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Neuerungen durch Basel II

Neuerungen durch Basel II

Bonitätsprüfung

Durch die in Basel II enthaltenen Bestimmungen soll eine risikogerechtere Eigenkapitalunterlegung von Krediten ermöglicht werden. Hierzu sollen sog. Ratings bei den Kredit suchenden Unternehmen durchgeführt werden, anhand derer die Ausfallwahrscheinlichkeit der Kreditrückzahlung gemessen wird. Je nach Ausfallwahrscheinlichkeit kann dann die Höhe des notwendigen Eigenkapitals für einen Kredit zwischen 1,6 Prozent und 12 Prozent schwanken. Dies bedeutet für ein Kreditinstitut, dass für Unternehmen mit einer besseren Bonität weniger Eigenkapital zurückzulegen ist, als für ein Unternehmen mit geringer Bonität bei gleicher Kredithöhe.  


Bisher wurde die Kreditwürdigkeit vor allem an vergangenen Zahlen festgelegt. Das bedeutet, dass vor allem die Bilanzen der letzten Jahre zur Beurteilung der Bonität eines Unternehmens herangezogen wurden.

Durch Basel II soll sich diese Praxis nun ändern. Denn dann sollen nicht nur vergangene Zahlen bei der Bewertung berücksichtigt werden, sondern auch in die Zukunft gerichtete Faktoren in die Bewertung mit einfließen. Neben Konjunkturanalysen oder Markttrends sind hier vor allem die "weichen" Faktoren, wie Strategie oder Personalmanagement, zu nennen. Auch mögliche Krisenszenarien und Gegenstrategien finden hier Eingang.

Dies bedeutet, dass die Kreditgeber aufgrund von Basel II über Kompetenzverteilungen in der Unternehmung, über Strategien und Ziele oder die Personalentwicklung informiert werden müssen.

Erleichterung für kleine und mittlere Unternehmen

Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht erlässt all seine Empfehlungen im Konsens. Das bedeutet, dass jedes Mitglied die Möglichkeit hat, Entscheidungen durch ein Veto zu blockieren. Dies bietet den Mitgliedstaaten die Möglichkeit, eigene Interessen durchzusetzen. So konnten von deutscher Seite bei der Ausarbeitung von Basel II auch Erleichterungen für den Mittelstand durchgesetzt werden. 

Diese Erleichterungen betreffen bspw. Firmen, deren Bilanzsumme oder Jahresumsatz unter 500 Mio. Euro liegt. Bei diesen Firmen kann bei langfristigen Krediten auf Langzeitzuschläge bei der Eigenkapitalunterlegung verzichtet  werden.  

Erleichterungen konnten auch bei einem Kreditvolumen bis zu einer Million Euro durchgesetzt werden. Liegt das Kreditvolumen nicht über der Grenze von einer Million Euro, können diese Kredite genauso wie Kredite an Privatkunden behandelt werden.  

Zudem werden Kredite an Privat- und kleine Firmenkunden sowie an Gewerbetreibende und Freiberufler in sog. Retailportfolios zusammengefasst. In diesem Fall wird auf ein Einzel-Rating verzichtet. Dies bedeutet für den einzelnen Kreditnehmer aufgrund der pauschalen Einordnung die Zuordnung zu einer Risikogruppe, die je nach Wahl des Rating-Ansatzes von einer Eigenkapitalunterlegung bis zu 6,62 Prozent ausgeht. Dies bedeutet in jedem Fall eine Verbesserung gegenüber den bisher pauschal veranschlagten acht Prozent.

Bei Unternehmen, die einen Jahresumsatz von über 50 Mio. Euro haben und deren Kreditvolumen über einer Million Euro liegt, ist eine Zuordnung zum Retailportfolio nicht mehr möglich. Hier besteht jedoch die Möglichkeit, abhängig von der Größe des Unternehmens, einen Abschlag bei der Risikogewichtung vorzunehmen. Maximal ist hier einen Abschlag von 20 Prozent möglich, wobei gilt: je kleiner das Unternehmen, desto größer der Abschlag. 

Auswirkungen auf die Unternehmen

Basel II führt dazu, dass Unternehmen im größeren Umfang Auskunft über geschäftliche Aktivitäten und aktuelle Zahlen geben müssen, als das bisher der Fall war. Hierzu muss sich ein Großteil der Unternehmen eine neue Informationspolitik verordnen. Dabei ist zum einen die Informationsgewinnung, zum anderen auch die Informationsvermittlung zu berücksichtigen.

Die Unternehmen werden durch die Neuerungen von Basel II außerdem gezwungen, sich mehr mit den eigenen Risiken auseinanderzusetzen. Hierfür müssen Unternehmen auch ein internes Kontroll-/ und Risikofrüherkennungssystem installieren. Damit lassen sich nicht zuletzt ihre Rating-Voraussetzungen verbessern, was wiederum zur Senkung der Finanzierungskosten führen kann.

Was sich ändert im Überblick

  • Staffelung der Kreditkonditionen: die Kreditvergabe wird mehr von der Bonität des Unternehmens abhängen.
  • Die Bonitätsanalyse wird sich stärker als bisher auf die sog. weichen Faktoren stützen.
  • Ratings machen eine höhere Transparenz bei den Unternehmen notwendig.
  • Das Verhältnis Bank - Kunde wird sich nachhaltig verändern.
  • KMU sind gezwungen, Managementinstrumente zur Unternehmenssteuerung bereitzustellen.
  • Alternative Finanzierungsmethoden gewinnen an Bedeutung.
  • Die Kreditbeschaffung wird aufgrund der Neuerungen durch Basel II möglicherweise zeit- und kostenintensiver als bisher. 

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