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16.08.06Kommentieren

Grundlegende Informationen zum Thema Private Equity – Teil 1

Was ist Private Equity?

Private Equity (PE) als eigene Anlageklasse des Kapitalmarktes bedeutet Investitionen in die Finanzierung nicht börsennotierter Unternehmen mit Eigenkapital. Diese Art der Unternehmensfinanzierung wird insbesondere in den USA und Großbritannien seit mehreren Jahrzehnten erfolgreich genutzt und gewinnt in Deutschland seit einigen Jahren zunehmend an Bedeutung.

Ein Beitrag von Dipl. Volkswirt Roland Brooks

Aus diversen Gründen, wie z. B. den neuen Anforderungen durch Basel II, der zunehmenden Globalisierung und insbesondere aus Unternehmensnachfolgegründen wird diese Form der Finanzierung zukünftig eine noch bedeutendere Rolle für die Unternehmen und Unternehmer spielen. Auch unter volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten ist Private Equity ein geeignetes Mittel, um Unternehmen finanzkräftiger und wettbewerbsfähiger zu machen.

"Private" steht dabei für den nicht öffentlichen Charakter der Anlageklasse Private Equity. Das Gegenstück bildet das Public Equity, also die Finanzierung über Eigenkapital, das an öffentlichen Börsen, z.B. in Form von Aktienkapital aufgenommen wird.

"Equity" unterstreicht den Eigenkapitalcharakter von Private Equity. Während Fremdkapital, welches Unternehmen von Banken und Versicherungen als Darlehen zur Verfügung gestellt wird, mit einer vorrangigen, festen Verzinsung abgegolten wird, nimmt Eigenkapital uneingeschränkt am Gewinn oder Verlust eines Unternehmens teil. Der Eigenkapitalinvestor unterliegt damit einem höheren Risiko, da unternehmerische Verluste zunächst mit dem Eigenkapital verrechnet werden. Dementsprechend profitiert er bei positiver Unternehmensentwicklung oft weit über der dem Fremdkapitalgeber gewährten Verzinsung.

Ein Private Equity Investor leistet neben der reinen Finanzinvestition oftmals auch eine Managementunterstützung und hilft so, das Unternehmen in seiner Organisation und Struktur zu optimieren. Insbesondere bei jungen Unternehmen, welche möglicherweise noch über wenig Managementerfahrung verfügen, ist dies der Fall. Bei Investitionen in solche jungen Wachstumsunternehmen spricht man von sog. Venture Capital (VC). Die Kapitalunterstützung wird meist benötigt, um Produkte zur Marktreife zu entwickeln oder erstes Umsatzwachstum zu finanzieren.

Im Gegensatz dazu investieren Private Equity-Gesellschaften in reife Unternehmen, welche mit ihren Produkten oder Dienstleistungen bereits länger am Markt etabliert sind. Nicht die Investitionshöhe der Investition ist daher für die Unterscheidung zwischen VC und PE entscheidend, sondern der Reifegrad des Unternehmens.

Historie von Venture Capital/ Private Equity

Die Idee von VC/ PE ist nicht neu. Institutionelle Investoren und vermögende Privatanleger haben in den USA seit etwa 1950 sowie in Großbritannien seit den 70er Jahren positive Erfahrungen mit der Anlageform Venture Capital/ Private Equity gemacht.

Auch in Deutschland stellten seit der Industrialisierung in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts vornehmlich private Bankiers abseits der noch unterentwickelten Börsen Eigenkapital für aussichtsreiche und für die damalige marktwirtschaftliche Entwicklung innovative Projekte zur Verfügung. Neben dem selbstverständlichen Interesse an hohen Gewinnen leisteten sie einen erheblichen schöpferischen Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung der Volkswirtschaften. Das Ergebnis war der Anbruch eines neuen Zeitalters, das Schlüsselbranchen wie z. B. die Dampfschifffahrt, die Eisenbahn, das Versicherungswesen und den Maschinenbau hervorbrachte.

Weiter zu Teil 2 der Serie. 

Autor: Roland Brooks

Bundesverband Alternative Investments e. V. (BAI)
Roland Brooks

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