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07.03.11Kommentieren

Interview mit Jenny Seul

"Auf diese Weise bietet start your art den risikofreien Ankauf hochwertiger Kunst zu transparenten fairen Preisen"

Ein Online-Kunstauktionshaus für den Erstmarkt - das ist start your art. Hier können noch unbekannte und vielversprechende Talente aus dem Bereich der bildenden Künste ihre Werke einem breiten Publikum anbieten und präsentieren. Und wie hilfreich das Auktionshaus wirklich für einen Künstler ist, erzählt die Gründerin Jenny Seul heute im Interview mit förderland.

Jenny Seul, Gründerin von start your artJenny Seul, Gründerin von start your art

förderland: Frau Seul, stellen Sie sich doch bitte unseren Lesern vor … Sie sind studierte Kunsthistorikerin und seit 2010 Unternehmerin ...

Jenny Seul: Ich habe an der RWTH Aachen Kunstgeschichte und Germanistik studiert. Mein Interesse galt schon früh der zeitgenössischen Kunst. So habe ich bereits während des Studiums gemeinsam mit Kommilitonen Ausstellungen für junge Künstler organisiert. Anschließend habe ich u.a. bei der Weng Fine Art AG in Krefeld gearbeitet, ein Kunsthandelsunternehmen im B2B-Bereich. Hier hatte ich Kontakt zu allen relevanten nationalen und internationalen Kunstauktionshäusern. Da die Weng Fine Art – zumindest von der Mitarbeiterzahl - ein recht kleines Unternehmen ist, habe ich als Assistentin der Geschäftsführung dort alle Aspekte des Kunsthandels von Grund auf mitbekommen und mitgestaltet: von der richtigen Präsentation von Kunstwerken, über Logistik, Taxierung und Vertragsgestaltung bis hin zu IT-gestützten Geschäftsabläufen. Ich habe aus dieser Zeit viele Dinge und Erfahrungen mitgenommen, auf die ich heute tagtäglich zurückgreifen kann.

Welche Eigenarten bringt gerade der Kunstmarkt für ein Start-up mit sich?

Seul: Auf dem klassischen Kunstmarkt wird Kunst hauptsächlich über Galerien und Auktionshäuser vertrieben. Dabei darf in Auktionshäusern in der Regel lediglich "Zweitmarktware" versteigert werden. In Bezug auf Kunst bedeutet dies, dass dort keine Werke direkt vom Künstler eingeliefert werden dürfen. In Galerien hingegen finden auch Werke ihren Absatz, die "frisch" aus dem Atelier kommen. Doch einen eigenen Galeristen zu finden, der zudem auch für den Künstler interessante Konditionen anbietet, gestaltet sich meist sehr schwierig. Diese Strukturen spiegeln sich in etwas abgewandelter Form im Internet wieder: Da gibt es die Virtuellen Galerien, die sowohl zum Erstverkauf als auch zum Wiederverkauf genutzt werden und es gibt Online-Auktionshäuser, in denen analog zum klassischen Auktionshaus "gebrauchte" Kunst versteigert wird. Da eine Online-Auktion keine Versteigerung im eigentlichen Sinn darstellt, dürfen Künstler ihre Werke auch ohne Umwege anbieten. Und hier kommen wir: Dass es noch kein relevantes Online-Kunstauktionshaus für den "Erstmarkt" gibt, scheint bisher übersehen worden zu sein.

Und für uns bedeutet dies natürlich eine Nische, die wir nutzen können. Denn als Jungunternehmer seinen Platz in der historisch gewachsenen und starren Struktur des Kunstmarkts zu finden, ist ohne den entsprechenden familiären oder finanziellen Background nahezu unmöglich.

Was bieten Sie ihren Kunden mit "start your art"?

