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17.11.08Kommentieren

Mittelstand im Sog der Finanzkrise

Factoring als Ergänzung zum Bankkredit

Die aktuelle Finanz- und Bankenkrise wird in den kommenden Monaten enorme Auswirkungen auf den Mittelstand haben. Oberstes Ziel der Unternehmen ist deshalb die Sicherung der eigenen Liquidität, um handlungsfähig zu bleiben. Bisher wenden sich die meisten Unternehmen bei Liquiditätsbedarf zuerst an ihre Hausbank, wo in der Regel das klassische Kreditportfolio im Vordergrund steht. Zur Überbrückung von Liquiditätsengpässen dient dann oft der Kontokorrentkredit. 

Ein Beitrag von Ilka Stiegler

Was ist ein Kontokorrentkredit?

Der Kontokorrentkredit ist ein kurzfristiger Kredit, den Banken ihren Kunden ein- räumen. Unternehmen nutzen diesen, wenn sie für einen überschaubaren Zeitraum Liquidität benötigen wie z.B. Saisonkredit. Kontokorrentkredite haben mittel- bis langfristigen Charakter, da sie bei vereinbarungsgemäßer Inanspruchnahme verlängert werden. Der Unternehmer kann den Kreditrahmen voll, zum Teil oder gar nicht ausschöpfen und zahlt nur für wirklich in Anspruch genommene Beträge Zinsen. Der Zinssatz ist dabei variabel und richtet sich nach den aktuellen Marktzinsen. Die Gebühren dafür bestehen in der Regel aus mehreren Bestandteilen, wie Sollzinsen, Kreditprovisionen etc.

Factoring als alternative Finanzierungsmöglichkeit

Suchen Unternehmen nach alternativen Finanzierungsformen kommen sie schnell auf die Dienstleistung Factoring. Dabei verkauft ein Unternehmen seine Forderungen an einen Factor und bekommt rund 80 Prozent des Rechnungsbetrages sofort ausgezahlt. Den Rest erhält er, wenn die Factoringgesellschaft den Betrag durch den Debitor erhalten hat. Dafür berechnet der Factor je nach Modell eine Gebühr und Zins.

Die Kosten von Factoring und einem klassischen Kredit lassen sich nicht Eins zu Eins vergleichen, da Factoring neben der Bereitstellung der Liquidität noch weitere Leistungsbestandteile bietet. Dazu gehören beim klassischen Full-Service-Factoring der Ausfallschutz der Forderungen und die Übernahme des Debitorenmanagements.

Beispiel aus der Praxis

Ein mittelständisches Unternehmen aus dem verarbeitenden Gewerbe generiert einen Jahresumsatz von 2 Mio. Euro. Die Debitoren sind bonitätsstark, zahlen jedoch durchschnittlich erst nach über 40 Tagen. Zudem kann aufgrund der fehlenden Mittel im Einkauf kein Skonto realisiert werden. Darüber hinaus wird den Kunden für einen schnellen Zahlungseingang zusätzlich Skonto gewährt. Dies führt zu einer doppelten Kostenbelastung auf Einkaufs- und Absatzseite.

Das Unternehmen muss somit jeweils über einen langen Zeitraum kontinuierlich Außenstände in Höhe von rund 300.000 Euro finanzieren. Die Hausbank räumt in der Regel unter Vornahme eines pauschalen Bewertungsabschlags eine Kreditlinie ein. Zudem sind Sicherheiten zu stellen und sehr oft die Forderungen aus Lieferungen und Leistungen abzutreten. Dem Unternehmen bleibt in diesem Falle eine erhebliche Finanzierungslücke.

Im Vergleich dazu prüft eine Factoringgesellschaft neben der Bonität des Kunden auch die Bonität der einzelnen Debitoren. Der Factor informiert sich ausführlich über das Produktportfolio, die Unternehmens- und Kundenstruktur, Liefer- und Zahlungsbedingungen sowie andere Leistungsparameter. Nach Vertragsabschluss dient das Unternehmen seinen Forderungsbestand von rund 300.000 Euro zum Ankauf an.

Die Factoringgesellschaft prüft die Bonität der einzelnen Debitoren über eine Warenkreditversicherung und kann durchschnittlich eine Ankaufquote von rund 80 Prozent des Forderungsbestandes umsetzen. Damit fließt dem Unternehmen sofortige Liquidität in Höhe von ca. 240.000 Euro zu. Die restliche Summe dient dem Factor zunächst als Sicherheitseinbehalt und wird, abzüglich einer Gebühr, nach Zahlungseingang der Debitoren überwiesen.

Vorteile von Factoring

Für ein Unternehmen werden mit Factoring rund 80 Prozent seiner Forderungen sofort zu Liquidität und das ohne zusätzliche Sicherheiten. Hier liegen die entscheidenden Vorteile von Factoring. Die Kreditaufnahme bringt hingegen einen wesentlich geringeren Liquiditätszufluss. Hinzu kommt der erschwerte Zugang zu Krediten, da die Banken aufgrund der Finanzkrise zurückhaltender sind.

Vor allem für kleine und mittelständische Unternehmen hat Factoring noch weiteren Nutzen. Durch den Verkauf seiner Rechnungen kann der Factoringkunde eine Bilanzverkürzung mit verbesserter Eigenkapitalquote erreichen. Bei der Hausbank können sich so wiederum ein besseres Rating und damit günstigere Kreditkonditionen erzielen lassen. Zudem sind die Forderungen gegen Ausfall versichert, da die Factoringgesellschaft hierfür eine Warenkreditversicherung abschließt.

Nicht zu unterschätzen ist darüber hinaus die administrative Entlastung, da bei säumigen Debitoren die aufwendige Tätigkeit von Mahnwesen und Inkasso übernommen wird. 

Autor: Ilka Stiegler

Unternehmenskommunikation
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Ilka Stiegler

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