<< Themensammlung Finanzierung

Finanzen: Was muss ich beachten?

Ein Austausch zum Thema Finanzierung und Förderung findet im Forum statt.

29.10.08Kommentieren

Interview mit Dr. Andreas Findeis, bwcon

"Krisenzeiten eröffnen Chancen für findige Unternehmer mit innovativen Geschäftsmodellen"

Zur Person: Dr. Andreas Findeis ist Projektleiter Coach & Connect bei der Wirtschaftsinitiative Baden-Württemberg: Connected e.V (bwcon). Die Initiative ist eines der erfolgreichsten Technologienetzwerke in Europa, in ihr haben sich rund 430 Industrie- und Dienstleistungsunternehmen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen zusammengeschlossen. Im Kreis der Mitglieder werden rund 4.000 Mitarbeiter vernetzt. bwcon will die für den Wirtschaftsstandort und Lebensraum Baden-Württemberg wichtigen strategischen Technologien und Anwendungen fördern.

Dr. Andreas Findeis ist Projektleiter bei der Wirtschaftsinitiative Baden-Württemberg: Connected e.V.Dr. Andreas Findeis ist Projektleiter bei der Wirtschaftsinitiative Baden-Württemberg: Connected e.V.

förderland: Herr Findeis, der Wettbewerb CyberOne wird in diesem Jahr erstmals nicht nur in Baden-Württemberg, sondern bundesweit ausgeschrieben. Was hat Sie zu diesem Schritt veranlasst? 

Dr. Andreas Findeis: Mit der bundesweiten Ausrichtung möchten wir verstärkt innovative Unternehmen aus anderen Bundesländern auf den Technologie- und Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg aufmerksam machen, wovon auch wiederum unsere Sponsoren und Partner und natürlich auch unsere eigenen Mitglieder profitieren. Zudem will sich das Netzwerk Baden-Württemberg Connected (bwcon) nach der Auszeichnung zum besten Kompetenznetz Deutschlands 2008 durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie stärker bundesweit als wichtiger Player im Bereich der Gründungsunterstützung positionieren.

förderland: Wer kann an dem Wettbewerb teilnehmen?

Findeis: Der Wettbewerb richtet sich sowohl an Gründungen als auch an junge Wachstumsunternehmen im Hightech-Bereich, es gibt also keine explizite Altersgrenze. Wichtig ist das innovative Geschäftskonzept, dieses kann sich sowohl in einer Unternehmensgründung als auch in einer neuen Produktentwicklung eines bestehenden Unternehmens widerspiegeln. Da für die Teilnahme am Wettbewerb vollständige Businesspläne erforderlich sind, sollte das Gründungsprojekt natürlich schon einen gewissen Reifegrad haben, reine Ideenskizzen reichen nicht aus.

förderland: Warum haben Sie sich mit CyberOne auf Hightech-Branchen spezialisiert?

Findeis: Der CyberOne wird durch das Technologienetzwerk Baden-Württemberg Connected (bwcon) ausgeschrieben und organisiert. Das Netzwerk bwcon besteht aus rund 430 Hightech-Unternehmen, Experten und Forschungseinrichtungen. Dieser Fokus spiegelt sich auch in der Ausrichtung unseres Wettbewerbs wider. Wir versuchen mit dem Wettbewerb die Unternehmen anzusprechen, die wir auch nachher durch unser Netzwerk weiter unterstützen können. Interessante Themen sind zum Beispiel Soft- und Hardware, Online Business, Multimedia, Embedded Systems, Visualisierung und Simulation, Serious Games, Mechatronik, Mobile Business, eHealth, Mikrosystemtechnik oder auch Photonik, wobei diese Auflistung sicherlich nicht abschließend ist.

förderland: Die Teilnahme an einem Wettbewerb lässt sich nicht einfach so nebenbei bewerkstelligen. Warum sollten Gründer und junge Unternehmen trotzdem Platz in ihrem Kalender dafür schaffen?

Findeis: Der Businessplan ist für Gründungen und junge Unternehmen ein ganz zentrales Instrument – er dient sowohl als Kommunikationsinstrument für externe Ansprechpartner als auch intern zur Planung und Steuerung des Unternehmens. Die Erstellung eines Businessplans ist somit weit mehr als nur eine lästige Pflichtaufgabe. Ein Wettbewerb wie der CyberOne bildet einen guten Anlass, alle Konzepte, Überlegungen und Planungen nochmals zu hinterfragen und in einem zentralen, gut strukturierten und verständlichen Businessplan zusammenzufassen.

