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26.04.10Leser-Kommentare

Interview mit Maximilian Ulm, 3-Day-Startup

"Begeistert von der Idee hinter 3DayStartup und seinem Erfolg, stellten sie das Projekt nach ihrer Rückkehr in Aachen vor"

Schon diese Woche läuft die Bewerbungsfrist für das aus Austin/Texas importierte Start-up-Event 3DayStartup in Aachen aus. Maximilian Ulm, Mit-Organisator der Veranstaltung, verrät uns, wie das Projekt zu Stande kam und warum man als Teilnehmer nur gewinnen kann. förderland rät: Interview lesen und unbedingt mitmachen!

Maximilan Ulm, ac.eMaximilan Ulm, ac.e

Ich begrüße Sie Herr Ulm! Sie beantworten uns heute einige Fragen das 3DayStartup-Event betreffend. Doch bitte, stellen Sie sich unseren Lesern kurz vor: Was lernen Sie? Was können Sie? Wo wollen Sie hin?

Maximilian Ulm: Ich studiere im zwölften Fachsemester Wirtschafts-Ingenieurwesen an der RWTH Aachen und bin im dritten Jahr als wissenschaftliche Hilfskraft am "Lehrstuhl WIN - Gründerzentrum" unter der Leitung von Herrn Professor Malte Brettel an der RWTH Aachen tätig. Zudem engagiere ich mich nun seit etwas mehr als einem Jahr ehrenamtlich bei der studentischen Initiative "AC.E - Aachener Entrepreneurship Team e.V.", die sich im Umfeld der RWTH für die Förderung des Unternehmergeists insbesondere unter Studierenden einsetzt und mit Veranstaltungen, wie z. B. 3DayStartup auf das Thema Gründung aufmerksam machen möchte.

Jetzt müssen Sie uns aber einmal erklären wie Ihre Kollegen und Sie den Bogen von Austin in Texas nach Aachen geschlagen haben. Wie kam die Kooperation zustande?

Ulm: Wir bieten unseren Mitgliedern durch unser starkes Netzwerk die Möglichkeit, sich auf dem Gebiet Entrepreneurship auch neben dem Studium fortzubilden, beispielsweise durch exklusive Praktika, HiWi-Stellen und Austausche mit ausländischen Universitäten. Mitte letzten Jahres haben zwei unserer Mitglieder von unserem Angebot Gebrauch gemacht und an einem Austausch an die University of Texas in Austin teilgenommen. Dort haben sie den Kontakt zur Entrepreneurship-Gruppe herstellen können und den Mitgründer von 3DayStartup, Thomas Finsterbusch, persönlich kennen gelernt. Begeistert von der Idee hinter 3DayStartup und seinem Erfolg, stellten sie das Projekt nach ihrer Rückkehr in Aachen vor und schnell war klar, dass es genau zu AC.E passte.

Was können wir von den Amerikanern lernen?

Ulm: Ich denke, den Mut zu scheitern. Wenn ich mich hierzulande mit meinen Studienkollegen unterhalte, höre ich häufig, wie riskant eine Gründung sei, dass man sich doch damit den Werdegang nur verbaue. In den USA herrscht dahingegen eine regelrecht euphorische Aufbruchsstimmung. Wer dort mit seinem Start-up scheitert, bekommt nicht etwa Versagen attestiert, sondern man schätzt die gewonnene Erfahrung und glaubt daran, dass das nächste Start-up höhere Chancen hat zu bestehen.

Haben Sie und Ihre Kollegen denn schon die Fühler nach weiteren transatlantischen Kooperationen ausgestreckt?

Ulm: Momenten bemühen wir uns um eine Kooperation mit der renommierten Tsinghua University in Beijing. Auch hier wurde der Kontakt über einen Austausch einer unserer Mitglieder aufgenommen.

Sagen Sie Herr Ulm, haben Sie bereits gegründet? Und werden Sie selbst an der Veranstaltung aktiv teilnehmen?

Ulm: Eine eigene Gründung ist bisher noch ein Traum, obgleich ich aber Ideen habe und diese auch plane, in nächster Zeit umzusetzen. Ein eigenes Start-up ist für mich aber nicht notwendigerweise der nächste Schritt in meinem beruflichen Werdegang. Nach meinem Studium kann ich mir durchaus vorstellen, die Erfahrungen aus der Start-up-Szene gewinnbringend in einem Großkonzern einzubringen. Auch wenn sich jetzt die Gelegenheit bietet, an einem Wochenende meine Ideen mit motivierten Studenten umzusetzen, bin ich als Veranstalter und Organisator kein aktiver Teilnehmer.

Wie wollen Sie es hinkriegen, dass sie eine ausgewogene Menge an Talenten zusammenbringen? Oder vertrauen Sie auf die übliche Start-up-Monokultur?

Ulm: Die Bewerber senden uns neben einem Lebenslauf auch ein kurzes Motivationsschreiben zu und füllen einen kleinen Fragebogen zu ihrer unternehmerischen Vergangenheit aus. Hiermit versuchen wir schon im Vorfeld, die besten Leute für dieses Projekt zu akquirieren. Dabei ist nicht entscheidend, wie viele Unternehmen man bereits gegründet hat oder was für eine Gründungsidee der potenzielle Teilnehmer mitbringt. Wir schauen vielmehr darauf, dass Studenten und Doktoranden aus verschiedenen Fachgebieten zusammenkommen und sich die Fähigkeiten ideal ergänzen. Den größten Anteil werden wohl Informatiker und Programmierer stellen, da voraussichtlich Webseiten und kleine Applikationen in dieser kurzen Zeit umzusetzen sind.

Wo denken Sie, werden die größten Herausforderungen während der Veranstaltung zu meistern sein?

Ulm: Zu Beginn des Events kennen sich die Teilnehmer noch nicht und dort müssen wir als Organisatoren den Prozess der Ideenfindung stark moderieren und auch eingreifen, wenn Diskussionen nicht zielgerichtet geführt werden. Detailfragen und Befindlichkeiten Einzelner müssen zu diesem Zeitpunkt der Veranstaltung außen vor bleiben, um den Zeitplan nicht zu gefährden. Um Mitternacht des ersten Tages sollen ja bereits die fertigen Ideen stehen. Danach stehen den Teams während der Umsetzungsphase ständig erfahrene Mentoren zur Seite, die beispielsweise rechtliche Fragen beantworten können oder wissen, wie man einen Vetriebskanal aufbaut.

Wie soll eigentlich das fertige Produkt ausschauen? Eine GmbH mit 40 Besitzern? Funktioniert so etwas? Oder ist die Veranstaltung eher als Fingerübung gedacht?

Ulm: Im Vorfeld der Veranstaltung werden wir eine Art Rahmenunternehmen gründen, von dem jeder Teilnehmer Anteile erhält. An dem Wochenende selbst, werden dann wahrscheinlich drei bis fünf verschiedene Gründungsideen von unterschiedlichen Teams bearbeitet werden. Diese Unternehmen werden dann wie Tochterunternehmen aus dem Rahmenunternehmen hervorgehen. So stellen wir sicher, dass jeder Teilnehmer Anteile an jedem gegründeten Unternehmen erhält und gleichzeitig aber die einzelnen Unternehmen unabhängig von einander fortgeführten werden können. Das Ziel ist also auch, nach dem Wochenende ein nachhaltiges Unternehmen fortführen zu können. Die Erfahrungen aus Texas zeigen uns, dass dies nicht unrealistisch ist. Aus den ersten drei Veranstaltungen entstanden fünf Projekte, die bis heute erfolgreich am Markt sind.

Was vermissen Sie am meisten in der deutschen Gründerszene? Kann man überhaupt von einer Szene sprechen?

Ulm: Ich habe im letzten Jahr beispielsweise die IdeaLab! an der WHU Vallendar und die Maastricht Week of Entrepreneurship besucht und festgestellt, dass man doch immer wieder bekannte Gesichter trifft. Auch bei der Aachen Technology Entrepreneurship Conference, die wir in Kooperation mit dem "Lehrstuhl WIN - Gründerzentrum" der RWTH Aachen mitorganisieren, konnten wir durch den Besuch anderer studentischer Gründerteams eine Art Szene-Gefühl erfahren. Ich denke, dass gerade diese Veranstaltungen, die den Erfahrungsaustausch unter Gründern fördern auch stark dazu beitragen, dass sich in Deutschland eine Gründerszene ausbildet. Ich würde mir wünschen, dass eine starke Szene, wie wir sie bereits von Internet-Start-ups in Deutschland kennen auch in anderen Bereichen wieder finden würden.

Sie sind ja in einer Universitäts-Gründerinitiative namens AC.E engagiert. Wie läuft das Geschäft? Wie ist die Resonanz auf Ihre Veranstaltungen? Was hat sich positiv entwickelt? Wo sehen Sie Nachholbedarf?

