<< Themensammlung Basel II/ Rating

Basel II Rating

Rating

Durch die in Basel II enthaltenen Bestimmungen soll eine risikogerechtere Eigenkapitalunterlegung von Krediten ermöglicht werden. Hierzu sollen sog. Ratings bei den Kredit suchenden Unternehmen durchgeführt werden, anhand derer die Ausfallwahrscheinlichkeit einer Kreditrückzahlung gemessen wird. 

Die Bonität eines Unternehmens gibt die Wahrscheinlichkeit wieder, mit der ein Unternehmen einen Kredit (z.B. an ein Kreditinstitut) zurückzahlen kann. Je höher die Zahlungsfähigkeit eines Unternehmens ist, desto größer ist die Sicherheit für das Kreditinstitut.

Je nach Ausfallwahrscheinlichkeit kann dann die Höhe des notwendigen Eigenkapitals für einen Kredit variieren. Dies bedeutet für ein Kreditinstitut, dass für Unternehmen mit einer besseren Bonität weniger Eigenkapital zurückzulegen ist, als für ein Unternehmen mit geringer Bonität bei gleicher Kredithöhe. Die Umsetzung von Basel II führt daher in Zukunft zu einer Spreizung der Kreditkonditionen. 


Was ist ein Rating?

Der Begriff Rating leitet sich vom englischen Begriff to rate (bewerten, einschätzen) ab und bezeichnet ein Verfahren anhand dessen die wirtschaftliche Lage eines Unternehmens beurteilt wird. Dabei wird in erster Linie die Bonität des Unternehmens bewertet.  

Grundlage eines Ratings bilden interne Daten des zu prüfenden Unternehmens sowie externe Wirtschaftsinformationen, wie zum Beispiel Branchenanalysen.  Beim Rating werden neben "harten" Faktoren, wie z.B. einem Jahresabschluss, auch "weiche" Faktoren, wie z.B. Managementqualität oder Strategie, berücksichtigt.  

Als Ergebnis eines Ratings erhält man eine Einordnung in eine Bonitätsstufe (oder Rating-Klasse). Bei einer oft zitierten Bewertungsskala steht dabei AAA für eine sehr gute Bonitätsstufe und D für eine schlechte. Dazwischen ermöglicht das hinzufügen von + und - eine weitere Abstufung. Es gibt allerdings keine allgemeingültige Bewertungsskala. Als mögliche Alternative ist zum Beispiel die Bewertung mittels Noten von 1 bis 6 möglich.  

Aufgrund der Änderungen durch Basel II gilt grundsätzlich, je besser das Rating-Ergebnis, umso niedriger der zu hinterlegende Eigenkapitalanteil für die Kreditgeber, die dann ihrerseits wiederum die besseren Kreditkonditionen an die Unternehmen weitergeben können.

Ratings werden also in erster Linie dazu genutzt, den Preis festzulegen, den der Kreditnehmer für Fremdkapital bezahlen muss. Das Resultat eines Ratings ist daher von entscheidender Bedeutung für ein Unternehmen. 

Zwei Formen des Ratings– intern und extern

Um das Kreditrisiko eines Unternehmens zu messen, gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten. Ein Unternehmen kann entweder auf ein externes Rating durch eine Rating-Agentur oder auf ein internes Rating durch ein Finanzinstitut zurückgreifen. In den Regelungen von Basel II sind interne und externe Ratings gleichwertig. Noch bis vor einigen Jahren wurden Ratings in Deutschland vorwiegend von Kreditinstituten durchgeführt. Externe Rating-Agenturen gab es hierzulande so gut wie keine.

Unternehmen, die ein externes Rating wünschten, mussten auf international agierende Agenturen ausweichen. In den letzten Jahren haben sich aber auch in Deutschland einige Rating-Agenturen etabliert, die externe Ratings anbieten.

Externes Rating
Das externe Rating eines Unternehmens wird durch eine unabhängige Agentur durchgeführt. Die Dauer eines solchen Ratings beträgt ca. drei Monate. Der Auftraggeber, meist das Unternehmen selbst, entscheidet über Umfang und Details der Durchführung. Das Unternehmen erhält detaillierte Ergebnisse und kann diese zu auch für andere Zwecke als die Beantragung eines Kredites, wie z.B. das Marketing, weiter verwenden. Die Entscheidung, wie das Rating-Ergebnis am Ende verwendet wird, liegt alleine beim Auftrag gebenden Unternehmen.  

Die Vorteile eines externen Ratings liegen in der Neutralität der Rating-Agentur, in der Möglichkeit, das Ergebnis vielseitig verwenden zu können und in der meist größeren Transparenz des Verfahrens.  

Ein externes Rating ist mit hohen Kosten verbunden. Sie liegen in der Regel zwischen 15.000 Euro und 50.000 Euro und sind abhängig von der Rating-Agentur, dem Umfang des Ratings und der Größe des Unternehmens. Die Kosten werden vom Auftraggeber getragen.  

Internes Rating  
Interne Ratings werden von Finanzinstituten bei der Kreditvergabe durchgeführt und kommen hier auch schon seit längerem zum Einsatz. Nach den Neuerungen durch Basel II müssen interne Ratings bestimmten Anforderungen genügen und genehmigt werden. Voraussichtlich ab dem Jahr 2007 werden sie regelmäßig vom Bundesaufsichtsamt für Kreditwesen/ Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht überprüft.  

Interne Ratings sind für das Unternehmen in der Regel kostenlos. Im Gegenzug erhält das geprüfte Unternehmen meist keine detaillierten Ergebnisse, weshalb eine Weiterverwendung des Ratings über die Kreditvergabe hinaus nicht möglich ist. Oftmals wird bei internen Ratings fehlende Transparenz bemängelt.

Bei der Kreditvergabe greifen Banken häufig auch dann auf eigene interne Ratings zurück, wenn bereits ein externes Rating des Unternehmens vorliegt.

Externes oder internes Rating?

Welches Rating für ein Unternehmen von Vorteil ist, lässt sich immer nur im Einzelfall entscheiden. Ein Unternehmen muss sich bei der Wahl zwischen internem und externem Rating die Frage stellen, für welchen Zweck das Rating benötigt wird. Dient es in erster Linie zur Vorlage bei einem Kreditinstitut, so ist zu prüfen, ob das Kreditinstitut das Rating-Ergebnis einer Agentur überhaupt anerkennt oder ob es in jedem Fall ein eigenes Rating durchführt.  

Zudem müssen die hohen Kosten eines externen Ratings berücksichtigt werden. Hier stellt sich in jedem Fall die Frage: Lohnen sich die Kosten? Dabei sind auch die Kosten zu berücksichtigen, die entstehen, um das Rating in den Folgejahren zu aktualisieren. 

Ablauf eines Ratings und Rating-Kritierien

Ablauf
Ein Rating, egal ob intern oder extern, verläuft in mehreren Stufen: 

  • Planung des Ratings
  • Vorbereitung des Ratings
  • Auswertung der Ergebnisse
  • Ausrichtung des Unternehmens anhand der Ergebnisse 

Rating-Kriterien
Ein Rating setzt sich aus qualitativen und quantitativen Kriterien zusammen. Aus deren Gewichtung wird dann das Kreditausfallrisiko ermittelt, welches wiederum in einer Note ausgedrückt wird.  

Harte Faktoren können sein:  

  • Finanzwirtschaft
  • Branchenrisiko
  • Geschäftsprofil und Wettbewerbsposition
  • Ertragskraft
  • Kapitalanlagen und -ausstattung
  • Liquidität
  • Finanzielle Flexibilität
  • Marktanalyse
  • Produkt/ Dienstleistung 

Weiche Faktoren sind zum Beispiel:  

  • Unternehmensstrategie
  • Personalpolitik
  • Management
  • Managementqualitäten
  • Organisationsstrukturen etc. 

Bei internen Ratings, die durch Kreditinstitute durchgeführt werden, werden außerdem die Kontoführung und die Kundenbeziehung berücksichtigt.

Rating-Agenturen

Rating-Agenturen arbeiten unabhängig, um ohne externe Einflüsse zu einer Bewertung kommen zu können.