Neben dieser eher intrinsischen Motivation gibt es natürlich auch materielle Motive. Der CyberOne bietet schließlich Geld- und Sachpreise im Wert von über 110.000 Euro, wobei - wie wir von ehemaligen Preisträgern wissen - die Preisgelder nicht der entscheidende Vorteil sind, sondern vor allem die dadurch entstehenden Kontakte zu Investoren und Geschäftspartnern sowie die Möglichkeit, das eigene Unternehmen einer breiten Öffentlichkeit präsentieren zu können. Auch das Feedback durch unsere Expertenjury, in der sowohl Investoren, Business Angels, Technologieunternehmen und erfolgreiche Gründer aktiv sind,– ist ein wichtiger Aspekt für viele Teilnehmer.

förderland: Verfolgen Sie, was aus den Wettbewerbsteilnehmern der vergangenen Jahre geworden ist? Gibt es einen Wettbewerbsteilnehmer, der Sie besonders beeindruckt hat?

Findeis: Viele ehemalige Teilnehmer und Preisträger bleiben unserem Netzwerk als Mitglieder erhalten. Auch die Entwicklung anderer Teilnehmer verfolgen wir nach Möglichkeit weiter. Zu unseren Sucess Storys zählt sicherlich die Netviewer AG aus Karlsruhe. Das im Jahr 2001 gegründete Unternehmen gewann beim CyberOne 2002 den dritten Platz. Heute ist die Netviewer AG zum führenden europäischen Web-Conferencing-Anbieter aufgestiegen und mit 280 Mitarbeitern an zehn Standorten weltweit aktiv. Zudem konnte es in mehreren Finanzierungsrunden über zehn Millionen Euro Venture Capital einwerben.

Eine weitere Success Story ist das Heidelberger Unternehmen 20/10 Perfect Vision AG. Mit dem ersten Platz beim CyberOne 2003 hatte das im Jahr 1999 gegründete Unternehmen auch die Unterstützung des Mentors Hans-Günther Hohmann „gewonnen“. Der ehemalige Geschäftsführer von Agilent Technologies Deutschland GmbH steht der Firma auch heute noch beratend zur Seite. Das Unternehmen, das computergestützte Therapie- und Diagnoseprodukte für die Augenheilkunde entwickelt, ist mittlerweile weltweit aktiv und hat bereits über 27 Millionen Euro Venture Capital erhalten.

förderland: Welche Eigenschaften müssen Gründer Ihrer Erfahrung nach mitbringen, um sich mit einem eigenen Unternehmen erfolgreich zu behaupten?

Findeis: Neben Selbstvertrauen, Risikobereitschaft und Durchhaltevermögen sind vor allem eine gesunde Selbsteinschätzung und die Bereitschaft Grenzen zu erkennen und Hilfe anzunehmen von elementarer Bedeutung: Ich bin vielleicht ein genialer Ingenieur, aber eben doch kein überzeugender Vertriebler  - dann muss ich auch entweder einen Vertriebsexperten einstellen oder das Managementteam erweitern. Insbesondere Gründer mit einem technisch-wissenschaftlichen Background müssen schnell lernen, die rein technologische Sichtweise abzulegen und eine markt- und kundenorientierte Sichtweise einzunehmen. Eine weitere wichtige Eigenschaft ist die Bereitschaft und Fähigkeit Netzwerke aufzubauen, zu nutzen und weiterzuentwickeln. Den erfolgreichen Teilnehmern unseres Wettbewerbs ist es allesamt gelungen, nach dem Wettbewerb umfassende Netzwerkbeziehungen zu Investoren, Unternehmen und Mentoren aufzubauen. Der CyberOne in Verbindung mit dem Hightech-Netzwerk bwcon bildet dafür sicherlich eine sehr gute Plattform.

förderland: Gibt es typische Fehler, die Sie bei den Wettbewerbsteilnehmern immer wieder beobachten? Welche Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?

