
3..2..1.. deins!
Teure Masche: gewerbliche Verkäufe über Privat-Acccount
Nicht nur Schnäppchen jagen ist mittlerweile eine Art Volkssport geworden, auch das Verkaufen über Ebay hat in dem einen oder anderen das Gespür für lukrative Geschäfte geweckt. Dabei erscheint alles wunderbar einfach und unkompliziert – nur wenige Schritte und es kann losgehen mit dem gewerblichen Onlinehandel. Gewerbeanmeldung, steuerliche Anmeldung, Ebay-Account und dem Powersellerstatus steht nichts mehr im Wege.
Ein Beitrag von Heiko Beyer
Ärgerlich und gefährlich – der falsche Ebay-Account
Hört sich in der Theorie recht simpel an, die Praxis spricht jedoch, wie so oft eine andere Sprache. Als gewerblicher Händler gibt es eine Menge Punkte zu beachten. Unter anderem müssen Rechnungen erstellt werden, Gewährleistungspflichten eingeräumt und Waren bei Beanstandungen auch wieder zurückgenommen werden.
Diese Maßnahmen dienen in erster Linie dem Schutz der Käufer, viele gewerbliche Verkäufer versuchen jedoch, diese kostspieligen Verpflichtungen mit einem privaten Account zu umgehen. So trifft man nicht selten auf Anbieter, die als Privatverkäufer jegliche Gewährleistungsansprüche ausschließen und gleichzeitig massenhaft fabrikneue Ware anbieten. In den Ebay-Foren beschweren sich ehrliche Powerseller regelmäßig über derartige "schwarze Schafe".
Der falsche Account ist allerdings auch häufig ein Problem bei vielen gewerblichen Ebay-Anfängern. Oft werden mit einem Privat-Account erste Erfahrungen gesammelt und beim Start in die Gewerblichkeit wird einfach vergessen, einen gesonderten gewerblichen Account anzumelden – neben den rechtlichen Risiken drohen in diesen Fällen insbesondere auch steuerliche Probleme.
Gewerblicher Account und Nettorechnung
Gewerbliche Unternehmer, die bei Ebay mit einem privaten Account agieren, riskieren umsatzsteuerliche Probleme, die seit dem 01.01.2007 noch deutlicher zu Tage treten, da Ebay die luxemburgische Umatzsteuer ausweist. Entscheidend ist hierbei die Rechnung, die Ebay für seine Dienstleistung an den Verkäufer stellt. Hierüber werden unter anderem die Ebay-Gebühren, Kosten für Artikelbilder oder Kategorie-Einträge abgerechnet.
Verkauft der Onlinehändler seine Waren ordnungsgemäß über einen gewerblichen Account, so handelt es sich bei den Ebay-Leistungen laut Umsatzsteuergesetz um Dienstleistungen an einen Unternehmer. Wichtig für die Besteuerung ist dabei der Ort der Leistungserbringung, und der ist in diesem Fall in Deutschland. Dies bedeutet, dass für die Leistung auch in Deutschland die hier gültige Umsatzsteuer von 19 Prozent gezahlt werden muss. Der Unternehmer muss diese Steuer an sein deutsches Finanzamt abführen, kann sich aber gleichzeitig diesen Betrag im Rahmen seines Unternehmens als Vorsteuer anrechnen lassen.
Ebay stellt in diesem Fall die Rechnung ohne den Ausweis der Umsatzsteuer. Diese sogenannte Nettorechnung beinhaltet zusätzlich den Hinweis, dass der Unternehmer die entsprechende Umsatzsteuer auf den Rechnungsbetrag an sein zuständiges Finanzamt abführen muss.
Beispielhaft könnte die Ebay-Rechnung wie folgt formuliert sein:
"Gebühren, für die keine Mehrwertsteuer berechnet wird: € 927,32."
und ein zusätzlicher Vermerk "nettorechnungsberechtigt".
