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Finanzen: Was muss ich beachten?

Ein Austausch zum Thema Finanzierung und Förderung findet im Forum statt.

23.01.14Kommentieren

Finanzen

Mit einem Finanzkonzept die Existenzgründung auf sichere Beine stellen

Mit einem Finanzkonzept stellen Existenzgründer ihre eigene Unternehmung von Anfang an auf stabile Füße und wappnen sich vor unangenehmen Überraschungen, die die Selbständigkeit mit sich bringen kann. Wer nicht über ausreichendes Fachwissen verfügt, tut gut daran einen Experten für die Erstellung des Finanzkonzeptes mit ins Boot zu holen. Unabhängige Finanzberater bieten umfassende Dienstleistungen in diesem Bereich an und unterstützten Existenzgründer bei einem erfolgreichen Start in die berufliche Selbständigkeit.

Ein gut durchdachter Finanzplan - beste Vorraussetztung für erfolgreiche Existenzgründung © Marko Greitschus / pixelio.de

Wer über eine Existenzgründung nachdenkt, muss bereits im Vorfeld viele Aspekte in die Planung miteinbeziehen. Neben einer erfolgversprechenden und gut durchdachten Geschäftsidee bildet ein solides Finanzkonzept die unabdingbare Basis für den beruflichen Erfolg mit der Selbständigkeit. Ein gut recherchiertes und sorgfältig erstelltes Finanzkonzept bietet die notwendige Transparenz, die Existenzgründer als Entscheidungsgrundlage in allen Finanz- und Kapitalfragen benötigen – insbesondere dann, wenn für die Existenzgründung die Aufnahme von Fremdkapital notwendig wird.

Nur wenige Existenzgründer verfügen über ein ausreichend umfassendes Fachwissen, um ein Finanzkonzept selbst zu erstellen. Gerade in der Anfangsphase einer Unternehmung empfiehlt es sich deshalb einen Fachmann zu Rate zu ziehen. Viele unabhängige Finanzdienstleister bieten ihre Unterstützung bei der Erstellung eines umfangreichen Finanzkonzeptes an und können auf versteckte Kosten und Einsparmöglichkeiten hinweisen. 

Diese Aspekte sollten in einem Finanzkonzept bedacht werden:

1.    Die notwendigen finanziellen Mittel akquirieren: Der Kapitalbedarfsplan

Viele Existenzgründer sind für die Umsetzung ihrer Unternehmensidee zumindest teilweise auf Fremdkapital angewiesen, denn nur in den seltensten Fällen ist eine ausreichende Menge an Eigenkapital vorhanden, um das eigene Geschäft an den Start zu bringen. Bevor jedoch erste Kontakte mit Banken und Kreditgebern aufgenommen werden, ist ein Kapitalbedarfsplan zu erstellen, der einen genauen Überblick über das notwendige Gesamtkapital für die Unternehmung und die bereits vorhandenen finanziellen Mittel bietet.


Der Kapitalbedarfsplan umfasst sämtliche kurz-, mittel- und langfristigen Investitionen, die für die Existenzgründung zu tätigen sind und für die die entsprechenden finanziellen Mittel zur Verfügung stehen müssen. Unter die Investitionen sind sowohl notwendige Betriebsmittel für die Unternehmensgründung zu fassen als auch Zinsverbindlichkeiten, Privatentnahmen und notwendige Rücklagen. Langfristige Investitionen werden als Anlagekapital bezeichnet. Darunter sind zum Beispiel Grundstücke und Immobilien, Fahrzeuge, Maschinen und Anlagen zu fassen. Die kurz- und mittelfristigen Investitionen werden als Umlaufvermögen bezeichnet und umfassen Waren und Betriebsmaterial, Vorleistungen und Belastungen durch Fremdkapital. Neben dem Anlage- und dem Umlaufvermögen fallen gerade in der Anfangsphase einer Existenzgründung aber weitere Kosten an, die ebenfalls in den Kapitalbedarfsplan mit einfließen sollten. Dabei sollten beispielsweise Verwaltungskosten wie die Kosten für eine Gewerbeanmeldung, Schulungskosten oder Aufwendungen für die Kundenakquise berücksichtigt werden. Eine möglichst realistische und umfassende Hochrechnung der laufenden Betriebskosten, mit denen nach der Geschäftsaufnahme zu rechnen ist, rundet den Kapitalbedarf ab und vermittelt einen guten Überblick über den voraussichtlichen Kapitalbedarf.


Um den tatsächlichen Kapitalbedarf genau beziffern zu können und mögliche Finanzierungslücken zu erkennen, sollten Existenzgründer abschließend eine Aufstellung des gesamten vorhandenen Eigenkapitals vornehmen und gleichzeitig eine realistische Schätzung zu den zu erwartenden Einnahmen aus der Geschäftstätigkeit abgeben. Dazu gehört auch eine Kalkulation des Zeitrahmens, in dem mit den ersten Einnahmen aus der eigenen Existenz zu rechnen ist. Nur so ist die Finanzierbarkeit des Geschäftskonzeptes zu ermitteln.


2.    Finanzielle Mittel akquirieren: Der Finanzierungsplan

Ist das notwendige Kapital für die Existenzgründung anhand des Kapitalbedarfsplanes ermittelt worden, stellt sich für Unternehmer die Frage, auf welche Weise die notwendigen finanziellen Mittel zur Verfügung gestellt werden können, um die Unternehmensliquidität abzusichern. Eine Kombination aus vorhandenem Eigenkapital und zusätzlich aufgenommenem Fremdkapital ist die typischste Variante der Unternehmensfinanzierung für junge Existenzgründer. Dabei ist der Start in die berufliche Selbständigkeit in der Regel umso rentabler, je mehr Eigenkapital bereits zu Beginn zur Verfügung steht, da geringere Verbindlichkeiten gegenüber Dritten zu einer schnelleren Gewinngenerierung führen.

