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Berufsunfähigkeitsversicherung/ Erwerbsunfähigkeitsversicherung

Gründe für eine Berufsunfähigkeitsversicherung

In Deutschland wird fast jeder vierte Berufstätige vor Eintritt des Rentenalters berufsunfähig. Die häufigsten Ursachen sind Muskel- und Skelett-, Herz- und Kreislauf- sowie psychische Erkrankungen. Damit wird der frühzeitig Verlust einer Berufsfähigkeit zu einem immer wichtigeren Thema in Deutschland. Dementsprechend erweitert und verbessert sich auch das Angebot der privaten Versicherungsunternehmen. Denn die staatliche Absicherung ist in diesem Bereich völlig unzulänglich. Dieser Bereich fällt unter der gesetzlichen Rentenversicherungen. Durch die Rentenreform im Jahr 2001 haben sich die Bedingungen erheblich verschlechtert.

Erwerbsunfähigkeit vs. Berufsunfähigkeit

Zunächst einmal wurde allen unter 40-jährigen (d.h. alle nach dem 1. Januar 1961 geborenen) der Anspruch auf eine Berufsunfähigkeitsrente abgesprochen und durch eine Erwerbunfähigkeitsrente ersetzt. Der Unterschied ist relativ simpel. Während die Berufsunfähigkeit ausdrückt, dass ein bestimmter Beruf bzw. eine Tätigkeit in einer bestimmten Berufsgruppe nicht mehr ausgeübt werden kann, besagt die Erwerbsunfähigkeit, dass keine berufliche Tätigkeit, ungeachtet der Ausbildung und des Einkommens, ausgeübt werden kann. Angenommen ein Spitzensportler bricht sich ein Bein und kann keinen Sport mehr betreiben. In diesem Fall ist er, soweit er nicht die Fähigkeit hat als Berater o.ä. tätig zu sein, berufsunfähig. Da er aber immer noch als Kassierer oder Rezeptionist arbeiten könnte, wäre er nicht erwerbsunfähig.


Denn nach Definition der gesetzlichen Rentenversicherung hat nur Anspruch auf die Auszahlung der Erwerbsunfähigkeitsrente, wer keine drei Stunden am Tag arbeiten kann - völlig unabhängig von der Tätigkeit. Die Zahlungen variieren, belaufen sich meistens jedoch auf 38 Prozent des letzten Einkommens. Wer drei bis sechs Stunden am Tag arbeiten kann, bekommt eine halbe Rente, also ca. 19 Prozent. Bevor man jedoch Anspruch erheben kann, muss man mindesten fünf Jahre gearbeitet haben. Für Berufseinsteiger lohnt sich eine private Absicherung demnach genauso wie für Selbstständige und Freiberufler. Denn diese Gruppe hat dadurch, dass sie nicht gesetzlich rentenversichert ist, keinen Anspruch auf die staatliche Erwerbsunfähigkeitsrente.

Aber auch jeder Angestellte sollte sich privat absichern, denn die Risiken steigen und die Leistungen der Rentenversicherung sinken beständig.

Rentenhöhe

Eine private Berufsunfähigkeitsversicherung hat mehrere Vorteile. Zunächst einmal kann die Rentenhöhe für den Fall einer Berufsunfähigkeit individuell festgelegt werden. In die Prämie fließen verschiedene bestimmende Faktoren ein. Zunächst wird eine Risikoprüfung gemacht. Hier werden bestehende gesundheitliche Schäden oder typische berufliche Risiken überprüft und in die Berechnung des Beitrags mit einbezogen. Auch Alter und Geschlecht sowie Freizeitgestaltung spielen meistens eine Rolle. Eventuell wird aufgrund eines besonders beanspruchenden Berufes o.ä. ein Risikozuschlag verlangt oder aber eine Ausschlussklausel in den Vertrag eingefügt, die die Leistung der Versicherung ausschließt, sollte die Berufsunfähigkeit auf eine bereits bestehende Krankheit zurückführen.

