Wann eine Venture Capital-Gesellschaft finanziert - Ein Beitrag von Herbert Kieffer
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21.11.2006

Venture Capital - Teil 2

Wann eine Venture Capital-Gesellschaft finanziert

Bis ein junges Unternehmen von einer Venture Capital Gesellschaft frisches Kapital bekommt, hat es einige Vorarbeit zu leisten. Businessplan und erste Prototypen von Produkten müssen vorliegen, um die VC-Gesellschaft von der Stärke der eigenen Firma zu überzeugen. Der anschließenden VC-Finanzierung für die Produktionsvorbereitung und die Entwicklung eines marktfähigen Produktes steht bei hervorragenden Konzepten dann meist nichts mehr im Wege.


Ein Beitrag von Herbert Kieffer

Wer eine hervorragende Idee hat und plant, daraus ein wachstumsstarkes Unternehmen  entstehen zu lassen, muss sehr präzise arbeiten. Zunächst gilt es, die Geschäftsidee weiterzuentwickeln. Businessplan-Wettbewerbe wie der MBPW können helfen, die eigenen Gedanken zu strukturieren und erste Kontakte zu Investoren zu knüpfen. Wer hier gewinnt, fällt bereits positiv auf und hat gute Chancen, für die eigenen Ideen zahlreiche Förderer zu finden.

Daran schließt sich die so genannte Seed-Phase an. Erste Prototypen werden erstellt, Testkunden gewonnen und Konzepte verfeinert. Für diesen Zeitraum benötigen Firmen als Anschubfinanzierung meist zwischen 50.000 und einer Millionen Euro. Diese Geldmittel kommen oft vom Gründer, dessen Familie, oder aus öffentlichen Fördermitteln wie dem High-Tech Gründerfonds; auch in den einzelnen Bundesländern existieren verschiedene Fonds, die innovative Unternehmen mit Beteiligungskapital unterstützen. Auf der anderen Seite bieten auch private Investoren, sogenannte Business Angels, Beteiligungen an. Das sind meist vermögende Privatpersonen, die in der Regel über Branchenkenntnisse verfügen und junge Unternehmen bei ihren ersten Schritten in die Selbständigkeit begleiten. Nähere Informationen darüber können u.a. auf der Homepage des Vereins "Business Angels Netzwerk Deutschland e.V" abgerufen werden.

VC-Geber beteiligen sich oft, bevor sichtbare Erfolge vorhanden sind

Nach dieser Anfangsphase schließt sich die Startup- und First-Stage-Finanzierung an. Hier steigen VC-Gesellschaften häufig ein, wenn die Geschäftsidee überzeugt. In der ersten Phase finanzieren sie die Entwicklung der Innovation und die Produktionsvorbereitung. Anschließend stellen sie Gelder bereit, damit beispielsweise Marketingkampagnen bezahlt, Vertriebsleute eingestellt und das Produkt schließlich zur Marktreife gebracht und am Markt eingeführt werden kann.

Bevor aber das Geld fließt, müssen erst einmal strenge Kriterien erfüllt werden, wie beispielsweise bei der Münchner Venture Capital-Gesellschaft Target Partners. Sie prüft das zu finanzierende Unternehmen, Technologie, Wettbewerb, adressierbarer Markt und das Potential des Managements. Kurt Müller, Partner bei Target Partners: "Wir beteiligen uns nur an Firmen, die ein hohes Wachstum versprechen und die das Potential zu einer Markt- bzw. Technologieführerschaft haben."

Ganz wichtig ist für ihn das Management: "Erfahrung, Begeisterung und ein klarer Wille zum Erfolg sind für uns wesentliche Faktoren," so Müller. Venture Capital-Gesellschaften agieren hier in der Regel sehr vorsichtig und vergeben das Kapital nicht auf einen Schlag. Nur wenn das Unternehmen die gemeinsam erarbeiteten Ziele erreicht, erhalten die zu finanzierenden Unternehmen Geldmittel.

Kapital sollte auch in späteren Phasen fließen

VC-Geber sollten wirtschaftlich die Möglichkeit haben, auch eine zweite oder dritte Finanzierungsrunde mitzugehen. Während des Zusammenbruchs des Neuen Marktes sind viele junge Unternehmen in Konkurs geraten, weil Geldgeber so stark investiert hatten, dass kaum Mittel übrig blieben, um eine Durststrecke zu überwinden. Kurz darauf haben diese Pleiten allerdings auch viele halbseidene VC-Gesellschaften dahingerafft – eine ein wenig späte Genugtuung für die guten Konzepte, die überlebt haben.

Im Bereich der Frühphasen-Finanzierung sind nach dem Platzen der Börsenblase im Jahr 2000 nur eine gute Handvoll von Investoren übrig geblieben. Da das Risiko für VC-Geber groß ist, agiert man hier gerne nach dem Vier-Augen-Prinzip. Man engagiert sich gemeinsam bei jungen Unternehmen und ergänzt sich durch spezifisches Know-how.

Target Partners ist in den letzten Jahren unter anderem mit Wellington Partners, Earlybird, 3i und der DVC Deutsche Venture Capital gemeinsam Engagements eingegangen. Target Partners verfügt dabei über einen Fonds von über 112 Millionen Euro, der von institutionellen Investoren - darunter zwei Banken, einer Versicherung, drei Fund-of-Funds - gespeist wird und damit auch Anschlussfinanzierungen sichert. Müller: "17 Unternehmen haben wir mittlerweile finanziert - vorwiegend im Frühphasenbereich - darunter die Mercateo AG, die inzwischen größte deutsche Online-Handelsplattform im B to B-Bereich, den Brennstoffzellenproduzenten P 21 und die 1-2-3.TV GmbH, einem Home Shopping-TV-Sender."

Neben jungen Unternehmen investieren VC-Geber auch in etablierte Unternehmen. Hier spricht man von sog. Later-Stage-Beteiligungen. So benötigen Firmen Kapital, um nach Markteinführung einer Innovation ihre Produktionskapazitäten zu erhöhen, das Marketing und den Vertrieb auszubauen und somit weiter zu wachsen.

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Über den Autor

Herbert Kieffer ist Inhaber der Kommunikationsberatung
KIEFFER MEDIA. Der Diplom-Kaufmann arbeitete 13 Jahre als Wirtschaftsjournalist in den Bereichen Print, Hörfunk und TV. Anschließend war er drei Jahre als freier PR-Berater tätig, zuletzt als Senior Consultant für eine Münchener Agentur. Seine Spezialisierung: Klassische Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie Filmproduktionen für Unternehmen.

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