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29.07.10Kommentieren

Interview mit Lena Sönnichsen, CashBits

"Auf den ersten Blick klingt so ein Bonusprogramm gar nicht so komplex – aber wie immer steckt der Teufel im Detail"

Wer im Supermarkt bezahlt, wird allzu oft nach seiner Payback-Karte gefragt. Beim Online-Shopping sieht das ganz anders aus, besonders, wenn die Shops keine Global-Player und für größere Rabatt-Systeme wirtschaftlich unattraktiv sind. Um so besser, dass es nun CashBits gibt, ein Start-up, das diese Lücke schließen will. Mit-Gründerin Lena Sönnichsen erzählt uns heute über welche Stöcke und Steine man springen muss, um einen Online-Rabatt-Service auf die Beine zu stellen.

CashBits, Lena Sönnichsen und Moritz CorbelinCashBits, Lena Sönnichsen und Moritz Corbelin

Guten Tag Frau Sönnichsen, Sie und Ihr Geschäftspartner Moritz Corbelin betreiben CashBits, ein Online-Bonusprogramm. Welche Fähigkeiten und Talente bringen Sie beide mit in Ihr Unternehmen ein?

Lena Sönnichsen: Gott sei Dank ganz unterschiedliche. Moritz hat als Unternehmensberater gearbeitet und ist bei uns etwas überspitzt formuliert "der kühle Stratege". Alles Kreative, also vor allem Kommunikation und Marketing, liegt bei mir – was meiner Berufserfahrung entspricht, mir aber auch am meisten Spaß macht. Bleibt der Bereich IT, den wir uns beide gemeinsam und mit Hilfe von Profis als Quereinsteiger erobern.

Erklären Sie uns doch bitte kurz, worum es bei CashBits geht und warum man als Online-Shop gar nicht anders kann, als an Ihrem Programm teilzunehmen!

Sönnichsen: CashBits ist das erste Bonusprogramm für unabhängige Online-Händler – also kleine und mittelständische Shops, die bei Payback & Co. verloren gehen würden, auf professionelle Kundenbindung aber trotzdem nicht verzichten möchten. Dieser Zielgruppe bietet CashBits unter www.cashbits.de erstmalig Zugang zu einem rein internetbasierten Bonus- und Analysetool. Weiteres Plus: Wir verstehen uns als erstes "Web 2.0-Bonusprogramm", bieten den angeschlossenen Händlern also automatisch neue Vetriebskanäle, die sie alleine nicht in dem Umfang bespielen können. Und dass sich bei zunehmender Konkurrenz im Netz kein Shop mehr erlauben kann, auf Kundenbindung zu verzichten, ist ja klar …

Wie fing eigentlich die ganze Geschichte mit CashBits an? Wer kam auf die Idee und wie wurde die Idee zu einem Start-up?

Sönnichsen: Letztlich ist unser Spieltrieb schuld – und dass wir uns schon seit Jahren und insbesondere bei völlig unwichtigen Dingen gegenseitig ausstechen wollen. Meilenkonto, Stempelkarten, Panini- Sammelbilder – und wir haben auch ganz viel Nintendo gespielt, noch auf so einer alten Konsole. Am Schluss haben wir für den spielerischen Ehrgeiz sogar Umwege in Kauf genommen und Konsumgewohnheiten geändert – und daraus ist dann irgendwann die Idee für CashBits entstanden. Daraus lässt sich doch etwas machen, das muss doch auch anderen Menschen so gehen, warum diesen Spiel- und Sammeltrieb nicht auf den E-Commerce übertragen?! Den Namen haben wir dann gemeinsam an meinem Küchentisch entwickelt. Heute kanalisiert sich der Ehrgeiz vor allem über Foursquare und die Frage, wer Bürgermeister des CashBits-Büros ist. Kleiner Tipp: aktuell ist es nicht Moritz :)

Was war das größte Stück Arbeit bei der Umsetzung des Konzepts?

Sönnichsen: Am meisten Zeit, Geld, Konzeptionsarbeit und Nerven haben wir eindeutig in die Website investiert – die ja auch das Herzstück von CashBits ist. Auf den ersten Blick klingt so ein Bonusprogramm gar nicht so wahnsinnig komplex – aber wie immer steckt der Teufel im Detail. Was passiert eigentlich, wenn ein Kunde seine Bestellung zurück schickt? Und wie müssen wir die sehr umfangreiche Datenschutz-Thematik einarbeiten? Wenn man dann noch will, dass das alles weitgehend automatisiert läuft, für den Händler einfach und sicher zu bedienen ist UND gut aussieht – dann steckt da eine Menge Arbeit drin. Aber es hat sich gelohnt (sagen wir jetzt einfach mal ganz objektiv …).

Welche Strategien verfolgen Sie, um Online-Shops von Ihrem Programm zu überzeugen? Spielt der persönliche Kontakt eine Rolle oder reicht oft gar nur ein Anruf?

Sönnichsen: Klar ist der persönliche Kontakt immer der netteste – und damit auch der erfolgversprechendste. Gerade jetzt am Anfang telefonieren wir ganz gezielt und sehr viel mit potenziellen Kunden, um auch individuelle Fragen beantworten zu können. Auf die Dauer werden wir uns aber mehr und mehr auch auf Maßnahmen mit einer gewissen Hebelwirkung stützten. Das heißt, dass wir viele Kooperationen anstreben, Pressearbeit machen, auf Messen fahren. Mit einem Anruf ist es in der Regel jedoch nur selten getan. Aber auch das macht ja Spaß.

