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02.12.10Leser-Kommentare

Interview mit Konrad Erzberger von tamyca.de

"1.000 Autos auf tamyca.de bis Ende 2011, das wollen wir erreichen"

Heute im Interview: Konrad Erzberger von der privaten Carsharing-Plattform "tamyca". Er erzählt uns heute recht unverkrampft, auf welch unkonventionelle Art und Weise das Start-up geboren wurde, von den Bürden eines Geschäftsführers und welche besonderen Hürden es für die Gründer zu nehmen galt. Viel Vergnügen.

Konrad Erzberger, tamycaKonrad Erzberger, tamyca

Ich grüße Sie Herr Erzberger! Heute sprechen wir über Ihr wirklich interessantes Start-up tamyca. Doch nicht ohne von Ihnen erfahren zu haben: Woher kommen Sie? Was machen Sie?

Konrad Erzberger: Hallo, ich bin ein 23-jähriger Jura-Student aus Hamburg und schon länger in der Gründerszene Deutschlands unterwegs. Gemeinsam mit fünf Aachenern habe ich in den letzten Monaten tamyca.de entwickelt; wir sind zum 11. November gestartet.

Beschreiben Sie uns doch bitte kurz, was den Besucher von tamyca.de erwartet! Wie machen Sie unser Leben besser?

Erzberger: Unsere Besucher erwartet Deutschlands erstes Carsharing unter Privatpersonen. Das heißt: Wer Autobesitzer ist, kann sich etwas dazuverdienen, wenn das Auto sonst nicht bewegt würde. Wer kein eigenes Auto hat, fährt mit tamyca deutlich flexibler und günstiger als mit klassischen Autovermietern und traditionellen Carsharern.

An tamyca sind eine ganze Reihe von Gründern beteiligt. Wer ist wofür zuständig?

Erzberger: Grob gesagt kümmern sich Justus, Andreas und Markus um die Webentwicklung und das Design, während Michael, Arndt und ich derzeit das Marketing beackern. Aber natürlich ist das im Start-Up nicht so abgegrenzt wie im Großkonzern.

Das Team hat sich nicht zufällig getroffen. Erzählen Sie uns doch, wie Sie alle zueinander gefunden haben!

Erzberger: Wir trafen uns zum ersten Mal Anfang Juni 2010 beim 3 Day Start-Up in Aachen und die Chemie hat sofort gestimmt. Wir sind mit dieser Sechser-Konstellation auch deshalb so glücklich, weil jeder etwas Besonderes beitragen kann und die Stimmung immer locker bis leichtsinnig ist.

War es schwierig, das Projekt trotz der Distanz umzusetzen? Wie haben Sie das Projektmanagement aus der Distanz realisieren können? Haben Sie eventuell auch einige Tipps für andere Gründer in der selben Lage parat?

Erzberger: Videokonferenzen über Skype machen das schon einfacher, aber letztlich geht es auch darum, eine gemeinsame Vision zu haben. Ein Netzwerk zerfällt augenblicklich, wenn es keine Aufgabe hat. Wir haben daher viel Zeit darauf verwendet, uns die Ziele klarzumachen und unsere Tätigkeiten aufeinander abzustimmen. Unsere "Fernbeziehung" konnte sich auch immer bei mehrtägigen physischen Treffen erholen; da war jedes Mal ein großer Sprung nach vorne. Gänzlich virtuell funktioniert das glaube ich nicht.

Welche Dienstleistungen musste das Team noch hinzukaufen?

Erzberger: Abgesehen von Rechenleistung und Domains usw., war es bei uns natürlich die Versicherung. Die mussten wir zusammen mit der Württembergischen entwickeln und kaufen sie nun ein. Den Rest stemmen wir selbst. Insbesondere sind wir – Dank unseres sehr talentierten IT-Teams – für die Webentwicklung nicht auf Dritte angewiesen.

Ich nehme an, dass sich jedes Team-Mitglied auch finanziell engagieren musste? Wieviel musste ein jeder in das Projekt einbringen?

Erzberger: Richtig, wir sind derzeit vollständig eigenkapitalfinanziert. Das stärkt die Motivation im Team und hält uns davon ab, sinnlose Ausgaben zu tätigen. Die genauen Zahlen verrät das Handelsregister.

Welches war der schwächste Punkt im tamyca-Konzept? Die Versicherungsfrage? Oder die Akzeptanz? Oder das Rechtliche?

Erzberger: Zunächst war es die Versicherungsfrage, heute und wohl noch einige Monate ist es die Akzeptanz. Aber Autobesitzer lassen sich zunehmend davon überzeugen, dass tamyca ihnen finanziell helfen kann und eine tolle Sache ist. Im tamyca-System bekommen die Vermieter den Löwenanteil.

A propos Rechtliches: Wie sieht es mit dem Mieten und Vermieten von privater Hand aus? Darf man das einfach so? Gegen Geld etwas verleihen? Wo lagen hier die Herausforderungen?

Erzberger: Klar darf man das. Genauso wie Wohnungen, Wohnmobile, Yachten usw. Man darf es nur nicht übertreiben, also nicht gewerblich vermieten. Ist man gewerblich tätig, so wird aus dem Auto ein sog. "Selbstfahrervermietfahrzeug" und ist anders anzumelden und zu versichern. Aber dann müsste man sich wirklich darum bemühen, beispielsweise indem man sich ein Auto ausschließlich für tamyca zulegt und es tagein tagaus vermietet. Wir glauben nicht, dass sowas vorkommen wird und wenn, dann werden wir das zu unterbinden wissen.

Und hatten Sie Skrupel den Geschäftsführerposten anzunehmen? Immerhin ist ja auch eine große Last und Verantwortung damit verbunden?

Erzberger: Stimmt, aber ohne Verantwortung und Lasten wird man eben kein Unternehmer. Durch meinen juristischen Hintergrund kann ich die gröbsten Risiken einschätzen und abwehren – der Rest ist gesunder Menschenverstand. Außerdem kann ich mich auch auf Michael, den anderen Geschäftsführer bei tamyca, sowie das Team insgesamt verlassen.

Jetzt sind Sie seit wenigen Wochen online, wie ist die Resonanz?

Erzberger: Nach gut zwei Wochen haben wir über 60 Autos, gut 300 registrierte Nutzer und erste abgeschlossene Vermietungen. Wir sind damit sehr sehr zufrieden, wollen aber natürlich weiter wachsen. Dazu werden wir unsere Website stetig verbessern und intensiv Marketing betreiben.

Sind Sie auf der Suche nach Investoren oder fühlen Sie sich wohl mit der Geschwindigkeit, in der sich das Projekt entwickelt?

Erzberger: Wir wachsen organisch und freuen uns über die positive Entwicklung. Derzeit melden einige Investoren Interesse an und wir prüfen eine Zusammenarbeit.

Welchen Meilenstein haben Sie nach dem offiziellen Start der Web-Plattform in Ihrem Businessplan stehen?

Erzberger: 1.000 Autos auf tamyca.de bis Ende 2011, das wollen wir erreichen.

Gab es auch Entscheidungen, die gefallen sind, die Sie am liebsten wieder rückgängig machen würden?

Erzberger: Nein.

Ich bedanke mich fürs Interview und wünsche Ihnen und Ihrem Team viel Erfolg!

Kommentare

  • Michael Meier

    04.12.10 (17:58:10)

    Nicht gerade umkompliziert, wenn man als Autobesitzer jeden Haftpflicht-Schaden zus?tzlich ?ber seine normale Autoversicherung (also insgesamt 2) regeln muss, oder?

  • A B

    04.12.10 (21:20:53)

    Michael Meier, was meinst Du?

  • Michael Meier

    06.12.10 (08:50:06)

    Naja, die Tamyca-Versicherung deckt nur den Kasko-Teil ab und zahlt f?r verlorene Schadensfreiheitsrabatte. Den eigentlichen Schaden muss man als Autobesitzer (=Anbieter auf der Plattform) schon ?ber seine normale Versicherung laufen lassen. Und da wird es jede Menge Aufwand und ?rger geben... So gehen die Anbieter schnell wieder fl?ten, wenn die ersten Probleme auftreten...

  • Konrad Erzberger

    14.12.10 (22:10:31)

    Lieber Michael,

    vielen Dank f?r Deinen Kommentar. Wir haben sehr lange und mit ausgewiesenen Experten an der Versicherung gearbeitet. Wir sind ?berzeugt, alle wesentlichen Risiken mit dem Modell abzudecken.

    Zun?chst werden im Grundsatz alle Eigensch?den (minus der vom Mieter zu zahlenden Selbstbeteiligung) von unserer Versicherung abgedeckt. Insbesondere der vom Mieter verursachte Totalschaden des eigenen Autos wird finanziell ausgeglichen.

    F?r Drittsch?den m?ssen wir auf die Haftpflichtpolice zur?ckgreifen, da ein Auto in Deutschland nur ein Mal haftpflichtversichert sein darf. Das ist rechtlich nicht zu beanstanden. Die W?rttembergische gleicht jeden Verlust des Schadensfreiheitsrabattes aus, richtig. Und damit ist auch dieser Teil vollst?ndig versichert. Wie gesagt, wir haben uns sehr lange damit besch?ftigt und Rechts- und Versicherungsexperten hierzu konsultiert.

    Viele Gr??e aus dem verschneiten Hamburg,
    Konrad

  • thor

    03.01.11 (16:18:55)

    good luck!

  • Konrad Erzberger

    06.01.11 (15:27:25)

    @thor: Danke!

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