Nachdem vor einigen Jahren Kritik an der Arbeit der Agenturen aufkam, wurden im dritten Konsultationspapier zur Baseler Eigenkapitalvereinbarung vom Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht mehrere Gütekriterien für Rating-Agenturen angeführt:  

  • Objektivität
  • Unabhängigkeit
  • Transparenz
  • Veröffentlichung
  • Ressourcen der Agentur
  • Glaubwürdigkeit 

Diese Kriterien können auch von den Unternehmen bei der Wahl einer Rating-Agentur herangezogen werden. 

In Deutschland kam es im Zuge der Einführung von Basel II zu einer Reihe von Agentur-Gründungen. Die  Anfangseuphorie ist hier aber bereits verflogen. Denn gerade für kleine und mittlere Unternehmen sind externe Ratings auch eine Kostenfrage. Viele von ihnen können sich ein solches Rating gar nicht leisten. Durch die Gleichstellung von internem und externem Rating ist zudem keine direkte Notwendigkeit vorhanden, ein Rating extern durchführen zu lassen.

Die drei bekanntesten internationalen Rating-Agenturen, die in Deutschland tätig sind, sind sicherlich die amerikanischen Unternehmen "Moody´s", "Standard & Poor’s" und "Fitch". Diese Agenturen sind jedoch in erster Linie für große Unternehmen interessant.

Bei der Suche nach einer Rating-Agentur sollte die Wahl auf jeden Fall auf ein renommiertes Unternehmen fallen. Zudem sollte darauf geachtet werden, dass die Agentur die Anforderungen nach Basel II auch tatsächlich erfüllt. Nicht zuletzt sollte beim Kreditinstitut nachgefragt werden, ob das externe Rating der ausgewählten Agentur auch anerkannt wird.

Rating-Advisory

Für einen großen Teil der deutschen Unternehmen ist die Vorbereitung auf ein Rating Neuland. Für diese Unternehmen bietet sich ein Rating-Advisory an. Ein Rating-Advisor lässt sich wohl am besten mit einem Unternehmensberater mit Schwerpunkt Rating vergleichen. Als Rating-Advisor empfehlen sich zum Beispiel Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer.  

Ein Rating-Advisory bereitet systematisch auf das Rating vor. Bereits bei der Entscheidung für ein internes oder externes Rating kann diese Hilfe nützlich sein. Es unterstützt das Unternehmen sowohl bei der Planung und Durchführung des Ratings (z.B. beim Zusammenstellen der notwendigen Dokumente) als auch bei der Umsetzung der Rating-Ergebnisse.  

Ob sich der Einsatz eines Rating-Advisors für ein Unternehmen lohnt, muss individuell entschieden werden, denn natürlich ist diese Unterstützung auch mit entsprechenden Kosten verbunden.  

Nutzen eines Ratings

Ein Unternehmen kann in verschiedenen Bereichen einen Nutzen aus einem Rating ziehen. Ein gutes Rating kann sowohl Einfluss auf die Finanzierungskonditionen als auch auf das Image eines Unternehmens nehmen. Außerdem kann es einem Unternehmen auch eine bessere Position beim Aushandeln von Konditionen verschaffen. Es kann zudem dabei helfen, alternative Finanzierungsquellen zu erschließen und Informationsdefizite zwischen Geschäftspartnern abzubauen.  

Ein gutes Ergebnis kann außerdem zur Kommunikation der Bonität eines Unternehmens gegenüber 

  • Lieferanten,
  • Kunden,
  • Kooperations-/ Geschäftspartnern,
  • Mitarbeitern
  • sowie Kapitalgebern 

herangezogen werden. Zusätzlich kann es dazu eingesetzt werden, ein positives Image für das Unternehmen in der Außendarstellung zu schaffen. Das Rating kann dabei zum Beispiel als eine Art Gütesiegel dienen. Auch bei der Gewinnung neuer Kunden oder bei der Schaffung neuer Geschäftsbeziehungen kann ein gutes Rating-Ergebnis als Werbung eingesetzt werden.  

Die Ergebnisse eines Ratings zeigen außerdem Stärken und Schwächen eines Unternehmens auf und können Verbesserungsansätze liefern.

Schlagworte zu diesem Artikel

Das könnte Sie auch interessieren

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer