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03.11.06Kommentieren

Alternative Finanzierungsforrmen

Private Equity - Aktuelles aus dem Markt

In der jüngsten Vergangenheit mehren sich die Mitteilungen in der Presse, dass die Private Equity Branche möglicherweise vor einer Überhitzung, ja sogar vor einer Blase stehen könnte. Aufgrund der immensen Geldzuflüsse in Private Equity Fonds drohen laut Experten sinkende Renditen*.

Ein Beitrag von Dipl.-Volkswirt Roland Brooks

Der Anlagedruck der Fonds** steigt und dies wirkt sich teilweise erheblich auf die Kaufpreise bei den Unternehmenskäufen aus. Wo attraktive Firmen früher mit dem 7 bis 8 fachen des Betriebsergebnisses bewertet wurden, zahlen Finanzinvestoren derzeit das 10 bis 11 fache. Die Investoren riskieren dadurch in ein paar Jahren keine Abnehmer für diese Unternehmen zu finden. Ob und wann eine Überhitzung des Private Equity Marktes - wie in der Presse immer wieder berichtet - eintreten wird, lässt sich schwer voraussagen. Wahrscheinlich ist eine realistische Prognose sogar unmöglich.

In Deutschland fehlen sowohl die Investoren als auch die ganz großen Fonds von denen man regelmäßig in der Presse liest. Eine aktuelle Studie*** zum Anlageverhalten deutscher institutioneller Investoren verdeutlicht, dass bei den Großanlegern gegenüber alternativen Anlagen nach wie vor eine große Skepsis vorhanden ist. Der Studie zufolge mangelt es den Investoren an Wissen, Kompetenz und sie scheuen den hohen Arbeitsaufwand, welcher mit einer Private Equity Anlage verbunden ist. Die großen PE-Fonds im Markt werden überwiegend von angelsächsischen und kontinentaleuropäischen Pensionsfonds und Stiftungen mit Geld versorgt und von New York oder London aus gesteuert. Leider führt die Zurückhaltung der deutschen institutionellen Investoren zu gravierenden Folgeproblemen. Die in den Portfolios der PE-Fonds realisierten Wertsteigerungen werden später leider nicht den deutschen Pensionären, sondern denen in Kalifornien und anderswo zu Gute kommen.

Als Folge von steigenden Zinsen, welche einen negativen Einfluss auf die oftmals hohe Fremdfinanzierung bei Unternehmenskäufen haben, steigt außerdem die Gefahr von Unternehmensinsolvenzen, da die Schuldenlast der gekauften Unternehmen zu groß wird. Auch für die Banken, welche die Kredite bei Unternehmensfinanzierungen vergeben, wächst

teilweise die Gefahr durch notleidende Kredite. Bis vor einigen Jahren galt, dass erstrangige Schulden nicht mehr als das Vierfache des Ebita ausmachen durften. Heute wird bereits bis zum sechsfachen akzeptiert. Früher kalkulierten Banker, dass die Gesamtverschuldung eines Unternehmens nicht über das Fünf- bis Sechsfache des Ebita hinausgehen sollte. Heute macht die Gesamtverschuldung teilweise das Achtfache aus, mit steigender Tendenz.

Diesbezüglich liegt es in den Händen der Verantwortlichen PE-Manager, den Bankvertretern aber auch den Verkaufsparteien, die Finanzierungsstruktur eines Deals so zu gestalten, dass das gekaufte Unternehmen später nicht durch überhöhte Zins- und Tilgungszahlungen oder Ausschüttungen zu sehr „ausgesaugt“ wird und somit in die Gefahr einer Insolvenz gerät. Die bisher bekannt gewordenen Negativbeispiele, welche immer wieder in der Presse genannt werden, spiegeln nicht die Vorgehensweise der gesamten Branche wieder und sollten diejenigen in der Branche, welche so vorgehen eher dazu bewegen, zukünftig mit mehr Sorgfalt und Verantwortung vorzugehen. Bzgl. einer geplanten Regulierung der Fremdfinanzierung durch ein Gesetz ist somit den Worten von Thomas Pütter vom BVK „Ich kann doch nicht planwirtschaftlich festlegen, was der richtige Verschuldungsgrad für ein Unternehmen ist“ eindeutig zuzustimmen. Dieses Thema sollte durch den Marktmechanismus geregelt werden und nicht durch staatlichen Eingriff.

Im Übrigen schadet sich eine PE-Gesellschaft mittelfristig nur selbst durch die Vorgehensweise der zu hohen Fremdfinanzierung, da dies schnell im Markt publik wird und die Reputation des Finanzinvestors und die Chance auf einen zukünftigen interessanten Deal nicht gerade steigert.


*Nach Zahlen von Thomson Financial sammelt die Branche dieses Jahr insgesamt mehr als 200 Milliarden Dollar Kapital ein.
**Es gibt laut Thomson Financial weltweit ca. 6.000 PE-Fonds, die  schätzungsweise 1,3 Billionen Dollar Eigenkapital verwalten.
***Die Studie „Anlagestrategien deutscher Versicherungen, Versorgungswerke und Pensionskassen“ ist von FINANCE, CAM Private Equity und Ernst & Young.

Autor: Roland Brooks

Bundesverband Alternative Investments e. V. (BAI)
Roland Brooks

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