Neben den Online-Shops müssen Sie auch noch an die Endkunden herantreten, denn der soll ja schließlich das Programm ausgiebig nutzen. Welche Ideen haben Sie, um das zu stemmen?

Sönnichsen: Wir verstehen uns ja nicht umsonst als das erste „Web 2.0-Bonusprogramm“ – das heißt, dass Social Media eine große Rolle in der Ansprache unserer Endkunden spielen wird. Diese Strategie ist für uns nicht nur glaubwürdiger, sondern natürlich auch eine Frage des Budgets. In Kürze werden wir über Twitter und Facebook zum Beispiel eine größere Gewinnspiel-Serie starten – und versprechen uns davon viel Resonanz. Es sollten uns also jetzt schon alle folgen und Fan werden, die sich über Gewinne freuen – gerade am Anfang ist die Chance da ja noch sehr hoch.

Wenn ich fragen darf: Wie haben Sie eigentlich die ganze Entwicklungsarbeit bisher finanziert? Und wie viel hat es gekostet?

Sönnichsen: Die Anschubfinanzierung von CashBits – und damit auch die Entwicklung der Software - ist durch Business Angels gesichert. Das heißt, wir sind momentan sehr dankbar, uns über Finanzierung keine Gedanken machen zu müssen. Was die Entwicklung genau gekostet hat, wird natürlich nicht verraten.

Haben Sie mit Ihrem Konzept an Business-Plan- oder anderen Gründer-Wettbewerben teilgenommen? Warum, wenn ja? Warum nicht, wenn nicht?

Sönnichsen: Ja, haben wir – schon im vergangenen Jahr, als CashBits noch ein sehr theoretisches Konstrukt war. Allerdings haben wir die Erfahrung gemacht, dass die Erfolgsaussichten eher gering sind, wenn man noch keine greifbaren Erfolge vorzuweisen hat. In der echten Planungsphase muss eine Idee schon recht revolutionär sein, um da ausgezeichnet zu werden. Wir haben uns vorgenommen, uns jetzt aufs operative Geschäft zu konzentrieren und dann mit konkreten Erfolgen noch einmal anzugreifen.

Und? Haben Sie alles richtig gemacht bisher? Oder gab es auch Entscheidungen, die Sie lieber noch einmal neu getroffen hätten?

Sönnichsen: Das ist wirklich keine ganz leichte Frage. Also, grundsätzlich kann man mal festhalten, dass die Entscheidung, zwei Jobs zu kündigen und mit CashBits durchzustarten die beste war, die wir je getroffen haben. Im täglichen Business gibt es natürlich immer mal wieder Entscheidungen, die unter Zeitdruck getroffen werden und sich am Schluss als suboptimal herausstellen. Gerade in der Software-Entwicklung sind wir jetzt natürlich viel schlauer als vorher. Durch die agile Methodik haben wir nie etwas Grundlegendes falsch gemacht – aber es wäre beispielsweise sicher gut gewesen, Händler und Kunden noch früher in den Prozess einzubinden als wir das ohnehin schon getan haben.

Was wird die nächste Stufe des CashBits-Plans sein? Neue Features? Neue Investoren? Werbekampagnen? Partnerschaften? Verraten Sie es uns!

Sönnichsen: Uns wird es in den nächsten Monaten vor allem um die Weiterentwicklung des Systems gehen – natürlich spielt der Vertrieb weiterhin eine große Rolle, aber den erleichtern wir uns natürlich, wenn das Produkt kontinuierlich attraktiver wird. Da wir CashBits agil entwickeln, kommen ständig neue Features dazu. Das sollen so praktische Dinge sein wie die Möglichkeit, unterschiedliche viele CashBits auf einzelne Produktgruppen zu vergeben. Aber  auch Spaß-Elemente, die vor allem auf die Sammelleidenschaft der Endkunden zielen. Außerdem soll die Shopanbindung für Händler so einfach wie möglich sein – das heißt, dass wir neben dem Magento-PlugIn, das wir aktuell anbieten, weitere Extensions entwickeln werden und auch Kooperationen anstreben, um noch mehr Händler zu erreichen. Aber Details verraten wir natürlich erst, wenn’s spruchreif ist – da sind wir abergläubisch …

Haben Sie zum Abschluss noch einen Tipp, den Sie allen Gründern mit auf den Weg geben wollen, die noch grün hinter den Ohren sind?

Sönnichsen: Naja, ein bisschen grün schimmert es bei uns ja auch noch … trotzdem haben wir natürlich schon ziemlich viel gelernt. Die wichtigste Erkenntnis? Man sollte seine eigenen Entscheidungen treffen. Klingt platt, ist aber ganz wichtig. Wirklich helfen kann einem dabei eh keiner – also lieber allen Mut zusammen nehmen und im Zweifel auch mal für einen Moment in die falsche Richtung laufen. Das tut manchmal weh, weil das Risiko groß ist. Aber so ist das nun mal. Augen zu und durch …

Ich bedanke mich für das Interview und wünsche Ihnen viel Erfolg!

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