Seul: Wir bieten mit start your art ein Online-Auktionshaus, indem der Kunde ausschließlich hochwertige Kunstwerke junger (noch) unbekannter Künstler präsentiert bekommt. Dies ist Kunst mit einem einzigartigen Preis - Leistungsverhältnis: Die Künstler, welche meistens von deutschen Hochschulen kommen, sind hervorragend ausgebildet, stellen aber im Gegensatz zu bekannten Größen noch keine "Marken" dar. Alle angebotenen Künstler haben einen Bewerbungsprozess durchlaufen, um die Qualität unseres Portfolios sicherzustellen. Der Verkauf der Werke geschieht mittels Auktion. Da gerade die Preisbildung bei Kunstwerken für den Laien oft schwer nachzuvollziehen ist, bietet sich die Versteigerung als Preisbildungsinstrument an. Darüber hinaus organisieren und versichern wir Transport und Bezahlung der verkauften Werke. Auf diese Weise bietet start your art den risikofreien Ankauf hochwertiger Kunst zu transparenten fairen Preisen.

Sie nehmen den Künstlern Marketingmaßnahmen, Kundenakquise, Versicherung und Transport ab. Rentiert sich das? Wie genau sieht Ihr Geschäftskonzept aus?

Seul: Genau. Es ist natürlich effektiver und einfacher, Marketingmaßnahmen und Kundenakquise gebündelt für alle Künstler von start your art durchzuführen. Vorher hat dies jeder einzelne Künstler für sich selber mehr oder weniger erfolgreich unternommen. Wir haben da ganz andere Möglichkeiten, da wir uns gezielt mit den Themen SEO und Public Relations auseinandersetzen. Themen, zu denen viele Künstler nicht unbedingt einen Bezug haben. Dadurch, dass wir das für sie übernehmen, können diese sich wieder mehr auf ihre eigentliche Arbeit konzentrieren, ohne sich auch noch um die eigene Vermarktung kümmern zu müssen. Auch um alles weitere kümmern wir uns: Für den Transport der Werke haben wir Verpackungsrichtlinien entwickelt und stellen den Künstlern bei Bedarf auch das nötige Verpackungsmaterial zur Verfügung. Für den Fall, dass ein Werk während des Transports dennoch einmal Schaden nehmen sollte, sind unsere Transporte versichert. Die Bezahlung der Werke erfolgt über unser firmeneigenes Treuhandkonto, so dass Käufer bei Unregelmäßigkeiten den vollen Kaufpreis erstattet bekommen. Käufer haben so die Gewissheit, Kunst ohne Risiko bei uns erwerben zu können. Das Konzept trägt sich über Provisionen. Entsprechend des Gebührensystems bei klassischen Auktionshäusern, werden dabei die Kosten zwischen Käufer und Einlieferer, sprich Künstler, aufgeteilt, da ja beide Seiten – Künstler und Käufer – etwas von unserem Service haben.

Wie haben Sie die Startphase finanziert?

Seul: Neben Eigenmitteln kommt der größte Anteil aus einem kfw-Kredit. Unser Budget ist klein, das fordert Kreativität...

Mit welchen Problemen hatten Sie in der Startphase zu kämpfen? Und wie haben Sie die umschifft?

Seul: Das Schwierigste war sicherlich die Überzeugungsarbeit! Besonders in Sachen Finanzierung: Bei den meisten Gesprächen fielen schon die Klappen als die Worte "Kunstmarkt" und "Internet" fielen. Bei einem Gespräch musste ich am eigenem Leib feststellen, dass man als Frau nicht unbedingt ernst genommen wird. Eine andere Bank, die sich das Thema Gründungsfinanzierung ganz groß auf die Fahnen schreibt, lehnte ein Treffen schon im Vorfeld ab, da wir in unserem Businessplan im ersten Jahr (!) noch keine Gewinne prognostiziert hatten. Schließlich haben wir dann doch eine Bank gefunden, die es sogar als positiv vermerkte, dass wir unsere Gewinnprognosen sehr sachlich und nicht überzogen eingeschätzt haben.

Auch mit einigen Hürden verbunden war es, die richtigen Partner für die Entwicklung von start your art zu finden: so z.B. für ein benutzerfreundliches und ansprechendes Design und die doch recht aufwändige Programmierung. Wir arbeiten bisher ausschließlich mit jungen Startup-Unternehmen zusammen. Die Verständigung läuft da sehr gut, vielleicht auch deswegen, weil das Bewusstsein für die Probleme, die eine Neugründung mit sich bringt, präsent ist. So ist aus start your art schon etwas wie ein Gemeinschaftsprojekt geworden, welches vielen jungen Unternehmern einen Rahmen bietet, sich zu verwirklichen.