Findeis: Die meisten Beiträge weisen ein sehr hohes technologisches Niveau auf. Allerdings entwickeln viele Gründer dabei einen gewissen Tunnelblick. Eventuelle Konkurrenten werden nicht wahrgenommen oder als nicht relevant abgetan. Es ist von elementarer Bedeutung den eigenen USP ganz klar herauszuarbeiten – was unterscheidet mein Unternehmen und meine Technologie denn nun wirklich von bestehenden Lösungen und Angeboten? Dabei ist es wichtig, immer den potenziellen Kunden und seine Bedürfnisse im Blick zu haben. Welche Probleme und Bedürfnisse hat der Kunde, die ich mit meinem neuen Produkt abdecken kann? Warum sollte ein Kunde wirklich ein ihm unbekanntes Produkt von einem unbekannten Anbieter kaufen? Diese eindeutige Markt- und Kundensicht kommt bei vielen Gründern zu kurz. Gerade bei Hightech-Gründungen steht oft die Technologie und die Begeisterung für technische Möglichkeiten im Vordergrund, ohne zu hinterfragen, ob diese für den potenziellen Kunden wirklich relevant sind.

förderland: Wird es für Gründer angesichts der Finanzkrise schwerer, Investoren zu finden und Kredite zu erhalten? Welche Branchen sind besonders betroffen?

Findeis: Die Finanzkrise wird sicherlich zu einer spürbaren Kreditverknappung führen. Das hat zur Folge, dass vor allem „unsichere“ Kapitalnachfrager schwerer an Finanzierungsmittel gelangen. Darunter verstehe ich Unternehmen ohne Sicherheiten, mit einem (noch) nicht am Markt bestätigen Geschäftsmodell und ohne Vergangenheitswerte und Kredithistorie. Da viele Gründungen diese "unsicheren" Eigenschaften aufweisen, sind sie hiervon sicherlich stärker betroffen als bestehende Unternehmen. Auch private Investoren wie Business Angels könnten ihr Finanzierungsengagement zurückstellen, zum Beispiel wenn sie durch die Finanzkrise Verluste in ihrem Portfolio hinnehmen mussten.

Venture-Capital-Gesellschaften werden Probleme bekommen, neue Fonds aufzulegen und zu schließen, dementsprechend verschlechtern sich die zukünftigen Finanzierungsmöglichkeiten für junge Technologieunternehmen in der Expansionsphase. Die Hightech-Branche ist von Finanzierungsrestriktionen tendenziell stärker betroffen, da die Geschäftsmodelle und die Produkte erklärungsbedürftiger sind. Im Extremfall versucht ein unbekanntes Unternehmen mit einer unbekannten Technologie einen unbekannten Markt zu bedienen – dafür werden sich in Krisenzeiten sicherlich weniger risikofreudige Investoren finden.

förderland: Welche Auswirkungen wird die aktuelle Finanzkrise auf das Gründungsklima in Deutschland haben?

Findeis: Das Gründungsklima speist sich aus sehr vielen unterschiedlichen Einzelfaktoren, sodass die Finanzkrise – neben anderen Bestimmungsfaktoren wie zum Beispiel dem Regulierungsgrad, der Situation auf dem Arbeitsmarkt, der "Entrepreneurship-Ausbildung" an Hochschulen - nur ein Aspekt des Gesamtbildes ist. Die Bankenkrise erschwert sicherlich die Finanzierungsmöglichkeiten für Unternehmensgründungen und wirkt sich somit negativ auf das Gründungsklima aus.

Die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigen aber auch, dass in konjunkturell schwierigen Zeiten vermehrt gegründet wird, da es für die Gründer in den bestehenden Unternehmen nicht genügend Betätigungsmöglichkeiten gibt. Außerdem eröffnen Krisenzeiten durchaus auch Chancen für findige Unternehmer mit innovativen Geschäftsmodellen. Wenn sich die gegenwärtige Finanzkrise allerdings zu einer allgemeinen Vertrauenskrise in der Realwirtschaft auswächst, verschlechtern sich die Bedingungen für innovative Geschäftskonzepte sicherlich, sodass sich das Gründungsklima gerade für Hightech-Gründungen weiter eintrübt. Der jahrelange Abwärtstrend bei Spitzentechnologiegründungen, der - wie die aktuelle ZEW Studie zu Hightech-Gründungen belegt – gerade erst gestoppt wurde, droht sich damit in den nächsten Jahren fortzusetzen.

förderland: Vielen Dank für das Gespräch.

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Diesen Beitrag kommentieren:

Die Kommentare können nur zwischen 9 und 16 Uhr
freigeschaltet werden. Wir bitten um Verständnis.

Um Spam zu vermeiden, schreiben Sie bitte die Buchstaben aus diesem Bild in das nebenstehende Formularfeld:

Das könnte Sie auch interessieren

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer