Praxis komplementärer Mittelstandsfinanzierung - in Gesprächen mit Unternehmern dominieren positive Erfahrungen - Ein Beitrag von Dr. Maria Zeller
teaser_fachbeitraege.jpg
12.01.2007

Finanzierungsmöglichkeiten

Praxis komplementärer Mittelstandsfinanzierung - in Gesprächen mit Unternehmern dominieren positive Erfahrungen

Die Turbulenzen bei der Kreditversorgung der mittelständischen Wirtschaft in Deutschland in den letzten Jahren warfen die Frage auf, wie ein Weg aus der Unterkapitalisierung des Mittelstands aussehen könnte.




Ein Beitrag von Dr. Maria Zeller

Zunächst wurde der Ansatz propagiert durch weitere Eigenmittel der Gesellschafter, z.B. Umwandlung von Gesellschafterdarlehen und durch Thesaurierung von Gewinnen die Eigenkapitalseite zu stärken. Diese zweifellos richtigen und von der Signalwirkung wichtigen Maßnahmen reichen aber in der Mehrzahl der Fälle bei weitem nicht aus bzw. dauern so lange, dass eine erkennbare Verbesserung der Eigenkapitalquote nur bedingt erreicht werden konnte.

Eine ganz andere Überlegung geht davon aus, dass Eigenkapital von dritter Seite hinzukommt. Das führte zur Wiederentdeckung von Mezzanine-Produkten wie Nachrangdarlehen, stille Beteiligungen, Genussrechten usw., die mit mehr oder weniger Eigenkapitaleigenschaften ausgestattet werden können und somit Eigenkapital ersetzende oder Eigenkapital ähnliche Bilanzpositionen bilden können.

Die Kriterien, die die Eigenkapitaleigenschaften bestimmen, sind: nachrangig, unbesichert, langfristige Verfügbarkeit und Teilnahme am Verlust. Sie werden nur bedingt von den am Markt angebotenen Produkten erfüllt. Insbesondere bei dem Kriterium "Teilnahme am Verlust" scheiden sich die Geister.

Zunehmend werden in letzter Zeit die Strukturmaßnahmen wie z.B. Bilanzverkürzung und der optimierte Mix von mehreren Finanzierungsinstrumenten (Fremd-, Mezzanine-, Eigenkapitalfinanzierung) im Mittelstand als Lösungs- und Gestaltungsrahmen entdeckt und eingesetzt.
In einer neuen Studie der Rating Services in Kooperation mit Prof. Dr. Manfred Steiner (Universität Augsburg) und Andreas Jorns (F&U Consulting GmbH) werden diese verschiedenen Finanzierungsinstrumente und -methoden für den Mittelstand und die derzeitige Situation am Markt darstellt.

Ein wichtiges Ergebnis dieser Untersuchung ist sicherlich, dass nur bei einem geringen Prozentsatz von mittelständischen Unternehmen praktische Erfahrung mit komplementären Finanzierungen vorliegt. Dies zeigt, dass die Problemschwerpunkte in der Mittelstandsfinanzierung nach wie vor in der Eigenkapitalversorgung und Liquiditätsbeschaffung bestehen.

Bestätigt wird auch, dass bei Unternehmen mit mehr als 10 Mio. EUR Umsatz die Investitionsgrößenordnung für die kommenden 3 Jahre zwischen 1 und 5 Mio. EUR liegt, die vor allem für Neuinvestitionen und Betriebsmittelfinanzierung benötigt werden. Da in dieser Größenordnung die Kreditfinanzierung häufig an den Eigenkapitalanforderungen scheitert, liegt genau in dieser Größenordnung der Schwerpunkt für den Einsatz komplementärer Finanzierungsinstrumente, die dann mit Krediten aufgefüllt werden. Ein typisches Finanzierungsmodell ist 1/3 Mezzanine-Finanzierung und 2/3 Kredit oder je zur Hälfte, je nach Ausgangssituation bezüglich der Eigenkapitalbasis. Das bedeutet, dass die von den Unternehmen am häufigsten benötigten Tranchen bei ca. 0,3 bis 2,5 Mio. EUR liegen. Der Markt bietet aber in der Regel komplementäre Finanzierungen erst ab 1 Mio. EUR an, bzw. einige Anbieter erst ab 3 Mio. EUR oder darüber.