Wie ist die Idee zu "start your art" entstanden?

Seul: Immer wieder erzählten mir Freunde und Bekannte, dass sie eigentlich gerne echte Kunst kaufen würden, dass sie sich satt gesehen hätten an den immer gleichen Kunstplakaten und -Motiven. Viele erkennen ab einem bestimmten Zeitpunkt, dass ein Original-Kunstwerk mehr fasziniert, einen höheren persönlichen Mehrwert liefert, als das tausendfach gesehene Plakat-Motiv. Jedoch liegt die Hemmschwelle, einen Galerieraum zu betreten, noch immer sehr hoch. Gerade der Kunstmarkt umgibt sich noch immer gerne mit der Aura des Elitären. Und da fühlt sich nun einmal eine Vielzahl gerade junger Menschen nicht angesprochen.

Dass das Interesse an junger Kunst enorm ist, konnte man letztes Wochenende mal wieder in Düsseldorf beobachten, als die Kunstakademie, wie jedes Jahr, ihre Pforten zum Rundgang öffnete: Über 50.000 Besucher kamen, um sich die Werke der Kunststudenten anzusehen. Zeitweise mussten sogar Ordner eingesetzt werden, um den Besucheransturm zu drosseln. Auf der anderen Seite bekam ich während meiner Zeit am Kunstmarkt immer wieder mit, dass junge, wirklich gute Künstler verzweifelt nach Wegen suchten, ihre Werke zu vermarkten…

Ich dachte mir, dass das doch irgendwie nicht sein kann, dass diese beiden Gruppen – junge Künstler und Kunstinteressierte – nicht zusammenkommen können. Das brachte mich zur Idee von start your art.

Wen sehen Sie als Konkurrenz zu Ihrem Portal an? Und: Was haben Sie Ihren Mitbewerbern voraus?

Seul: Mittlerweile tummeln sich einige gute Seiten in dem Bereich im Netz, ein pures Online-Auktionshaus für junge Kunst konnte ich bisher nicht entdecken.
Die meisten Seiten agieren als Marktplatz, um Künstler und Kunstinteressierte zusammenzubringen. Dabei geht ihr Engagement allerdings nur bis zu einem bestimmten Punkt: Spätestens bei der konkreten Abwicklung der Transaktionen bleiben Künstler und Käufer auf sich allein gestellt. Diese Situation birgt aus meiner Erfahrung große Unsicherheiten und Risiken für beide Seiten. Hier geht start your art einen Schritt weiter: Neben der Auswahl hochwertiger Kunstwerke, bieten wir außerdem eine umfassende Begleitung des gesamten Verkaufsprozesses, angefangen bei der Preisgestaltung durch unser Auktionssystem über Vermarktung mittels SEO/ SEM bis hin zur Organisation von abgesicherten Transport- und Zahlungswegen.

Können Sie sich vorstellen, neben der jungen Kunst auch im Hochpreis-Segment einzusteigen und mit etablierteren Künstlern zu kooperieren? Oder bleiben Sie den "jungen Wilden" treu?

Seul: Mitmachen darf, wer gut ist. Das ist das einzige Kriterium. Bereits etablierte Künstler sind in der Regel an exklusive Galerie-Verträge gebunden. Wir brechen an dieser Stelle die Strukturen des Kunstmarkts ein wenig auf. Künstler gehen bei uns immer nur Verpflichtungen für einzelne Werke und bestimmte Zeiträume ein, niemals jedoch für ihr gesamtes Werk. Sie können daher recht flexibel agieren.

Welche Ideen haben Sie für die Zukunft von "start your art"? Wie wollen Sie sich entwickeln?

Seul: Besonders im technischen Bereich haben wir noch viele Ideen. Viele zielen darauf ab, Kunst möglich gut erfahrbar zu machen. Auch sind bereits verschiedene "Live"-Events in Planung. Irgendwann einmal ein reales Auktionshaus für junge Kunst zu gründen, dass wäre toll!

Vielen Dank für das Interview!

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