<< Themensammlung Finanzierung

10.04.06Kommentieren

Banken

Umgang mit Banken: Es gibt Anlass zur Hoffnung

Nachfolgend finden Sie einige Fragen und Antworten aus der Praxis rund um das Thema Finanzierung, Banken, mögliche Finanzierungsalternativen und der zunehmend eingeforderten "Transparenz" auf Seiten der Gründer und Unternehmer.

Ein Beitrag von Diplom-Volkswirt Stefan Uhlig

Zum 1.1.2007 traten die neuen Vorschriften nach Basel II in Kraft. Hierüber hat es im Vorfeld viel Aufregung und Verunsicherung gegeben.

Was änderte sich durch Basel II denn nun wirklich für Mittelständler?


Das Abkommen von Basel II (als Folge des veralteten Basel I) hat zum Ziel, weltweit die Kreditvergabe der Banken stärker an den individuellen Risiken der Kreditnehmer auszurichten, um die internationalen Finanzierungsgefahren besser im Griff halten zu können. Bisher mussten die Banken für jeden Kredit pauschal den gleichen Anteil an Eigenkapital hinterlegen, zukünftig richtet sich die Eigenkapitalhinterlegung individuell aus. Je riskanter das Engagement - bzw. ganz konkret je höher die Ausfallwahrscheinlichkeit der Kredites beurteilt wird -, desto mehr Eigenkapital muss die Bank bereithalten. Und da dieses teuer ist, bedeutet das für den Kreditnehmer umso höhere Zinsen, je unsicherer die Rückzahlung seines Kredites von der Bank eingestuft wird.

Die Beurteilung dafür erfolgt durch das Rating, quasi ein Unternehmens-Check mit Noten wie in der Schule. Ob in den nächsten Jahren auch alles wirklich so eins zu eins kommen wird, darf zumindest bezweifelt werden, zudem ist das alles für kleinere Unternehmen halb so schlimm. Fakt ist jedoch, dass jeder Kreditsuchende Unternehmer sehr gut daran tut, sich mit dem Ratingverfahren genau auseinanderzusetzen, allein schon, um sein Unternehmen jedes Jahr neu auf den Prüfstand zu stellen.

Exkurs: Basel II: "Durchbruch für den Mittelstand"

  • Bankkredite an kleinere Unternehmen, also insbesondere Handwerker und kleinere Gewer-betreibende, bis zur Höhe von einer Million Euro werden zukünftig wie Kredite an Privatkunden behandelt. Folge: Die Banken müssen im Schnitt sogar deutlich weniger als acht Prozent Ei-genkapital vorhalten und können daher bei der Vergabe zukünftig großzügiger verfahren. Das hat zur Folge, dass Institute, die sich verstärkt in diesem Segment engagieren, günstigere Un-terlegungssätze zur Anrechnung bringen können als bei Krediten an Großkunden. Dies stärkt die Position kleinerer Unternehmen.
  • Langfristige Kredite an Firmen, deren Jahresumsatz oder Bilanzsumme 500 Mio. Euro nicht übersteigen, werden zukünftig nicht zusätzlich belastet. Folge: es ergeben sich dadurch keine höheren Zinsen. Die wichtige langfristige Finanzierung unserer deutschen Betriebe bleibt da-her geschützt! Das gilt auch für die hier hinterlegten Sicherheiten.
  • Unternehmen mit einem Umsatz bis zu 50 Mio. € Umsatz können  mit "Anrechnungserleichte-rungen" rechnen. Folge auch hier: Niedrigere Eigenkapitalunterlegung der Banken, dadurch keine höheren Zinsen für die Kunden. Auch dadurch können die Banken zukünftig mehr statt weniger Kredite ausreichen. (Quelle: Uhlig, Immer zahlungsfähig, S. 167)

"Mit dem Rating auseinandersetzen". Wie macht man das am besten?


