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03.12.14Kommentieren

Fachbeitrag

Retter oder Sündenböcke? – Haftungsrisiken von Beratern

Sie gelten als Retter in der Not und haben doch häufig eine eher undankbare Stellung im Unternehmen: Berater. Meist zur Unterstützung in Krisenzeiten mit Umstrukturierungsprozessen beauftragt, werden sie nicht selten als Sündenböcke herangezogen, wenn etwas schiefläuft. Die Haftung – vor allem mit dem Privatvermögen – ist deshalb ein Thema, mit dem sich Berater detailliert auseinandersetzen sollten. In diesem Beitrag legt Versicherungsexperte Ralph Günther die Haftungsrisiken von Beratern anhand von anschaulichen Praxisbeispielen dar und gibt Tipps, wie sie sich dagegen absichern können.

 


Berater haften für Schlechtleistung

Dass Beratungsleistungen nicht zu einem Anspruch seitens des Auftraggebers führen können, ist ein weit verbreiteter Irrtum in der Freiberufler-Szene. Viele Berater sind der Meinung, dass sie nicht in Haftung genommen werden, sofern sie beispielsweise rein beratend tätig und nicht für die Umsetzung verantwortlich sind oder keineendgültigen Entscheidungentreffen.

So einfach ist die Lage jedoch nicht: Unternehmen holen sich meist dann Rat von außen, wenn sie vor wichtigen Änderungen stehen und Fehlentscheidungen vermeiden wollen. Genau dieser Expertenrat zur Vermeidung einer fehlerhaften Entscheidung ist dann der Kern der geschuldeten Leistung des Beraters.

Wird die Leistung nicht zur Zufriedenheit der Auftraggebers erfüllt oder erleidet er sogar einen finanziellen Nachteil (=Vermögensschaden) durch die Fehlberatung, kann das zu Schadenersatzforderungen führen. Als Anspruchsgrundlage werden die Regeln des Zivilrechts für eine Haftung aufgrund einer Schlechtleistung angewendet. Zudem können sich auch Ansprüche aus den individuellen Vereinbarungen im Beratervertrag ergeben.


Pflichten von Beratern aus dem Dienstvertrag

Berater werden größtenteils auf Basis eines Dienstvertrags beschäftigt. Es handelt sich dabei um einen gegenseitigen Vertrag, durch den der Auftragnehmer zur Leistung der versprochenen Dienste und der Auftraggeber zur Zahlung der vereinbarten Vergütung verpflichtet wird. Für den Berater entstehen aus dem Dienstvertrag also gewisse Pflichten, z.B.:

  • die Pflicht zur Einhaltung von Fristen und Terminen,
  • die Pflicht zur Vertraulichkeit/Datenschutz,
  • Informations- und Hinweispflichten (z.B. Schutz von Rechten Dritter),
  • die Kernpflicht zur „Experten-Leistung“, d.h. der Auftraggeber vertraut in das Können des beauftragten externen Beraters.

Verstöße gegen Pflichten aus dem Dienstvertrag können zu Ansprüchen des Auftraggebers führen. Wie schnell das passieren kann, zeigen die folgenden Schadenfälle aus der Praxis:


Geheimhaltungspflicht verletzt: 11.500 Euro Schaden

Diskretion ist das oberste Gebot im Beratungsbusiness, schließlich soll die Öffentlichkeit nicht unbedingt von möglichen Krisen oder internen Gepflogenheiten des Unternehmens erfahren. Anderer Meinung war in dieser Hinsicht wohl ein Personalberater, der mit der Suche nach einem neuen Mitarbeiter für die Stelle des strategischen Einkäufers beauftragt worden war. Das Unternehmen hatte den ersten Vorschlag des Beraters abgelehnt, weil es die Stelle nicht mit einer Frau besetzen wollte – ein Verstoß gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG).

Nach Beendigung des Vertrags verriet der Berater der abgelehnten Bewerberin den Grund für die Absage. Mehr noch, er riet ihr sogar, gegen das Unternehmen zu klagen – was sie erfolgreich tat. Das Unternehmen jedoch nahm wiederum den Berater in Haftung. Die Begründung: Verstoß gegen die Verschwiegenheitspflicht. 11.500 Euro Schaden waren dem Unternehmen dadurch entstanden.

Im Rahmen ihrer Berufstätigkeit bekommen Berater tiefe Einblicke in Unternehmensprozesse und Handlungsweisen. Auch wenn dabei nicht immer alles mit rechten Dingen zugeht, muss der Berater Stillschweigen bewahren und darf selbst Partnern oder guten Freunden nicht davon erzählen – denn das kann schnell nach hinten losgehen.


Abgelaufene Frist: Kühe gehen leer aus

Ein Consulant, der sich auf die Beratung landwirtschaftlicher Betriebe spezialisiert hatte, sollte einen Landwirt bei der Beantragung von Subventionen für den Bau einer neuen Stallung für seine Milchkühe unterstützen. Die Chancen standen gut – wären sämtliche Planungsunterlagen rechtzeitig bei der zuständigen Behörde eingegangen. Doch der Berater hatte die Frist übersehen und die Dokumente zu spät weitergeleitet. Der Antrag auf Subventionen wurde abgelehnt.

Das Problem: Der Landwirt hatte fest darauf vertraut, die Subventionen mit Hilfe des Experten zu bekommen und hatte bereits Investitionen getätigt, sich Tiere und Futtermittel angeschafft und sogar ein Bankdarlehen aufgenommen – mehr als 100.000 Euro wurden dadurch in den Sand gesetzt. Da für den Bauer die Schuld des Beraters außer Frage stand, nahm er ihn für die gesamte Summe in Haftung.

Ein solcher Vorfall kann einen freiberuflichen Consultant die berufliche Existenz kosten, schließlich haben die wenigsten von ihnen mal eben einen sechsstelligen Betrag auf der hohen Kante. Für den Berater in diesem Fall ging die Sache noch recht glimpflich aus, da er bereits einige Zeit zuvor eine Berufshaftpflicht abgeschlossen hatte, die die Klärung des Sachverhalts sowie die Zahlung des Schadens übernahm.


Consulting-Haftpflicht: Spezieller Schutz für Berater

In beiden beschriebenen Fällen ist dem Auftraggeber ein rein finanzieller Nachteil bzw. finanzieller Schaden entstanden. Im Versicherungsjargon spricht man dabei von einem reinen bzw. echten Vermögensschaden. Da diese den überwiegenden Anteil an Schäden im Beratungsfeld ausmachen, ist eine Vermögensschadenhaftpflicht der wichtigste Baustein einer Berufshaftpflicht für Consultants.

Dabei sollte die Consulting-Haftpflicht auch Verstöße gegen gewerbliche Schutzrechte, Datenschutzrechte sowie gegen Wettbewerbsrecht und Werbungabsichern. Eine Bürobetriebshaftpflicht zur Absicherung möglicher Personen- und Sachschäden z.B. bei Tätigkeiten vor Ort beim Auftraggeber oder auf Dienstreisen sollte ebenfalls als Baustein enthalten sein. Zudem kann es aufgrund von Beratungsleistungen auch zu einem Personenschaden, Sachschaden oder Folgeschaden daraus kommen. Ein weiterer Grund, weshalb dieser Versicherungsbaustein nicht vergessen werden sollte.

Auch optionale Leistungserweiterungen zur Absicherung der persönlichen Haftung von Interim Managern, zur Absicherung von Eigenschäden bei einem Projektrücktritt oder als Opfer von Cyberkriminellen können eine sinnvolle und wichtige Ergänzung des Versicherungsumfangs darstellen.

Alles in allem ist es wichtig, dass die Berufshaftpflicht für Berater je nach dessen Tätigkeitsfeld und Schwerpunkten auf seine Bedürfnisse angepasst werden kann. Eine individuelle Absicherung kann dabei helfen, die Risiken des Consultants weitgehend zu minimieren.

 

Autor: Ralph Günther

Versicherungsexperte und Gründer
Website des Autors
Ralph Günther

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