Re: kfw - Startgeld unbeliebt bei Banken?
von mgb-consulting am 31.01.2009, 15:40
Hallo Herr Gehring,
ich schreibe Ihnen mal schnell ein paar Sätze zu Ihren Ausführungen:
1. Gier der Banken
Ich habe in meinen Postings den Banken keine Gier vorgeworfen. Banken sind gewinnorientierte Unternehmen und ihre Inhaber erwarten angemessene Gewinne. Wenn öffentliche Mittel mit nur geringen Margen verkauft werden können, dann ist es verständlich, dass sich Banken für diejenigen Instrumente entscheiden, die dem eigenen Institut einen höheren Gewinn verschaffen. Wenn politisch gewollt ist, dass die Banken mehr öffentliche Kredite ausreichen, dann muss man den Banken entweder eine höhere Marge bei der Kreditvergabe verschaffen oder aber man muss die Kreditvergabe vom Hausbankprinzip entkoppeln und öffnet der KfW den Weg Kredite selbst zu vergeben. Nichts tun und über die Banken zu schimpfen ist jedoch der denkbar ungünstigste Weg, denn das hilft den Gründern gar nicht.
2. Hausbankprinzip und Kundennähe
Spätestens mit Einführung des Electronic Bankings nahm die Nähe zum Kunden so weit ab, dass es gar nicht mehr möglich ist, die Persönlichkeit eines Gründers anhand längerer Geschäftsbeziehungen beurteilen zu können. Der heutzutage "normale Kunde" wickelt seine Bankgeschäfte Online ab, zieht sein Geld am Automaten und seinen Kontoauszug am Auszugsdrucker. Dies ist auch ganz bewusst so von den Banken gewollt, denn mit steigender Inanspruchnahme des Electronic Bankings wurden die Filialnetze der Banken bereinigt und der Personalstamm zurückgefahren. Es ist durchaus richtig, dass das Hausbankprinzip aus den von Ihnen genannten Gründen eingeführt wurde, allerdings haben sich zwischenzeitlich die strukturellen Gegebenheiten derart geändert, dass die Ziele, die ursprünglich verfolgt wurden, gar nicht mehr erreicht werden können. Heutzutage kann bestenfalls ermittelt werden, ob die Kontoführung ordentlich erfolgte, d.h. oder ob es den einen oder anderen Rückläufer gab. Hieraus lässt sich jedoch nichts über die Gründerpersönlichkeit aussagen, denn es wird nicht ein einziges Unternehmen geben, das nicht schon einmal einen Rückläufer, aus welchem Grunde auch immer hatte.
3. Hausbankprinzip und Ratings
Meines Erachtens überbewerten Sie die bankinternen Ratings um ein Vielfaches und das halte ich für nicht angemessen. Zum Einen richten sich die Banken nach verfügbaren Statistiken und schliessen damit sämtliche neuartigen Vorhaben der Bewertung aus, weil es keine vergleichbaren Daten gibt. Zum Anderen haben die Banken durch die nun benötigten Bürgschaften des Bundes hinreichend bewiesen, dass sie nicht einmal in der Lage sind, die Risiken eigener Geschäfte richtig einschätzen zu können. *Selbst wenn man großzügig unterstellt, dass die Risiken nur durch ein paar fehlgeleitete Schäfchen verursacht wurden, für die die Herde nichts kann, dann würde eine Bank das Engagement im Falle eines Kunden kündigen, weil die Geschäftsleitung nicht fähig war, Mechanismen zu schaffen, die diese Alleingänge Einzelner unmöglich machen. Auf den Punkt gebracht... eine Bank würde aufgrund mangelnder kaufmännischer Fähigkeiten bei jedem Kunden die Reißleine ziehen und das Engagement kündigen. Würden Bänker sich selbst als Kunden betrachten und die eigenen Maßstäbe bei einer Kreditvergabe auf sich selbst anwenden, so müßten sie zwangsweise zu dem Schluss einer Kreditkündigung kommen, man sollte bankinterne Ratings daher nicht überbewerten. Ich kenne genügend Beispiele aus meinen Gründungsberatungen, bei denen die eine Bank aus den tollsten Gründen abgelehnt hat und die andere Bank von der grandiosen Geschäftsidee völlig begeistert war. Darüber hinaus sollte man nicht vergessen, dass jedes Institut auch seine individuelle Kundenstreuung hat, die geschützt wird. Einem Kunden wird selbstverständlich nicht mitgeteilt, das man sein Engagement ablehnt, weil man einen bereits erfolgreichen Kunden im gleichen Segment schützen möchte, sondern man macht das Rating passend, indem man die Konkurrenzsituation über- und Alleinstellungsmerkmale unterbewertet. So objektiv, wie Sie hier Ratings zu schildern versuchen, sind diese keineswegs und dies sollte jedem Kunden klar sein. Wenn die Antwort des Bänkers lautet, dass eine Kreditvergabe am Rating gescheitert ist, dann sollte man die Ursache nicht ausschliesslich beim Gründer suchen. Es kann sehr gut sein, dass lediglich eine vorhandene Kreditbeziehung geschützt wurde.
In der Gesamtheit betrachtet, spricht aus meiner Sicht vieles dafür, über eine Entkoppelung der KfW vom Hausbankprinzip nachzudenken.
MfG
MGB-Consulting
Zuletzt geändert von mgb-consulting am 02.02.2009, 14:50, insgesamt 1-mal geändert.