Indem der Unternehmer zunächst versteht, warum das die Banken machen müssen. Es ist keine neue Schikane sondern von oben verordnet. Die Banken werden von der Bafin Aufsichtsbehörde sehr stringent dabei überwacht, wie sie das Rating durchführen. Je besser und intensiver der Unternehmer daher seiner Bank entgegenkommt, indem er nicht nur einmal im Jahr (meist ohnehin zu spät!) seine Bilanz abliefert, sondern bereits unterjährig entsprechende Informationen wie neue BWA’s (betriebswirtschaftliche Auswertungen), Summen- und Saldenlisten sowie aktualisierte Liquiditäts- und Ertragspläne unaufgefordert zur Verfügung stellt, trägt er ganz wesentlich zur Vertrauensbildung bei, was grundsätzlich zu besseren Noten führt. Neudeutsch spricht man hier von größtmöglicher Transparenz. Allerdings ist das keine Einbahnstraße: Die Bank sollte Ihnen auf Verlagen Ihre Rating-Benotung erläutern und auch Verbesserungsvorschläge unterbreiten. Nicht wenige Banken drücken sich davor leider noch.

Das Rating orientiert sich überwiegend an Daten der Vergangenheit, weil die Bilanzen hohes Gewicht einnehmen. Ein Gründer hat aber noch keine Bilanzen. Bekommt er also kein Geld mehr?


Sie treffen mit Ihrer Frage exakt die größte Schwachstelle des ganzen Verfahrens. Wobei das nicht nur klassische Gründer angeht, denn auch bestehende Unternehmen sind quasi wieder Gründer, wenn sie für eine neue Investition entsprechende finanzielle Mittel benötigen. Da mögen die letzten Jahre noch so gut gelaufen sein, eine Garantie für einen Erfolg der neuen Investition sind befriedigende Bilanzen bei weitem nicht. Deshalb legen Banken nicht nur bei Gründern sondern auch bei bestehenden Unternehmen großen Wert auf einen guten Business Plan, also auf konkrete Aussagen darüber, wie der Unternehmer die Zukunft seines Betriebs einschätzt. Ein Autofahrer guckt ja auch nicht ständig in den Rückspiegel.

Läuft das nicht auf Wahrsagerei oder Kartenlegen hinaus? Haben Sie einen Tipp, worauf Banken beim Businessplan besonderen Wert legen?


Der Blick in die Zukunft ist natürlich immer entsprechend risikobehaftet, es gibt hierüber ja viele Witze, das muss aber nicht per se unseriös sein. Jeder Unternehmer, der investiert, wird mit dieser Problematik tagtäglich konfrontiert. Das ist also nichts Neues. Sie könnten sofort x-facher Millionär werden, wenn Sie den Banken ein System anbieten könnten, womit diese vorab erfolgreiche von nicht erfolgreichen Kreditausreichungen unterscheiden könnten. Seit es Banken gibt, träumen die Geldleute von so einer Erfindung.

Erfahrungen mit gescheiterten Investitionen zeigen jedoch eindeutig, dass in vielen Fällen ungenaue Planung, willkürliche Annahmen, zu viel Blauäugigkeit und vor allem mangelnde Stringenz des Konzeptes ursächlich waren. Ganz entscheidend ist dabei, dass nicht Ihr Berater, der Sie nur bestmöglich an der Ausarbeitung unterstützen kann, sondern Sie höchstpersönlich Ihr Konzept glaubwürdig und plausibel dem Banker präsentieren. Vor Jahren gab es im Fernsehen eine Sendung, da mussten Gründer ihr Konzept einer Fachjury binnen 60 Sekunden rüberbringen. Das ist eine verdammt gute Übung, die ich Ihnen wärmstens empfehlen kann. Der Funken muss zünden, kein Kapitalgeber orientiert sich ausschließlich an den noch so chic aufbereiten Papierchen.

Über ein gutes Business-Konzept an sich gibt es hinreichend gute Literatur, übrigens auch als preiswerte Taschenbücher. Entsprechendes Studium solcher Fachliteratur ist natürlich Voraussetzung für das Erstellen der eigenen Unterlagen. Den individuellen „Kick“ des Ganzen muss der Gründer in seiner Person liefern. Gerade bei den angeblich so rein zahlenfixierten Finanzleuten menschelt es viel mehr als vermutet.

Trotz hervorragender Unterlagen und guter Präsentation beklagen viele Gründer pauschales Ablehnen durch die Banken. Was tun?


Es ist in der Tat so, dass auch noch so gute Konzepte kein Garant für neues Money sind. Viele erfolglose Versuche können da schnell frustrierend werden. Bei uns führt das leider dazu, dass die Angst zu scheitern, im Vergleich zu anderen Ländern überdurchschnittlich hoch ist. Nach einer neuen Umfrage, hält diese Angst über 50 Prozent der Befragten davon ab, ein Unternehmen zu gründen bzw. einen zweiten oder gar dritten Versuch zu starten.

