer,

    nat?rlich geht es nicht darum sein Wissen zu verschleudern - ganz im Gegenteil: wir m?chten Dozenten die M?glichkeit geben ihre Einnahmen zu vergr??ern. Angenommen Sie geben ein Live-Seminar f?r 20 Leute und jeder zahlt Eintritt x. Dann k?nnen Sie nun online auf eine elegante Art und Weise und mit geringem Aufwand hunderte neue Kunden erschlie?en die ggf. einen etwas geringeren Preis zahlen (wobei das beliebig oft anschauen beim Lernen ja auch gro?en Mehrwert darstellt).

    Der oben genannte Preis bezieht sich ?brigens auf einen Komplettservice f?r 12 Veranstaltungen inkl. Personal, Vor- und Nachbereitung etc. Man kann unsere Aufnahmesets aber auch sehr g?nstig mieten und selbst bedienen, dann wird es erheblich g?nstiger - zumal die Alternativen wie schon erw?hnt ein Vielfaches kosten.

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