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26.10.06Kommentieren

Grundlegende Informationen zum Thema Private Equity – Teil 4

Besondere Merkmale von Private Equity (PE)

Aus Anlegersicht wird die Rendite in Private Equity nicht vorrangig durch Dividendenausschüttungen erzielt, sondern über eine Partizipation am Unternehmenswachstum. Die Investitionen sind regelmäßig zeitlich befristet, und mit dem Ausstieg aus der Beteiligung werden die Unternehmenswertsteigerungen realisiert.

Ein Beitrag von Dipl. Volkswirt Roland Brooks

Zu den besonderen Charakteristika von PE zählen beispielsweise:

  • die Laufzeit eines Fonds ist auf etwa 10 - 12 Jahre beschränkt.
  • die Zeichnungsperiode für Investoren beträgt ca. 3 - 18 Monate; danach wird der Fonds geschlossen.
  • die Mindestinvestition bei mittleren und größeren Fonds beträgt € 5 - 10 Mio.
  • das Kapital wird über einen Zeitraum von 3 - 6 Jahren investiert.
  • das gezeichnete Kapital wird in Tranchen erst beim Investor abgerufen, wenn es benötigt wird, also ebenso über 3 - 6 Jahre.
  • die ersten Rückflüsse an Investoren erfolgen nach etwa 4 - 7 Jahren.
  • eine Veräußerung oder Kündigung der Beteiligung ist grundsätzlich nicht möglich.

Das besondere Einzahlungs- und Auszahlungsverhalten sowie der Charakteristische Verlauf der Renditekurve mit den teilweise eben genannten Eigenschaften wird wegen der Ähnlichkeit zum Buchstaben J in der Fachliteratur als „J-Curve“ bezeichnet. Ein möglicher Verlauf der Zahlungsströme ist in der nebenstehenden Grafik dargestellt.

Während der ersten Jahre stellt der Investor bei einem Direktinvestment bzw. der Fonds beim indirekten Investment dem Unternehmen einen vereinbarten Betrag zur Verfügung, welchen das Management des finanzierten Unternehmens jedoch nicht sofort komplett in Anspruch nehmen muss, sondern das Kapital in der vereinbarten Zeitspanne je nach Investitionsbedarf abrufen kann. Während dieser Phase der Inanspruchnahme kann es auch schon zu ersten Rückflüssen kommen.

Laut der European Private Equity & Venture apital Association (EVCA) werden zu Beginn des Investments nur 25 des Gesamtkapitals in Anspruch genommen, innerhalb der ersten drei Jahre werden 63% investiert. Dagegen werden 53% aller Rückzahlungen innerhalb der ersten sechs Jahre getätigt. Der Investor ist somit nie zu 100% investiert. Die volle Rückzahlung des eingesetzten Kapitals erfolgt dann durchschnittlich nach siebeneinhalb Jahren (vgl. EVCA; „Performance Measurement and Asset Allocation for European PE-Funds“).

Aus diesem Grunde ist eine Trennung zwischen den zur Verfügung gestellten Mitteln und dem tatsächlich investierten Kapital erforderlich. Insbesondere bei der Performancebetrachtung ist diese Differenzierung notwendig. Die Rendite ist entsprechend höher, wenn die erwirtschafteten Erträge nur auf das investierte Kapital bezogen werden und nicht auf alle zur Verfügung gestellten Mittel.

Da insbesondere institutionelle Investoren üblicherweise jedoch einen langfristigen Anlagehorizont haben, ist die mangelnde Fungibilität von Private Equity hier weniger nachteilig als für Anleger mit einem kurzfristigeren Anlagehorizont, zumal Private Equity in der Regel nur einen geringen Anteil an den gesamten Kapitalanlagen ausmacht.

Die oben genannten speziellen Charakteristika wie beispielsweise Liquidität, Ausschüttungen und Verlauf der Zahlungsströme sind normaler Bestandteil einer Investition in die Assetklasse Private Equity und somit stellen sie für den aufgeklärten Investor keine großen Überraschungen dar, sondern werden von vorne herein in den langjährigen strategischen Prozess eingeplant.

Autor: Roland Brooks

Bundesverband Alternative Investments e. V. (BAI)
Roland Brooks

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