Der Grund liegt im relativ hohen Aufwand und in den prozentual beträchtlichen Einmalkosten für eine Transaktion, was die Margen der Anbieter verringert, so dass geringe Transaktionsvolumina für die Anbieter unattraktiv werden.

Der Zugang zu einer ausreichenden Kapitalversorgung für den Mittelstand gestaltet sich heute zunehmend schwierig: wo findet der mittelständische Unternehmer die Anbieter von komplementärem Kapital, welche Bedingungen müssen erfüllt werden (Investitionskriterien und -voraussetzungen) und welche Finanzierungsinstrumente und -methoden werden angeboten. Die reine Kreditfinanzierung über die Hausbank ist heute nicht mehr so einfach möglich wie noch im 20. Jahrhundert. Der Markt für alternative bzw. komplementäre Finanzierung ist derzeit noch in einer frühen Entstehungsphase. Die Anbieterszene ist noch unübersichtlich, ihre Angebote spezifisch und differenziert. Allgemeingültige Patentrezepte, die für jedes Unternehmen und seine aktuelle Finanzsituation tauglich sind, gibt es nicht.

Praxisnahe Hilfestellung bietet die Studie der Rating Services, indem sowohl Anbieter komplementärer Mittelstandsfinanzierung über ihre Produkte und Leistungen, Anforderungen und Erfahrungen im Mittelstand berichten als auch erfahrene mittelständische Unternehmen selbst zu Wort kommen. Ihre Empfehlungen sind eindeutig und machen Mut zu neuen Finanzierungswegen.
  • Alle empfehlen, sich alternative Instrumente neben der Kreditfinanzierung durch die Hausbank zu nutze zu machen. Es wird nicht erwartet, dass sich die Situation bei den Banken grundsätzlich wieder umkehren könnte.
  • Wichtig ist, sich frühzeitig auf komplementäre Finanzierungsmodelle vorzubereiten. Dies umfasst nicht nur die Analyse des eigenen langfristigen Kapitalbedarfs entsprechend der strategischen Unternehmensplanung, die umfassende Information über die Finanzie-rungsangebote und deren Voraussetzungen, sondern auch die erfolgsbezogene Entwicklung einer transparent darstellbaren und erfolgreichen Unternehmensstruktur und -entwicklung. Unter Zeitdruck kann nur sehr bedingt eine Win-Win-Situation geschaffen werden und eine alternative Finanzierung ist oft aufwändiger als sich mittelständische Unternehmen vorstellen können oder wollen.
  • Soweit in den Unternehmen die eigene Kompetenz nicht ausreicht, sollten sich mittelständische Unternehmen Unterstützung bei Finanz-/ Corporate Finance-Experten holen.
  • Kombinative Finanzierungskonzepte basieren auf einer engeren Partnerschaft zwischen Kapitalgebern und –nehmern. Schließlich wird der Kapitalgeber mehr oder weniger Mitunternehmer. Insofern ist Vertrauen und Offenheit in der Kommunikation von Anfang an sehr wichtig. Unternehmen sollten von Anfang an den konstruktiven Dialog mit Kapitalanbietern nutzen.
  • Kosten-Nutzen-Effekte bestehen für die Unternehmen nicht nur in dem reinen Kapitalzufluss sondern auch in zusätzlichen Leistungen der Finanzpartner (soft facts), die die Unternehmen aktiv nutzen sollten.
  • Die Politik sollte für die Unternehmensfinanzierung der mittelständischen Wirtschaft verlässliche und verbesserte Rahmenbedingungen schaffen.
Die geforderten Voraussetzungen, Covenants und Reportingpflichten, sind - so das Ergebnis der Studie - je nach Kapitalanbieter unterschiedlich, aber aus der Sicht eines längerfristigen Investments und des gewonnenen Haftungskapitals nicht ungewöhnlich:
  • Kompetentes und überzeugendes Management
  • Überzeugendes und Erfolg versprechendes Investitionsvorhaben bzw. Geschäftsmodell , welches die Investitionskriterien der Kapitalanbieter erfüllt
  • Transparenz über die Geschäftsentwicklung
  • Rating, teils auch Due Diligence
  • Covenants entsprechend den Anforderungen der Kapitalgeber/ Anleger 
  • Umfassendes und aussagefähiges Reporting
Fazit: Für mittelständische Unternehmen und damit für die gesamte Volkswirtschaft bieten alternative und innovative Finanzierungsinstrumente gute Chancen. In der kombinativen Anwendung dieser Instrumente zur traditionellen Cashflow- und Kreditfinanzierung ist eine schnellere Umsetzung neuer Ideen am Markt möglich, was für eine konkurrenzfähige Entwicklung der Unternehmen oft sogar notwendig ist.

  drucken        versenden
Bewerten Sie diesen Beitrag:

Durchschnittliche Bewertung:
[ 2 Bewertungen ]

Über den Autor

Dieser Artikel ist mit freundlicher Genehmigung der Rating Services AG zur Verfügung gestellt worden.
Die Rating Services AG führt seit 1999 Ratings im Mittelstandssegment durch und wurde 2005 mit dem "Deutschen Wirtschaftspreis 2005" als "Beste Rating Agentur Deutschlands" ausgezeichnet.

Neue Fachbeiträge

  • Projektmanagement in IT-Start-ups

    IT-Start-ups verschenken Effizienzpotenziale

    Obwohl sich Projekt bezogenes Arbeiten in manchen Start-ups zu etablieren beginnt, ist professionelles Projektmanagement noch vielerorts weitgehend unbekannt. Hauke Thun, Gründer und Inhaber von PM Firefighters, erklärt in seinem Fachbeitrag, wie Start-ups ihre Potentiale mittels Projektmanagement bestmöglich nutzen. mehr
  • E-Commerce

    E-Commerce mit CIVETS im Blick – Chancen und Risiken!

    Nicht nur die BRIC Staaten Brasilien, Russland, Indien und China bieten Chancen für deutsche Unternehmen, die für E-Commerce Zielgruppen auf neuen Märkten suchen. In seinem Fachbeitrag beleuchtet Christian Arno, Gründer des Übersetzungsdienstes Lingo24, die so genannten CIVETS, also die wirtschaftlich aufstrebenden Länder Kolumbien, Indonesien, Vietnam, Ägypten, Türkei und Südafrika. mehr
  • Kundenkontaktpunkt-Management

    Wie man Touchpoint-Projekte erfolgreich macht - Teil 3

    Anne M. Schüller, führende Expertin für Loyalitätsmarketing, erklärt im dritten und letzten Teil ihrer Beitragsserie zum Thema "Touchpoint Management", wie Sie die Mitarbeiter aktivieren, sie tagtäglich mit dem Kunden in Kontakt stehen. mehr
  • Kundenkontaktpunkt-Management

    Wie man Touchpoint-Projekte erfolgreich macht - Teil 2

    Im zweiten Teil ihrer Beitragsserie zum Thema "Touchpoint-Projekte" erklärt Anne M. Schüller, führende Expertin für Loyalitätsmarketing, wie Sie bei Mitarbeitern den "Mein-Baby-Effekt" erzeugen. mehr
  • Kundenkontaktpunkt-Management Teil 1

    Wie man Touchpoint-Projekte erfolgreich macht

    Anne M. Schüller ist zehnfache Buch- und Bestsellerautorin und gilt als Europas führende Expertin für Loyalitätsmarketing. Kürzlich veröffentlichte sie ihr neuestes Buch mit dem Titel „Touchpoints – Auf Tuchfühlung mit dem Kunden von heute“. In einer dreiteiligen Beitragsserie auf förderland gibt Anne M. Schüller jetzt eine Einführung ins Thema. mehr
  • Cloud Software

    Cloud Software für Existenzgründer – Was sollte beachtet werden?

