Ich habe mich mit dem Joey's-Franchisesystem aufgrund der Marktführerschaft des Unternehmens im Pizza-Delivery genauer beschäftigt. Meine Erwartungen waren durch die zahlreichen negativen Einträge zu dem System, die man bei gezielter Suche im Netz auch findet, nicht sehr groß. Meine Erkenntnisse nach den persönlichen Gesprächen, der Durchsicht des Franchisevertrages und der Auswertung der betriebswirtschaftlichen Kennzahlen sind fast durchweg negativ. Ich möchte nur ein paar kleine Denkanstöße geben über die jeder Franchiseinteressent nachdenken sollte:
- Es fängt bei den Investitionskosten an: Einen gut ausgestatteten Pizza-Delivery-Store für 120.000-135.00€ auf die Beine zu stellen ist ,,sehr schwer"

. Wenn sich der Vermieter besonders bei den Umbaukosten beteiligt, kann es jedoch eventuell klappen. Ich würde jedoch mit höheren Kosten kalkurieren.
- Zur Fluktuationsrate sei gesagt, dass man zahlreiche Betriebe im Netz findet die den Geschäftsbetrieb aufgeben mussten. Zahlreiche Betriebe wurden zudem aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten an neue oder bestehende Franchise-Nehmer verkauft worden.
- Mit einem Joey's Store die genannten Betriebsergebnisse zu erreichen halte ich für die Mehrheit der Franchisenehmer für fast aussichtslos. Das schaffen die ausgewiesenen Stars und damit eine Minderheit der Franchisenehmer. Wer kaum Reparaturkosten hat, nur mit Rollern und Fahrrädern fährt, kaum Werbekosten hat, selber arbeitet bis ihn der Burn-Out einholt, sein Personal schwarz bezahlt und entsprechende Umsätze der angebenen Durchschnittswerte generiert, kann das Betriebsergebnis jedoch erreichen. Die Praxis sieht allerdings anders aus.
- Die zwei größten Risiken die ich derzeit sehe sind jedoch zwei andere: Dies ist einerseits die anhaltende Diskussion um die Einführung einer gesetzlichen Lohnuntergrenze. Diese kann deutlich über den derzeit zu zahlenden Gehältern liegen, besonders die Entgelte der Fahrer würden dann fast das gesamte Betriebsergebnis auffressen. Weiterhin steht derzeit zur Diskussion die Mehrwertsteuer auf den vollen Mehrwertsatz von 19% zu erhöhen. Ich halte es für sehr fragwürdig, ob die massiven Preiserhöhungen die dann folgen werden von neuen und bestehenden Franchisenehmern zu verkraften sind.
Für viele sind die Erkenntnisse sicherlich nicht neu. Für manche potentiellen Franchisenehmer sicherlich schon. Auf die zahlreichen Auszeichnungen und die Mitgliedschaft im Franchisegeber-Verband würde ich keinen Wert legen.