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17.04.08Kommentieren

Interview mit Markus Becker

"Bei einer guten Geschäftsidee wird es immer Nachahmer geben"

Zum Unternehmen: Die EcoIntense GmbH bietet Firmen eine Softwarelösung an, mit der Ressourcen, wie Strom, Gas und Wasser kostengünstiger und sparsamer organisiert werden können. förderland sprach mit Markus Becker - Gründer von EcoIntense - über steigende Energiepreise, gute Arbeitsteilung und die Vorteile, die eine Gründung aus der Hochschule mit sich bringen.

Das EcoIntense-Gründerteam - Kompetenzen, die sich ergänzen. Bild: EcoIntenseDas EcoIntense-Gründerteam - Kompetenzen, die sich ergänzen. Bild: EcoIntense

förderland: Herr Becker, wer sind Sie, was können Sie, was machen Sie?

Markus Becker: Mein Name ist Markus Becker, ich bin 31 Jahre alt und einer der geschäftsführenden Gesellschafter der EcoIntense GmbH. Unser Unternehmen beschäftigt sich mit der Entwicklung von professionellen Softwarelösungen für das Umweltmanagement. Die Energiepreise steigen immer weiter, die gesetzlichen Anforderungen für Unternehmen werden immer komplexer. Betriebe müssen Strom, Gas und sonstige Ressourcen immer sparsamer einsetzen. Daneben müssen verschiedenste Auflagen, zum Beispiel für die Abfallbeseitigung, erfüllt werden. Vor diesem Hintergrund kann unser Softwaresystem EcoWebDesk die Unternehmen dabei unterstützen, diese unterschiedlichen Aufgabengebiete effektiv zu bearbeiten und Umweltschutz wirtschaftlich zu betreiben.

förderland: Wie ist Ihre Geschäftsidee entstanden?

Becker: Alle drei Gründer haben an der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin studiert und konnten bereits während des Studiums und auch danach in unterschiedlichen Projekten Praxiserfahrung sammeln. Die eigentliche Idee entstand abends bei einem Glas Rotwein mit einem damaligen Professor. An diesem Abend wurde relativ schnell skizziert, vor welchen Herausforderungen gerade mittelständische Unternehmen stehen und welche Probleme zukünftig auf sie zukommen werden. Die Umsetzung der Geschäftsidee war allerdings mit sehr viel Einsatz und Zeit verbunden.

Grundsätzlich kann man sagen, dass wir uns mit dieser Geschäftsidee schon seit ungefähr drei Jahren beschäftigen. Für ein mittelständisches Unternehmen mit 300 Mitarbeitern wurde zum damaligen Zeitpunkt eine erste Version entwickelt und eingeführt. Inzwischen ist mit EcoWebDesk ein Standardprodukt für die unterschiedlichen Aufgabengebiete des Umweltmanagements entstanden, was sehr flexibel an den jeweiligen Unternehmensprozessen ausgerichtet werden kann.

Unser Team mit inzwischen insgesamt sechs Vollzeitmitarbeitern, zwei Freelancern und zwei Studenten setzt sich aus Umweltingenieuren, Informatikern und Betriebswirten zusammen. Somit können wir die unterschiedlichen Fachgebiete optimal vereinen. Wir verstehen es, auf die jeweiligen Anforderungen der Fachabteilungen, sei es die IT-Abteilung, das Umweltmanagement oder die Geschäftsführung zu reagieren.

förderland: Welchen beruflichen Hintergrund bringen Sie und Ihre Gründerkollegen mit?

Becker: Alle drei Gründer haben einen Abschluss als Master of Science und sind darüber hinaus ausgebildete Auditoren für Managementsysteme durch den TÜV Rheinland. Wir konnten sowohl in großen Konzernen als auch in mittelständischen Unternehmen Praxiserfahrung sammeln. Unser großer Vorteil ist, dass wir trotz der gleichen Studienrichtung sehr schnell gemerkt haben, in welchen Bereichen die jeweiligen individuellen Stärken liegen. Diese Fähigkeiten ergänzen sich optimal und in Summe kommt somit ein wirklich starkes Team heraus.

In unserem Gründungsprozess haben sich die Fähigkeiten und Stärken von jedem einzelnen noch weiter heraus kristallisiert. Somit haben wir inzwischen bei uns im Team eine wirklich sehr gute Arbeitsteilung und jeder kann sich dabei zu 100 Prozent auf die Arbeit des anderen verlassen. Hardy Menzel ist für die technische Realisierung und Softwareentwicklung verantwortlich. Sebastian Mönnich begleitet den Bereich Softwarekonzeption sowie Service & Consulting. Und ich bin im Team für den Bereich Marketing & Vertrieb verantwortlich.

förderland: Haben Sie auch schon einmal darüber nachgedacht, sich einen 40-Stunden-Job in der Firma XY zu suchen? Was reizt Sie an der Selbstständigkeit?

Becker: Natürlich habe ich schon über einen 40-Stunden-Job nachgedacht. Gerade während des Studiums und bei Projekten in großen Unternehmen. Jedoch freue ich mich jeden Morgen auf die vielfältigen Aufgaben, die mich als Unternehmer erwarten. Momentan kann ich mir wirklich keinen schöneren Job vorstellen. Jedoch glaube ich nicht, dass man "als Unternehmer geboren wird". Vielmehr sind es Personen, die sich jeden Tag an neuen Herausforderungen messen und sich schnell und effektiv auf Veränderungen einstellen können. Am meisten reizt mich an meinen derzeitigen Aufgaben, dass ich möglichst schnell versuchen muss, bestimmte Informationen aufzunehmen und darüber nachzudenken, wie ich diese Informationen möglichst sinnvoll für EcoIntense einsetzen kann.

förderland: Sie haben schon an mehreren Wettbewerben teilgenommen. Was sind die Vor- bzw. Nachteile einer Wettbewerbsteilnahme?

Becker: Bei der Teilnahme an Wettbewerben besteht grundsätzlich die Möglichkeit, dass der Businessplan von mehreren erfahrenen Juroren gelesen und begutachtet wird. Wesentlich wichtiger finde ich aber den Lernprozess, der einem durch diese Gutachten mitgegeben wird. Man sollte möglichst schnell unterscheiden können, welche der Kritikpunkte und Hinweise durch die Juroren aufgenommen werden sollten und welche nicht. Diese Überlegung bringt einen im Endeffekt dazu, für sein Unternehmen eine Vision zu entwickeln, die man jederzeit verteidigen und begründen kann. Nimmt man hingegen sämtliche Hinweise ernst und versucht sie umzusetzen, wird man früher oder später keine wirkliche Zielverfolgung realisieren können, da man versucht alle auch noch so unterschiedlichen Meinungen mit einzuarbeiten.

Einen weiteren Vorteil sehe ich in der Bekanntheit. Man sollte seine Idee möglichst frühzeitig unterschiedlichen Personen vorstellen, um damit zum einen eine größere Masse an Personen zu erreichen, die kritisch über die Gründungsidee nachdenken. Zum anderen denke ich, dass ein Netzwerk ein wesentlicher Schlüssel für einen späteren Erfolg ist. Je mehr Menschen davon wissen, umso schneller multipliziert sich die Bekanntheit. Und im Übrigen denke ich nicht, dass man durch eine zurückhaltende Bekanntheit weniger Nachahmer bekommt. Bei einer guten Geschäftsidee wird es diese Nachahmer früher oder später unweigerlich geben.

Hat man ein Unternehmen gegründet, sollte man eine Teilnahme an Wettbewerben immer möglichst kritisch überdenken. Eine Wettbewerbsteilnahme bindet natürlich Ressourcen und man sollte eine möglichst genaue Aufwandsabschätzung vornehmen, da die eigentliche Geschäftstätigkeit zu jedem Zeitpunkt im Vordergrund stehen muss.

förderland: Sie konnten von September 2006 bis August 2007 die Förderung EXIST-SEED durch das BMWi in Anspruch nehmen. Was raten Sie anderen Unternehmen, die sich auch für diese Art von Förderung interessieren?

Becker: Eine Förderung zu Beginn einer Gründung ist immer ein großer Vorteil. Dadurch kann man sich optimal auf seine Gründung vorbereiten und aus einem Hochschulprojekt heraus eine tragfähige Unternehmensgründung realisieren.
Ich rate Unternehmen, sich möglichst frühzeitig mit der jeweiligen Hochschule abzustimmen. Die entsprechenden Bereiche können einem dabei oft gute Hinweise geben, um einen erfolgreichen Projektantrag einzureichen. Die EXIST-Förderung durch das BMWi kann dabei auch als eine erste kritische Bewertung der Unternehmensgründung gesehen werden, die einem eventuell noch wichtige Hinweise liefert.

förderland: Wo liegen Ihrer Meinung nach die Vor- bzw. Nachteile einer Unternehmensgründung aus der Hochschule heraus?

Becker: Bei einer technologieorientierten Unternehmensgründung ist die Nähe zu einer Hochschule immer von Vorteil. Dort erhält man Zugang zu aktuellen Entwicklungstendenzen und kann somit auch neueste Forschungsergebnisse mit in die Unternehmensgründung einbringen. Darüber hinaus sind inzwischen an sehr vielen Hochschulen spezielle Einrichtungen für Unternehmensgründer geschaffen worden, die einen mit viel Erfahrung und Know-how auf Schwierigkeiten während des Gründungsprozesses vorbereiten können.

förderland: Der lange Weg von der ersten Idee bis zum marktreifen Produkt - welche Hindernisse mussten Sie und Ihr Mitstreiter aus dem Weg räumen?

Becker: Eine Unternehmensgründung dieser Art ist sicherlich sehr oft nur durch eine entsprechende Finanzierung zu ermöglichen. Diese Aufgabe sehe ich nicht unbedingt als Hindernis an. Es ist aber ein Prozess, auf den man sich sehr gut vorbereiten sollte, da er einige Zeit in Anspruch nimmt.

förderland: Was steht denn momentan noch auf ihrer To-Do-Liste?
 
Becker: Aktuell beschäftige ich mich in erster Linie mit zwei Dingen. Zum einen sind wir noch auf der Suche nach Unternehmen, die als Kooperationspartner auftreten wollen, um neue Funktionalitäten zu testen.

Dazu haben wir das EWD-Testing Programm ins Leben gerufen, bei dem interessierte Umweltmanager sich einfach und kostenlos registrieren können, um exklusiv und unverbindlich neuste Funktionalitäten zu testen.

Zum anderen wollen wir uns noch in den Bereichen Softwareentwicklung und Programmierung sowie im Vertrieb personell verstärken. Wir stehen gerade im Bereich der Softwareentwicklung vor dem großen Problem, kein entsprechend qualifiziertes Personal zu finden. Ich bin aber fest davon überzeugt, dass wir in naher Zukunft auch diese Herausforderungen lösen werden und die Entwicklung von EcoWebDesk sowie den Unternehmensaufbau der EcoIntense GmbH verstärkt vorantreiben werden.

förderland: Vielen Dank für das Gespräch.

© 2008 förderland

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