Ulm: Die studentische Gründerinitiative "AC.E - Aachener Entrepreneurship Team e.V." wurde 2006 an der RWTH Aachen gegründet und konnte bereits eine Vielzahl von Veranstaltungen erfolgreich durchführen. Mittlerweile ist sie ein fester Bestandteil des Veranstaltungskalenders in Aachen. Wie die meisten studentischen Organisationen liegt unser größtes Problem darin, neue junge Studenten als Mitglieder für unseren Verein zu gewinnen. Gerade die Umstellung auf die Bachelor- und Masterstudiengänge bietet den ohnehin stark beanspruchten Studenten an der RWTH noch weniger Zeit, sich neben Studium, Praktika und Auslandsaufenthalten auch noch ehrenamtlich in einer Studenteninitiative zu engagieren. Da müssen wir sehr viel Aufwand betreiben, um überhaupt noch wahrgenommen zu werden. Ich würde mir wünschen, dass die Hochschulen dieses universitätsnahe Engagement stärker unterstützen und z. B. durch Vergabe von Credit-Points oder Leistungsnachweisen zusätzliche Anreize für eine Mitarbeit schaffen. Bei AC.E können wir momentan auf ein Kernteam von zehn Personen zählen, die es überhaupt erst möglich machen, ein solches Projekt wie 3DayStartup durchzuführen. 3DS ist in diesem Jahr unsere größte Veranstaltung. Daneben laden wir in regelmäßigen Abständen erfolgreiche Gründer und Unternehmer dazu ein, sich und ihre Gründungsgeschichte vorzustellen. Wir veranstalten Workshops und suchen beispielweise in unseren Idea Recognition Nights nach interessanten Geschäftsideen. Auch der Kontakt zu angehenden Gründern aus dem Umfeld der RWTH ist uns wichtig. So versuchen wir ein Forum zu bieten, in dem sich junge Start-ups und Studenten mit Geschäftsideen austauschen können und schaffen die Basis für eine Gründerszene an der RWTH Aachen. Mit dem noch jungen Projekt AC.E Consult konnten wir im letzten Jahr in Form einer studentischen Gründerberatung bereits zwei Projekte erfolgreich abschließen. Ein Weiteres ist derzeit in Planung und wird in Kürze über unsere Homepage ausgeschrieben.

Bitte erzählen Sie uns doch zum Abschluss noch, wie sich der praktische Ablauf für die teilnehmenden Studenten gestalten wird. Wo können angereiste Studenten schlafen? Wie sieht es mit der Verpflegung aus? Wie ist der Tagesablauf?

Ulm: Die Teilnehmer werden von uns alles zur Verfügung gestellt bekommen, was sie an diesem Wochenende benötigen. Dazu zählen natürlich auch die Verpflegung, Arbeitsplätze, Ruheräume und Schlafmöglichkeiten. Auch wenn wir davon ausgehen, dass wahrscheinlich relativ wenig geschlafen wird, werden wir über eine Art Couch-Surfing den Teilnehmern von Auswärts Betten bei anderen Teilnehmern und den Organisatoren zur Verfügung stellen. All das ist für die Teilnehmer selbstverständlich kostenfrei.

Am Freitag beginnen wir bereits mittags mit der Ideenfindung und -generierung und werden bis Mitternacht über die besten Ideen abstimmen lassen. Danach beginnt die Umsetzungsphase in der das Geschäftsmodell und die Entwicklung von Prototypen oder das Design der Homepage ausgearbeitet werden. In dieser Phase werden ständig Mentoren zugegen sein, die den Teilnehmern bei den unterschiedlichsten Fragen Hilfestellung geben können. Sonntagabend haben die Teams dann die Möglichkeit, ihre Ideen vor potenziellen Investoren zu präsentieren und mit etwas Glück steht bereits nach drei Tagen die Finanzierung für ein vielversprechendes junges Unternehmen.

Herr Ulm, ich bedanke mich bei Ihnen und wünsche viel Erfolg!

Kommentare

  • Tommy

    26.04.10 (16:38:05)

    Vielen Dank f?r das tolle Interview mit Maximilan Ulm.

  • chris

    26.04.10 (19:22:10)

    Genau ein solches Event braucht die deutsche startup Szene! Toll dass sich Studenten daf?r ehrenamtlich engagieren!

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