Ein guter Unternehmer zeichnet sich aber gerade dadurch aus, dass er im Vergleich zu anderen Berufsgruppen besonders hartnäckig ist, was bei Zeitgenossen schon mal den Vorwurf der Sturheit auslöst. Sei’s drum. Blei-ben Sie am Ball, seien Sie stur, wenn Sie von Ihrer Idee und deren Marktreife überzeugt sind. Lassen Sie sich von anfänglichem Scheitern auf keinen Fall entmutigen, die Unternehmergeschichte ist voll von Leuten, die es erst im zweiten oder dritten Anlauf geschafft haben, und dann aber richtig!

Es gibt aber auch einen ganz plausiblen Grund, warum die Banken sich zukünftig wieder mehr auf Gründer und bei bestehenden Unternehmen auf die Finanzierung neuer Vorhaben einlassen werden. Der Grund liegt im weltweiten Überangebot an Geld und an einem Mangel an interessanten Investments. Die Banken haben in den letzten Jahren vornehmlich ihre Kostenstrukturen in Ordnung gebracht und waren dabei auch erfolgreich. Sie haben dabei allerdings ihren eigentlichen Geschäftszweck, nämlich die Ausreichung von Krediten, stark vernachlässigt. Doch auch Banken müssen Umsatz machen. Hinzukommen immer mehr ausländische Banken, die gerade in der Finanzierung der in Deutschland weltweit einmaligen Mittelstandsstruktur ihre Chancen sehen. Dieser Wettbewerb wird sich für Unternehmer hierzulande positiv auswirken. Man sieht das bereits deutlich an den Zinsen, die auch bei bonitätsmäßig nicht so guten Unternehmen bei weitem nicht so hoch ausfallen, wie vorher geunkt wurde.

Apropos Banken: Man liest viel von alternativen Finanzierungsangeboten wie z.B. Mezzanine. Besteht da Hoffnung?


In aller Offenheit: Eher nicht! Diese neuen Mezzanine-Finanzierungsangebote werden derzeit schon geradezu penetrant hochgejubelt, weil deren Anbieter gut daran verdienen. Gegenwärtig ist das Angebot an mezzaninen Fianzierungen leider in nicht wenigen Fällen eher als unseriös zu bezeichnen, da die Anbieter für ihre z.T. extrem teuren Produkte (bis zu 20 Prozent Effektivzinsen) nicht immer korrekte Versprechungen machen.

Mezzanine steht ja vom Begriff her für „Zwischengeschoss“, auf die Unternehmensfinanzierung übersetzt bedeutet das, es ist zwischen Eigen- und Fremdkapital angesiedelt. Und genau hier beginnt auch das Unseriöse an der Sache: die einen betrachten es als Eigenkapital, die anderen nicht. Hierzu gibt es leider noch keine TÜV-Plakette. Da jedoch eine hohe Eigenkapitalquote unter Basel-II-Gesichtspunkten von den Banken sehr wichtig genommen wird, werden viele Kreditsuchende nur unzureichend informiert (vgl. den Artikel des Verfassers: Eigenkapital - Vorsicht vor Überinterpretation der Bilanzquote!).

Im Vergleich zu dem volkswirtschaftlichen Volumen an klassischen Bankkrediten ist das mezzanine Finanzierungsvolumen hierzulande statistisch völlig unbedeutend. Schon von daher kann von einem Rückgang der klassischen Bankenfinanzierung ernsthaft nicht gesprochen werden. Vor allem Leasing und – schon eingeschränkter – Factoring nehmen jedoch als alternative Finanzierungen auch in der Breite zu. Tipp hier: Vorher gut rechnen und auf Effektivzins achten. Auch der altbewährte Lieferantenkredit ist nicht wegzudenken. Interessant sind Mitarbeiterbeteiligungen, allerdings sind hier quasi natürliche Grenzen vorhanden.

Ist Mezzanine-Finanzierung also generell abzulehnen, bzw. woran unterscheide ich seriöse von unseriösen Angeboten?


In bestimmten Fällen, z.B. bei größeren Wachstumsschüben und höher risikobehafteten Investments, machen seriöse mezzanine Finanzierungsangebote durchaus Sinn. Dann ist auch ein höherer Zins (incl. der Gebühren!) gerechtfertig. Ein seriöses Mezzanine-Angebot erkennen Sie daran, dass die vier Grundvoraussetzungen Nachrangigkeit, Verlustbeteiligung, siebenjährige Mindestlaufzeit und Gewinnabhängigkeit der Verzinsung erfüllt sind. Dann handelt es sich wirklich um Eigenkapital nach HGB, was Ihre Bilanz und somit das Rating eindeutig verbessert. Viele Mezzanine-Anbieter wollen sich jedoch an den Verlusten nicht beteiligen, gerade das aber zeichnet Eigenkapital aus! Seien Sie also eher kritisch.

Apropos HGB: Müssen wir nicht demnächst bei der Bilanzierung alle auf die neuen internationalen Rechnungslegungsstandards, insbesondere IFRS, umstellen? Wie verhält es sich da mit dem Eigenkapital?


Klare Entwarnung! Die neue IFRS-Bilanzierung ist derzeit für das Gros unserer mittelständischen Betriebe kein Thema. Es betrifft nur die kapitalmarktorientierten Unternehmen und zunehmend die großen Mittelständler. Auch ist das Gerede von den angeblich besseren Finanzierungskonditionen, die nach IFRS bilanzierende Unternehmen pauschal erhalten sollten, in der Fachliteratur mehrfach widerlegt worden.

Darüber hinaus haben die Steuerberater eine Umfrage bei den Banken durchgeführt, bei der eindeutig herauskam, dass die Banken beim Gros der mittelständischen Betriebe auf IFRS-Bilanzen derzeit keinen Wert legen. Wer jedoch auch auf die Börse bzw. auf internationale Kapitalgeber (z.B. Freunde aus USA) als Finanzierungsmöglichkeit setzt, sollte sich mit dem Thema IFRS auf jeden Fall auseinandersetzen.

Zum Thema Eigenkapital: gut an den IFRS-Regeln ist, dass sie bei der Definition von Eigenkapital knallharte Standards setzen, die erwähnten Bilanztricksereien haben da keine Chance. Speziell für Unternehmen in der Rechtsform der GmbH & Co. KG kann IFRS zum Problem werden, wenn sie auf die neuen Regeln umstellen wollen. Hier ist das letzte Wort aber noch nicht gesprochen (Stand April 2006).

Legen die Banken Wert auf betriebliche Kennzahlen?


Leider ja. "Leider" deshalb, weil es (noch) keine einheitlichen betriebswirtschaftlichen Standards für betriebliche Kennzahlen gibt. Denken Sie nur an den wohl wichtigsten Begriff "Cashflow", hier gibt es eine Fülle von Interpretationen. Auch die Rating-Systeme der Banken sind noch nicht einheitlich, es gibt vorerst nur Bestrebungen, dahin zu kommen. Wenn Sie Kennzahlen verwenden bzw. mit Kennzahlen konfrontiert werden, sollte neben den konkreten Zahlen immer auch die Berechnungsmethode angegeben sein, damit keine Missverständnisse auftreten („Äpfel-Birnen-Vergleich“).

Im Übrigen kommt es nicht so sehr auf die aktuelle Größe einer Kennzahl an, sondern auf ihre Entwicklung, ihre Tendenz, für einen längeren Zeitraum. Je stärker oder schwächer sich die Zahl im Zeitablauf verändert, sagt etwas aus über Ihren aktuellen unternehmerischen Erfolg bzw. Misserfolg. Bildlich gesprochen: Es kommt nicht darauf an, heute auf der Zugspitze zu stehen und auf die anderen runterzublicken. Es kommt darauf an, von welcher Höhe Sie jetzt losgehen und in welcher Zeit Sie welchen Höhenunterschied schaffen. Wenn es Ihnen gelingt, Ihren Cashflow (nach welcher Berechnung auch immer) in den nächsten Jahren zu vergrößern, und zwar nominal (in Euro) wie auch relativ in Bezug auf Umsatz bzw. bes-ser auf den Rohertrag, dann sind Sie auf dem richtigen Weg.

© 2006 by Diplom-Volkswirt Stefan Uhlig

Autor: Stefan Uhlig

Freiberuflicher Unternehmensberater und Sachverständigengutachter
Website des Autors
Stefan Uhlig

Kommentare

Diesen Beitrag kommentieren:

Die Kommentare können nur zwischen 9 und 16 Uhr
freigeschaltet werden. Wir bitten um Verständnis.

Um Spam zu vermeiden, schreiben Sie bitte die Buchstaben aus diesem Bild in das nebenstehende Formularfeld:

Das könnte Sie auch interessieren

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer