
Die Krönung des Lebenswerkes
Unternehmensübergabe
Auch für den erfolgreichsten Unternehmer heißt es irgendwann, Abschied von der Geschäftsführung zu nehmen und die Verantwortung in jüngere Hände zu legen. Oft ist dies nicht leicht - besonders, wenn man viele Jahre das Ruder in der Hand gehalten und das Unternehmen mit seiner Arbeit maßgeblich geprägt hat. Trotzdem muss eine Lösung gefunden werden, die einem Nachfolger das erfolgreiche und eigenverantwortliche Weiterführen des Unternehmens ermöglicht und die Zukunft der Firma sichert.
Ein Beitrag von Cay von Fournier
Mehr als 7.000 Firmen suchen zur Zeit über die CHANGE-Initiative einen Nachfolger. Im vergangenen Jahr wurden über 12.000 Inserate in den tagaktuellen Datenbestand neu eingegeben und mehr als 1.300 Unternehmen konnten über die CHANGE-Unternehmensbörse an einen Nachfolger vermittelt werden.
Die CHANGE-Initiative, eine Gemeinschaftsinitiative des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, des Zentralverband des Deutschen Handwerks und der Deutschen Ausgleichsbank beweist, wie groß das Interesse auf beiden Seiten ist.
Zugleich zeigt sich aber auch, wie schwierig sich die Herausforderung, den richtigen Partner zu finden, herausstellt. Denn sowohl für denjenigen, der ein Unternehmen aufgebaut hat, als auch für denjenigen, der ein bestehendes Unternehmen übernehmen will, ist es nicht so ganz einfach, zusammen zu kommen und dann die Übergabe bzw. Übernahme auch erfolgreich zu gestalten.
Abschied nehmen ist nicht leicht
Wo finde ich den richtigen Nachfolger oder die richtige Nachfolgerin? Diese Frage beschäftigt die meisten Unternehmer bei der Vorbereitung ihrer Nachfolgeregelung. Aber auch potenzielle Gründer stehen vor der Entscheidung: Sollen sie ein neues Unternehmen gründen oder doch lieber einen etablierten Betrieb übernehmen?
Der absolute Höhepunkt eines Unternehmerlebens sollte die geplante Übergabe an den Nachfolger sein. Denkbar in dieser Nachfolgeregelung sind hier direkte Nachkommen, eingesetzte Geschäftsführer, der Verkauf des Unternehmens in gute Hände, die Gründung einer Holding, einer Aktiengesellschaft oder was auch immer. Wichtig ist es, diesen Akt gut vorzubereiten. Es ist der verständliche Wunsch eines Unternehmers, dass die eigenen Kinder die Nachfolge antreten - die unternehmerische Familientratition soll in der nächsten Generation fortgesetzt werden. Aber oft werden gerade hier die gravierendsten Fehler gemacht.
Otto von Bismarck hat einmal gesagt: "Die erste Generation verdient das Geld, die zweite verwaltet das Vermögen, die dritte studiert Kunstgeschichte und die vierte verkommt vollends." Er wollte diese Aussage als Witz verstanden wissen, aber leider ist dies häufig genug Realität. Gottlob gibt es aber auch viele Beispiele, dass es nicht so sein muss.
Der Wunsch von Unternehmern, dass die eigenen Kinder das Unternehmen einmal weiterführen, wird durch das Verhalten des Unternehmers während seiner aktiven Zeit der Unternehmensführung - die in der Regel auch die Zeit ist, in der die Kinder heranwachsen - oftmals negativ beeinflusst oder gar zerstört. Die Kinder hören häufig nur von den täglichen Problemen, von der Schulden- und Steuerlast, von schwierigen Kunden und vielem mehr. Derart wollen die eigenen Nachkommen die "traurige" Welt des Unternehmertums nicht erleben, wo doch darüber hinaus oft wenig Zeit für Kinder, Familie, Freizeit und zur Regeneration bleibt. Der 12- bis 14-Stunden-Tag ist für die wenigsten erstrebenswert, auch wenn ein lukratives Unternehmen und Einkommen dahinter stehen.
Darüberhinaus gibt es Unternehmer, die - auch wenn sie ihr Unternehmen sehr erfolgreich geführt haben - letztendlich daran scheitern, weil sie meinen, der Nachfolger müsste genauso sein und das Unternehmen genauso führen wie sie selbst. Es fehlt sehr häufig am Vertrauen in die nächste Generation. Die Folge ist, dass diese Art von Unternehmer die Übergabe ständig mit der Begründung, dass die Nachfolger noch nicht so weit seien, hinauszögern. Zum Dilemma kommt es dann, wenn ein "altersbedingter Starrsinn" dazu kommt - wenn der jeweilige Firmenchef nicht mehr in der Lage ist zu erkennen, dass er all das zerstört, was er vorher aufgebaut hat.
Über den Autor
Dr. Dr. Cay von Fournier ist aus Überzeugung Arzt und Unternehmer. Zu seiner Vision gehören möglichst viele gesunde Menschen in gesunden Unternehmen. Der in Medizin- und Wirtschaftswissenschaften promovierte Inhaber des vor 20 Jahren gegründeten SchmidtCollegs ist bekannt durch seine lebhaften und praxisrelevanten Vorträge und Seminare. SchmidtColleg ist unter seiner Leitung zu einer Unternehmensgruppe geworden, die sich der Vermittlung und Umsetzung einer menschlichen und dennoch (oder gerade trotzdem) erfolgreichen Unternehmensführung widmet.
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