<< Themensammlung Finanzierung

31.07.14Kommentieren

Liquiditätssicherung im Mittelstand

Der Einsatz von Sale & Lease Back im Finanzierungsmix

Die Erinnerungen an den Untergang von Lehmann Brothers und die darauf folgende Bankenkrise 2008 verblassen allmählich. Die Finanzmärkte stabilisieren sich, die Gefahr der Inflation ist gebannt, die Wirtschaft kommt wieder in Schwung. Doch der Schein trügt - die Finanzkrise ist noch nicht überwunden.

ein Beitrag von Carl-Jan von der Goltz

Wie der Finanzstabilitätsbericht 2013 der Deutschen Bundesbank

zeigt, hat sich die Risikotragfähigkeit deutscher Banken deutlich

erhöht, dennoch werden diese bei der expansiven Geldpolitik der EZB

zukünftig in Bedrängnis geraten. Die Geschäftsmodelle der 12 großen

deutschen Banken basieren darauf, Erträge aus Zinsüberschüssen zu

erwirtschaften, die sich aus dem Verhältnis von gering verzinsten,

kurzfristig angelegten Einlagen und den vergebenen langfristigen,

höherverzinsten Krediten, ergeben. So erwirtschaften Banken auch

notwendiges Eigenkapital, das – vor allem nach den regulatorischen

Richtlinien des Bankenausschus-ses zu Basel III – für die Unterlegung

von Krediten notwendig ist. Die Höhe des Eigenkapitalanteils, den Banken

für einen Kredit nachweisen müssen, misst sich vor allem am

Ausfallrisiko des Debitors. Banken werden also zukünftig bei der

Kreditvergabe noch stärker auf die Bonität und ein mögliches

Ausfallrisiko achten.

Sale & Lease Back zur Liquiditätsbeschaffung

Immer

mehr Unternehmen setzen zur fortlaufenden Sicherung der Liquidität und

Erhöhung des finanziellen Spielraums auf zusätzliche alternative

Finanzierungen und mehrere Geldgeber. Je nach Spezifika können

verschiedene Leasinglösungen eine attraktive Alternative sein. Dazu

gehören zum Beispiel Sale & Lease Back oder Mietkauf. Viele

Unternehmen haben enormes gebundenes Kapital in Form von gebrauchten

Maschinenparks in der Halle stehen - beim Sale & Lease Back werden

diese internen Reserven gehoben und frische Liquidität geschaffen. Die

Maschinen werden verkauft und direkt zurückgeleast, sie können ohne

Pause weiter genutzt werden. Der Anlass für den Einsatz dieser

Finanzierungsform ist in der Regel der Kapitalbedarf – zum Beispiel für

das Ablösen von Verbindlichkeiten, für Restrukturierungsprozesse oder

weiteres Wachstum.

Wie läuft das Verfahren ab?

Für eine

erste Einschätzung, über welche Reserven das Unternehmen verfügt,

reicht ein detaillierter Anlagespiegel. Sind ausreichend werthaltige

Maschinen oder Anlagen für eine Sale & Lease Back-Finanzierung

vorhanden, erfolgt eine vorläufige Bewertung des Anlagevermögens des

Unternehmens. Nach Abgabe eines indikativen Angebots und dessen

Annahme, erfolgt die gutachterliche Bewertung des Maschinenparks zu

Zeitwerten vor Ort in der Firma. Diese Bewertung bildet die Basis des

Sale & Lease Back-Vertrages. Nach Eingang aller Unterlagen, wie

Eigentumsnachweise oder Sicherheitenfreigaben der Banken, steht einer

schnellen Abwicklung nichts mehr im Wege. Dieser Vorgang dauert im

Regelfall nicht länger als 6 bis 8 Wochen - im Vergleich zum Zeitrahmen

der Kreditentscheidung eines Bankpartners also wesentlich schneller.

Stille Reserven werden gehoben, indem die weitestgehend abgeschriebenen

Maschinen verkauft und somit das in den Anlagegütern gebundene Kapital

freigesetzt wird. So wird zusätzlich die Eigenkapitalquote verbessert

und damit das Rating des Unternehmens verbessert. Die Leasingraten

stellen zudem abzugsfähige Betriebsausgaben dar und können im Rahmen

der Gestaltungsmöglichkeiten als Teil- oder Vollamortisationsverträge so

kalkuliert werden, dass sie fortlaufend aus dem Cash-Flow des

Unternehmens geleistet werden.


Wer kommt für dieses Verfahren in Frage?

Das

Hauptaugenmerk richtet sich, im Gegensatz zu klassischen

Finanzierungspartnern wie Banken, nicht auf die Bonität des

Unternehmens, sondern auf den tatsächlichen Wert des gebrauchten

Maschinenparks. Wichtige Voraussetzung ist, dass das Unternehmen über

einen diversifizierten, universal einsetzbaren und werthaltigen

Maschinenpark verfügt. Daher sind es vor allem produktionslastige

Unternehmen, wie zum Beispiel aus der Metall- bzw. Kunststoffbe- und

–verarbeitung, dem Baugewerbe, der Lebensmittelherstellung, der

Textilproduktion, der Verpackungsindustrie etc., die für diese

Finanzierungsmethode in Frage kommen. Bei Bedarf können möglicherweise

auch Maschinen aus kurzfristig auslaufenden Mietkauf- oder

Leasingverträgen abgelöst und in eine Finanzierung einbezogen werden,

wenn der Zeitwert über dem Ablösewert liegt.

Autor: Carl-Jan von Goltz

Carl-Jan von Goltz

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Diesen Beitrag kommentieren:

Die Kommentare können nur zwischen 9 und 16 Uhr
freigeschaltet werden. Wir bitten um Verständnis.

Um Spam zu vermeiden, schreiben Sie bitte die Buchstaben aus diesem Bild in das nebenstehende Formularfeld:

Das könnte Sie auch interessieren

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer