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22.09.11Kommentieren

Finanzierungsdschungel

Die richtige Finanzierung finden – eine Wegbeschreibung

Der Businessplan steht, der Kapitalbedarf ist analysiert. Jetzt beginnt die "Pfadfinderarbeit" für die angehenden Unternehmer oder Jungunternehmer nach der Finanzierung ihres Vorhabens. Eine gute Planung ist unerlässlich. Finanzierungsfehler sind eine der häufigsten Ursachen für das Scheitern einer Existenzgründung.

Ein Beitrag von Marcus Wagner

Wer sich auf die Suche nach der richtigen Finanzierung begibt, muss einige Grundregeln beachten, die auch einem guten Pfadfinder "das Überleben sichern". Dabei ersetzen die richtigen Planungsunterlagen die Landkarten zur Orientierung. Kapitalbedarfsplan, Liquiditätsplan und Finanzierungsplan heißen die "Landkarten" zur Navigation durch den "Finanzierungsdschungel".

Die genaue Ermittlung des Kapitalbedarfs gehört zu den wesentlichen Aufgaben bei jeder Existenzgründung. Sie sollte möglichst realistisch sein, um die Liquidität zu sichern und eine Insolvenz durch Zahlungsunfähigkeit zu vermeiden. Wer sich hier "in die Tasche lügt" und viel zu knapp kalkuliert, begeht einen Fehler, der später sehr teuer wird. Bei aller Ungewissheit in der Zukunft sollte der Planungshorizont trotzdem mindestens drei Jahre sein – aufgeteilt in Teilpläne. Zeigt es doch den späteren Kapitalgebern, dass sich der Unternehmer mit der möglichen Entwicklung in der Zukunft auseinandergesetzt hat.

Die Planung der Liquidität zeigt Kapitalgebern, wann und in welchen Tranchen die Finanzierung erfolgen soll. Gekoppelt mit Meilensteinen ergeben sich daraus die Auszahlungszeitpunkte für die Finanzierungsplanung.

Sind diese Unterlagen vorhanden, geht es darum, die richtigen Finanzierungsinstrumente zu finden. Nach Möglichkeit gilt es, die sog. "goldene Finanzierungsregel" zu beachten. Nach ihr wird für langfristiges Vermögen, wie z.B. die Anschaffung von Maschinen, langfristig verfügbares Kapital beschafft, für kurzfristiges Vermögen, wie z.B. Verbrauchsmaterialien, kurzfristiges (Fremd-) Kapital eingesetzt.

Die Dauer der Kapitalverfügbarkeit ist im Regelfall ein zentrales Unterscheidungskriterium der verschiedenen Finanzierungsformen. Vereinfacht lassen sich zwei Finanzierungsformen unterscheiden:

  • Eigenkapitalfinanzierung
  • Fremdkapitalfinanzierung

Eine Sonderform stellen nicht rückzahlbare, öffentliche Zuschüsse dar. Alle anderen am Markt verfügbaren Finanzierungsangebote besitzen in der einen oder anderen "Konfiguration" bzw. rechtlichen Ausgestaltung mehr oder weniger Eigen- oder Fremdkapitalcharakter. Wichtig ist, wie die gefundene Finanzierungsform aufgrund ihrer Ausgestaltung bilanziell berücksichtigt wird.

Die Eigenkapitalfinanzierung

Eigenkapital spielt bei der Finanzierung des Unternehmens die zentrale Rolle, da sie die Möglichkeiten zur "zusätzlichen" Fremdkapitalfinanzierung überhaupt erst ermöglicht. In der Regel stehen jungen Unternehmern selten größere Summen von Eigenkapital oder die "reiche Erbtante" zur Verfügung. Es geht darum, Eigenkapital von Dritten, sprich Eigenkapitalgebern, einzuwerben.

Eigenkapitalgeber sehen die Unternehmer aber gerne dem Unternehmen wirtschaftlich verpflichtet. Das kann durch Sicherheiten der Unternehmer geschehen oder dadurch, dass der Unternehmer Patente, o.ä. in das Unternehmen einbringt.

