Re: Was bringt bloggen für Kleinunternehmer?
von Phililp Koch am 03.09.2009, 18:24
Hallo zusammen!
Im Rahmen meines Studiums habe ich mich ausführlich mit der Thematik Corporate Blogs befasst und im Rahmen einer Seminararbeit abgehandelt. Hier kann ich Literatur von Ansgar Zerfaß oder Claus Ekk empfehlen.
Wie einige meiner Vorredner schon bemerkt haben, ist ein Blog kein Selbstläufer und seine vielseitige Einsatzmöglichkeit (Knowledge Blogs, Service Blogs, Campaigning Blogs, Mitarbeiterblog, Produktblog, Krisen Blogs usw.) machen es schwierig den Nutzen in einem Eurowert auszudrücken.
Ein Mitarbeiterblog führt zur Sympathiesteigerung, Sympathiesteierung kann zur Kundenbindung beitragen, aber auch zur Markenreichweite und Markenwert. Marktforschungs, Zeit und Kostenaufwand stehen in keinem Verhältnis. Kleinunternehmer sollten sich bei Bloggs weniger um Charts kümmern, als vielmehr um das was Ihr großes Plus ist. Ihre Nähe zum Kunden!
Relativ bekannte Beispiele mit messbarem Erfolg sind der About Eve Blog von Automotiv Delphi und Saftkelterei Walther bei Dresden.
Delphi hat einen Studenten damit beauftragt einen Corporate Blog zustarten. Kernobjekt war "Eve" ein umgebauter Smart, der im Querschnitt bzw. hinter Glasflächen die einzelnen technischen Zulieferteile des Konzerns präsentierte.
Das Entwicklerteam filmte während der Umbauarbeiten munter drauf los und erklärte mit verwackelten Bildern aus erster Hand die einzelnen Entwicklungen.
Die Videos waren sehr beliebt, weil sie eben keine produzierten Hochglanzprodukte darstellten sondern mit viel Herzblut die waren Fakten ungeschnitten präsentierten. Authentizität und Sympathie sind die Schlagwörter.
Delphi bezifferte die Bloogkosten im ersten Jahr auf 5.000 Euro. Die gewonnenen B2B Kontakte haben ein Vielfaches des Geldes wieder eingespielt.
Die Saftkelterei Walther ist ein kleines Familienunternehmen in der Nähe von Dresden.
In Ihrem Blog berichteten sie intensiv über voller Herzblut über Ihre Obstbäume, Säfte und Mitarbeiter. Sie nahmen das Kundenfeedback sehr ernst und versuchten diese so gut es ging umzusetzen. Wenn eine Idee nicht praktikabel war, dann teilte man es begründend mit. Ein ehrliches Nein schafft mehr Sympathien. Lieber weniger versprechen und mehr halten war einer Ihrer Leitsätze.
Vor Blogaktivitäten lag ihre relevanter Markt im unmittelbaren Umkreis der Kelterei. 30km Radius. 70% der Waren wurden regional abgesetzt. Nach einem Jahr intensiven Bloggens, hatte die Kelterei eine selfmade community und treue Kunden, die gerne ein paar Cent mehr pro Liter zahlen, wenn sie wissen woher ihr Saft stammt.
Die Reichweite hat sich deutlich erhöht und die Kelterei setzt nun 70% überregional ab und konnte eine Umsatzsteigerung im zweistelligen Bereich verbuchen. Täglich landen ca. 2000 Besucher auf der Seite. Die Aufnahme in die Top 100 der blogs brachte ihnen zu dem einen Landesweiten Bericht im ZDF ein. Unbezahlbar für ein Unternehmen solcher Größe.
Allerdings durchlebt die Kelterei auch eine Schreckenszeit im Web. Durch mangelnde Kenntnisse zum Thema Markenschutz wurden sie Opfer des IOC. Die Kelterei immitierten zu den Olympischen Winterspielen 2006 die 5 Ringe in dem sie sie aus Obst nachbildeten. Leider sind die Ringe eine eingetragene TM und so dauerte es nicht Lange bis sich eine Kanzlei bei ihnen meldete. 100.000 + Stilllegung des Blogs waren der Streitwert. Erst durch eine umfassende Sympathiebewegung in der Bloggospähre gab das IOC nach. Dennoch hat das Ganze viel Geld gekostet und nach eigenen Angaben tiefe psychologische Spuren hinterlassen. Der Blogg ruhte mehrere Wochen.
Beim Bloggen geht es weniger um Google Analytics, als vielmehr um einen Versuch Leute zu begeistern. Stimmt das Pakett aus Personen, Inhalt und Zielgruppe wird der Erfolg Einzug halten.
LG der Phil