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26.10.09Kommentieren

Interview mit Jan Philipp Hinrichs und Michael Keferstein, CaptchaAd

"[...] als kleines Start-up hat man durch ein Patent auf jeden Fall eine bessere Verhandlungsposition, [...]"

Mit Hilfe einer patentierten Technologie kombiniert das Bonner Start-up CaptchaAD herkömmliche Spam-Schutz-Captchas mit Werbung. Im Interview mit förderland erklären die Mitgründer Jan Philipp Hinrichs und Michael Keferstein, wie das genau funktioniert, wie die Idee entstand und warum die Patentanmeldung für das junge Unternehmen von entscheidender Bedeutung war.

förderland: Hallo Herr Hinrichs, Hallo Herr Keferstein, stellen Sie sich doch bitte kurz vor!

Jan Philipp Hinrichs: Hallo. Ich bin einer der Gründer der CaptchaAd GmbH und dabei für die Bereiche Sales & Marketing verantwortlich. Vor Gründung von CaptchaAd habe ich an der Konzeption und Entwicklung verschiedener Start-up-Projekte mitgewirkt, konnte erste Start-Up-Erfahrungen beim Eventdienst invyte.de in Hamburg sammeln. Ich habe vorher erst eine Ausbildung bei der Commerzbank gemacht, dann BWL in Köln studiert, mit Auslandsaufenthalten in Spanien und den USA. Neben CaptchaAd mache ich derzeit einen berufsbegleitenden MBA an der UnternehmerTUM in München, wo ich auch CaptchaAd als Projekt mit einbringe.

Michael Keferstein: Ich gehöre auch zum Gründerteam und verantworte bei uns den Bereich Finanzen. Aber wie das wohl in jedem Start-up der Fall ist, überschneiden sich natürlich viele Verantwortungsbereiche und irgendwie muss jeder bei allem mithelfen. Während meines BWL-Studiums mit den Schwerpunkten Unternehmensführung und M&A habe ich auch schon im Vertrieb gearbeitet und konnte bei einigen Start-up-Projekten und Businessplänen mitwirken, was sich als eine gute Grundlage für unsere derzeitige Tätigkeit erwiesen hat.

Erklären Sie uns CaptchaAd. Was bieten Sie Ihren Kunden? Und wie verdienen Sie Geld?

Hinrichs: CaptchaAd ist dank einer zum Patent eingereichten Technologie weltweit der erste Anbieter, der herkömmliche Captchas (Spam-Schutz) mit hoch qualitativer Werbung (Advertising) kombiniert. Neu bei den CaptchaAds ist, dass nicht mehr unleserliche Zahlen- und Buchstabenfolgen, sondern konkrete Antworten zu einem beworbenen Produkt – wie zum Beispiel der Produktname, der Preis bis hin zu Slogans oder anderen Schlagwörtern – in das Captcha-Feld eingetippt werden müssen, was zu einem gesteigerten Wirkungsgrad der Werbebotschaft im Vergleich zu herkömmlicher Onlinewerbung führt. Den Advertisern bieten wir mit Captcha Advertising somit einen 100-prozentigen Werbekontakt bei sehr hoher Werbewirkung. Neben dem derzeit sichersten Schutz vor Spam-Attacken bieten CaptchaAds außerdem eine zusätzliche Einnahmequelle für Webseiten- und Blog-Betreiber. Wir beteiligen die jeweiligen Webseiten an den Kampagnen, die wir mit den Advertisern aushandeln. Dabei wird per TKP-Modell abgerechnet.

Wer ist noch dabei im CaptchaAd-Team? Und wie verteilen sich die Kompetenzen?

Keferstein: Der Dritte im Bunde ist Thomas Zumtobel, der unsere IT leitet. Er ist schon länger in der Internetbranche aktiv und hat auch schon vor CaptchaAd erfolgreich Unternehmen gegründet, was uns sicher vor dem einen oder anderen Fehler bewahrt hat. Darüber hinaus haben wir noch drei Business Angel an Bord, die uns mit Ihrem Netzwerk und Branchenwissen sehr weiterhelfen.

Wer hatte die Idee zu CaptchaAd? Und wie hat sich daraufhin das Team gefunden?

Hinrichs: Der erste Zünder kam von Michael und Alexander Kraft, der mittlerweile ausgeschieden ist. Wir waren gegen Ende der Diplomarbeit auf der Suche nach einer Finanzierungsmöglichkeit einer damals angedachten Webseite und sind eigentlich durch Zufall auf die Idee gekommen, Spamschutz, also Captchas, mit einer interaktiven Werbeform zu verbinden. Als wir dann recherchierten, dass weltweit jährlich mehrere Milliarden von Captchass ausgefüllt werden, waren wir ziemlich elektrisiert. Michael, Alex und ich kannten uns also bereits vom Studium, haben zusammen unsere Diplomarbeit geschrieben, Thomas hatten wir kurz zuvor über ein damals angedachtes Projekt kennengelernt.

Sie haben Ihre Technologie zum Patent angemeldet. Wie läuft so eine Patentanmeldung ab? Und welche Vorteile bieten sich dadurch Ihrem Unternehmen?

Keferstein: Das Wichtigste dabei ist zunächst einmal die Marktrecherche. Welche Patente gibt es in diesem Bereich bereits oder ist die eigene Idee vielleicht schon von jemand anderem entdeckt worden. Das ist ein relativ aufwendiger Prozess, da es ja sein kann, dass jemand die gleiche Idee einfach nur anders genannt hat und man deswegen sehr gründlich vorgehen muss. Erschwerend kommt hinzu, dass eine Patentschrift nach der Einreichung erst einmal 18 Monate in der Blackbox verschwindet bevor sie veröffentlicht wird und man deswegen erst nach geraumer Zeit sicher sein kann, mit seiner Idee der erste zu sein. Danach muss eine Patentschrift formuliert werden, bei der man sich allerdings Beratung durch Fachanwälte holen sollte, wenn man möglichst gute Chancen haben will. Das ganze wird dann am Patentamt eingereicht – in unserem Fall zunächst in den USA – und kann dann durchaus ein paar Jahre dauern.

Die Vorteile eines erteilten Patents liegen vor allem darin, dass man anderen die Benutzung der eigenen Erfindung untersagen bzw. Lizenzgebühren erheben kann. Es ist natürlich nicht unser Ziel auf gerichtliche Konfrontation zu spekulieren, aber als kleines Start-up hat man durch ein Patent auf jeden Fall eine bessere Verhandlungsposition, wenn andere ungleich kapitalkräftigere Unternehmen auf den Zug aufspringen wollen.

Welche Advertiser bzw. Publisher haben Sie schon von Ihrem Konzept überzeugen können? Wie entwickelt sich das Geschäft?

Hinrichs: Nachdem wir schon seit über einem Jahr mit Flash-animierten Formaten im Markt präsent sind und erste Erfahrungen gesammelt haben, freuen wir uns, dass wir mit Universal Pictures und Pennergame.de, dem größten Online-Spiel Deutschlands, zwei renommierte Partner für unsere weltweit erste Video Captcha-Advertising Kampagne begeistern konnten. Wir merken, dass das Interesse, zukünftig Werbung auch in CaptchaAds zu schalten, sowohl bei den Advertisern als auch bei den Publishern stark zugenommen hat. Weiteres wird in Kürze folgen.

Beim Start-up Camp in Köln wurden Sie zum "Champ of the Camp" gekürt. Hat Ihnen dieser Sieg Türen geöffnet?

Keferstein: Wir sind dadurch mit dem Start-up Essentials Programm von SUN Microsystems, die das Camp mit veranstaltet haben, in Kontakt gekommen und haben mit dessen Leiter Christian Müller einen Freund und engagierten Förderer von CaptchaAd gewinnen können. Darüber hinaus haben wir viele interessante Leute auf dem Event kennengelernt und werden sicher beim nächsten Mal wieder dabei sein.

Am 20. Oktober werden Sie beim TechCrunch Munich Ihr Unternehmen präsentieren. Was erwarten Sie sich? Und können Sie unerfahrenen Gründern Präsentationstipps mit auf den Weg geben?

Hinrichs: Ja, das stimmt. Wir sind eines von zwölf Start-ups, die beim TechCrunch Event in München ihre Idee vor 150 Gästen präsentieren dürfen. Es hat uns natürlich sehr stolz gemacht, dass uns Mike Butcher, Editor von TechCrunch Europe, selbst ausgewählt hat. Ich denke, es wird eine sehr interessante Veranstaltung mit spannendem Networking. Vielleicht ergibt sich ja der ein oder andere gute Kontakt, vielleicht ja auch eine konkrete Kooperationsmöglichkeit für CaptchaAd.

Tipps? Ich würde (jungen) Gründern grundsätzlich immer raten sich nicht zu sehr auf die Präsentationsfolien zu versteifen. Es kann immer anders kommen. Man sollte wissen, wovon man spricht und einfach authentisch rüber kommen. Bloß nicht zu lange Präsentationen. Der Rest kommt dann von alleine!

Vielen Dank für das Interview!

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