Bildquelle: © LieC / pixelio.de

 

Bei der Finanzierung des eigenen Unternehmens müssen die meisten Existenzgründer auf Fremdkapital zurückgreifen.

Ganz ohne Fremdkapital geht es aber nur in den seltensten Fällen. Existenzgründer können deshalb auf Bankkredite und auf öffentliche Förderkredite im Rahmen der Existenzgründung zurückgreifen. In der Regel ist die Hausbank des Unternehmers die erste Anlaufstelle für die Einräumung eines Kredites. Trotzdem sollten Existenzgründer keinesfalls das erste Kreditangebot annehmen, sondern weitere Angebote einholen und vor dem Vertragsabschluss alle Konditionen sorgfältig miteinander vergleichen. Häufig kann der Finanzberater, der bereits bei der Erstellung des Finanzkonzeptes behilflich war, auch hier eine Empfehlung aussprechen und wertvolle Hinweise als Entscheidungsgrundlage geben. Bei der Berechnung der Kreditkonditionen werden immer die aktuellen Kreditzinsen zugrunde gelegt. Die Bank kann je nach Unternehmenssituation und –ausrichtung einen Kredit mit kurzer Laufzeit (bis zu 12 Monate) gewähren oder einen Kredit mit mittel- oder langfristiger Laufzeit (mehr als 12 Monate). Die Laufzeit des Kredites ist neben der Kreditwürdigkeit des Unternehmers auch von der Nutzungsdauer der jeweiligen Investition abhängig. Es ist nicht sinnvoll einen langfristigen Kredit für eine Investition aufzunehmen, die nicht ebenfalls langfristig im Unternehmen genutzt werden soll.

Im Hinblick auf die Kreditwürdigkeit des Antragstellers berücksichtigt die Bank üblicherweise den Existenzgründer selbst sowie seine Qualifikationen, die Geschäftsidee, die dem Unternehmen zugrunde liegt, vorhandene Sicherheiten wie Immobilien und Grundstücke, eine Lebensversicherung, einen Bausparvertrag oder vorhandene Sicherungsübereignungen und die Rentabilitätsspanne, die aus dem erstellten Finanzkonzept des Unternehmens ersichtlich wird. Ein solider Finanzplan kann bereits an dieser Stelle wichtig werden und einen wesentlichen Beitrag im Rahmen der Kreditprüfung leisten.


Öffentliche Förderkredite sind gerade im Hinblick auf eine Existenzgründung ebenfalls eine häufig genutzte Möglichkeit zur Generierung des notwendigen Startkapitals. Diese Fördermittel müssen jeweils vor der Aufnahme der Unternehmenstätigkeit beantragt werden. In Deutschland bieten Bund und Länder zahlreiche Förderprogramme für Existenzgründer an, aber auch die Agentur für Arbeit kann unter bestimmten Bedingungen einen Existenzgründungszuschuss bewilligen. Besondres häufig gewährte Fördermittel werden aus dem ERP-Eigenkapitalhilfe-Programm (EKH), dem ERP-Existenzgründungsprogramm und dem DtA-Existenzgründungsprogramm generiert. Für die Beantragung ist allerdings ein gewisser Anteil an Eigenkapital erforderlich sowie ein stimmiges Unternehmenskonzept und ein schlüssiger Finanzierungsplan.


3.    Die Zahlungsfähigkeit des Unternehmens sicherstellen: Der Liquiditätsplan

Ein Liquiditätsplan ist ein essentieller Bestandteil einer Existenzgründung, da er die Zahlungsfähigkeit des Unternehmens nach der Aufnahme der Geschäftstätigkeit sicherstellt. Dabei ist nicht nur die Rentabilität der eigenen Unternehmung zu berücksichtigen, sondern auch das Zahlungsverhalten von Kunden und die Entwicklung von Außenständen. Ein umfangreicher und sich ständig an die aktuellen Gegebenheiten anpassender Liquiditätsplan kann sicherstellen, dass das Unternehmen sich von äußeren Schwankungen unabhängig macht und auch in Krisenzeiten weiterhin zahlungsfähig bleibt.


Außenstände sollten deshalb immer zeitnah nachverfolgt und mit der notwendigen Dringlichkeit eingefordert werden. Im Ernstfall kann ein Inkassounternehmen behilflich sein. Kunden können aber bereits im Vorfeld durch die Einräumung kurzfristiger Zahlungsziele und die Gewährung eines Skontos bei zeitnaher Bezahlung zu einem unternehmerisch rentablen Verhalten angeregt werden. Diese Möglichkeiten sollten bereits in den Geschäftsbedingungen und bei der Rechnungsstellung berücksichtigt werden. Außerdem sollten Unternehmer immer offen für weitere Kapitalgenerierungen bleiben. So kann der Verkauf von Geschäftsanteilen oder die Veräußerung von Maschinen und Fahrzeugen im Austausch gegen Leasingmodelle die Liquidität des Unternehmens zusätzlich absichern und langfristig ein möglichst großes Eigenkapital aufbauen. Je größer das Unternehmen wird, desto wichtiger ist ein genauer Liquiditätsplan, der immer den aktuellen Markt und die eigene finanzielle Situation in die Kalkulation miteinbezieht.

 

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