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01.09.14Leser-Kommentar

Pro- und Contra der PKV

Als Gründer eine private Krankenversicherung wählen?

Der Trend von den gesetzlichen Krankenkassen zu den privaten Krankenversicherungen zu wechseln, zeichnet sich in Deutschland deutlich ab. Gerade Selbstständige und junge Unternehmensgründer entscheiden sich direkt für eine der vielen privaten Krankenversicherungen.

Preise für Medikamente steigen© VRD - Fotolia.com

Auch wenn bei den privaten Anbietern in den letzten Jahren, bedingt durch medizinischen Fortschritt und erhöhte Medikamentenkosten, steigende Beiträge zu verzeichnen sind, erfährt diese Entwicklung nur eine geringe Minderung. Was aber macht die private Krankenversicherung so attraktiv? Liegt es an den kurzen Wartezeiten beim Hausarzt, an den scheinbar geringeren Kosten oder ist das Gesamtpaket der privaten Krankenversicherungen schlicht besser als das der „normalen“ Krankenkassen?

Die Qual der Wahl

Mit dem Beginn eines Studiums, als Beamter, Selbstständiger aber auch als Angestellter über einer bestimmten Einkommensgrenze können Sie sich statt für eine gesetzliche Versicherung auch für eine private Krankenversicherung entscheiden. Nicht nur für Beamte ist dieses Angebot dank der staatlichen Beihilfe lukrativ. In vielen Fällen werden bei Beamten so mehr als die Hälfte der monatlichen Beiträge zur Krankenversicherung durch die staatliche Beihilfe übernommen.

Zur Einschreibung an einer deutschen Universität oder Fachhochschule ist es Pflicht, entweder eine gültige Versicherung anzugeben, sich neu zu versichern oder eine Freistellung vorzulegen. Die Freistellung kann nur dann erfolgen, wenn der oder die Student(in) bereits versichert ist. Dies kann beispielsweise berufsbedingt sein oder über eine Familienversicherung bis zum 24. Geburtstag erfolgen. Zu diesem Zeitpunkt oder direkt bei der Immatrikulation kann er oder sie zwischen privater oder gesetzlicher Krankenversicherung wählen. Besonders für einen jungen Menschen ist ein Einstieg in eine der privaten Krankenversicherungen günstig. Hier bieten allerdings auch die gesetzlichen Krankenkassen Versicherungen mit sehr geringen monatlichen Kosten an. Während des Studiums ist ein erneuter Wechsel der Versicherungsart nicht mehr möglich. Ausnahmen ergeben sich lediglich aus geänderten Einkommens- oder Lebensumständen. Ein häufiger Grund für einen Wechsel sind beispielsweise erhöhte Einkünfte während des Studiums. Dadurch kann, aus Sicht der Versicherungen, ein Studierender plötzlich als Angestellter und selbstständiger Unternehmer zählen.

Für junge Selbstständige ist ein direkter Einstieg in eine der privaten Krankenversicherungen aus finanziellen Gründen interessant. Während der Gründerzeit entstehen jungen Selbstständigen durch eine private Krankenversicherung verhältnismäßig geringe Kosten an. Diese steigen allerdings mit dem Alter. Wirklich günstigen Versicherungsschutz bieten private Krankenversicherungen nur bei einem geringen Risiko für den Versicherer. Ein später Wechsel zurück zu einer der gesetzlichen Krankenkassen ist nicht ohne weiteres möglich und auch vom Gesetzgeber so nicht vorgesehen. Erst ein dauerhaftes Absinken der Einnahmen oder der Wechsel in eine versicherungspflichtige Anstellung für mindestens ein Jahr ermöglicht einen Umstieg zu einer gesetzlichen Krankenkasse. Allerdings sind die Kosten für die private Krankenversicherung als Selbstständiger inzwischen steuerlich absetzbar und richten sich dabei nicht nach den Umsätzen des eigenen Unternehmens.

PKV - Günstig in jungen Jahren

Unbestreitbar ist, dass bei einer guten Gesundheit, gerade in jungen Jahren die privaten Krankenkassen auch bei einen besseren Leistungskatalog günstiger sind als die gesetzlichen Krankenkassen. Grund dafür ist in erster Linie die Art und Weise der Beitragsberechnung. Anstatt sich am Einkommen des Versicherten zu orientieren, werden die Beiträge bei den privaten Krankenkassen nach Alter, Beruf, Geschlecht und möglichen Vorerkrankungen berechnet. Zusätzlich kommen dazu die gewünschten Zusatzleistungen über dem Basistarif. Allerdings dabei ist nicht zu vergessen, dass private Krankenversicherungen auch im Sinne ihrer Aktionäre agieren müssen und deutlich gewinnorientierter arbeiten müssen als öffentliche Krankenkassen.

Hohe Kosten im Alter?

Natürlich steigen im Alter bedingt durch ein höheres Risiko für die privaten Anbieter die Kosten. Dadurch explodieren im Normalfall die Kosten jedoch nicht plötzlich. Zu einer Steigerung der Beiträge wird es allerdings in jedem Fall kommen. Auch bei einer glänzenden Gesundheit im fortschreitenden Alter liegt dies schon an dem altersbedingten erhöhten Krankheits- und Verletzungsrisiko. Hier schaffen für den Versicherten die sogenannten Altersrückstellungen einen tragbaren Ausgleich. Diese sind ab Beginn des Versicherungsvertrages an in den monatlichen Beiträgen integriert und finanzieren die steigenden Beiträge im Alter mit. Um aber wirklich gute Preise im Alter zu gewährleisten, ist es bei den privaten Anbietern wichtig, sich früh für einen beitragsstabilen Tarif zu entscheiden. Ein sehr günstiger Einstiegstarif kann sich in späteren Jahren zu einer Kostenfalle entwickeln. Wer hier zu spät reagiert, hat später mit hohen Kosten zu kämpfen. Diese aber sind von vornherein vermeidbar. Sich umfassend zu informieren und sich mit einem Berater zusammenzusetzen ist in vielen Fällen unabdingbar und vermeidet ein späteres Nachsehen.

Der Leistungskatalog

Jede private Krankenversicherung bietet weit mehr als nur geringe Kosten. Die berühmte Chefarztbehandlung für privat Versicherte gehört allerdings nicht dazu. Dies ist eine Zusatzleistung über dem Basistarif und kostet extra. Wie von den gesetzlichen Krankenversicherungen bekannt, bieten auch die privaten Krankenkassen den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestrahmen an Versicherungsleistungen an. Über diesen hinaus kann jeder Versicherte für sich entscheiden, welche Leistungen er in seiner Versicherung hinzu buchen möchte. Theoretisch sind dem kaum Limitierungen gesetzt und einzig das eigene Budget und die eigene Zahlungswilligkeit geben Grenzen vor. Typische Zusatzleistungen sind:

  • Chefarztbehandlung
  • Zahnersatz und Zahnbehandlung
  • Krankengymnastik, Heilpraktiker und Massagen
  • ambulante Kuren
  • Heil- und Hilfsmittel (Brillen)
  • Krankentagegeld auch vor dem 42. Tag einer Erkrankung
  • Krankenhaustagegeld (zur Deckung von Kosten außerhalb des Krankenhauses während eines Aufenthalts, beispielsweise Kinderbetreuung).

Jede dieser Extraleistung erzeugt natürlich zusätzliche Kosten in den Beiträgen.

Auch wenn diese Leistungen optional und im Basistarif nicht enthalten sind, muss sich ein jeder vor Augen führen, dass auch die gesetzlichen Krankenkassen keine umfassenden Leistungen anbieten. Deswegen müssen Versicherte bei diesen häufig durch private Zusatzversicherungen einen nötigen Ausgleich schaffen, um Kosten für beispielsweise Sehhilfen und Zahnersatz absichern zu können.

Letztlich muss jeder, der die Wahl hat, die Entscheidung selber fällen, ob er oder sie als junger Mensch von geringeren Beiträgen profitieren möchte, mit Hinblick auf eine Kostensteigerung im Alter. Aufgrund der zahlreichen Anbieter bezüglich der privaten Krankenversicherer ist ein genaues Vergleichen der Tarife auf Vergleichsportalen wie auf Tarifcheck24 Geld wert. So lassen sich mit Angabe der wichtigsten Informationen wie Zusatzleistungen oder finanzielle Leistungen schnell erste individuelle Angebote feststellen.

Verkürzte Wartezeiten beim Hausarzt und niedrige Kosten sind allerdings nur eine Seite der Medaille. Auch wenn die Abgaben für eine gesetzliche Krankenkasse während der Gründerzeit hoch erscheinen, so bleiben sie konstant an den monatlichen Einkünften orientiert. Wichtig ist es, sich hier umfassend zu informieren und genau abzuwägen, welche Leistungen auch im Alter als unbedingt nötig erscheinen.

Kommentare

  • Heike

    02.09.14 (16:01:58)

    Komisch. Soweit ich das Thema in den letzten Jahren verfolgt habe, geht der Trend eigentlich in die umgekehrte Richtung, weil die Leute merken, dass sie beiden Privaten meistens draufzahlen, spätestens, wenn sie Familie haben.

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