Rating und Basel II: Das unterschätzte Risiko?! - Ein Beitrag von Dr. Wolfgang Benzel
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14.02.2007

Unternehmensfinanzierung

Rating und Basel II: Das unterschätzte Risiko?!

Nach wie vor ist die Unternehmensfinanzierung mittels Bankkredit die gängigste Finanzierungsvariante. Dass sich daran trotz alternativer Finanzierungsmöglichkeiten wohl auch allzu schnell nichts ändern wird, ist eine Binsenweisheit. Umso mehr verwundert es, dass bei vielen Unternehmern weiterhin eine mangelnde Sensibilität für das Thema Basel II und Rating zu beobachten ist – entweder weil es nicht bekannt ist oder aber es wird nicht richtig ernst genommen.




Ein Beitrag von Dr. Wolfgang Benzel

Dass in letzter Konsequenz jeder Unternehmer, dessen Fremdkapitalbedarf über eine Bank gedeckt wird, von den Regelungen der Baseler Eigenkapitalvereinbarung aus dem Jahr 1999 betroffen ist, ist den wenigsten bewusst. Denn schließlich wenden die Banken die internen Ratingverfahren nicht nur bei größeren Kreditvolumina, sondern im Wesentlichen grundsätzlich an. Und das schon seit längerer Zeit, obwohl die offizielle Anwendung der Regelungen erst seit Januar 2007 vorgeschrieben ist.

Um was geht es nun bei Basel II und Rating?

Im Jahr 1988 erließen die Bankaufsichtsbehörden der zehn größten westlichen Industrienationen, koordiniert durch die in Basel ansässige Bank für internationalen Zahlungsausgleich, einheitliche Richtlinien für die Eigenkapitalausstattung von Banken. Hierdurch sollte für die Zukunft das Risiko von Bankenpleiten ausgeschlossen werden. Insbesondere sollte für Sicherheit, Solidität und Effizienz im Bankensektor gesorgt werden, damit die Zahlungsfähigkeit des internationalen Bankenwesens gestärkt und gesichert wird.

Dieser heute als "BASEL I" bekannt gewordene Baseler Akkord bestimmte, dass von allen Banken die Gesamtheit aller anrechnungspflichtigen Kredite mit 8 Prozent Eigenkapital zu unterlegen seien. Bei dieser Vorgehensweise spielte die Bonität des einzelnen Kreditnehmers keine Rolle. Die Bepreisung der Kredite war eher statisch, was zur Folge hatte, dass die "guten" Kreditnehmer die schlechten Kredite und damit auch die Ausfälle mitfinanzierten.

Obwohl sich die Richtlinien zunächst nur an international agierende Unternehmen richteten, entwickelten sie sich zum weltweit anerkannten Kapitalstandard für Banken und fanden ihren Niederschlag in den entsprechenden EU-Richtlinien. Aus diesem Grund ist der Baseler Akkord auch die Basis für die entsprechenden deutschen Regelungen zur Bankenaufsicht.

Da die von der Bankenaufsicht vorgegebenen standardisierten Risikoberechnungen die wirtschaftlichen Risiken der Kreditinstitute nur sehr grob und folglich ungenau abbildeten, wurde immer mehr Kritik laut. Die Ausrichtung der Eigenkapitalanforderungen ausschließlich an Kredit- und Marktpreisrisiken entsprachen nicht dem tatsächlichen Risikoprofil einer Bank.

Aus diesem Grund setzte sich der Ausschuss zum Ziel, die erkannten Schwächen zu beseitigen. Dies sollte durch neue Regelungen geschehen, welche den tatsächlichen Risikogegebenheiten der  Eigenkapitalregelungen entsprechen.

Das Ergebnis fand 1999 seinen Niederschlag in einer Neufassung der Eigenkapitalvereinbarung, was unter "BASEL II" Bekanntheit und besondere Aktualität erlangt hat. Wesentliches Element ist die Verfeinerung der Kreditrisiken mittels "Rating".

"Rating" kommt aus dem Englischen und bedeutet soviel wie "Einschätzung, Bewertung". Im deutschen Sprachgebrauch wird unter Rating eine standardisierte Methodik zur Risikobewertung von Kreditengagements durch Banken und/oder Ratingagenturen verstanden.

Untersucht werden sowohl quantitative als auch qualitative Faktoren des Unternehmens. Fragen zu den quantitativen Faktoren, den so genannten "harten Faktoren", befassen sich dabei mit dem Zahlenwerk der Vergangenheit. Demgegenüber beschäftigt sich die Analyse der qualitativen Faktoren, der so genannten "weichen Faktoren", mit Fragen zur Zukunft des Unternehmens, was durch den Unternehmer in Planzahlen abgebildet werden sollte, zur Kontenführung, zur Marktposition, aber auch zur Qualität des Managements.

Das Kreditrating trifft anhand der Analyseergebnisse Aussagen darüber, wie hoch das Risiko einzuschätzen ist, dass der Schuldner seine finanziellen Verpflichtungen, also Zins- und Tilgungsleistungen, nicht vollständig und fristgerecht erfüllen kann. Dabei sollen durch das Rating Wahrscheinlichkeiten über den Eintritt von Zahlungsstörungen während der Laufzeit eines Kredites prognostiziert werden. Die Eintrittswahrscheinlichkeit von Kreditstörungen spiegelt sich wieder in einer Skala, welche mit einer "Benotung" des Unternehmens zu vergleichen ist.

Bewertungsschema der Volksbanken und Raiffeisenbanken
Ein Beispiel einer Ratingskala bietet das Bewertungsschema der Volksbanken und Raiffeisenbanken (siehe Grafik.)

Auf Grund der Tragweite des Themas ist zu empfehlen, sich mit dem zuständigen Sachbearbeiter der Hausbank in Verbindung zu setzen und zu erfragen, wie das Rating ihres Unternehmens ausfällt. Besprechen Sie mit ihm, wo die Knackpunkte in ihrem Fall aus Sicht der Bank liegen und welche Maßnahmen seiner Ansicht nach zu ergreifen, um das Ratingergebnis zu verbessern. Unterstützung kann hier der versierte Steuerberater leisten. Bedenken Sie, dass eine gute Ratingnote die Basis dafür ist, auch zukünftig die Kreditwürdigkeit zu vernünftigen Konditionen zu erhalten.

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Über den Autor

Dr. Wolfgang Benzel, Steuerberater und Diplom-Kaufmann, ist Gesellschafter der Dr. Benzel & Partner Steuerberatungsgesellschaft mit Büros in Rhaunen, Bingen/Rhein, Oberbrombach und Simmern und Autor zahlreicher Publikationen zu steuerlichen und betriebswirtschaftlichen Themen.

Seit 2007 lehrt er als Professor für Steuerrecht und Rechnungswesen an der Provadis School of International Management and Technology AG in Frankfurt/Höchst. Dr. Benzel ist zertifizierter Rating-Analyst.

Kontakt: benzelundpartner@datevnet.de

Dr. Woflgang Benzel ist Autor der im Walhalla Fachverlag erschienen Bücher "Businessplan für Existenzgründer"  und "Rating-Mappe für mittlere Unternehmen".

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