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21.04.11Kommentieren

Gründercoaching in der Praxis

Geförderte Unternehmensberatung – Raus geschmissenes Geld oder eine echte Hilfe?

Nicht nur neu gegründete Unternehmen scheitern häufig an gravierenden Informationsdefiziten, sondern auch Unternehmen, die schon länger am Markt stehen. Der Staat hat Förderinstrumente entwickelt, um Unternehmen den Zugang zu qualifizierten Beratungsleistungen zu erleichtern. Für Existenzgründer greift häufig das Programm "Gründercoaching Deutschland".

Ein Beitrag von Marion Rohwedder

Auch Kreditinstitute sind der Auffassung, dass gut beratene Existenzgründer erfolgreicher am Markt auftreten: manche Banken verlangen sogar bei der Vergabe eines Gründungskredites, dass der Gründer einen externen Berater hinzu zieht.

Wirtschaftliche Beratungsleistungen werden mit verschiedenen Zuschussprogrammen von der Vorgründungsphase, über die Gründungs- und Festigungsphase gefördert und auch etablierte Unternehmen haben Zugang zu einer staatlichen Finanzspritze.

Am Beispiel eines Handwerkers stellen wir Ihnen in diesem Beitrag vor, welchen Nutzen das Förderprogramm "Gründercoaching Deutschland" in der Praxis bringt. Das Förderprogramm ist einsetzbar für Unternehmen, die nicht älter als 5 Jahre sind. Die Förderquoten belaufen sich auf 50, 75 oder 90 Prozent in Abhängigkeit vom Bundesland und der Ausgangssituation des Antragstellers.

Ein Praxisbericht

Karsten Weber (45 J.) ist von Beruf Schreiner. Er verfügt über umfassende Berufserfahrung, die er in den letzten 25 Jahren bei einer ortsansässigen Firma in seiner Kleinstadt erworben hat. Sein Arbeitgeber hat im Zuge einer allgemeinen Umstrukturierung seinen Mitarbeiterstamm reduziert. Auch Herr Webers Arbeitsplatz fiel der Rationalisierung zum Opfer, so dass er arbeitslos wurde.

Kurz nach der Kündigung taten sich einige seiner ehemaligen Kollegen zusammen und machten sich im Bereich Innenausbau selbständig. Sie wurden zu seinem ersten wichtigen Geschäftskontakt, da sie ihm von Anfang an Aufträge vermittelten. Seine Entscheidung, sich aus der Arbeitslosigkeit heraus selbständig zu machen, beruhte auf der Grundlage, dass ihm zahlreiche Anfragen für seine Facharbeiterleistungen bereits vorlagen.

Herr Weber startete alleine in die Selbständigkeit. Bei Arbeitsspitzen sprangen seine ehemaligen Kollegen ein. Seine langjährige praktische Erfahrung in der Branche und seine vorhandenen beruflichen Kontakte bildeten die Basis seiner Selbständigkeit. Herr Weber verfügte über ausreichend Eigenmittel, um die Existenzgründung zu realisieren, eine eigene kleine Werkstatt hatte er ohnehin bereits zu Hause.

Defizite sah Herr Weber allerdings an einer anderen Stelle: er beauftragte uns damit, ihn bei der organisatorischen Einrichtung seines Geschäftsbetriebes sowie bei der Abwicklung von finanziellen Abläufen und Vorgängen zu unterstützen.

Da er aus der Arbeitslosigkeit heraus gründete, erhielt er 90 Prozent Zuschuss aus dem Fördertopf "Gründercoaching Deutschland". Diese finanzielle Unterstützung machte es ihm erst möglich, professionelle wirtschaftliche Beratung in Anspruch zu nehmen.

Die wesentlichen Inhalte des Coachings

Nach Klärung seiner fachlichen Voraussetzungen sowie seiner Kenntnisse im Bereich der Büroorganisation und Verwaltung, lag das Hauptaugenmerk darauf, die Prozessabläufe seines kleinen Unternehmens zu ermitteln und optimal aufzubauen.

Herr Weber hatte bis zu diesem Zeitpunkt keinerlei Erfahrung im Umgang mit organisatorischen Strukturen und allgemeinen Verwaltungsarbeiten. Auch mit den Themen Kalkulation, Angebotserstellung, Preisverhandlungen, Nachweisführung, Rechnungslegung, Zahlungsverkehr, Terminüberwachung oder Mahnwesen gab es bislang keine Berührungspunkte.

Im Wesentlichen haben wir Herrn Weber anhand seiner vorliegenden Anfragen und erteilten Aufträge an die einzelnen betriebswirtschaftlichen Bereiche heran geführt und dabei die persönlichen Schwerpunkte, die auf der praktischen Tätigkeiten lagen, berücksichtig. Das war wichtig, um die gesamten Organisation in einen angemessenen Rahmen zu halten, den der Gründer auch zukünftig selbständig bewältigen kann.

Herr Weber hat eine überschaubare Organisationsstruktur für sich entwickelt, die aus wenigen festen Akten und Standartdokumenten besteht und sich eng an seinen praktischen Arbeitsschritten orientiert. In diesem Zuge hat er sich mit dem Office-Software-Paket vertraut gemacht, ein ordnungsgemäßes Rechnungsformular, Standartdokumente für Angebotskalkulation, Angebot, Stundennachweis und Terminüberwachungen entwickelt sowie eine Kassenbuchführung eingerichtet. Einen Schreibmaschinenkurs hat er im Schnellverfahren absolviert, was als Grundlage für die anfallenden Büro- und Schreibarbeiten unerlässlich war.

Gleichzeitig hat er erforderliches Basiswissen zur monatlichen Umsatzsteuervoranmeldung anhand seiner eigenen betrieblichen Vorgänge erworben und sich in eine geeignete Software zur Durchführung und Überwachung des Zahlungsverkehrs eingearbeitet.

Als nächstes möchte sich Herr Weber mit seiner Markt- und Wettbewerbssituation, Kundenpotenzial und Absatzchancen befassen. Gerade weil er als Einzelunternehmer am Markt steht, will er geeignete Marketing- und Werbemaßnahmen entwickeln, um seine Position zu festigen und weiter auszubauen.

Auch diese Beratungsleistungen kann Herr Weber gefördert in Anspruch nehmen, sobald sein Unternehmen mindestens 1 Jahr alt ist: im Rahmen des Programms "Unternehmensberatungen für kleine und mittlere Unternehmen sowie freie Berufe" fördert das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle mit einem 50 prozentigen Zuschuss (max. 1.500 Euro) im gesamten Bundesgebiet allgemeine wirtschaftliche Beratungsleistungen wie z.B. konzeptionelle Marketingberatung, Finanzierungsberatung, Personalcoaching und Organisationsberatung, um nur einige förderfähige Leistungen zu nennen. Fördermittelberatung ist als Bestandteil einer umfassenden wirtschaftlichen Beratung ebenfalls förderfähig.

Autor: Marion Rohwedder

Gesellschafter-Geschäftsführerin des Unternehmens Grantconsult GmbH
Website des Autors
Marion Rohwedder

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