
Eine empirische Untersuchung
Wann sind staatlich geförderte Existenzgründungen tragfähig?
Ein Großteil der Neugründungen in Deutschland ist auf die staatliche Förderung von Existenzgründern zurückzuführen. Der deutsche Staat fördert seit August 2006 mit dem Instrument Gründungszuschuss Gründungen aus der Arbeitslosigkeit. Im Jahr 2006 wurden insgesamt 217.218 Gründungen staatlich gefördert. Wir haben im Rahmen einer großzahligen Befragung (N=1196) die Erfolgsdeterminanten solcher Existenzgründungen untersucht.
Eine Studie von Dipl.-Kfm. Philipp Sandner, Dipl.-Kfm. Jörn Block und Dr. Andreas Lutz
1. Wer nimmt eine staatliche Förderung in Anspruch? Wie lassen sich diese Personen hinsichtlich sozio-demographischer Merkmale charakterisieren? Sind die Geförderten mehrheitlich eher der Gruppe der Necessity- oder eher der Gruppe der Opportunity-Gründer zuzuordnen?
2. Was sind die Erfolgsdeterminanten einer solchen Förderung, beziehungsweise unter welchen Umständen ist eine solche Gründung tragfähig? Gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede? Sind Teamgründungen erfolgreicher? Wie sind Franchise-Gründungen zu beurteilen? Welche Rolle spielen Branchen-, Führungs- und Gründungserfahrung bei geförderten Existenzgründungen?
Unsere Analyse zeigt, dass die Wahrscheinlichkeit für eine tragfähige Gründung sowohl bei jungen als auch bei männlichen Gründern höher ist. Auch vorhandene Branchenerfahrung wirkt sich positiv aus.
Ein negativer Einfluss zeigte sich hingegen, wenn der Gründer vor der Gründung lange arbeitslos war. Überraschenderweise sinkt die Erfolgswahrscheinlichkeit, wenn es sich um eine Franschise-Gründung handelt.
Keine signifikanten Einflüsse konnten für das Vorliegen von Gründungs- beziehungsweise Führungserfahrung nachgewiesen werden. Auch, ob es sich bei der Gründung um eine Einzel- oder Teamgründung handelt, scheint keinen Einfluss auf die Tragfähigkeit zu haben.
Die Ergebnisse unserer empirischen Untersuchung sind interessant für die Gründungsförderung und Gründungsberatung: Unsere Untersuchung zeigt unter anderem, dass der Gewinn aus der Existenzgründung bei Gründern mit einer langen Phase der Arbeitslosigkeit vor der Gründung seltener tragfähig ist.
Vor diesem Hintergrund erscheint die zuletzt beschlossene Verlängerung des Arbeitslosengeldes für Ältere nicht sinnvoll. Gleiches gilt auch für die bereits bestehende und weit verbreitete Praxis, den Arbeitslosengeld-I-Anspruch durch ein vorgeschaltetes Transferkurzarbeitergeld in gleicher Höhe um ein Jahr zu verlängern. Hier stellt sich aus Perspektive der Gründungspolitik die Frage, ob nicht stärkere Anreize gesetzt werden sollten, das Gründungsvorhaben zügig umzusetzen, um so die Erfolgschancen der Gründung zu erhöhen.
Die komplette Studie steht kostenlos zum Download bereit.
Über den Autor
Jörn Böck ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Dr. Theo-Schöller Stiftungslehrstuhl für Technologie- und Innovationsmanagement an der Technischen Universität München.
Philipp Sandner ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Innovationsforschung, Technologiemanagement und Entrepreneurship an der Ludwig-Maximilians-Universität München.
Seine Forschungsschwerpunkte: Entrepreneurship, Geistiges Eigentum, InnovationsmanagementWebsite
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