
Dokumentenmanagement
Objektorientiert versus relational – Datenbanktheorie für Nicht-Informatiker!
Während meiner Arbeit im Bereich des Dokumentenmanagement wurde ich oftmals mit den Begriffen der relationalen und objektorientierten Speicherung von Daten in Datenbaken konfrontiert.
Ein Beitrag von Pia Heine
Schnell lernte ich, welcher Hersteller, welches Modell anwendet und dass allgemein das relationale Modell weiter verbreitet ist, obwohl das objektorientierte Modell für Dokumentenmanagement vorteilhafter wäre. Dann fragte mich mal ein Kunde, was denn eigentlich der Unterschied sei – und so genau konnte ich ihm das leider auch nicht erklären. Unzufrieden mit mir selbst habe ich mich also hingesetzt, Bücher gewälzt, im Internet recherchiert und Entwickler und Datenbankspezialisten ausgefragt. Kennen Sie den Unterschied? Falls nicht, möchte ich die folgenden Zeilen nutzen, um ihnen einen kleinen Einblick in die Welt der Datenbankmodellierung zu geben.
Was sind Datenbanken?
Datenbanken speichern Informationen innerhalb einer einheitlichen Systematik. Sie speichern diese Daten beispielsweise auf der Festplatte, sodass die Daten auf gleiche Weise dauerhaft wieder aufgerufen werden können.
Wie diese Daten gesucht und gefunden werden können und wie Rechte hinsichtlich der Informationen verwaltet werden, entscheidet ein übergeordnetes Datenbankmanagementsystem. Im Bereich des Dokumentenmanagement gibt es zwei populäre Arten der Datenbankmodellierung. Zum einen die relationale und zum anderen die objektorientierte Speicherung von Daten. Was bedeuten diese Begriffe nun eigentlich?
Relationale Datenbanken
Im relationalen Modell werden Daten innerhalb zweidimensionaler Tabellen mit einer festen Anzahl Spalten und einer beliebigen Anzahl Zeilen gespeichert. Die Spalten stehen dabei jeweils für eine Ausprägung, die Zeilen für einen Datensatz.
Nun schließt Herr Müller einen Vertrag über eine Haftpflichtpolice ab. Zu diesem Datensatz gibt es dann zwei Tabellen (siehe Tabelle 2).
Eine Tabelle verwaltet sämtlich Dokumententypen. Die andere Tabelle stellt den Vertrag von Herrn Müller dar. Die Tabellen referenzieren aufeinander, sodass das Datenbankmanagementsystem weiß, dass die Dokumentenypnr. 4 auf den Dokumententyp Vertrag hinweist.
Damit das Datenbankmanagementsystem sieht, dass der Vertrag zu Herrn Müller gehört, bekommt Herr Müller von Anfang an eine Kundenummer, welche auch in der Tabelle des Vertrages auftaucht und beide Tabellen verbindet (siehe Tabelle 3).
Im Laufe der Zeit schließt Herr Müller viele Verträge ab und jeder bekommt eine eigene Tabelle, welche über die Kundennummer auf Herrn Müller verweist. Wenn man dann nach den Verträgen von Herrn Müller sucht, durchsucht das Datenbankmanagementsystem alle Tabellen der Datenbank nach der Ausprägung Herr Müller. Es findet die Kundennr. 123 als Referenz. Außerdem sucht es nach dem Dokumententyp Vertrag und findet die Dokumententypnr. 4 als Referenz. Dann sucht es nach allen Tabellen, in denen diese beiden Ausprägungen vorkommen. Sie können sich vorstellen, dass das noch viel komplizierter werden kann, je spezieller die Suche ist.
Jetzt nehmen wir einmal an, Herr Erwin Müller heiratet Elke Fröhlich aus der Kornblumenstraße. Herr Müller ist ein fortschrittlicher Mensch und seinen Nachnamen konnte er eh noch nie so richtig leiden. Daher nimmt er den Namen seiner Frau an und zieht zu ihr. Selbstverständlich meldet er dies seiner Versicherung. In der Datenbank wird dann die erste Tabelle dementsprechend geändert (siehe Tabelle 4).
Damit ändert sich aber in der Datenbank der gesamte Zusammenhang seiner Verträge. Laut Datenbank hat nun Herr Erwin Fröhlich sämtliche Verträge abgeschlossen und es ist auf den ersten Blick nicht zu erkennen, dass Herr Fröhlich damals noch Müller hieß. Wenn jetzt ein älterer Kollege sich an Herrn Müller erinnert und nach ihm in der Datenbank sucht, wird er Mühe haben, ihn zu finden.
Soviel zu Systematik und ersten Problemen bei relationalen Datenbanken.
Über den Autor
Pia Heine arbeitet nach beratenden Tätigkeiten innerhalb des Produkt- und Kundenmanagement als Leiterin Marketing bei der Drivve GmbH & Co. KG. Das Unternehmen ist spezialisiert auf Software der Bereiche Customer Relationship Management, Dokumenten- und Workflowmanagement. Die strukturierte, digitale Verwaltung, Bereitstellung und Archivierung von Informationen verschafft ent-scheidende Wettbewerbsvorteile. Um Unternehmern fundierte Informationen im Bereich IT zu erschließen, veröffentlicht Pia Heine Fachartikel zu aktuellen Themen dieser Branche.
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