    Als Existenzgründer sind viele Entscheidungen zu treffen. Neben der Durchführung, Steuerung und Kontrolle des Geschäftsbetriebs müssen auch verschiedene Fragen bezüglich der Nutzung von Unternehmenssoftware beantwortet werden. Frank Elsenbruch von der Scopevisio AG aus Bonn geht in seinem Fachbeitrag der Frage nach, was Gründer beim Einsatz von Software aus der Cloud beachten sollten. mehr
  • SEO

    Suchmaschinenoptimierung mal anders. Ein Blick hinter das System ...

    Suchmaschinenoptimierung: Oft gehört, aber nie wirklich verstanden was Suchmaschinenoptimierung ist und vor allem, wie es funktioniert. Eines können wir bereits ausschließen, Suchmaschinenoptimierung bedeutet nicht, auch wenn es klingt, dass eine Suchmaschine optimiert wird. Einen Blick hinter das System gewährt uns heute Korhan Parlar, Gründer und Geschäftsführer der SEOvista aus Berlin. mehr
  • Empfehlungsmarketing

    10 schriftliche Verstärker in Sachen Empfehlungsmarketing

    Die gute alte Mundpropaganda, die vor Jahrmillionen an den Lagerfeuern begann, erlebt gerade einen mächtigen Wandel. Die Social Media und der Hype um trendige Smartphones sind die wesentlichen Treiber dafür. Empfehlungen sind inzwischen der Kaufauslöser Nummer eins. Damit rückt das Empfehlungsmarketing an die vorderste Stelle im Marketingplan. Mithilfe der folgenden 10 Tipps von Anne M. Schüller können Sie Andere auf schriftliche Weise ermuntern, Ihre Angebote aktiv zu empfehlen. mehr
  • Empfehlungsmarketing

    10 Verstärker in Sachen Online-Empfehlungsmarketing

    Das größte Empfehlungsnetzwerk, das es je gab, heißt Social Web. Die gute alte Mundpropaganda verlagert sich immer mehr ins Internet. Das klassische Weitererzählen erlebt als digitaler Consumer-Content eine unbändige Renaissance. "Social Sharing" wird dies auch genannt. 10 Verstärker in Sachen Online-Empfehlungsmarketing stellt Anne M. Schüller, führende Expertin für Loyalitätsmarketing, in ihrem aktuellen Fachbeitrag vor. mehr
  • Empfehlungsmarketing

    10 mündliche Verstärker in Sachen Empfehlungsmarketing

    Wir leben in einer neuen Businesswelt. Heute ist alles "like" oder "dislike". Da müssen Unternehmen zunehmend zeigen, dass sie zu den wirklich Guten gehören. Am wirkungsvollsten ist es, wenn dies nicht vom Anbieter selbst behauptet, sondern von seinen begeisterten Kunden bezeugt wird. Die von enthusiastischen Fans persönlich ausgesprochenen Empfehlungen, Hinweise und Tipps sind heutzutage der Kaufauslöser Nummer eins. 10 mündliche Verstärker in Sachen Empfehlungsmarketing empfiehlt Anne M. Schüller, führende Expertin für Loyalitätsmarketing, in ihrem Fachbeitrag. mehr
  • Fachbeitrag

    Unternehmensgründung mit Erfolg: Darauf kommt es an!

    Viele Gründer beschäftigen sich mit scheinbar wichtigen Fragen im Vorfeld einer Unternehmensgründung. Diese Fragen stellen sie dann womöglich kompetenten Steuerberatern, Gründungsberatern und anderen Experten. Auf den ersten Blick ist dies ja auch sehr positiv. Doch leider hört man immer wieder die gleichen Fragen – Fragen, die so gut wie nichts mit dem künftigen Erfolg oder Misserfolg des Unternehmens zu tun haben. Worauf es wirklich ankommt, erklärt Unternehmensberater Martin Grünstäudl in seinem Fachbeitrag. mehr

anzeige

förderland-Newsletter

Close