Wie uns Kooperationsverhalten weiter bringt - Ein Beitrag von Gudrun Happich
teaser_fachbeitraege.jpg
05.01.2011

Ein Impuls der Natur

Wie uns Kooperationsverhalten weiter bringt

Konkurrenz belebt das Geschäft – Wettbewerb gilt als Herzstück der Marktwirtschaft. Auch wer als Führungskraft etwas erreichen will, muss sich durchsetzen können. Je weiter Manager auf dem Weg an die Spitze sind, desto härter oft der Machtkampf. In Paris werden sie gezielt dafür ausgebildet: die staatlich anerkannte Ecole de Guerre Economique (Hochschule für Wirtschaftskrieg) lehrt Angriffs- und Verteidigungsmethoden für Unternehmen im Wettlauf der Globalisierung. Ob nun aber Konkurrenz oder Kooperation von Vorteil ist, erklärt Gudrun Happich in ihrem aktuellen Beitrag auf förderland.




Ein Beitrag von Gudrun Happich

Gleichzeitig erfreuen sich immer mehr Networking-Veranstaltungen großer Beliebtheit, Beziehungsnetze in der virtuellen Welt wachsen ständig, Unternehmen schließen strategische Partnerschaften wie in der Pharma-Forschung oder Luftfahrt (Star Alliance) – und Brand Eins betitelte das Heft im Juli "Kooperieren. Oder verlieren."

Wachsender Wettbewerbskampf einerseits, wachsende Kooperation anderseits: müssen wir uns für eine Strategie entscheiden? Es ist gerade keine Frage der persönlichen Neigung, ob Kooperation oder Konkurrenz zum Erfolg führt – sondern der Notwendigkeit. Denn es gibt Situationen, in denen Kooperation die bessere Strategie ist. Je härter der Wettbewerb wird, desto flexibler gilt es, dieses Instrumentarium zu beherrschen!

So ist es auch in der Natur: oft führt Konkurrenz zum Erfolg. So etwa kämpfen Kolkraben um das vorhandene Futter, jeder möchte seinen Nachwuchs möglichst gut ernähren; ein logisches Verhalten. Kommen jedoch Wildschweine oder Wölfe hinzu, würde kein einzelner Rabe den Kampf des Stärkeren gewinnen, und keiner hätte dann genug zu fressen. Also schließen sie sich zusammen, die einen lenken die großen Tiere ab, die anderen klauen ihnen das Futter, die Beute wird danach geteilt – eine echte Kooperation.

Gut kooperieren

Auch im Management geht es darum zu erkennen, wann Kooperation die bessere Strategie ist, und wie sie am besten in der Praxis eingesetzt wird.

1. Die Situation gut einschätzen
Wenn Schnelligkeit oder Innovation gefragt sind, führt Konkurrenzverhalten meist zum besseren Ergebnis. So erhöht in Forschungsteams Konkurrenz die Innovationshäufigkeit. Konkurrieren ist oft auch der scheinbar leichtere Weg: man muss nur sich selbst vertrauen und ist unabhängig von anderen. Viele wählen daher so lange die Strategie Konkurrenzverhalten, bis sie nicht mehr funktioniert; dann erst kommt Kooperation ins Spiel.

Bei Kooperation geht es um Geben und Nehmen im dosierten Austausch – kann das in der jeweiligen Situation funktionieren? Und ist das Gegenüber verlässlich?

Das wollte auch eine Führungskraft herausfinden, die einen Kollegen für ein Projekt gewinnen wollte. Beide waren Spezialisten auf dem selben Gebiet, und der Initiator sah eine große Chance in der Zusammenarbeit. Er bringt deshalb vorsichtig ein paar vertrauliche Informationen ins Gespräch und lässt auch Persönliches durchblicken. Wie reagiert der Kollege darauf – gibt er selbst Hinweise preis, oder aber zeigt er sich abweisend und überheblich? So konnte ersterer testen, ob der andere offen für eine Kooperation war. Allerdings gilt dabei auch immer: wer gewinnen will, hat auch das Risiko, alles zu verlieren. Kooperation dagegen macht oft auch eine Win-Win-Lösung möglich.

2. Die Ziele beachten
Kooperation oder Konkurrenz: wichtig ist immer, sowohl die eigenen Ziele zu kennen und das übergeordnete Ziel im Blick zu behalten, und dann die geeignete Strategie wählen. Passen die Ziele aller Kooperationspartner zusammen, lassen sie sich als gemeinsame Ziele formulieren?

Zum Beispiel hatten ein Hotel, ein benachbartes Restaurant und ein ebenso nah gelegenes Seminarhaus das gleiche Ziel, eine kontinuierliche Auslastung zu erreichen. Die Kooperation lag nahe, da sie die gleiche Zielgruppe ansprachen – zahlungskräftige Individualisten, die Wert auf Atmosphäre, Qualität und Service legten – und sich ihre Leistungen perfekt ergänzten. Kunden bekommen nun in allen drei Bereichen beste Qualität. Absprachen der Partner, gemeinsame Werbung und gegenseitige Weiterempfehlungen führten dazu, dass die meisten Kunden alle drei Bereiche buchten.