Privater Account und Bruttorechnung
Beim Verkauf über einen privaten Account sieht es etwas anders aus. Nach dem Umsatzsteuergesetz erbringt Ebay in diesem Fall Leistungen an einen Nicht-Unternehmer, also eine Privatperson. Der Ort der Leistungserbringungen verlagert sich in diesem Fall von Deutschland nach Luxemburg. Dadurch erfolgt auch dort die Besteuerung. Auf die Leistung muss nun die gültige luxemburgische Umsatzsteuer gezahlt werden.
Diese beträgt momentan 15 Prozent. Ebay ist verpflichtet, die Umsatzsteuer an ein luxemburgisches Finanzamt abzuführen und erstellt zu diesem Zweck eine sogenannte Bruttorechnung – eine Rechnung mit Ausweis der Umsatzsteuer als Zahlungsbestandteil.
Die Rechnung enthält daher beispielsweise folgende Formulierung:
"Gebühren (inklusive 15 % MwSt: € 150,00) Netto € 1000,-; Brutto € 1150,-; zu zahlen: € 1150,-".
Wenn sich das Finanzamt meldet, kann es teuer werden
Auch ein gewerblicher Händler, der über einen privaten Account verkauft, wird von Ebay diese Bruttorechnung bekommen und die 15 Prozent Umsatzsteuer darauf zahlen.
Nicht selten passiert es nun, dass er die Ebay-Rechnung aus Unwissenheit oder Unachtsamkeit zusammen mit anderen Belegen für den Vorsteuerabzug bei seinem Finanzamt einreicht. Die Beamten werden aufgrund des ungewöhnlichen Steuersatzes von 15 Prozent auf der Ebay-Rechnung schnell stutzig und die Konsequenzen lassen zumeist nicht lange auf sich warten:
Zum einen wird ein Vorsteuerabzug auf den Rechnungsbetrag verwährt, da die 15 Prozent Umsatzsteuer nicht nach Deutschland sondern nach Luxemburg geflossen sind. Und zum anderen wird das deutsche Finanzamt natürlich auch nicht auf seine Steuern verzichten. Die Konsequenz: der Unternehmer muss zusätzlich zu den bereits gezahlten 15 Prozent noch einmal 19 Prozent deutsche Umsatzsteuer auf den Nettorechnungsbetrag zahlen.
Diese Doppelbesteuerung kann besonders in der Anfangsphase und bei entsprechend hohen Ebay-Rechnungen für den Unternehmer sehr unangenehm sein. Nicht selten verkleinert sich die kalkulierte Gewinnmarge durch solche Fehltritte bis in den negativen Bereich und was anfangs so einfach und simpel anmutete, entpuppt sich nun als existenzielle Bewährungsprobe.
Darum: besser vorher informieren und die gewerbliche Existenz von Anfang an auf sichere Beine stellen.
Über den Autor
Heiko Beyer ist als Steuerberater bei Ecovis Grieger Mallison tätig. Das Hauptaugenmerk seiner Tätigkeit liegt in der Entwicklung innovativer Beratungsprodukte und -typen. Spezialisiert hat er sich hierbei insbesondere auf die steuerliche und betriebswirtschaftliche Beratung von Onlinehändlern über das Internetportal www.onlinesteuerrecht.de. Seine weiteren Tätigkeitsschwerpunkte liegen in Erstellung sowie Implementierung von Software- und Schnittstellenlösungen im Bereich des Steuerrechts, der Betriebswirtschaft und der Organisation. Des Weiteren ist Herr Beyer als Lehrbeauftragter bei der Ecovis-Akademie und der Fachhochschule Schmalkalden tätig.
Neue Fachbeiträge
-
Online-Marketing
Was man im Umgang mit sozialen Netzwerken beachten sollte
Vor dem Hintergrund der sich immer stärker abzeichnenden Schwächen herkömmlicher Marketinginstrumente wie der Kaltakquise flüchten immer mehr Unternehmen in die Welt der sozialen Netzwerke. In ihnen lassen sich mit wenig Aufwand und geringen Investitionen hohe Erfolgsraten realisieren - so zumindest die Theorie. Viele Firmen aber scheitern in der Online-Welt und stellen nach einigen Monaten enttäuscht fest, dass sie keine neuen Kunden gewonnen, sondern Ansehen verloren haben. Was man im Umgang mit sozialen Netzwerken beachten sollte, erklärt Robert Nabenhauer in seinem Fachbeitrag. mehr
-
Kundenbefragungen
Critical Incident Technique (CIT)
Klassische Kundenbefragungen bleiben meist an der Oberfläche – und sie sind gefährlich. Denn auf ihre mehr oder weniger sorgfältig ausformulierten Fragen erhalten die Interviewer kaum Wahrhaftigkeit, sondern vornehmlich Antworten, die opportun erscheinen oder aber den Befragten vor sich selbst und anderen in ein gutes Licht rücken sollen. Dies passiert in aller Regel nicht absichtlich. Die Ursache liegt vielmehr darin, dass uns der Zugang zum Unbewussten fehlt. Wir machen uns selbst etwas vor. Psychologen nennen das Wahrnehmungsgefängnis. Die Critical Incident Technique kann uns daraus befreien. Lernen Sie mehr über diesen Ansatz im Fachbeitrag von Anne M. Schüller, führende Expertin für Loyalitätsmarketing. mehr
-
Versicherung
Berufsunfähigkeit - Auch für Gründer ein Thema
Wer ein Unternehmen gründet oder führt, sollte sowohl das Gewerbe als auch sich selbst gegen alle möglichen Risiken absichern. Dazu gehört beispielsweise die Absicherung gegen Schadensersatzansprüche Dritter. Aber auch die eigene Arbeitskraft sollte beim Versicherungsschutz nicht außen vor gelassen werden. Einen Einblick ins Thema gewährt uns Juliane Wellisch, Redakteurin bei berufsunfaehigkeit.com, in ihrem Fachbeitrag. mehr
-
Do it yourself
Facebook-Marketing für Gründer
Mit über 22 Millionen Mitgliedern allein in Deutschland ist Facebook unbestritten das soziale Netzwerk Nummer 1. Kaum verwunderlich, dass es auch von Unternehmen unterschiedlichster Größe genutzt wird, um sich der breiteren Online-Öffentlichkeit vorzustellen und eine eigene Community aufzubauen. Doch wie verhält es sich mit Existenzgründern, deren Budget meist begrenzt ist? Welche Möglichkeiten bietet Facebook-Marketing fürs kleine Portemonnaie? Diese Fragen beantwortet Dr. Rebecca Belvederesi-Kochs in ihrem Fachbeitrag. mehr
-
Fachbeitrag
Über Ziele und wie die Chance wächst, diese tatsächlich zu erreichen
Der Jahresanfang ist ja oft der Zeitpunkt, an dem Menschen sich sowohl persönlich als auch beruflich oder für ihr Unternehmen Ziele setzen, Veränderungen erreichen wollen. Nur zu oft werden diese Ziele, obwohl grundsätzlich durchaus realisierbar, letztendlich nicht erreicht, das Vorhaben wieder ad acta gelegt. In seinem Fachbeitrag erklärt Unternehmercoach Jörg Mann wie die Chance wächst, Ziele tatsächlich zu erreichen. mehr
-
Journalisten die Arbeit erleichtern
Der perfekte Pressebereich: Zwölf Tipps und fünf Tabus
Bevor ein Redakteur zum Telefonhörer greift, holt er sich erste Informationen über ein Unternehmen oder eine Person aus dem Netz. Hier bekommen Sie zwölf Tipps für einen perfekten Pressebereich – und fünf Tabus. Zusammengestellt von Ulf-Hendrik Schrader, geschäftsführender Gesellschafter der Aufgesang Public Relations GmbH. mehr
-
Fachbeitrag
Das historisch bedingte Wissen um die Macht einer Geschäftsidee!