Eigenkapital wird von unterschiedlichen Anbietern und in unterschiedlicher Qualität (echte Beteiligung am Unternehmen als Gesellschafter, stille Beteiligung, etc.) angeboten. Grundsätzlich kann zwischen privaten Anbietern und öffentlich-rechtlich "nahen" Anbietern unterschieden werden.

Private Anbieter von Eigenkapital sind Business Angels oder VC- / Venture Capital (sprich: Risikokapital-) Gesellschaften. Business Angels beschränken sich in der Regel auf kleinere finanzielle Engagements bis 250 T Euro, während VC-Gesellschaften große Kapitalbedarfe ab 1,5 – 2 Mio. Euro abdecken und erst in einer späteren Unternehmensphase, wenn die Markteinführung erfolgt, finanzieren. Ein Ausweg aus dem offensichtlichen "Loch" der Eigenkapitalfinanzierung können sog. regionale Risikokapitalfonds oder öffentlich-rechtlich nahe Beteiligungsangebote sein.

Gerade regionale Risikokapitalfonds berücksichtigen neben der Maximierung der Rendite für ihre Gesellschafter oft den Aspekt der Wirtschaftsförderung und gehen mit ihren Angeboten in kleinere finanzielle Engagements.

Öffentlich-rechtliche bzw. "öffentlich-rechtlich nahe" Anbieter von Eigenkapital sind insbesondere die kfw, die jeweiligen Landesbanken (in Bayern die LfA) bzw. deren mittelständische Beteiligungsgesellschaften, die sog. MBG’s oder in Bayern die BayBG, Garantiegesellschaften oder vom Bundesland initiierte Beteiligungsgesellschaften, wie die BayernKapital.

Diese Anbieter arbeiten häufig nach dem Kofinanzierungsmodell, sprich es wird ein Leadinvestor benötigt, bevor Mittel aus deren Programmen beantragt und bereitgestellt werden. Nachteil dieser Angebote ist, dass sie einen beträchtlichen Beantragungsaufwand bedeuten, oft nur über die Hausbank beantragt werden können und sehr selektiv sind. Gerade die Angebote der kfw stellen Antragsteller oft vor die Frage, wer überhaupt Zielgruppe des Angebots sein könnte. Eine qualifizierte Beratung durch die Wirtschaftskammern, die Hausbanken oder akkreditierte Berater ist hier dringend anzuraten. Ganz wichtig ist es, keinen eigenen ersten Anlauf zu unternehmen. Eine einmal getätigte Ablehnung wird praktisch nie wieder revidiert!

Die Fremdkapitalfinanzierung

Der Zugang zu Fremdkapital hängt von der Frage der Sicherheiten und Eigenkapitalausstattung ab. Fremdkapitalgeber sind, gerade in Zeiten von Rating und Basel2, dazu gezwungen, ihre Risiken abzusichern.

Die Angebotspalette für Fremdkapitalprodukte ist dabei groß und reicht vom normalen Hausbankdarlehen, über öffentliche Förderkredite der kfw und Landesbanken bis zum Leasing von Anschaffungen.

Je nach Laufzeit der Fremdfinanzierung und Besicherung können eigenkapitalähnliche Finanzierungsprodukte, sog. Mezzanine-Finanzierung, wie z.B. das partiarische Darlehen, entstehen, dass bilanziell die "Grenze zum Eigenkapital überschritten" wird und Eigenkapital ausgewiesen werden kann.

Informationen erhält man darüber bei den Hausbanken, bei Informationstagen der Landesbanken und Wirtschaftskammern oder auf den Internetportalen, wie www.kfw.de, etc.

Nicht-rückzahlbare Zuschüsse

Eine Sonderform der Finanzierung dies Art von Zuschuss ein. Er steht insbesondere für technologieorientierte Unternehmen (über den Bund, die kfw oder die Länder) oder für arbeitsmarktwirksame Maßnahmen (Einstellungszuschüsse) zur Verfügung. Als wichtige Regel gilt für diese Zuschüsse, dass sie, wenn irgend möglich, nicht in die notwendige Finanzierung eingeplant werden, sondern ein "Sicherheitspolster" bilden. Und mehr als in allen anderen Finanzierungsformen ist hier Beratung dringend notwendig.

Autor: Marcus Wagner

Geschäftsführer
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Marcus Wagner

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