3. Die Vorteile für den anderen bedenken
Habe ich selbst überhaupt genug zu bieten, damit die Kooperation auch für die andere Seite interessant ist – ist Kooperation grundsätzlich möglich? So musste ein Manager auf eine Kooperation verzichten, weil der dem Partner nur Know-how angeboten hatte, der aber eine Gewinnbeteiligung erwartet hatte.

Der Vorteil muss aber nicht immer finanziell sein, auch Kontakte zu bestimmten Personen können wichtig sein, oder sogar persönliche Eigenschaften. Wer in der Lage ist, auch in kritischen Situationen Ruhe zu bewahren, kann einem nervösen Kooperationspartner helfen, Fehler zu vermeiden und strategisch vorzugehen. Vieles wird von Außenstehenden ganz anders wahrgenommen als von einem selbst, so kann Selbstverständliches für den Partner einen Wert haben. Am besten ist, ihn einfach danach zu fragen und im Gegenzug klar zu sagen, was man selbst braucht.

4. Misstrauen respektieren
Gerade im Entscheidungsmoment über Kooperation oder Konkurrenz ist Misstrauen nicht ungewöhnlich. Es gilt, sowohl das Misstrauen der anderen Seite als auch das eigene zu akzeptieren und dann auf Basis von Taten Vertrauen aufzubauen und zu gewinnen. So lässt sich die Kooperation in der Anfangsphase testen. Gerade im oberen und im Top-Management ist anfängliches Misstrauen häufig der Fall. Es gilt dann zu testen, ob Vertrauensaufbau möglich ist – denn der ist die Voraussetzung für eine funktionierende Kooperation.

In der Praxis trägt dazu bei, den beruflichen Rahmen zu verlassen und private Dinge anzusprechen, zum Beispiel davon berichten, wie die eigenen Kinder in der Schule Misserfolge hatten. So stellt man sich nicht mehr als Helden dar, sondern wird angreifbar. Nun wird sich zeigen, wie der andere damit umgeht, ob er sich auf die Beziehungsebene einlässt und ob er also eine vertrauensvolle Beziehung ebenso eingeht.

Kooperation oder Konkurrenz – wer die Situation erkennt und beide Strategien beherrscht, kann sie angemessen einsetzen. Und immer ist dabei auch Weitsicht gefragt: Wer heute noch konkurriert, kann schon bald wieder auf Kooperation angewiesen sein.

  drucken        versenden
Bewerten Sie diesen Beitrag:

Durchschnittliche Bewertung:
[ 1 Bewertungen ]

Über den Autor

Gudrun Happich hat 12 Jahre Führungserfahrung und arbeitet heute als Coach vor allem mit mittelständischen Unternehmen. Die Natur dient ihr dabei als anschauliches Vorbild für viele Mechanismen, die ebenso in der Wirtschaft gelten; so entwickelte sie die bioSystemik® – das Lernen von der Natur für Organisationen.

www.galileo-institut.de

Neue Fachbeiträge

  • Projektmanagement in IT-Start-ups

    IT-Start-ups verschenken Effizienzpotenziale

    Obwohl sich Projekt bezogenes Arbeiten in manchen Start-ups zu etablieren beginnt, ist professionelles Projektmanagement noch vielerorts weitgehend unbekannt. Hauke Thun, Gründer und Inhaber von PM Firefighters, erklärt in seinem Fachbeitrag, wie Start-ups ihre Potentiale mittels Projektmanagement bestmöglich nutzen. mehr
  • E-Commerce

    E-Commerce mit CIVETS im Blick – Chancen und Risiken!

    Nicht nur die BRIC Staaten Brasilien, Russland, Indien und China bieten Chancen für deutsche Unternehmen, die für E-Commerce Zielgruppen auf neuen Märkten suchen. In seinem Fachbeitrag beleuchtet Christian Arno, Gründer des Übersetzungsdienstes Lingo24, die so genannten CIVETS, also die wirtschaftlich aufstrebenden Länder Kolumbien, Indonesien, Vietnam, Ägypten, Türkei und Südafrika. mehr
  • Kundenkontaktpunkt-Management

    Wie man Touchpoint-Projekte erfolgreich macht - Teil 3

    Anne M. Schüller, führende Expertin für Loyalitätsmarketing, erklärt im dritten und letzten Teil ihrer Beitragsserie zum Thema "Touchpoint Management", wie Sie die Mitarbeiter aktivieren, sie tagtäglich mit dem Kunden in Kontakt stehen. mehr
  • Kundenkontaktpunkt-Management