Der Blick auf das Unternehmertum, seine Aufgabenbereiche und die daraus resultierenden Entscheidungen gewinnen zunehmend an Bedeutung. Besonders bei jungen Unternehmen hat sich in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten vieles in Bewegung gesetzt und verändert. In ihrem Fachbeitrag wirft Marketingberaterin Nicole M. Pfeffer einen Blick auf das historisch bedingte Wissen um die Macht einer Geschäftsidee. mehr
-
Vertriebsanalyse
Wenn die Umsätze nicht stimmen
Start-ups und junge Unternehmen geraten oft in Schwierigkeiten, weil die Umsätze stagnieren oder sinken, Absatzziele nicht erreicht werden oder die Anzahl der neu geworbenen Kunden zurückgeht. In solchen Situationen ist es hilfreich, den Vertrieb auf den Prüfstand zu stellen, um herauszufinden, ob es Schwachstellen und Optimierungspotenziale gibt. Was es bei einer Vertriebsanalyse zu beachten gilt, erklärt Dipl.-Ing. (FH) Volker Wendeler in seinem Fachbeitrag. mehr
-
Online-Marketing
Vorsicht bei E-Mail-Marketing!
Aus Unternehmersicht ist E-Mail-Marketing eine schnelle, kostengünstige und praktische Methode, um viele potenzielle Kunden zu erreichen. Doch Vorsicht: Grundsätzlich ist E-Mail-Marketing unzulässig, egal ob sich die Informationen an Privatpersonen oder an Gewerbetreibende richten, und unabhängig davon, ob sie explizit als Werbung gekennzeichnet sind oder beispielsweise als Newsletter bezeichnet werden. Zur Vorsicht beim E-Mail-Marketing mahnt Fachanwältin Bettina Krause in ihrem Fachbeitrag. mehr
-
Corporate Branding
Das neue Corporate Branding - konsequent auch für Facebook
Seit der Beliebtheitsgrad sozialer Netzwerke immer weiter steigt, haben sich die Anforderungen an die Selbstdarstellung von Firmen stark verändert. Die Unternehmens-Identität bildet sich in den Köpfen der Menschen über weit mehr Faktoren als zuvor. Das wirkt sich selbstverständlich auch auf die formalen Aspekte der Corporate Identity aus. Einen Einblick in das neue Corporate Branding gibt Gründercoach und Designerin Ulrike Thiel in ihrem Fachbeitrag. mehr
-
Cloud Computing
Geschäftssoftware der Zukunft kommt aus dem Netz
Der klassische Server ist ein Auslaufmodell. Zukünftig werden komplexe Unternehmenslösungen bei Firmen immer weniger vor Ort installiert, sondern über das Internet genutzt. Das sogenannte Cloud Computing ist günstig, flexibel und einfach zu handhaben. Warum die Geschäftssoftware der Zukunft aus dem Netz kommt, erklärt Markus Stahl, Leiter Business Development bei SAP Deutschland, in seinem Fachbeitrag. mehr
anzeige
-
Steuerberater suchen
Jetzt kostenlos und unverbindlich.
mehr...
-
Private Krankenversicherung
Sparen Sie 2.500 EUR pro Jahr bei besserer Leistung.
mehr...
-
Gründerberater suchen und finden
Sie sind Gründerberater? Jetzt eintragen und Vorteile sichern.
mehr...
RSS Feed abonnieren
- Nachrichten Gründer, Start-ups, Investoren Feed abonnieren
- Aktuelle Veranstaltungen Feed abonnieren
- Aktuelle Fachbeiträge Feed abonnieren
förderland-Autor werden
Neue Autoren
- 09.02.2012Robert Nabenhauer
- 31.01.2012Juliane Wellisch
- 26.01.2012Dr. Rebecca Belvederesi-Kochs
- 22.12.2011Ulf-Hendrik Schrader
- 01.12.2011Volker Wendeler
- 25.11.2011Bettina Krause
- Alle Autoren
