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23.10.06Kommentieren

Venture-Capital-Serie - Teil 1

Was eine Venture Capital-Gesellschaft leistet

Für junge Unternehmen mit einer überzeugenden Geschäftsidee und hervorragenden Entwicklungsmöglichkeiten ist die Eigenkapitalbeschaffung über Risikokapital, englisch Venture Capital (VC), eine wertvolle Alternative. Denn die Darlehensaufnahme bei den Banken scheitert oft an den Sicherheiten.

Ein Beitrag von Herbert Kieffer

Von der guten Idee bis zum marktreifen Produkt ist es ein langer Weg. Bei Produktentwicklungen und Markteinführungen bewegen sich die Aufwendungen schnell in die Millionenhöhe. Für die Finanzierung dieser Ausgaben haben es Startups häufig schwer, Investitionskredite zu bekommen, da ihre Eigenkapitaldecke in der Regel niedrig ist. Und selbst wenn junge Firmen eine Zusage erhalten, müssen sie meist teure Zinsen bezahlen.

Grundidee von Venture Capital

Bei einer VC-Finanzierung beteiligt sich die Venture Capital-Gesellschaft am Unternehmen, stellt der Firma auf diese Weise Kapital für den Aufbau zur Verfügung und unterstützt sie auch beratend. Das Dienstleistungsspektrum ist je nach VC-Gesellschaft unterschiedlich. Manchmal stellen VC-Geber neben der Beratung für eine gewisse Zeit Spezialisten, die vor Ort fehlen, etwa im Marketing oder Vertrieb.

Eine Besonderheit liegt darin, dass gute VC-Unternehmen auf ein großes Kontaktnetz zurückgreifen können, wie beispielsweise bei der auf die Bereiche Informationstechnologie, Umwelttechnologie, Telekommunikation und Medien spezialisierten VC-Gesellschaft Target Partners. "Bei uns sind das Führungskräfte und Unternehmer verschiedenster Branchen, internationale Investoren und professionelle Dienstleister vom Wirtschaftsprüfer bis zum Headhunter", sagt Dr. Berthold von Freyberg, Partner bei Target Partners.

Venture Capital-Geber stellen Geschäftskontakte und Verbindungen zu interessanten Partnern, Dienstleistern oder möglichen Kunden her. Mit diesem Know-how können junge Unternehmen schneller und gezielter wachsen und ihr Geschäft entwickeln. Zudem unterstützt der VC-Geber aktiv die Ausarbeitung eines Finanzierungskonzeptes und sucht häufig weitere Investoren, die ihrerseits zusätzliche Kontakte mitbringen.

Branchen-Know-how der VC-Gesellschaft hilft

Wenn das VC-Unternehmen spezifische Branchenkenntnisse und das damit verbundene Netzwerk hat, ist das zum Vorteil für die zu finanzierenden Firmen. Bei der auf junge Technologieunternehmen spezialisierten VC-Gesellschaft Target Partners verfügt das Management über internationale Erfahrung, Finanz-Know-how und ein hohes Maß an technischem Wissen mit den entsprechenden Kontakten.

Der Physiker von Freyberg entwickelte u.a. Produkte für Microsoft in den USA, sein Partner Waldemar Jantz ist schon seit 23 Jahren als Venture Capitalist in München und Boston tätig; Kurt Müller, dritter im Bunde, gründete 1986 das Unternehmen Dataware Technologies und brachte es 1993 an die amerikanische Technologiebörse Nasdaq. Unter seiner Führung ist der Umsatz von Null auf 41 Millionen Dollar gewachsen. 

VC-Geber wollen Firmen aufbauen

Investoren haben ein vitales Interesse daran, ihre finanzierten Unternehmen vorwärts zu bringen und dadurch den Firmenwert zu erhöhen. Im Gegensatz zu Hedge-Fonds, die bestehende Unternehmen manchmal übernehmen, um sie zu zerschlagen und die einzelnen Teile gewinnbringend zu verkaufen (die so genannten Heuschrecken), sind VC-Fonds daran interessiert, Unternehmen aufzubauen, damit sie mehr Umsatz generieren, Mitarbeiter einstellen, profitabel werden und möglichst hohe Marktanteile gewinnen.

Ausstieg des VC-Gebers

Am Ende der Finanzierung steht der Verkauf der Beteiligung des VC-Gebers, der so genannte Exit. Die von allen Mitwirkenden häufig angestrebte "Königsvariante" stellt der Börsengang dar. Auch die Vorbereitungen dazu begleitet die Venture Capital-Gesellschaft mit ihrem reichhaltigen Wissen. Gelegentlich veräußert die Venture Capital-Gesellschaft ihre Anteile an ein anderes Unternehmen bzw. einen Investor – der so genannte Trade Sale.

Freyberg: "In den vergangenen Jahren haben wir mehrere Unternehmen auf diese Weise verkauft." Die komplette Übernahme der NXN Software AG durch das US-Unternehmen Avid Technologies Inc. im Januar 2004 sei ein derartiger Trade Sale gewesen, ebenso der Verkauf des Nanotechnologie-Spezialisten NaWoTec GmbH an die Carl Zeiss SMT AG im Mai 2005 oder die Übernahme der gate5 AG, einem führenden Anbieter von Navigationssoftware für Smartphones im Oktober 2006.

Lesen Sie im zweiten Teil der Serie: Wann eine Venture-Capital-Gesellschaft finanziert.

Autor: Herbert Kieffer

Herbert Kieffer

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