    Wie man Touchpoint-Projekte erfolgreich macht - Teil 2

    Im zweiten Teil ihrer Beitragsserie zum Thema "Touchpoint-Projekte" erklärt Anne M. Schüller, führende Expertin für Loyalitätsmarketing, wie Sie bei Mitarbeitern den "Mein-Baby-Effekt" erzeugen. mehr
  • Kundenkontaktpunkt-Management Teil 1

    Wie man Touchpoint-Projekte erfolgreich macht

    Anne M. Schüller ist zehnfache Buch- und Bestsellerautorin und gilt als Europas führende Expertin für Loyalitätsmarketing. Kürzlich veröffentlichte sie ihr neuestes Buch mit dem Titel „Touchpoints – Auf Tuchfühlung mit dem Kunden von heute“. In einer dreiteiligen Beitragsserie auf förderland gibt Anne M. Schüller jetzt eine Einführung ins Thema. mehr
  • Cloud Software

    Cloud Software für Existenzgründer – Was sollte beachtet werden?

    Als Existenzgründer sind viele Entscheidungen zu treffen. Neben der Durchführung, Steuerung und Kontrolle des Geschäftsbetriebs müssen auch verschiedene Fragen bezüglich der Nutzung von Unternehmenssoftware beantwortet werden. Frank Elsenbruch von der Scopevisio AG aus Bonn geht in seinem Fachbeitrag der Frage nach, was Gründer beim Einsatz von Software aus der Cloud beachten sollten. mehr
  • SEO

    Suchmaschinenoptimierung mal anders. Ein Blick hinter das System ...

    Suchmaschinenoptimierung: Oft gehört, aber nie wirklich verstanden was Suchmaschinenoptimierung ist und vor allem, wie es funktioniert. Eines können wir bereits ausschließen, Suchmaschinenoptimierung bedeutet nicht, auch wenn es klingt, dass eine Suchmaschine optimiert wird. Einen Blick hinter das System gewährt uns heute Korhan Parlar, Gründer und Geschäftsführer der SEOvista aus Berlin. mehr
  • Empfehlungsmarketing

    10 schriftliche Verstärker in Sachen Empfehlungsmarketing

    Die gute alte Mundpropaganda, die vor Jahrmillionen an den Lagerfeuern begann, erlebt gerade einen mächtigen Wandel. Die Social Media und der Hype um trendige Smartphones sind die wesentlichen Treiber dafür. Empfehlungen sind inzwischen der Kaufauslöser Nummer eins. Damit rückt das Empfehlungsmarketing an die vorderste Stelle im Marketingplan. Mithilfe der folgenden 10 Tipps von Anne M. Schüller können Sie Andere auf schriftliche Weise ermuntern, Ihre Angebote aktiv zu empfehlen. mehr
  • Empfehlungsmarketing

    10 Verstärker in Sachen Online-Empfehlungsmarketing

    Das größte Empfehlungsnetzwerk, das es je gab, heißt Social Web. Die gute alte Mundpropaganda verlagert sich immer mehr ins Internet. Das klassische Weitererzählen erlebt als digitaler Consumer-Content eine unbändige Renaissance. "Social Sharing" wird dies auch genannt. 10 Verstärker in Sachen Online-Empfehlungsmarketing stellt Anne M. Schüller, führende Expertin für Loyalitätsmarketing, in ihrem aktuellen Fachbeitrag vor. mehr
  • Empfehlungsmarketing

    10 mündliche Verstärker in Sachen Empfehlungsmarketing

    Wir leben in einer neuen Businesswelt. Heute ist alles "like" oder "dislike". Da müssen Unternehmen zunehmend zeigen, dass sie zu den wirklich Guten gehören. Am wirkungsvollsten ist es, wenn dies nicht vom Anbieter selbst behauptet, sondern von seinen begeisterten Kunden bezeugt wird. Die von enthusiastischen Fans persönlich ausgesprochenen Empfehlungen, Hinweise und Tipps sind heutzutage der Kaufauslöser Nummer eins. 10 mündliche Verstärker in Sachen Empfehlungsmarketing empfiehlt Anne M. Schüller, führende Expertin für Loyalitätsmarketing, in ihrem Fachbeitrag. mehr
  • Fachbeitrag

    Unternehmensgründung mit Erfolg: Darauf kommt es an!

    Viele Gründer beschäftigen sich mit scheinbar wichtigen Fragen im Vorfeld einer Unternehmensgründung. Diese Fragen stellen sie dann womöglich kompetenten Steuerberatern, Gründungsberatern und anderen Experten. Auf den ersten Blick ist dies ja auch sehr positiv. Doch leider hört man immer wieder die gleichen Fragen – Fragen, die so gut wie nichts mit dem künftigen Erfolg oder Misserfolg des Unternehmens zu tun haben. Worauf es wirklich ankommt, erklärt Unternehmensberater Martin Grünstäudl in seinem Fachbeitrag. mehr

anzeige

förderland-Newsletter

Close