Letztlich bestimmt die erwartete Leistung die Beitragshöhe. Normalerweise zahlt die Versicherung wenn eine 50 prozentige Berufsunfähigkeit über mindestens sechs Monate vorliegt. Abgesichert werden meistens 75-80 Prozent des letzten Einkommens. Aber auch diese Bestimmungen lassen sich verschieden vereinbaren. Möglich sind beispielsweise gestaffelte Verträge; das bedeutet., dass schon bei einem niedrigen Grad an Berufsunfähigkeit ein Teil der Rente gezahlt wird. Bei entsprechend höherer Berufsunfähigkeit folgt eine höhere Zahlung.

Varianten der Berufsunfähigkeitsversicherung

Es gibt zwei Varianten der Berufsunfähigkeitsversicherung: zunächst als Zusatz zu einer Risiko- oder Kapitallebensversicherung oder einer privaten Rentenversicherung. In diesem Fall ist die Hauptaufgabe der Versicherung den Berufsunfähigen von den Beitragszahlungen der Hauptversicherung zu befreien. Das bedeutet, die Altersvorsorge besteht weiter, die Kosten müssen in der Zeit der Berufsunfähigkeit jedoch nicht getragen werden. Weitere Vereinbarungen über Rentenzahlungen sind jedoch auch möglich. Die zweite Variante ist die selbstständige Berufsunfähigkeitsversicherung. Diese ist vor allem für diejenigen sinnvoll, die bereits über eine Altersvorsorge verfügen und unabhängig davon ihr Einkommen absichern möchten.

Bei Abschluss der Versicherung ist jedoch Vorsicht geboten. Denn auf die Angaben, die im Antragsformular gemacht werden, berufen sich Versicherungen später häufig, um die Auszahlung zu verweigern. Vor allem bei Angaben zum Gesundheitszustand sollte im Zweifelsfall Rücksprache mit einem behandelnden Arzt gehalten werden. Ebenso ist darauf zu achten, dass die abstrakte Verweisung kein Bestandteil der Versicherung ist. Diese erlaubt dem Versicherer nämlich die Auszahlung zu verweigern, indem er auf eine andere mögliche berufliche Tätigkeit des Versicherten verweist, sollte dieser in der Lage sein einen Beruf auszuüben, der seiner Bildung entspricht und seinen bisherigen Lebensstandard annähernd sicherstellt.

Normalerweise ist die abstrakte Verweisung jedoch mittlerweile durch die Konkrete Verweisung ersetzt. Bei der konkreten Verweisung befindet sich der Versicherte bereits in einer freiwillig aufgenommenen praktischen Tätigkeit. Es wird also auf eine konkrete Tätigkeit verwiesen und nicht auf irgendeine mögliche.

Sollte es dann zur Berufsunfähigkeit kommen folgt eine Berufsunfähigkeitsprüfung, in der festgestellt wird, inwiefern eine solche vorliegt. Auch hier gibt es oft Streitigkeiten. Denn die Versicherungen beauftragen meist eigene Gutachter, welche eher im Sinne der Versicherung entscheiden. Daher empfiehlt es sich in jedem Fall schon vor Unterzeichnung der Verträge einen unabhängigen Experten zu Rate zu ziehen.

Alternative zur Berufsunfähigkeitsversicherung

Als Alternative zu der Berufsunfähigkeitsversicherung ist auch die Erwerbsunfähigkeitsversicherung möglich. Sie ist in der Regel 40-60 Prozent günstiger, deckt jedoch nur das Risiko der Erwerbsunfähigkeit ab, also den Fall dass gar keine berufliche Tätigkeit mehr ausgeübt werden kann. Dafür sind die Beiträge deutlich niedriger. Eine Dread-Disease-Versicherung sichert bestimmte schwerwiegende Krankheiten ab, z.B. Herzinfarkte oder Krebs. Sollte die Krankheit auftreten erfolgt eine einmalige Zahlung durch die Versicherung. Diese können z.B. die Kosten der Behandlung oder der Umorganisation vorerst decken.

Fazit

Wer sich keine Berufsunfähigkeitsversicherung leisten kann, sollte trotzdem die Erwerbsunfähigkeitsversicherung abschließen, um eine Grundabsicherung zu haben. In jedem Fall bleibt die Berufsunfähigkeitsversicherung jedoch die beste Alternative und sollte nach Möglichkeit so früh wie möglich abgeschlossen werden.

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